Gliederung
1 Einleitung 3
2 Nonverbale Signale - Eine Begriffsbestimmung 3
2.1 Nonverbale Signale auf dem kinetischen Wahrnehmungskanal: Körperkontakt und
Distanzverhalten. 4
2.2 Nonverbale Signale auf dem optischen Wahrnehmungskanal: Blickverhalten,
Augenausdruck , Mimik, Gestik und Körperhaltung 5
2.3 Nonverbale Signale auf dem akustischen Wahrnehmungskanal:Tonlage, Lautstärke
ect. 5
2.4 Zum Verhältnis von Sprache und nonverbalen Signalen 6
3 Erklärungsmodelle der Bedeutung und Funktion nonverbaler Kommunikation 7
3.1 AGYLE/FORGAS 7
3.2 EKMAN/FRIESEN. 8
3.3 MEHRABIAN. 8
3.4 Vergleich der Erklärungsmodelle. 9
4 Nonverbale Signale in Gesprächssituationen 10
4.1 Nonverbale Signale als Ausdruck des Selbstkonzepts des Gesprächspartners 10
4.2 Klärung der Aussageintention: Newsgroups - Ein Beispiel für „Gespräche“ ohne
nonverbale Signale 10
4.3 Zeichen der Wertschätzung: Körperkontakt 11
5 Schluß 11
6 Literaturverzeichnis. 12
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1 Einleitung
Über nonverbale Signale wird unter dem Etikett „Körpersprache“ in populärwissenschaftlichen Büchern viel verbreitet; oft wird dabei der Eindruck erweckt, dass es für jede Regung der Gestik oder Mimik eine sofort passende Erklärung gibt: das Kratzen an der Nase sei auf Unsicherheit zurückzuführen und nicht etwa auf eine juckende Nase. Für eine seriöse Ausei-nandersetzung mit dem Thema ist das nicht sehr hilfreich, da anzunehmen ist, dass die Bedeutung nonverbaler Signale in der menschlichen Kommunikation vielschichtiger und komplexer ist, als dies so simple Schlußfolgerungen vermuten liesen.
Um dieser Vielschichtigkeit - und damit der Bedeutung nonverbaler Signale in Gesprächssituationen - auf die Spur zu kommen, ist es sinnvoll, zunächst die einzelnen Signale nonverbaler Kommunikation genauer zu beschreiben. dies geschieht, gegliedert nach den unterschiedlichen Wahrnehmungskanälen in Punkt 2 dieser Arbeit. In Punkt 3 befasse ich mich mit den unterschiedlichen Klassifizierungsmodellen nonverbaler Kommunikation, die den Signalen bestimmte Funktionen zuweisen, aber auch Auskunft geben über die Aufgaben, den Inhalt und der Aussageintention nonverbaler Signale. Hier werden die Modelle von ARGY-LE/FORGAS, EKMAN/FRIESEN und MEHRABRIAN dargestellt und miteinander verglichen. Am Ende der Arbeit möchte ich im Gliederungspunkt 4 die konkrete Bedeutung nonverbaler Signale in speziellen Gesprächssituationen (face-to-face; newsgroups und Telefongespräch) aufzeigen.
2 Nonverbale Signale - Eine Begriffsbestimmung
OSCHMANN (1986) definiert nonverbale Kommunikation als den „Austausch von Informationen durch nicht-sprachliche Reize.“ (S. 98). Dazu gehören auch nicht-sprachliche vokale Signale, wie Räuspern, der Tonfall ect.
Die nonverbalen Signale können nach den Kommunikationskanälen unterschieden werden, auf denen sie wahrgenommen werden (optisch, akustisch, kinetisch, auch termisch und olfak-torisch - vgl. ELLGRING (1997) S. 199), wobei immer im Blick zu behalten ist, dass nonverbale Signale meist auf mehreren Kanälen gleichzeitig gesendet und empfangen werden, die jedoch zusammen gehören und in ihrer Wirkung und Bedeutung als Ganzes zu sehen sind (vgl. OSCHMANN (1986) S. 61). Das oben genannte „Kratzen“ an der Nase ist so nur ein Element im nonverbalen Kommunikationsprozess, das in seiner Bedeutung von anderen nonverbalen, aber auch verbalen Signalen (Naseputzen und Sprechen über Heuschnupfen, oder
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auch Blickverhalten und Stottern) in Verbindung steht und von diesem Gesamt der Selbstmitteilung her zu verstehen ist.
