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Der Eingriff in die sprachliche Alltagswelt...Propagandistische Sprache im Nationalsozialismus als erfolgsorientierte Kommunikationsform

Title: Der Eingriff in die sprachliche Alltagswelt...Propagandistische Sprache im Nationalsozialismus als erfolgsorientierte Kommunikationsform

Seminar Paper , 2003 , 21 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Anke Sißmeier (Author)

Communications - Media History
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Entartung, Volksgemeinschaft oder Deutsches Jungvolk – wer diese und ähnliche Worte heute öffentlich ausspricht, kann sich kritischer Blicke sicher sein. Denn mit ihnen wird zwangsläufig die nationalsozialistische Vergangenheit Deutschlands assoziiert. Nicht umsonst wurde Justiz-Bundesministerin Däubler-Gmelin ihres Amtes verwiesen. Nicht umsonst musste der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Jürgen Möllemann das Feld räumen. Die historische Vergangenheit Deutschlands ist noch lange nicht überwunden. Und diese scheint von einer spezifischen Sprache gekennzeichnet – ansonsten würden obige und ähnliche Worte heute nicht mehr derartige Wirkungsweisen hervorrufen.
Deutschland unter der Herrschaft des Nationalsozialismus – heute fragt man sich: wie konnte es nur soweit kommen? Die Verbreitung einer schier wahnwitzig erscheinenden Ideologie, die von solchem Ausmaß war, dass Hunderttausende ihr Leben ließen, dass millionenfacher Mord legitim schien. Im Geschichtsunterricht erfahren die Schüler einen Erklärungsansatz, der zumindest das Geheimnis der Massenmobilisierung lüften soll: das Zauberwort heisst Propaganda. Sie sei es gewesen, die einen Großteil der Bevölkerung zur Anhängerschaft des Nazi-Regimes degradierte. Sie soll selbständig denkende Menschen zum blindlings gehorsamen Fanatismus oder zumindest zu übersteigertem Patriotismus und treuer Vaterlandsliebe gezwungen haben.
Sprache repräsentiert eines der wichtigsten Werkzeuge der Propaganda im Dritten Reich. In Flugblättern, in den Medien, in Reden und auch in der alltäglichen zwischenmenschlichen Kommunikation scheint der Sprachgebrauch die Bevölkerung jener Zeit wiederzuspiegeln. Propagandistische Sprache präsentiert eine Form der erfolgsorientierten Kommunikation. Diese war im Dritten Reich rein darauf ausgelegt, das Volk für die Führung des Nazi-Regimes zu gewinnen und es zu einer willenlosen Gefolgschaft zu manipulieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Propaganda im Dritten Reich

2.1 Propaganda und Sprache: Strategien und Ziele im Nationalsozialismus

2.2 Die Macht des gesprochenen Wortes: Medialität propagandistischer Sprache

3 Die neue Sprachpraxis des Nationalsozialismus: Mittel und Ziele der Propaganda

3.1 Hitler- der moderne Christus? Sprache und Führerkult im Dritten Reich

3.2 Schürung des Gemeinschaftsgefühls und Nationalpathos

3.3 Verbalisierter Antisemitismus und militaristische Sprache

4 Propagandistische Sprache und ihr Zugang zur Gesellschaft

4.1 Sprache als soziales Phänomen

4.2 Propaganda zur Modifikation gesellschaftlicher Normen

5 Resümee

Zielsetzung & Themen

Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, die Gelingensbedingungen der propagandistischen Sprache im Nationalsozialismus als eine spezifische, erfolgsorientierte Kommunikationsform zu analysieren und deren tiefgreifenden Einfluss auf die Wahrnehmung, das Denken und das gesellschaftliche Handeln der Bevölkerung aufzuzeigen.

  • Mechanismen der Massenbeeinflussung durch propagandistische Sprachstrategien
  • Die Rolle von Sprache bei der Etablierung des Führerkultes und Nationalpathos
  • Strategien zur sprachlichen Ausgrenzung und Diffamierung (Antisemitismus)
  • Die mediale Ausrichtung auf Mündlichkeit und deren psychologische Wirkung
  • Sprache als Instrument zur Umstrukturierung gesellschaftlicher Normen und Werte

Auszug aus dem Buch

3.1 Hitler- der moderne Christus? Sprache und Führerkult im Dritten Reich

«Wie Jesus die Menschen von der Sünde und Hölle befreite, so rettete Hitler das deutsche Volk vor dem Verderben. Jesus und Hitler wurden verfolgt, aber während Jesus gekreuzigt wurde, wurde Hitler zum Kanzler erhoben. Während die Jünger Jesu ihren Meister verleugneten und ihn im Stiche ließen, fielen die sechzehn Kameraden für ihren Führer. Die Apostel vollendeten das Werk ihres Herrn. Wir hoffen, dass Hitler sein Werk selbst zu Ende führen darf. Jesus baute für den Himmel, Hitler für die deutsche Erde.»

