Hausarbeit von Lydia Niewiarowski Seite 2
Propädeutikum Pflegewissenschaft
Hausarbeit Titel: Das Pflegeprozess
Inhaltverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Entwicklung von Pflegeprozess
3. Was ist Pflegeprozess
3.1 Die allgemeinen Grundlagen des Pflegeprozesses
3.2 Definition des Pflegeprozesses
3.3 Aufbau des Pflegeprozesses
3.4 Die Phasen des Pflegeprozesses
3.4.1 Einschätzen des Pflegebedarfs
3.4.2 Planen der Pflege
3.4.3 Durchführen der Pflege
3.4.4 Evaluieren der Pflege
3.5 Dokumentation
4. Anwendung des Pflegeprozesses in der Praxis auf einer Intensivstation
4.1 Die heutige Praxis
4.2 Besonderheiten der Pflegeplanung auf einer
Intensivstation
4.3 Auf ein ATL- Modell basierende Pflegeplanung für
einen Intensivpatienten
5. Schluss
6. Literaturnachweis
1. Einleitung
Mit der folgenden Hausarbeit, soll versucht werden das Pflegeprozess näher zu betrachten.
Zuerst wird auf die historische Entwicklung eingegangen. Hier werden auch allgemeinen Grundlagen, Voraussetzungen, Aufbau und Auswirkungen des Pflegeprozesses dargestellt.
Ein Fallbeispiel soll zeigen, ob der Pflegeprozess auf einer Intensivstation überhaupt anwendbar ist.
Da es hinsichtlich der Literatur eine Fülle von Veröffentlichungen zum Thema Pflegeprozess gibt, wurde auf einige ausgewählte Quellen zurückgegriffen.
Den Schluss bildet eine Zusammenfassung der vorgestellten Arbeit. Das Ziel dieser Hausarbeit ist ein Einblick in den momentanen Entwicklungstand des Pflegeprozesses in der Pflege, zu geben.
2. Historische Entwicklung von Pflegeprozess
Um den Pflegeprozess und dessen Grundlagen besser verstehen zu können, ist es
notwendig einen kurzen historischen Abriss, über die Entstehung des Pflegeprozesses
zu geben.
Die Vorstellung Pflege als einen Prozess zu betrachten, entstand in den 50er Jahren in
den USA (Mischo-Kelling und Zeidler, 1992).
Als maßgebliche Pflegetheoretikerinnen werden F.G. Abdellah, V. Henderson, D.E.
Orem und I.J. Orlando genannt. Yura und Walsh haben 1967 das erste umfassende Buch
zum Pflegeprozess veröffentlicht. Sie nennen als Urheber des Prozessgedankens u. a. H.
Peplau (1952), L. Hall (1955), D. Johnson (1959) und I. J. Orlando (1961).
Die genannten Pflegetheoretikerinnen versuchten die Pflege, zu beschreiben, dabei
wurden folgende Fragen diskutiert:
v Was ist Pflege?
v Was macht Pflege aus?
v Welche Rolle spielen die Pflegenden in der Gesundheitsversorgung?
Diese Fragen haben heute nicht an Aktualität verloren.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich das Gesundheitswesen sehr rasch, was
auch die Pflege betraf. Die Fortschritte der Medizin, welche sichtbar wurden in u.a.
neuen Therapien und Medikamenten, brachten eine Verlagerung der
Krankenversorgung in die Kliniken mit sich. Hinzu kam, dass die Erhaltung der
Gesundheit als ebenso wichtig betrachtet wurde, wie die Heilung von Krankheiten. Das
alles führte zu der Ent stehung von neuen Berufen im Gesundheitswesen. Gleichzeitig
wurde die Reformierung der Pflegeausbildung gefordert. So bestand in den USA ab den
50er Jahren die Gelegenheit, Pflege auf dem College oder an der Universität, zu
studieren (Mischo-Kelling und Ze idler, 1992).
In Deutschland wurde beginnend in den 70er Jahren und verstärkt im Lauf der 80er
Jahre über die Pflegeplanung diskutiert.1985 wurde die Einführung des Pflegeprozesses
durch die verabschiedete Ausbildungs- und Prüfungsverordnung für Berufe in der
Krankenpflege (KrPflAPrV) unerlässlich.
Die Grundidee Pflege als Prozess zu sehen, entstand aus verschiedenen Gedanken
heraus. Dies waren:
v Eine Individuelle Pflege zu praktizieren:
v Physische uns auch psychosoziale Probleme des Menschen erkennen uns ihm bei deren Bewältigung helfen zu können;
v Den wissenschaftlichen Aspekt der Pflege hervorzuheben;
v Das Bestreben die Rolle der Pflegenden rechtlich als eine unabhängige, professionelle und eindeutige zu verankern (Mischo-Kelling und Zeidler,
1992).
Diese Erwartungen, forderten Pflege geplant und überprüfbar durchführen zu können.
Die Ansätze einer systematischen Pflege sind im Bereich der Rehabilitation entstanden. Hier folgt ein kurzer Einblick in der Entwicklung von Pflegeplänen.
Erste Phase von 1900-1940 teilweise bis den siebziger Jahren beinhaltet Fallstudien mit Betonung auf medizinische Aspekte.
Zweite Phase bis ende der dreißiger Jahre hob die pflegerische Versorgung und die pflegerischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Erkrankung hervor. Der Patient wurde als Mensch und nicht als Fall betrachtet.