2.1 Nonverbale Signale auf dem kinetischen Wahrnehmungskanal: Körperkontakt
und Distanzverhalten
Nach ARGYLE (1974) ist der Körperkontakt die ursprünglichste Art sozialen Verhaltens, der zunehmend durch visuelle und sprachliche Äußerungen ergänzt und ersetzt wird (vgl. S. 91). In Gesprächssituationen tauchen sie bei Begrüßung und Abschied in Form von Händeschütteln und auch Küssen auf, aber auch im Festhalten einer Person. Auch als Ausdruck von Aggressionen können Körperkontakte Gesprächssituationen begleiten. „In unserer Kultur signalisiert eine leichte Berührung gewöhnlich Intimität und Interesse und ruft beim Berührten eine geringfügige Erregungsreaktion hervor. Interessanterweise können Berührungen die Einstellungen des Berührten positiv beeinflussen, auch wenn dieser sich gar nicht bewußt ist, berührt worden zu sein.“ (FORGAS 1999, S. 153f) Und andererseits: „Berührungen können auch Su-periorität und Dominanz signalisieren. Unterwürfige oder rangniedrigere Menschen sind körperlich verfügbarer, „berührbarer“ als dominante. Kinder, Behinderte, Dienstboten oder Untergebene sind häufiger Objekt solcher nicht-reziproker Berührungen.“ (FORGAS 1999, S. 155)
Körperkontakt hat als nonverbales Signal in einem Kommunikationsprozeß also neben den ritualisierten Grußformen v.a. die Funktion Informationen über die Beziehung der Gesprächspartner zu geben.
Um das zu verdeutlichen, müssen wir uns nur folgende Szene vorstellen: die Auszubildende legt in einer Besprechung die Hand auf die Schulter des Firmenchefs, um ihm so ihre Anerkennung für seine Arbeit auszudrücken. Diese Szene wird sich in der Realität kaum fifnden, sehr wohl aber ihr Gegenstück: der Chef berührt die Auszubildende, um ihr Anerkennung für ihre Leistung zu zollen. Ungeachtet der (vielleicht) guten Absicht stößt dieses Verhalten bei der (wahrscheinlich) jungen Frau auf Ablehnung: der ranghöhere Vorgesetzte berührt die Rangniedrigere und stellt damit Intimität her, die nicht Ausdruck einer partnerschaftlichen Beziehung ist und damit umkehrbar wäre, sondern er drückt damit seine Wichtigkeit und Herrschaft aus. Allerdings ist auch denkbar, dass die Auszubildende diesen Körperkontakt positiv deutet, quasi als Signal für eine gute Beziehung. Auch hier gilt es, die ganze Situation in den Blick zu nehmen (Umgangsstil in der Firma, Vorgeschichte, begleitende verbale Signale ect.).
Pauschal kann jedoch festgestellt werden, dass der Körperkontakt und der Umgang mit der räumlichen Distanz in der Weise Informationen über die Beziehung der Kommunikations-
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partner liefert, in der eine um so häufigere und nähere gegenseitige Distanzverringerung der Gesprächspartner auf eine um so vertrautere und intimere Beziehung der Partner hinweist, egal ob diese bereits vorhanden oder von den Kommunikationspartnern erwünscht ist.
