3.4.1.1 der buregonden man. 25
3.4.1.2 die hagenen hant. 25
3.4.2 balt, snelle, ungemuot. 26
3.4.2.1 balt. 26
3.4.2.2. snelle. 26
3.4.2.3 ungemuot. 27
3.5 Vereinzelt vorkommende Epitheta. 27
4. Zusammenfassung. 32
5. Ausblick. 35
Literaturverzeichnis. 36
Prim ärliteratur. 36
Sekund ärliteratur. 36
Monographien. 36
Aufsatz in Sammelbänden. 36
Zeitschriftenartikel. 37
Lexika. 37
Anhang: Tabelle der Textstellennachweise. 38
3
1. Einleitung
2005 hat Ursula SCHULZE eine neue Edition und Übersetzung der Handschrift C des Nibelungenliedes herausgebracht. Fassung C gilt gemeinhin als die älteste annähernd komplett erhaltene Verschriftlichung, ob sie auch die älteste Fassung darstellt ist in der Forschung umstritten 1 , denn sie zeigt im Vergleich zu den anderen Fassungen einen fortgeschritteneren Bearbeitungsgrad der schriftlichen Dichtung. „Unstimmigkeiten sind beseitigt, Motivierungen sind ergänzt, rationalisierende Erläuterungen eingefügt, neue Bewertungsakzente gesetzt“ (SCHULZE 2005: 790). Dies unterstreicht auch Joachim HEINZLE, wenn er schreibt: „Es ist, mit Recht, nie bezweifelt worden, daß der *C-Bearbeiter dem Text einen Sinnzusammenhang unterstellt hat, der in ihm so jedenfalls nicht angelegt ist“ (HEINZLE 1987: 274). Dieser Sinnzusammenhang wirkt sich in erster Linie auf die Darstellung und Bewertung Hagens und Kriemhilds aus. „Neue, christlich getönte Bewertungen erfolgen zugunsten von Siegfried und Kriemhild und zuungunsten von Hagen“ (SCHULZE 2005: 790). SCHULZE zufolge stehen sich in der C-Fassung Kriemhild und Hagen sehr viel deutlicher als in den anderen Fassungen kontrastiv gegenüber. Sie spricht sogar von einer Schuldzuweisung an Hagen durch den Erzähler. Auch nach BRACKERT ist die C-Fassung eine „durchgreifende Umgestaltung“ (BRACKERT 1963: 132), die den Text höfisiert und christlich moralisch wertet, so dass Kriemhild entlastet und Hagen herabgesetzt wird. Auch Helmut KRAUSE sieht,
„daß sich schon in den frühen Fassungen und ‚Fortsetzungen’ des Nibelungenliedes die Sympathien zugunsten von Kriemhilde verschieben, während sich das Bild Hagens, eben noch von seinem Gegner der aller beste degen, der… ie schilt getruoc (2374, 2 and (sic!) 3) 2 genannt, in zunehmendem Maße verdunkelt.“(KRAUSE 1971: 369).
Inwiefern sich die geänderte Darstellung Hagens auch sprachlich zeigt und verifizieren lässt untersucht diese Arbeit. Dazu wurde bei jeder Nennung Hagens in den Fassungen B und C geprüft, mit welchen Worten er um- oder näher beschrieben wird, und ob diese ihn eher positiv oder negativ erscheinen lassen. 3
1 S. u. A. SCHULZE 2005: 789, DE BOOR 1996: LIV ff.
2 Bezieht sich auf Fassung B, korrespondierende Textstelle in Fassung C ist 2434, 2-3.
3 Textgrundlagen sind die Ausgabe nach Karl BARTSCH, herausgegeben von Helmut de BOOR für die Fassung B (siehe hierzu DE BOOR 1996: XLVIII ff.) und die Ausgabe von Ursula SCHULZE für die Fassung C. Verschiedene Schreibweisen wurden, da für diese Arbeit irrelevant, nicht berücksichtigt oder unterschieden.