Der Auszug aus dem Schuldiktat von 1934 verdeutlicht den hohen Stellenwert, den eine einzige Person für die Bevölkerung eines Landes einnahm. Die Mächtigen neben dem Diktator erscheinen nebensächlich: im totalitären deutschen Staat regierte Hitler und er verkörperte die ultimative politische Spitze, wie sie heute undenkbar wäre. Propaganda verhalf auch hier gezielt zur Schaffung jenes Führerkultes.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der nationalsozialistischen Sprachprägung ein und definiert die Hausarbeit als Untersuchung der propagandistischen Sprache als erfolgsorientiertes Instrument der Massenmanipulation.

2 Propaganda im Dritten Reich: Dieses Kapitel erläutert die strategische Ausweitung der Propaganda vom Wahlkampfmittel zum totalitären Machtinstrument und analysiert die mediale Bedeutung der Mündlichkeit gegenüber dem Schriftlichen.

3 Die neue Sprachpraxis des Nationalsozialismus: Mittel und Ziele der Propaganda: Hier werden zentrale sprachliche Stilmittel wie Superlativismus und Wiederholung sowie deren Anwendung für Führerkult, Gemeinschaftsgefühl und Antisemitismus untersucht.

4 Propagandistische Sprache und ihr Zugang zur Gesellschaft: Dieser Abschnitt analysiert das Verhältnis von Sprache und Gesellschaft und wie die NS-Propaganda durch den gezielten Eingriff in die Alltagssprache gesellschaftliche Normen umstrukturierte.

5 Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die nationalsozialistische Sprache eine strategiegeleitete Kommunikationsform war, die massiv in das Denken und Handeln der Individuen eingriff.

Schlüsselwörter

Nationalsozialismus, Propaganda, Sprachwissenschaft, Massenmobilisierung, Führerkult, Antisemitismus, Linguistik, Lingua Tertii Imperii, Manipulation, Ideologie, Gemeinschaftsgefühl, Medialität, Sprachgebrauch, Wertekonsens, Massenpsychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie der Nationalsozialismus Sprache als gezieltes Werkzeug einsetzte, um das Denken und Handeln der Bevölkerung zu manipulieren und die NS-Ideologie zu verankern.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen den Führerkult, die Schürung eines nationalen Gemeinschaftsgefühls, die Verbreitung von Antisemitismus sowie die Transformation gesellschaftlicher Normen durch Sprache.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Ziel ist es, die spezifischen "Gelingensbedingungen" der nationalsozialistischen Propaganda zu identifizieren, die es ermöglichten, Sprache zu einer erfolgsorientierten Kommunikationsform zu machen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine linguistisch orientierte Untersuchung, die auf der Analyse zeitgenössischer Texte, Reden und Dokumente (u.a. Klemperers LTI) basiert.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die sprachlichen Mittel der Propaganda, die mediale Wirkung der Mündlichkeit sowie die gezielte Umgestaltung von Wortbedeutungen und Begriffswerten.

Welche Keywords charakterisieren die Untersuchung?

Kernbegriffe sind Propaganda, Manipulation, Massenmobilisierung, Führerkult, Antisemitismus und Sprachwirklichkeit.

Wie wurde der Führerkult sprachlich konstruiert?

Durch die Imitation religiöser Terminologie und biblischer Satzbauweisen wurde Hitler in eine messianische Rolle gerückt, was das NS-System als "gottgewollt" erscheinen ließ.

Warum war der Rundfunk so entscheidend für die Propaganda?

Der Rundfunk ermöglichte eine direkte, mündliche Ansprache der breiten Masse, wodurch die emotionale Wirkung und die psychologische Überzeugungskraft, die Hitler in seinen Reden anstrebte, maximiert wurden.

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Details

Title
Der Eingriff in die sprachliche Alltagswelt...Propagandistische Sprache im Nationalsozialismus als erfolgsorientierte Kommunikationsform
College
RWTH Aachen University  (Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaften)
Course
Proseminar: Interpretieren und Verstehen. Einführung in die Verstehenstheorie
Grade
2,0
Author
Anke Sißmeier (Author)
Publication Year
2003
Pages
21
Catalog Number
V13805
ISBN (eBook)
9783638193566
Language
German
Tags
Eingriff Alltagswelt Propagandistische Sprache Nationalsozialismus Kommunikationsform Proseminar Interpretieren Verstehen Einführung Verstehenstheorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anke Sißmeier (Author), 2003, Der Eingriff in die sprachliche Alltagswelt...Propagandistische Sprache im Nationalsozialismus als erfolgsorientierte Kommunikationsform, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13805
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