2.2 Nonverbale Signale auf dem optischen Wahrnehmungskanal: Blickverhalten, Au-
genausdruck, Mimik, Gestik und Körperhaltung
Aussagen wie die von der „Liebe auf den ersten Blick“, „dem ersten Eindruck“ und „Wenn ich den schon sehe ...“ sind Indizien für die hohe Bedeutung des optischen Kanals im Bereich der nonverbalen Kommunikation: da muß einer „noch nicht einmal den Mund aufmachen“, und schon ist die Beurteilung seiner Person (zumindest scheinbar) möglich. Es sind nicht nur Vorurteile, die bei dieser Wahrnehmung gepflegt werden, es ensteht ein „erster Eindruck“, der Orientierung schafft für weitere Kommunikation und der das Handeln reguliert. Wesentliches nonverbales Signal ist bei face-to-face-Kommunikationen das Blickverhalten, das hier exemplarisch für andere nonverbale Signale aus diesem Wahrnehmungsbereich vorgestellt werden soll. Es ist nach FORGAS (1999) zugleich das wichtigste Signal bei der Aufnahme bzw. dem Abbrechen von face-to-face-Kontakten, aber auch bei der Regulation des Rederechts im Gespräch und steuert wesentlich die Wahrnehmung und Beurteilung der eigenen Person durch den Kommunikationspartner. Fehlt dieses Signal - wie etwa bei einer Unterhaltung mit einem Sonnenbrillenträger - wird Kommunikation schwierig: der Gesprächspartner ist in extrem hohen Maß auf den Wahrheitsgehalt der verbalen Aussagen angewiesen. Der Träger der Sonnenbrille ist zudem als Person viel schwerer einschätzbar, weil eine Vielzahl an (unbewußten) Eindrücken über die Persönlichkeit des Gesprächspartners fehlen. Er ist gleichsam der „Stärkere“ in dem Kommunikationsprozess, da ihm die durch das Blickverhalten übertragenen Informationen über den Gesprächspartner ja dennoch zur Verfügung stehen. Damit wird deutlich, dass neben der Regulation von Rederecht das Blickverhalten ein wichtiges Element in der Balance von Kommunikation hat.
2.3 Nonverbale Signale auf dem akustischen Wahrnehmungskanal:Tonlage, Laut-stärke ect.
Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass nonverbale Signale auch auf einem akustischen Kanal gesendet werden, sollte man doch annehmen, dass dort, wo keine Worte gebraucht werden, das Hören keine Rolle spielt. Aber wie wir seit Kindertagen wissen, macht „der Ton die Musik“, oft ist das „wie“ etwas gesagt wird wichtiger, als das „was“ gesagt wird. Und weil es dann eben nicht um Worte - verbi - geht sind die parasprachlichen Botschaften nonverbale Signale. Es geht bei dieser Signalgruppe um die Lautstärke und das Sprechtempo, um Intona-
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tion und Rhythmus, um den Tonfall und individuelle Stimmerkmale, aber auch um Seufzen, Räuspern und Lachen. So werden auf dem akustischen Kanal nonverbal Informationen über den Sender übertragen (Bildung, Status, Persönlichkeitsmerkmale), aber auch eigenständige Botschaften (wie z.B. das Lachen über den verbalen Inhalt des Gesprächs) gesendet (vgl. FORGAS (1999) S. 155ff.). Von Bedeutung für das Gespräch können sie u.a. sein, um mit der Aussageintention richtig verstanden zu werden: ein abgrenzendes „NEIN“ muß mit der entsprechenden Lautstärke und dem passenden Tonfall gesagt werden, um als „Nein“ und als „Ja“ verstanden zu werden.
2.4 Zum Verhältnis von Sprache und nonverbalen Signalen
SCHULZ von THUN (1981) stellt fest, dass nonverbale Signale in einem Gespräch sowohl als eigenständige Botschaften bedeutsam sind, wie auch als Botschaften, die den verbalen Ausdruck interpretierbar machen.
