2. Einflüsse des Klimas auf die Vegetation
Die Einflüsse des Klimas auf die Pflanzen können in mittelbare und unmittelbare Einflüsse unterteilt werden. Zu den mittelbaren Einflüssen zählt zum Beispiel die Wirkung, die das Klima auf die Bildung von Böden hat. Temperatur und Feuchte sind wesentliche Faktoren, die die Entstehung der verschiedenen Bodentypen beeinflussen. Weiterhin ist das Wärmespeicherungsvermögen, welches ja abhängig vom Bodentyp ist, bedeutsam für das Pflanzenwachstum. Je größer die vom Boden gespeicherte Wärmemenge ist und je langsamer sie wieder abgegeben wird, desto länger kann sie für das Pflanzenwachstum nutzbar gemacht werden.
Die Temperaturleitfähigkeit des Bodens hängt stark von der Feuchtigkeit des Bodens ab. Ihr Optimum nimmt sie bei mittlerer Feuchte des Bodens an.
Der unmittelbare Einfluss des Klimas kommt vor allem in der zonalen Anordnung der Vegetationsgebiete zum Ausdruck, welche weitgehend der Anordnung der Klimagürtel folgt. Das heißt also, dass das Makroklima insofern für die Landwirtschaft von Bedeutung ist, als dass in jeder Klimazone andere Nutzpflanzen angebaut und bewirtschaftet werden können. Das Klima bestimmt im Zusammenhang mit dem Relief die Verbreitungsspannen der Nutzung, wobei weniger die Durchschnitts- als die Extremwerte und die jahreszeitliche Variabilität maßgeblich für Möglichkeiten und Risiken sind. Die Nutzpflanzen haben unterschiedliche Klimaansprüche, so dass sich optimale und marginale Standorte ergeben. Daneben sind besonders die Erscheinungen des Meso- und des Mikroklimas von Bedeutung. Im folgenden soll vor allem die Bedeutung von Temperatur, Niederschlag und Wind dargestellt werden.
2.1. Temperatur
Neben der Höhe der Temperaturen ist vor allem die Dauer bestimmter Werte für die Länge der Vegetationsperiode, also für das Wachstum und die Reife, entscheidend.
-Eigene Darstellung; Daten aus: W.-D. SICK: Agrargeographie, 1997, S. 39.-
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Für alle Pflanzen ist jedoch vor allem die Dauer der frostfreien Zeit lebenswichtig. In unseren (gemäßigten) Breiten finden sich meist zeitweilig frostverträgliche Gewächse (Getreide, Obstbäume). Die nicht frostverträglichen müssen als einjährige Kulturen auf die frostfreie Zeit oder ganz auf Gebiete mit frostfreiem Klima begrenzt werden.
Für den ganzjährigen Anbau von warm-tropischen Gewächsen (z.B. Kaffee) hat H. WISSMANN die Begrenzung durch Frost bzw. durch Wärmemangel untersucht. Demnach ist in den äußeren und kontinentalen Teilen der Tropen der Frost ausschlaggebend für die Begrenzung des Anbaus. In den ozeanischen Teilen und innertropischen Gebirgen ist dagegen bereits der Mangel an Wärme (Mona tsdurchschnitt < 18,3°C) entscheidend für die Nutzungsbegrenzung. [vergl. W.-D. SICK: Agrargeographie, Braunschweig 1997, S. 39.] Auch zu hohe Temperaturen (bei Kaffee z.B. > 30°C) können schädlich sein.
2.2 Niederschlag
Bei der Betrachtung der Temperaturwerte müssen zusätzlich immer auch die verfügbaren Wassermengen, also der Niederschlag, berücksichtigt werden. Auch hier ist neben der Jahresmenge vor allem die monatliche Verteilung von Bedeutung.
Da der höchste Wasserbedarf der Pflanzen in die Wachstumsperiode fällt, sind die sommer- und immerfeuchten Gebiete den winterfeuchten Gebieten in dieser Hinsicht überlegen. Es gibt jedoch auch Pflanzen (z.B. Wein und Baumwolle), bei denen sich Trockenheit günstig auf die Reife und Ernte auswirkt. Wald- und Grünlandgebiete dagegen bevorzugen niederschlagsreiches Klima. Der Gesamtbedarf an Niederschlägen hängt von der jeweiligen Nutzungsform ab:
-Eigene Darstellung; Daten aus: W.-D. SICK: Agrargeographie, 1997, S. 39.-
Das Auftreten von großen Niederschlagsschwankungen – in der Sahelzone und in Australien können Jahresniederschläge um bis zu 50% vom Mittelwert abweichen – kann verheerende Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben und ein entsprechendes Vor- oder
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Zurückweichen der Anbaugrenzen bewirken. Heftige Niederschlagsereignisse können zudem zum Abschwemmen des Bodens führen. Hagelfälle können strichweise zu großen Schäden an den Pflanzen führen.
2.3 Wind und Windschutz
Winde können Schäden für die Landwirtschaft durch Austrocknung, Bodenauswehung und Sandanwehung anrichten. Dabei können besonders starke Winde auch lokal zu schweren Schäden an einzelnen Pflanzen führen. Warme Föhn-Ereignisse beschleunigen die Pflanzenentwicklung, während kalte Fallwinde (z.B. Bora und Mistral im Mittelmeergebiet) negative Auswirkungen auf Nutzpflanzen haben.
Wenn in der Landwirtschaft von Windschutz die Rede ist, dann ist damit weniger der direkte Schutz der Pflanzen gemeint, als vielmehr der Schutz vor Verwehung der Bodenkrume (Winderosion). Möglichkeiten der Abschwächung des Windes bestehen im Anlegen von Hecken, Waldstreifen oder Mauern, die zu einer Erhöhung der Rauhigkeit der Erdoberfläche gegenüber der Luftströmung führen. Die Luftströmung wird somit von der Bodenoberfläche bzw. der bodennahen Schicht abgehoben und sorgt dort für eine Zone schwacher Luftbewegung. Die Windschutzwirkung eines Steinwalles ist dann besonders groß, wenn er senkrecht vom Wind angeblasen wird. Während sich der Wind an einen flachgeneigten Hügel anschmiegen würde und die Schutzwirkung somit nur sehr gering wäre, entsteht bei einem solchen senkrecht angeblasenen Steinwall sowohl vor, als auch hinter dem Wall eine windstille Zone.
„R. GEIGER gibt an, dass bei einem senkrecht gegen eine Schutzhecke wehenden Wind eine zehnprozentige Schwächung der Windgeschwindigkeit bereits in einer Entfernung vor dem Hindernis beginnt, die fünfmal größer ist als die Höhe des Hindernisses und sich im Lee sogar auf einen Streifen erstreckt, der 25mal breiter ist als das Hindernis hoch.“ [RICHARD SCHERHAG, JOACHIM BLÜTHGEN, WILHELM LAUER: Klimatologie, 9., verbesserte Auflabe, Braunschweig 1977, S. 131.]
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Quote paper:
Thomas Reith, 2000, Agrarklimatologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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