1. Einleitung
“Um sich zu bilden, genügt es nicht, dass das Kind jeden Stoff in sich hineinfrisst, den man ihm mehr oder weniger spannend serviert:
es muss selbst handeln, selbst schöpferisch sein. Und es muss vor allem in einer angemessenen Umgebung leben können, ... … Leben, so intensiv wie möglich zu leben liegt nicht darin letztlich das Ziel all unserer Anstrengungen? Und die Fähigkeit zum Leben so gut wie es nur irgend geht zu entwickeln, sollte das nicht die wesentliche Aufgabe der Schule sein?” (Célestin Freinet zitiert in http://www.kinderschule-oberhavel.de/index.htm)
Ich stelle dieses Zitat meiner Hausarbeit voran, da ich der Meinung bin, dass es sehr prägnant Célestin Freinets Denkensweise und Ansichten bezüglich seiner Sicht des Lebens und der Aufgabe von Schule bzw. welche Intention diese haben sollte, ausdrückt. Denn genau hier liegt der Ausgangspunkt für die Entscheidung, meine Hausarbeit im Modul „Geschichte und Theorien der Sozialen Arbeit“, über Freinet und seine Pädagogik zu verfassen: Seine einzigartige und durchaus interessante Sicht des Kindes und der Art und Weise wie man mit ihm umgehen sollte, um seine Entwicklung bestmöglich zu fördern. Gerade weil ich diese Pädagogik, welche ihren Ursprung bereits vor über 80 Jahren hatte, so interessant finde, entschied ich mich zu erörtern wie aktuell und unverändert dessen Grundlagen sind. Dies versuche ich zu erreichen, indem ich in meiner Hausarbeit zunächst geschichtliche Daten die eine Relevanz hinsichtlich des Lebens Freinets sowie der Entstehung seiner Pädagogik aufweisen, aufführe. Anschließend erläutere ich die von Freinet formulierten zentralen Grundsätze und gehe im darauf folgenden Punkt auf deren Aktualität ein. Bevor mir Freinet überhaupt bekannt war, entschloss ich mich bereits über eine bestimmte pädagogische Bewegung, zu schreiben, welche einen geschichtlichen Hin-tergrund aufweisen kann, zu schreiben. Denn ich habe allgemein ein großes Interesse für alternative Erziehungsformen und halte die in unserer Gesellschaft allgemein verbreitete Mentalität, dass „das was die meisten machen schon richtig sein wird“, für fatal und folgenreich. Denn meiner Meinung nach ist die große Verbreitung einer bestimmten Erziehungsform, nicht als Indiz für dessen Sinnhaftigkeit zu erachten. So war auch der verhältnismäßig geringe Bekanntheitsgrad der Freinet-Pädagogik ausschlaggebend für die Wahl meines Themas. Denn mein Ziel war es,
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ein für mich völlig neues Thema, mit dem ich zuvor nicht in Berührung gekommen bin, zu erschließen.
2. Biografie von Célestin Freinet und Entwicklung seiner Pädagogik
Am 15. Oktober 1896 wird Freinet in einem kleinen Dorf in der Provençe geboren. 1915 wird er zum Kriegsdienst eingezogen, wodurch er eine schwere Lungenverletzung erleidet.
In der Dorfschule von Bar-sur-Loup beginnt Freinet 1920 seine erste Lehrerstelle. Hier tut er sich mit mehreren Kollegen zusammen, mit der Intention Unterricht gemeinsam zu verändern, wodurch Anfang der 20er Jahre die „Freinet-Pädagogik" entsteht.
1924 gründet Freinet mit zahlreichen Kollegen eine Kooperative, welche pädagogische Zusammenarbeit organisiert und Arbeitsmittel und Materialien herausgibt (C.E.L. - „Coopérative de l'Enseignement Laïc"). Daraus entsteht wiederum die französische Lehrerbewegung der „Ecole Moderne" („Moderne Schule"), mit dem Ziel die alte „Buch- und Paukschule“ von innen heraus umzugestalten.