ELLGRING (1997) zitiert SCHERER (1979), demnach kann „nonverbales Verhalten das sprachliche Verhalten ersetzten (Substitution), es verdeutlichen (Amplifikation), ihm widersprechen (Kontradiktion), seine Bedeutung verändern (Modifikation).“ (S. 201) Deutlich machen kann man dieses Verhältnis von Sprache und nonverbalen Signalen am Beispiel der Kommunikation eines Lehrers mit seiner Klasse. Er
a) ersetzt sprachliche Botschaften durch nonverbale Signale, wenn er z.B. die Klassxe mit seinem Blickverhalten zur Ruhe bringt, ohne „Jetzt sind wir alle leise“ sagen zu müssen; b) verdeutlicht sprachliche Botschaften wie z.B. „diese Aufgabe kannst du lösen“ durch einen aufmunternden Blick oder ermutigenden Gesten;
c) verändert die sprachliche Äußerung „Nimm dein Heft hoch“ dadurch, dass er selbst das Schulbuch in die Hand nimmt (aus welchem Grund er auch immer das tun mag) d) widerspricht wenn er in einem abschätzigen Ton die Klassenarbeit kommentiert und sagt „Das war mal wieder eine herausragende Leistung von euch“.
An diesen Beispielen, die glaube ich jeder aus seiner Schulzeit kennt, wird schnell verständlich, wie wenig sinnvoll es ist, wenn nonverbale Signale inkongruent mit den verbalen Äußerungen sind: ein solches Kommunikationsverhalten führt zu Irritationen und gestörtem Kommunikationsverhalten.
Im Idealfall sind verbale und nonverbale Botschaften innerhalb einer Nachricht kongruent: die Signale drücken die gleiche Botschaft aus. Inkongruente Botschaften, also gleichzeitig gesendete Signale, die einander nicht qualifizieren, sind für die Frage nach der Bedeutung nonverbaler Signale im Gespräch jedoch interessanter: Wie werden solche inkongruenten Botschaf-
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ten wahrgenommen und interpretiert? Welches Signal ist glaubwürdiger? Nach FORGAS
(1999) sind nonverbale Botschaften zum einen schneller, weil sie unmittelbar und automatisch dekodiert werden und unterliegen weniger der bewußten Kontrolle des Senders. Sie sind bei Inkongruenz aber auch glaubwürdiger, wenn sie Informationen über Einstellungen und Emotionen - einer Hauptfunktion nonverbaler Kommunikation - geben (vgl. FORGAS 1999, S. 127f). Das gleiche stellt auch ELLGRING (1997) fest: „Gefühle, Zuneigung und Abneigung ect. werden unmittelbarer in nichtsprachlicher Form vermittelt.“ (S. 199)
3 Erklärungsmodelle der Bedeutung und Funktion nonverbaler Kommunikation
3.1 AGYLE/FORGAS
FORGAS (1999) folgt ARGYLE (1974) in der Darstellung der Funktionen nonverbaler Kommunikation:
Nonverbale Signale steuern soziale Situationen, in dem sie dem verbalen Austausch regulieren, unterstützen und überwachen. Neben dieser „Regulierung bereits etablierter Interaktionen“ (FORGAS 1999, S. 134) sind nonverbale Signale wichtig, um Gespräche einzuleiten bzw. um sie zu beenden. FORGAS (1999) schildert dies als eine „subtile Abfolge nonverbaler Signale (S. 134) zu dem Blickkontakt, Distanzveränderung und Körperhaltung gehören. Nonverbale Signale dienen der Selbstdarstellung des Senders: sie vermitteln sein Selbstbild bzw. Selbstkonzept und seinen Status. BAUMGARTNER (1990) beschreibt den Selbstkonzept-Ansatz von Carl ROGERS als ein „Bild eines Menschen von sich selbst (...), mithin als eine Einstellung zu sich selbst und zur Welt. Es setzt sich zusammen aus der Wahrnehmung der eigenen Charakteristika und Fähigkeiten, aus der Wahrnehmung der Beziehungen zu anderen und zur Umwelt und aus Zielen und Idealen, die für die eigene Person bedeutsam sind.“ (S. 438)
„Um Emotionen effektiv mit Worten kommunizieren zu können, müssen wir sie zunächst einmal klar identifizieren und benennen.“ (FORGAS 1999, S. 136) Nachdem diese Klarheit selten herzustellen und zum anderen „kulturelle Normen westlicher Gesellschaften der verbalen Kommunikation von Emotionen enge Grenzen“ setzen (ebd.) werden nonverbale Signale bevorzugt zur Kommunikation über emotionale Zustände eingesetzt. Ähnlich verhält es sich mit der Kommunikation über Einstellungen - auch hier überwiegen die nonverbalen Signale. Hierzu forschte MEHRABIAN.