4
2. Kurzer Überblick über das Hagenbild in der Forschung
Hagen von Tronege gilt als „die wohl am schwersten zu deutende“ Figur im Nibelungenlied (Haug 1989: 334), gleichzeitig aber als eine der wichtigsten, ob „Inkorporation des Nibelungenschicksals“ (Wapnewski (1960): 381), „männliche Zentralgestalt“ (Hoffmann 1974: 61), „Verkörperung heroischen Handelns“ (Müller 1993: 153) oder Inbegriff gelebter Vasallentreue (nach Wolf 1981). Oft wurde auch ein Charakterwechsel beschrieben den Hagen vom ersten zum zweiten Teil vollziehe, vom Übeltäter, Intriganten und Mörder zum vorbildlichen, seinen Herren bis zum Schluss treuen Helden und Vasallen (nach WHAL-ARMSTRONG 1979: 146f.). Einen besonders positiven Eindruck hat dieser ‚zweite’ Hagen auf Helmut KRAUSE gemacht, der nahezu schwärmt:
„Hagen ist der trôst der Nibelunge (1726, ebenso 1526,2) 4 . Er ist nicht nur der vorbildliche Vasall, sondern auch der verantwortliche Heerführer. Er zögert nicht, lîp und sele für die Seinen in die Waage zu werfen, denn als der Einzige, der die Katastrophe klar voraussieht und durch seine trotzige Haltung zuweilen geradezu beschleunigt, belädt er sich mit Verantwortung und wohl auch mit Schuld. Er sorgt für die ihm Anvertrauten wie ein Vater oder Bruder, oft in geradezu rührender Weise. Niemand führt den Namen Gottes so oft im Mund wie Hagen, und das eindeutigste Bekenntnis zur christlichen Religion kommt wiederum von ihm, in seinem seelsorgerischen Rat an die Ritter vor dem Kirchgang im Hunnenlande. […] Hier, zum einzigen Mal, ist der Kirchgang mehr als Zeremoniell und wird zur Begegnung mit Gott angesichts des Todes. Hagen wird den Seinen zum Priester, und mit dem Rat zu Buße und Beichte berührt er ein Grundanliegen des christlichen Glaubens. […] Hagens ‚Nobilität’ erreicht ihren Höhepunkt in der Schildforderung der Rüdigerszene. Der hier handelnde Hagen ist ein seelisch verfeinerter Mensch, dessen Zeichnung deutlich die Hand des letzten Dichters verrät. Dies ist Hagens ‚finest hour’, so wie die Ermordung Siegfrieds seine infamste ist.“ (KRAUSE 1971: 374f.)
Aus dieser Beobachtung schlussfolgert KRAUSE, dass der zweite Teil der ältere sein könnte, so dass „der Prozess der Verurteilung Hagens (und der gleichzeitigen Entlastung Kriemhildes), den wir in der C-Fassung und der Klage beobachten“ (KRAUSE 1971: 377), sich auf das dunklere Hagenbild des ersten Teiles ausgewirkt haben könnte. Aber auch ob Hagen im zweiten Teil des Liedes tatsächlich positiv gesehen werden kann ist fraglich, dies zeigen die Morde am Fährmann und Ortlieb, sowie die in Fassung C zum Schluss in Zweifel gezogene Vasallentreue. 5
4 Bezieht sich auf Text B, korrespondierende Textstellen in C sind 1766,4 und 1562,2
5 S. u. A. HOFFMANN 1974: 75, BRINKER-VON DER HEYDE 1999: 114f.
5
Es gibt auf das ganze Lied bezogen, vor allem aber auch auf Hagen als eine von dessen zentralen Gestalten, „keine klare Trennung zwischen Gut und Böse, beides findet Belohnung und Strafe. In allem ist beides enthalten, je nach Situation schlägt das Pendel mehr in die eine oder die andere Richtung“(BRINKER-VON DER HEYDE, CLAUDIA 1999: 117). Fest steht also, dass das Hagenbild nicht feststeht. Fest steht aber auch, dass Fassung C ein anderes Licht auf Hagen wirft als Fassung B. Die Forschung ist sich mehr oder wenig einig, dass es ein negativeres ist. Ist dies auch sprachwissenschaftlich zu untermauern? Forschungen zum Nibelungenlied haben gezeigt, dass
„die Attribute und Adjektive, welche die Personen kennzeichnen, […] von begrenzter Variationsbreite [sind]. Siegfried, Gunther, Gernot und Giselher tragen gleichermaßen die Bezeichnungen künec, herre, degen, recke, und sie sind edel und küen. Das geschieht so oft, daß man den Eindruck der stehenden Epitheta gewinnt und dabei übersieht, daß es auch Unterscheidungen gibt. Siegfried ist z.B. scoen, snel, starc, ein ûz erwelter degen, der helt guot, der junge man und der vreislîche man. Gunther wird besonders oft künec genannt und in Verbindung damit rîch als Zeichen seiner Macht. Gernot erhält das Epitheton hôchgemuot. Giselher ist junc und wird als kint (junger Mann) bezeichnet. Für Hagen finden sich ebenfalls die gängigen Bezeichnungen degen, herre, recke, ritter; edel, küen, snel, starc, aber auch die handlungsbedingten Negativa grimme, mordgrimmec, leide, übele, übermüete, ungetriuwe. Rüdiger (degen, helt, herre, fürst) ist edel, guot, getriuwe, milte, rîche“(GROSSE 2004: 1008).