Célestin Freinet heiratet 1926 Elise, ebenfalls Lehrerin, die von nun an seine engste Mitarbeiterin ist.
1927 findet der erste Kongress der „Ecole Moderne" statt, der sich von nun an jährlich ereignet. Die Kooperative vertreibt u.a. Arbeitskarteien und Lesehefte. 1928 wechseln Freinet und seine Frau an eine Schule nach St. Paul de Vence. Durch die Infragestellung der Grundlagen der bestehenden Schulform von der wachsenden Freinet-Pädagogik, bricht 1932 eine schulpolitische Auseinandersetzung aus, welche mit der Entlassung Freinets aus dem Schuldienst endet. 1935 eröffnen Célestin und Elise Freinet ein privates Landerziehungsheim in Vence, welches bald zum Zentrum ihrer pädagogischen Forschung weiterentwickelt. 1940 wird Freinet in ein Internierungslager gebracht. Dort verfasst er grundlegende pädagogische Arbeiten. Nachdem er entlassen wird, organisiert er an führender Stelle eine regionale Widerstandsbewegung mit. Gleich nach Kriegsende findet der erste Kongress der Nachkriegszeit statt.
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1946 veröffentlicht Freinet sein Buch „L'Ecole Moderne Française", in dem er seine pädagogischen Ideen zusammenfasst. Daraufhin kann er seine Privatschule wieder öffnen.
1948 gründet Freinet das „Institut Coopérative de l'Ecole Moderne" (ICEM), in dem Arbeitsmittel erprobt, weiterentwickelt und vertreibt, sowie das regionale Lehrertreffen koordiniert.
1961 ensteht die "Féderation Internationale des Mouvements de l'Ecole Moderne" (FIMEM), welche der Koordinierung der Freinet-Bewegungen in verschiedenen Ländern dienen soll.
Aus der Kooperation weniger französischer Volksschullehrer ist eine internationale pädagogische Reformbewegung geworden. Am 8. Oktober 1966 stirbt Célestin Freinet in Vence.
(Hecker 1996, http://www.media-versand.de/pdfs/freinet.pdf)
3. Grundannahmen und Prinzipien
In der normalen Regelschule werden die individuellen Gefühle, Bedürfnisse und Inte-ressen der Kinder unzureichend berücksichtigt (Baillet, 1999: 16). Die Schüler haben weder Einfluss auf die Mitgestaltung des Unterrichts, noch auf die Bewertungsmaß-stäbe (Kock, 2006: 66). Sie lernen dass die Entscheidungsmacht immer andere ha-ben und dass sie dies akzeptieren müssen, was jede Eigeninitiative unterdrückt. Die Schüler haben bestimmten Normen zu entsprechen, die Hauptsorge des Erziehers ist, dass diese Normen respektiert werden. (Baillet, 1999: 16) Diese Standarisierung lehnt die Pädagogik Freinets strikt ab. Sie geht davon aus, dass jedes Kind anders ist und bezeichnet es als eine der wichtigsten Aufgaben von Schulen, der Verschiedenheit von Kindern Rechnung zu tragen. Das Ziel der Schule soll sein, dass sich das Kind zum Subjekt entfaltet, also zu einer für sich selbst ver-antwortlichen Persönlichkeit. Dies soll dem Kind ermöglicht werden, indem der Er-zieher alle kindlichen Bedürfnisse berücksichtigt. (Baillet, 1999: 17) Die Kenntnis des einzelnen Kindes und einhergehend auch die Kenntnis seiner indi-viduellen Bedürfnisse ist nur möglich, wenn das Kind in seinem alltäglichen Verhalten und Handeln beobachtet wird. An diesen Beobachtungen sollen sich die Lehrer und - - 3
Arbeit zitieren:
Theresa Reckstadt, 2008, Die Freinet-Pädagogik nach Célestin Freinet, München, GRIN Verlag GmbH
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Zu: Friedrich Schillers "Wallenstein"
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