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Die fünfte und letzte Funktion, die FORGAS (1999) darstellt, nennt er die Kontrolle des verbalen Kanals - wer darf wie lange reden? FORGAS (1999) stellt dar: „Zu diesem Zweck
bedient man sich allseits anerkannter, nonverbaler Signale. Der Sprecher zeigt seine Bereitschaft, das Rederecht freizugeben, etwas dadurch an , daß er die Stimme senkt und die Hörer prüfend daraufhin ansieht, ob irgendjemand (sic!) Anstalten macht, das Wort zu ergreifen, während er selber Muskeln und Körperhaltung entspannt.“ (S. 138)
3.2 EKMAN/FRIESEN
OSCHMANN (1986) faßt die Annahmen von EKMAN & FRIESEN (1968) zu den Funktionen nonverbaler Kommunikation zusammen:
1. Nonverbale Verhaltensweisen machen v.a. Aussagen über die Beziehung der Kommunikationspartner
2. Nonverbales Verhalten liefert Informationen über Emotionen
3. Nonverbales Verhalten ist eine Art symbolisches Verhalten, das die Einstellung zum Körper und zur eigenen Person deutlich macht
4. Nonverbale Verhaltensweisen haben eine metakommunikative und regulative Funktion Nonverbale Verhaltensweisen geben Auskunft darüber, ob während des Kommunikationsvorgangs falsche Informationen gegeben wurden oder Informationen verschwiegen wurden. (Vgl. S. 6-8)
3.3 MEHRABIAN
MEHRABIAN untersucht die Bedeutung nonverbaler Verhaltensweisen in „einer empirischen Analyse und kam zu dem Schluß, daß sich die Bedeutung nonverbaler Botschaften entlang dreier Dimensionen beschreiben läßt“ (FORGAS 1999, S. 138). Er macht „jeweils unterschiedliche nonverbale Verhaltensweisen für den Ausdruck von Sympathie, Überlegenheitsgefühl und Responsitivität verantwortlich“ (SCHERER 1977b, S.233). MEHRABIAN ordnet „Unmittelbarkeitsreize“ wie z.B. Blickverhalten, Körperorientierung, Berührungen oder interpersonale Distanz, dem Ausdruck von Sympathie und Antipathie zu. „Entspanntheitsreize“ wie z.B. Armhaltung und Körperspannung, geben Auskunft über das Gefühl der Überlegenheit, also über Status und soziale Kontrollmacht. Stimmvolumen, Sprechgeschwindigkeit, Ausmaß der Mimik und Gestik ordnet MEHRABIAN den „Aktivitätsreizen“ zu, die wiederum Informationen über die Reaktions- und Aufnahmebereitschaft geben (vgl. hierzu FOR-GAS 1999, S. 139). Damit klassifiziert MEHRABIAN unterschiedliche nonverbale Signale -Körperorientierung, Haltung der Extremitäten, Körperspannung - als Ausdruck der Einstel-
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lung des Senders gegenüber des Gesprächspartners und dem Einfluß des Status auf das Körperverhalten (Vgl. OSCHMANN (1986), S. 63-68).