Betrachtet man nur das hier Gesagte etwas genauer, fällt auf, dass die Unterscheidungen die GROSSE hier zu sehen meint so augenfällig nicht sind. Vielmehr ist auffällig, dass gerade Siegfried und Hagen als snel und starc beschrieben werden, was entweder dafür spricht, dass die Unterschiede in der Verwendung von Epitheta so vielsagend doch nicht sind oder aber ein subtiler Zusammenhang der Zuschreibungen hier eine sprachliche Verbindung zwischen Siegfried und Hagen herstellt. Gegen letzteres spricht, dass GROSSE snel und starc bei Siegfried noch hervorhebt, bei Hagen aber schon als gängige Bezeichnung mit aufführt. Auch als ûz erwelter degen taucht Hagen wie Siegried in der C-Fassung auf (in der B-Fassung als zierlicher degen), ebenso als vreislîch (C-Fassung, grîulich in der B-Fassung) und mit acht Nennungen (sechs in der B-Fassung) sogar recht oft als guot. Mit den nach GROSSE kennzeichnenden Epitheta der anderen Helden dagegen wird er tatsächlich nicht bezeichnet, mit Ausnahme von guot, das interessanter Weise neben Siegfried und Hagen gerade den nahezu über jeden Zweifel erhabenen Rüdiger bezeichnet. GROSSE jedoch folgert:
„Hagen trägt die üblichen Attribute: degen, herre, recke, ritter und die Epitheta edel, küen, snel, starc, aber auch die Negativa grimme, leide, mortgrimmec, übele, übermüete, ungetriuwe. In den Bearbeitungen ist Hagen stets die böse, negative
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Gestalt, obwohl er die sprichwörtlich gewordene Nibelungentreue am konsequentesten verkörpert“ (GROSSE 2004: 997).
Wie der Siegfried-Vergleich oben hoffentlich gezeigt hat, ist zumindest fraglich, ob man nicht etwas genauer hinschauen muss, bevor man aus der Verwendung von Epitheta Schlüsse zieht. Denn BRINKER-VON DER HEYDE kommt, ebenfalls nach Beobachtung nur einiger Epitheta, zu einem GROSSE beinahe widersprechenden Ergebnis. „Grimme, starke, küene, übermüete, listig, lobelich, das sind die Epitheta, mit denen in allen Handschriften sein [des Nibelungenliedes] Protagonist [gemeint ist Hagen] gekennzeichnet und trotz gewisser Vorbehalte positiv ausgezeichnet wird“ (BRINKER-VON DER HEYDE 1999: 109).
3. Epitheta zu Hagen im Vergleich
Diese Arbeit möchte etwas genauer hinschauen.
Die Anzahl der Epitheta für Hagen sind in beiden untersuchten Fassungen des Nibelungenliedes tatsächlich sehr beschränkt.
Am ungleich häufigsten kommt Hagen ohne irgendein beschreibendes Beiwort vor, nämlich 232-mal in Fassung B und 231-mal in Fassung C.
Am zweithäufigsten wird ihm seine Herkunft, also von Tronege oder von Tronje zur Seite gestellt und zwar 71-mal in Fassung B und 47-mal in Fassung C. Diese beiden Zuschreibungen, die ‚fehlende’ und der Namenszusatz sind Untersuchungsgegenstand des Punktes 3.1 dieser Arbeit: ‚Sehr häufig vorkommende Epitheta zu Hagen’. Häufig wird Hagen mit degen (B: 27-mal, C: 29-mal), recke (B: 20-mal, C: 26-mal) oder helt (B: 24-mal, C: 23-mal) bezeichnet. Ebenfalls häufig sind die Beschreibungen chüene (B: 32-mal, C: 36-mal) und mit etwas Abstand grimme (B: 14-mal, C: 15-mal). Diese fünf Zuschreibungen sind Untersuchungsgegenstand von Punkt 3.2: ‚Häufig vorkommende Epitheta zu Hagen’.
