Beispiel wäre dies für 80% der Befragten Im Bereich negativer Gewinne, oder besser mindestens die Differenz aus 0,8 4000 + gesagt im Verlustbereich, verläuft die Funktion 0,2 0 = 3200 und 3000, also ein Geldbetrag ähnlich wie im positiven Gewinnbereich. Auch von mindestens 200. hier werden höhere Verluste im Bezug zu ihrem negativen Nutzen weniger stark Dieses Phänomen begründen die beiden
bewertet, als Verluste in geringer Höhe Psychologen zum einen mit einer leicht
(konvexer Verlauf). veränderten, der von D. Bernoulli vermuteten Form der Nutzen- oder Wertefunktion Vergleicht man allerdings zwei Gewinnbeträge (Bernoulli, 1954). Zum anderen übe die submit unterschiedlichen Vorzeichen, beispielsjektive Gewichtung der Wahrscheinlichkeit, weise +10 EUR und -10 EUR, so wird der Ver-formal ausgedrückt durch eine Gewichtungslust, also der negative Wert, subjektiv stärker funktion, einen hohen Einfluss auf den eingeschätzt als der entsprechende positive Geldwert. Der Verlauf der Funktion wird der Entscheidungsträger aus. Tatsache gerecht, dass sich der Mensch Die Nutzenfunktion beschreibt den monetären
zeitlich länger damit beschäftigt, wie ein Wert eines Gewinnes (Erwartungswert) in
Geldverlust X zu vermeiden ist, als dass er sich Bezug zum subjektiven Wert für den
mit der Frage auseinandersetzt, wie er den Menschen. (Anm.: Anders als Bernoulli gehen
Geldwert X als Gewinn verbuchen kann. die beiden Autoren nicht von dem absoluten
Dieser letztgenannte Zusammenhang wurde Vermögen des Menschen aus, sondern von
nicht nur durch die beiden erwähnten dem zu erzielenden Gewinn.)
Psychologen empirisch nachgewiesen
(Kahneman & Tversky, 1979), sondern auch
Die Nutzenfunktion ist in Abbildung 1 darvon anderen Wissenschaftlern bestätigt, siehe
gestellt.
(Fishburn & Kochenberger, 1979; Hershey &
träger unwahrscheinliche Ereignisse über-
Ereignisse unterbewertet (Kahneman & Im Bereich positiver Gewinne fällt mit
Tversky, 1979). Der Zusammenhang zwischen steigendem monetärem Wert die Steigung der
vorgegebener Wahrscheinlichkeit und
Funktion ab (konkaver Verlauf). Dies ist
subjektiver Bewertung wird in Abbildung 2 gleichzusetzen mit der Aussage, dass
verdeutlicht.
beispielsweise ein möglicher Gewinn von Dieses Phänomen der Über- bzw. Unter-3000.- EUR zwar absolut gesehen einen bewertung verdeutlichen die beiden höheren Nutzen als 30.- EUR aufweist. Die Psychologen anhand zwei gut vergleichbarer Relation subjektiver Nutzen des höheren Fragestellung eines Experiments. (Kahneman Gewinns zu seinem monetären Wert weist & Tversky, 1982). jedoch ein kleineres Verhältnis auf.
Daniel Glose 2
Frage 1: Stellen Sie sich ein zweistufiges Spiel Die erste Frage ist charakterisiert durch eine vor. In der ersten Stufe bestehe die sequentielle Problemstellung, die zwei Stufen Wahrscheinlichkeit von 75% aus dem Spiel umfasst. Es scheint so, als ignoriere der auszuscheiden und eine 25%ige Wahr- Menschdie erste Stufe. Dies führe dazu, dass scheinlichkeit die nächste Stufe zu erreichen. die Ergebnisse annähernd die gleichen sind, Erreichen Sie die zweite Stufe, haben Sie wie wenn die erste Stufe aus der Fragestellung folgende Wahlmöglichkeiten: gänzlich entfallen würde. Dies würde das A: Ein sicherer Gewinn von 30$. Problem auf das erstgenannte Beispiel in B: Eine 80%ige Wahrscheinlichkeit 45$ zu diesem Text reduzieren. Man spricht hier von - -certainty) gewinnen.
Die Entscheidung A oder B muss bereits vor (Kahneman & Tversky, 1982). dem Spiel gefällt werden. Als weiterer Punkt wird angeführt, dass der Frage 2: Welche der beiden Wahlmöglich- pseudo-sichereGewinn (Antwort A) von den keiten würden Sie bevorzugen? Probanden im Vergleich zum hoch wahr- C: 25%igeWahrscheinlichkeit 30$ zu gewinnen scheinlichen Gewinn (Antwort B) überge- D: 20%igeWahrscheinlichkeit 45$ zu wichtet wird. Dies ist auf die Nichtlinearität der Gewichtungsfunktion zurückzuführen, vgl. gewinnen. Abbildung 2.
Obwohl die beiden Antworten A und C sowie B und D den gleichen Erwartungswert Es lässt sich also allgemein sagen, dass das besitzen, also objektiv gleichwertig sind, menschliche Entscheidungsverhalten abhängt entschieden sich 74% der Befragten für vom subjektivem Nutzen und der subjektiven Antwort A, aber nur 42% für Antwort C. Somit Gewichtung der vorgegebenen Wahrentschlossen sich 26% aller Probanden für scheinlichkeit für das Eintreffen eines Gewinns oder Verlustes. Zwar wurden die beiden Antwort B und 58% für Antwort D. Gründe in einen funktionalen Zusammenhang
wertes die menschlichen Entscheidungen
Als Gründe für die unterschiedlichen punkt und zur Charakterisierung des Ergebnisse nehmen die beiden Psychologen menschlichen Verhaltens. zwei Annahmen an: Zum einen beeinflusse die Aussagen über das wahrscheinliche Eintreffen
Rahmenbedingung der Fragestellung und zum eines Ereignisses sind somit immer als
anderen die Nichtlinearität der Gewichtungssubjektiv zu betrachten. Dabei müssen die
funktion (siehe Abbildung 2) den Entscheigenannten Phänomene berücksichtigt
dungsträger im erheblichen Maße. werden. Insbesondere bei schwer vorhersagbaren Ereignissen wie die
Daniel Glose 3
Arbeit zitieren:
Daniel Glose, 2009, Das menschliche Entscheidungsverhalten, München, GRIN Verlag GmbH
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