Dritte Phase von Vierziger bis frühen siebziger Jahre kennzeichnet Einführung der Funktionspflege, mit dem Ziel, dass personenbezogene Pflege erreicht wird. Die vierte, mit den frühen siebziger Jahren einsetzende Phase steht in engen Zusammenhang mit der Bildung einer Kommission für Krankenhausakkreditierung (JCAH- Joint Commissions on the Accreditation of Hospitals, es handelt sich um eine auf Selbstverwaltungsbasis arbeitende, von Ärzten und Krankenha usverbänden getragene Zulassungskommission, die zahlreiche Einzelheiten innerhalb des Krankenhauses kontrolliert).. Diese Kommission gibt z.B. vor, dass für jeden Patienten ein schriftlicher Pflegeplan erstellt werden muss (Mischo-Kelling und Zeidler, 1992). Inzwischen wird die Fünfte Phase eingeleitet. In dieser Phase werden die pflegerische und medizinische Pläne zusammengeführt und auf einander abgestimmt.
Doch hiermit ist die Diskussion über den Pflegeprozess sicher noch nicht abgeschlossen. Der Pflegeprozess unterliegt selbst dem Prozess der Veränderung.
3. Was ist der Pflegeprozess?
3.1 Die allgemeinen Grundlagen des Pflegeprozesses
Die Basis des Pflegeprozesses bilden verschiedene Grundlagen. Auf diese soll nun näher eingegangen werden.
Dem Pflegeprozess liegt die entscheidende Frage, „Was ist Pflege?“, zu Grunde. Es gibt hierüber verschiedene Meinungen. Diese orientieren sich an unterschiedlichen Menschenbildern und Auffassungen von Gesundheit und Krankheit.
Yura und Walsh bezeichnen als das Gebiet der Pflege „... die Bewahrung, die Pflege (Hege), die Erhaltung, und die Förderung der Integrität aller menschlichen Bedürfnisse“. ( zit. 1988, nach Mischo-Kelling und Zeidler, 1992, S.6) Es gibt auch Definitionen die eine sehr medizinische Vorstellung von Pflege darstellen. In diesem Zitat wird jedoch auch deutlich, dass die Pflege in Beziehung zum Patienten treten muss. Denn nur so ist Zuwendung und Betreuung gleichermaßen möglich. Fiechter und Meier (1981, S. 31) sagen: „Pflege ist ein zwischenmenschlicher Beziehungsprozess, bei dem zwei Personen (Pflegender und Gepflegter) zueinander in Kontakt treten, um ein gemeinsames Ziel, das Pflegeziel, zu erreichen.“
Pflege ist also ein Prozess, der das Entstehen einer Beziehung zum Wesen hat. Nur wie bestimmen die Pflegenden ein gemeinsames, zu erreichendes Ziel?
Yura und Walsh (zit. 1988, nach Mischo-Kelling und Zeidler, 1992, S. 6) sagen, dass „ Pflegeprozess ist eine geordnete, systematische Art und Weise der Bestimmung des Gesundhe itszustandes des Klienten, der Bestimmung von Problemen... zur Erstellung von Plänen, zu deren Lösung, zur Initiierung und Umsetzen der Pläne... und zu Bewertung... für die Lösung der erkannten Probleme...“ Sie betonen, dass der Pflegeprozess der Kern der Pflege ist, anwendbar im jedem Praxisfeld und innerhalb jeden Bezugsrahmen.
Der Prozessgedanke mündete in dem Begriff des Pflegeprozesses. Darauf wird nun näher eingegangen.
3.2 Definition des Pflegeprozesses
Es gibt inzwischen viele Definitionen des Pflegeprozesses. Deshalb sollen nur folgende erwähnt werden.
Eine der bekanntesten in Deutschland wurde von Fiechter und Meier (1981) verfasst: „ Der Krankenpflegeprozess besteht aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigen Überlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung, also auf ein Ziel hin aus gerichtet sind und im Sinne eines Regelkreises einen Rückkopplungseffekt (feed back) in Form von Beurteilung und Neuanpassung enthalten“.
Im großen und ganzen stellt der Pflegeprozess ein problemlösendenden Vorgang dar, der sich an den spezifischen Bedürfnissen und Problemen des Patienten orientiert. Yura und Walsh (1988) schreiben in der fünften Auflage ihres Buches zum Pflegeprozess: „Menschliche Bedürfnistheorien bilden die theoretische Substanz und Wissensgrundlage für die Anwendung des Pflegeprozesses und definieren das
Territorium für die Praxis einer clientzentrierten Pflege“ (zit.1988, nach Mischo-Kelling und Zeidler, 1992, S. 6) Bezugsrahmen dafür sind Theorien über menschliche Bedürfnisse und Motivationen. Der Pflegeprozess zerfällt in eine bestimmte Anzahl geplanten Handlungen, die dazu dienen, das Ziel zu erreichen.
Er wird dadurch charakterisiert, dass es sich um geordneten, systematisch und bewussten Prozess handelt. Er beinhaltet vier bis sieben Phasen, deren Dauer, Intensität und Reihenfolge variieren können. Die Phasen können untersucht und analysiert werden.
Quote paper:
Lydia Niewiarowski, 2003, Der Pflegeprozess, Munich, GRIN Publishing GmbH
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