Das dritte Feld und damit Punkt 3.3: ‚Relativ häufig vorkommende Epitheta’ bilden mit etwa 5 bis 10 Nennungen: friunt (B: 11-mal, C: 10-mal), des guntheres man (B: 10mal, C: 8-mal), her (B: 9-mal, C: 9-mal), min/ din bruoder (B: 7-mal, C: 5-mal), sowie übermüete (B: 9-mal, C: 10-mal), starc (B: 7-mal, C: 12-mal), guot (B: 6-mal, C: 8-mal) und ungetriuwe (B: 3-mal, C: 7-mal).
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Das vierte Feld und damit Punkt 3.4: ‚Selten vorkommende Epitheta zu Hagen’ besteht aus einer Gruppe von Wörtern die etwa 3- bis 5-mal in Zusammenhang mit Hagen vorkommen. Dies sind: der Buregonden man (B: 3-mal, C: 3-mal), der Pars-pro-toto-Begriff die hagenen hant (B: 4-mal, C: 5-mal) sowie balt (B: 3-mal, C: 3-mal), snelle (B: 3mal, C: 3-mal) und ungemuot (B: 3-mal, C: 4-mal).
Das fünfte Feld und damit Punkt 3.5: ‚Vereinzelt vorkommende Epitheta zu Hagen’ ist am umfangreichsten und beinhaltet Wörter oder Wortgruppen mittels derer Hagen lediglich ein- oder zweimal beschrieben wird. Dies sind: sin/ ir man (B: 2, C: 2), mordaer (B: 0, C: 2), vint (B: 1, C: 1), Adrianes chint (B: 1, C: 1), gast (B: 2, C: 1), meister (B: 1, C: 1), trost der nibelunge (B: 1, C: 1), helflicher/ hilfleichter trost (B: 1, C: 1), ritter (B: 1, C: 1), der sivriden sluoc (B: 1, C: 1), treit palmungen (B: 1, C: 1), geselle (B: 1, C: 1), valande (B: 0, C: 1), tiuvel (B:1, C: 0), unverzaget (B: 1, C: 1), ubermuote (B: 0, C: 1), hochverte (B: 0, C: 1), vil gemeit (B: 1, C: 2), gewaltlich (B: 1, C: 1), vrolich (B: 1, C: 1), angstlich (B: 0, C: 1), schuldig (B: 1, C: 1), beste (B: 2, C: 2), ubele (B: 1, C: 2), zierlich (B: 1, C: 1), edel (B: 1, C: 1), lawgenlich (B: 1, C: 1), wise (B: 0, C: 1), chreftlich (B: 0, C: 1), gremlich (B: 0, C: 1), minneklich (B: 1, C: 2), vreislich (B: 0, C: 1), lobelich (B: 1, C: 3), erbarmet (B: 1, C: 1), uz erwelt (B: 0, C: 1), allerbeste (B: 1, C: 1), sturmküene (B: 1, C: 0), leidge (B: 1, C: 0), zühteclich (B: 1, C: 0), bitterlich (B: 1, C: 0), vorhtlich (B: 1, C: 0), güetlich (B: 1, C: 0), gezogenlich (B: 1, C: 0), maere (B: 1, C: 0), griulich (B: 0, C: 1), mordgrimmege (B: 1, C: 0), harte (B: 1, C: 0), grise (B: 1, C: 1), wolgetan (B: 1, C: 1), wol gewahsen (B: 1, C: 1), groz zen brusten (B: 1, C: 1), har mit … grisen varwe (B: 1, C: 1), diu bein im warn lanc (B: 1, C: 1), eyslich sin gesihene (B: 1, C: 1), herlichen ganc (B: 1, C: 1), in grozen zuhten manigen (B: 0, C: 1, chomen ze wizzen (B: 1, C: 1), herte gemuot (B: 1, C: 1), grozer wunder (B: 1, C: 1), mit herlichen siten (B: 1, C: 1), in hohem muote (B: 2, C: 2), in seinem czorn (B: 1, C: 2), die sculde da ze (B: 1, C: 1), diente gerne (B: 1, C: 1).