3.4 Vergleich der Erklärungsmodelle
Zusammenfassend haben nonverbale Signale folgende Funktionen: a) Die Gesprächssituation mit ihren Beziehungs- und Sachaspekten zu steuern, also dem Gesprächsverlauf eine Richtung zu geben, dem Sender zu ermöglichen unangenehme Themen zu vermeiden und Aussagen näher zu bestimmen.
b) Der Sender hat die Möglichkeit durch nonverbale Signale sein Selbstkonzept zu präsentieren und damit die Beziehung zum Gesprächspartner zu prägen.
c) Sie vereinfachen den Austausch bzw. die Information über Gefühlszustände und Einstellungen zu Normen und Werten.
d) Nonverbale Signale wirken metakommunikativ und geben so Informationen über die Einschätzung des Gesprächsverlauf und die damit verbundenen Gefühle und sind zugleich ein Regulativ für dessen erwünschte Zielrichtung.
e) Sie liefern Informationen über den Wahrheitsgehalt der verbalen Botschaften. f) Ebenso informieren nonverbale Signale den Gesprächspartner über die Reaktions- und Aufmerksamkeitsbereitschaft des anderen.
Jedes der Modelle legt den Bedeutungsschwerpunkt nonverbaler Signale auf eine andere Funktion nonverbaler Signale: Akzentuieren ARGYLE/FORGAS die Selbstdarstellung des Senders, so legen EKMAN/FRIESEN den Schwerpunkt auf den Ausdruck der Beziehung der Kommunikationspartner und MEHRABRIAN schließlich auf den Ausdruck der Einstellung des Senders gegenüber dem Empfänger und damit auf die Übermittlung von Status. Welcher dieser Schwerpunkte am sinnvollsten ist, ist schwer zu beurteilen. Allerdings ist anzunehmen, dass sich diese widersprüchlichen Grundannahmen nicht gegenseitig ausschließen. So ist m.E. in jeder Kommunikation und auch bei jeder Person einer dieser drei Aspekte besonders ausgeprägt, wenn auch immer latent vorhanden. Und hier löst sich der Widerspruch auch auf: in dem Maß, wie der Sender etwas über seine Einstellung zum Empfänger kommuniziert, gibt er sein Selbstbild Preis und kommuniziert über seine Vorstellung von der Beziehung zum Gesprächspartner: drückt der Chef aus dem obigen Beispiel nonverbal aus „Du Auszubildende bist weniger wichtig als ich“ (MEHRABRIANs These „nonverbale Signale drücken die Einstellung des Senders zum Empfänger aus“), bedeutet das auch „Ich bin wichtig“ (ARGYLE/FORGAS „nonverbale Signale dienen der Selbstdarstellung des Senders“)
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und beschriebt die Beziehung hier eben der Schwerpunkt von EKMAN/FRIESEN) als eher hierarchisch. Und umgekehrt gilt auch: Drückt ein Lehrer in seiner Selbstdarstellung mit unterschiedlichen nonverbalen Signalen aus „Ich will, dass es euch Schülern gut geht“ bedeutet das eine wahrscheinlich partnerschaftlich akzentuierte Beziehung und eine Einstellung zum Kommunikationspartner im Sinne von „Du bist wichtig!“.
4 Nonverbale Signale in Gesprächssituationen
4.1 Nonverbale Signale als Ausdruck des Selbstkonzepts des Gesprächspartners
Das Selbstkonzept kann in verbalen Äußerungen aus verschiedenen Gründen verborgen werden, es ist aber aufgrund der verschiedenen Forschungsergebnisse zum Thema anzunehmen, dass die simultan gesendeten nonverbalen Signale eine eigene, u.U. „echtere“ Botschaft haben, die über Emotionen und Einstellungen informiert und dadurch viel über das Selbstkonzept des Interagierenden Preis gibt. Das ist nicht nur für therapeutische, sondern auch für pädagogische Situationen wichtig.
Ein interessanter Ansatzpunkt für weitere Überlegungen sind hier situative und kulturelle Kontexte - z.B. in der schulischen Lehrer-Schüler-Interaktion.