Interessant wird es an den Stellen an denen eine der Fassungen andere Zuschreibungen benutzt als die andere. Dort wird sich zeigen, ob und wie sich die Fassungen in der Wertung Hagens unterscheiden. Außerdem und insbesondere dort, wo ein Epitheta zu Hagen ohne Ersatz nur in einer der Fassungen auftaucht.
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3.1 Sehr häufig vorkommende Epitheta zu Hagen
Wozu Begriffe untersuchen, die entweder gar nicht existieren, dort nämlich wo ohne weitere Zuschreibung nur von Hagen die Rede ist, bzw. so wenig aussagekräftig sind wie von Tronege, der Nachname Hagens? Der Grund hierfür liegt wiederum in den Unterschieden der Fassungen. An mehreren Stellen steht in einer der Fassungen ein Epitheton, das der anderen fehlt. Die nächsten beiden Unterpunkte zeigen ausgewählte Textstellen dazu. Ausgewählt, da der zur Verfügung stehende Platz verbietet jede Unterscheidung zu beschreiben, und außerdem längst nicht alle Aussagekraft besitzen. Wenn beispielsweise in einer der Fassungen nur von Hagen die Rede ist, an der gleichen Stelle in der anderen Fassung von Hagen von Tronege, so ist dies kaum aussagekräftig.
3.1.1 Fehlendes Epitheton
Da diese Kategorie hauptsächlich untersucht, ob Hagen genannt wird oder nicht, laufen die Schlüsse, die sich daraus ziehen lassen Gefahr, literaturwissenschaftlich, statt sprachwissenschaftlich zu sein, da es automatisch auch um die Komposition des Stückes geht und nur bedingt um Epitheta zu Hagen, schließlich fehlen genau diese. Nichts desto trotz werden im Folgenden der annähernden Vollständigkeit der Untersuchung halber einige Beispiele aufgeführt. Dort wo nur eine der Fassungen Epitheta benutzt, werden diese Textstellen im Unterpunkt zum jeweils verwendeten Epitheton untersucht. Deshalb werden an dieser Stelle keine Strophen untersucht in denen eine der Fassungen z.B. vom grimmen Hagen, die andere nur von Hagen spricht. Eine solche Textstelle würde unter Punkt 3.2.2.2: grimme untersucht.
In Strophe 114 (114) 6 fordert Siegfried Gunther auf, mit ihm um die Ländereien des jeweils anderen zu kämpfen. In der B-Fassung lautet die letzte Zeile: Daz widerredete Hagene unde Gêrnôt zehant. In der C-Fassung dagegen: Da widerredete aleine der herre Gernot zehant.
6 Im Folgenden beziehen sich die Strophenangaben vor der Klammer auf die B-Fassung, die Strophenangaben in der Klammer dagegen auf die C-Fassung. An Stellen in denen eine Strophe nur in einer der Fassungen vorkommt, ist diese mit dem Buchstabenkürzel der jeweiligen Fassung gekennzeichnet.
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An dieser Stelle verzichtet der Verfasser der C-Fassung also auf die sprachliche Opposition die der Verfasser der B-Fassung hier zwischen Siegfried und Hagen aufbaut. Trotzdem fällt die Deutung schwer. Ist Hagen dadurch in der C-Fassung positiver dargestellt, da auf die sprachliche Opposition verzichtet wird oder aber negativer, da er hier eher bereit wäre mit Siegfried zu kämpfen, einem Kampf nicht widerspricht? Da, bis auf Gernot, auch niemand sonst widerspricht, wohl eher das Erste.
Strophe C 452 fehlt in der B-Fassung. Eine Strophe vorher erfährt der Leser von Gunthers Angst mit Siegfried zu kämpfen. Der Verfasser der C-Fassung lässt hier nun eine Strophe folgen in der er auf Hagen und dessen Schrecken eingeht. Die letzte Zeile lautet: vor leide het Hagene vil nach verwandelt den sin.
Hagen empfindet also Leid, Schmerz, Betrübnis. Er hat Angst um seinen König. Dies zeigt zunächst seine starke Bindung an Gunther, spricht also für seine Treue, außerdem wird hier dem sonst so grimmig und kühn gezeichneten Hagen ein für ihn recht untypisches, weil schwaches Gefühl zugeschrieben. Die Strophe zeichnet Hagen also schwächer, dadurch aber auch menschlicher. Zusammen mit der Treue die ebenfalls aus dieser Angst spricht, verleiht diese C-Strophe Hagen abermals eine positive Nuance. Strophe B 521 hat keine Entsprechung in der C-Fassung. In ihr wird geschildert, wie Brünhilde vor ihrer Abreise aus dem eigenen Land Truhen mit Edelsteinen füllen und dies vom eigenen Kämmerer beaufsichtigen lässt, da sie Hagen nicht vertraut. Die letzte Zeile dieser Strophe lautet: Gúnthér unt Hagene dar umb láchén began.
Menschen die lachen, wirken eher positiv als negativ. Nirgends sonst im Nibelungenlied lacht Hagen. Außerdem lachen die Figuren hier an einer Stelle an der Hagens Treue in Zweifel gezogen wird, was diese einmal mehr herausstellt. Wenn der Verfasser der C-Fassung gerade diese Strophe weglässt, könnte dies mit Absicht geschehen, sein um Hagen weniger positiv erscheinen zu lassen. Wollte man in der Interpretation noch weiter gehen, könnte man dieses Lachen allerdings auch beinahe prophetisch begreifen, als Vorrausdeutung darauf, dass gerade Hagens Treue auch zu Brünhilde so stark ist, dass es die ganze Katastrophe erst heraufbeschwört. Doch dies führt an dieser Stelle zu weit, ist nicht begründet genug und nicht sprach-, sondern literaturwissenschaftlich. Strophe B 698 fehlt ebenfalls in der C-Fassung. Sie beschreibt wie Hagen sich weigert mit Kriemhild an Siegfrieds Hof zu ziehen, nachdem Gernot ihr angeboten hatte,
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mitnehmen zu können wen sie wolle und sie sich zunächst für Hagen und Ortwin entschieden hat. Die Strophe lautet: Nâch Hagene von Tronege und ouch nâch Ortwîn, ob die unt ouch ir mâge Kriemhilde wolden sîn. Do gewán dar umbe Hagene ein zornlîchez leben; Er sprach: „jane mac uns Gunther ze werlde níemén gegeben.
Die Rede setzt sich in der nächsten Strophe dergestalt fort, dass Hagen darauf pocht, denen, denen er bisher gedient hat, den Burgundischen Königen also, auch weiter dienen zu müssen. Der Verfasser der C-Fassung verzichtet hier also auf eine Strophe in der Hagen zornig ablehnt Kriemhild zu dienen, die allerdings auch noch einmal seine Vasallentreue herausstreicht. Trotzdem lässt ihn dieses Auslassen in C etwas positiver wirken, auch und gerade weil die Opposition der Beiden nicht noch einmal extra betont wird. Nahezu eine Schlüsselstelle stellen die Strophen 915 und (923) dar, da sie sich vom Inhalt her massiv unterscheiden. Die Strophe in der B-Fassung lautet: Dô reit zuo sînem wîbe der recke vil gemeit-Schiere hete Hagene dem künige geseit, wie er gewinnen wolde den tiwerlîchen degen. Sus grôzer untriuwe solde nimmer man gepflegen. Die Strophe in der C-Fassung dagegen: Do die vil ungetriwen uf geleiten sinen tot, si wistenz al gemeine. Giselher und Gernot wolden niht jagen riten. Ine weiz durch welhen nit, daz si in niht en warnden; idoch erarneten siz sit.
Während in der B-Fassung also auf Hagen eingegangen wird und die Strophe mit dem beinahe berühmten Satz: „Sus grôzer untriuwe solde nimmer man gepflegen.“ endet
und damit also ganz explizit auf Hagens Untreue eingeht, spricht Fassung C von Gernot und Giselher und fragt, warum diese Siegfried nicht warnten. Hagen wirkt an dieser Stelle in der B-Fassung also deutlich negativer als in der C-Fassung. In Strophe 971 (980) zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. Sie handelt zunächst von der Bewunderung, die jedermann Siegfrieds Jagdbeute entgegenbringt, endet aber in Fassung B: Hagen sîne triuwe vil sêre an Sîfriden brach.
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Malte Gärtner, 2006, Hagen von Tronege - chüene und grimme, München, GRIN Verlag GmbH
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Malte Gärtner's Text Hagen von Tronege - chüene und grimme ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Malte Gärtner hat den Text Hagen von Tronege - chüene und grimme veröffentlicht
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Der Text von der Stellungnahme
. Europäische Gruppe für Ethik der Naturwissenschaften und der Neuen Technologien, Europäische Kommission
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