4.2 Klärung der Aussageintention: Newsgroups - Ein Beispiel für „Gespräche“ ohne
nonverbale Signale
Ein Gespräch ohne nonverbale Signale ist nicht denkbar - jedenfalls nicht, solange „Gespräch“ als face-to-face - Kommunikation angenommen wird. Eine, dem Gespräch eng ver-wandte Kommunikationsform, die Diskussion in newsgroups, kann helfen besser zu verstehen, wie wichtig nonverbale Signale im Gespräch sind: Bei der Diskussion in newsgroups fehlen nonverbale Signale völlig - es gilt nur das geschriebene Wort, jegliche Qualifizierung der (in diesem Fall geschriebenen) Sprache. Verfolgt man Diskussionen im Usenet, durchaus auch in wissenschaftlichen Diskussionsgruppen, wird sehr schnell deutlich, zu welchen Mißverständnissen der alleinige Gebrauch des Mediums Sprache führt. Es fehlt damit wesentliche Wahrnehmungsmöglichkeiten, die den Inhalt, aber v.a. das Beziehungsgeschehen interpretierbar machen. Um dem abzuhelfen, wurde eine Art „nonverbaler Code“ - die Netspeak, mit ihren vokalen Abkürzungen (z.B. bedeutet IMHO - meiner bescheidenen Meinung nach), den „EmotIcons“ (den Kombinationen aus Satzzeichen, :-) bedeutet z.B. glücklich sein) und den Abkürzungen für Mimik und Gestik (*hüstel* bedeutet z.B. Verlegenheit) - eingeführt, die die Funktionen nonverbaler Signale ersetzen soll und damit m.E. die hohe Wichtigkeit nonverbaler Signale im Kommunikationsprozeß verdeutlicht.
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4.3 Zeichen der Wertschätzung: Körperkontakt
Es ist in unserem kulturellen Kontext unüblich „Wertschätzung“ in Worten auszudrücken, dennoch ist die Mitteilung über die Beziehung der Interaktionspartner konstitutiv für gelungene Kommunikation. „Unmittelbarkeitsreize“, also Blickverhalten, Körperorientierung, Berührungen und der Umgang mit Distanz sind geeignete Mittel, um „Wertschätzung“ zu kommunizieren.
5 Schluß
Menschen empfangen und senden nonverbale Signale auf viele unterschiedliche Arten: auf verschiedenen Kanälen, mit unterschiedlichen Zielen und Funktionen. Die hauptsächliche Aufgabe nonverbaler Signale in Gesprächssituationen ist die Information über Emotionen und Einstellungen, die Regulierung der Gesprächssituation und das Management der Beziehung. Seltener ist die Übermittlung von sachlichen Botschaften der Regelfall nonverbaler Kommunikation.
Gesetzmäßigkeiten nonverbaler Kommunikation auszumachen gelingt nur in Teilbereichen, etwa bei Untersuchungen zur Verwendung bestimmter Kommunikationskanäle - ein allgemeines Rezept, was welche nonverbalen Signale zu bedeuten haben kann es nicht geben, da auch nonverbale Kommunikation immer im Höchstmaß kontextabhängig ist. Variablen wie Geschlecht, kulturelle Verortung, gemeinsames (soziales) Wissen der Interaktionspartner ist ebenfalls wichtige Dimensionen für die Untersuchung solcher Gesetzmäßigkeiten.
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6 Literaturverzeichnis
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SCHERER Klaus (1977b): Kommunikation. In: HERRMANN, Theo, HOFSTÄTTER, Peter, HUBER, Helmut und WEINERT, Franz: Handbuch psychologischer Grundbegriffe. München (Kösel) 1977. S. 228-239.
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SCHULZ von THUN, Friedemann (1981): Miteinander Reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 1981 WATZLAWICK Paul, BEAVIN Janet H., JACKSON Don D. (1990): Menschliche Kommunikation. Bern, Stuttgart, Toronto (Verlag Hans Huber) 8. Unveränderte Auflage 1990
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Arbeit zitieren:
Heike Kellner-Rauch, 2000, Bedeutung nonverbaler Signale im Gespräch, München, GRIN Verlag GmbH
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