1. Einleitung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Führungskräften von Alexander dem Großen. Dabei werden in prosopographischer Form die wichtigsten Generäle Alexanders anhand ihres Lebensweges im Persienfeldzug vorgestellt. Hierbei kann eine Einteilung in zwei Gruppen vorgenommen werden. Einmal die 'Old Guard', bestehend aus Vertretern der altmakedonischen Aristokratie, die bereits unter Philipp dienten und dessen Staat befürworteten. Mit ihnen musste sich Alexander zu Beginn des Persienfeldzuges arrangieren. Zum anderen die 'New Men', Kriegsteilnehmer in Alexanders Alter, sie waren ehrgeizig und wollten aufsteigen und befürworteten die Asienpolitik ihres Königs 1 . Doch wer gehörte nun zu den Führungskräften? Wie war das Verhältnis zwischen 'Old Guard' und 'New Men' und welche Veränderungen gab es innerhalb der Führungsschicht? Welche Folgen hatten diese Veränderungen? Im Laufe dieser Arbeit wird nun versucht, diese Fragen zu beantworten.
Bei der Bearbeitung dieses Themas wurde auf antike Quellen zurückgegriffen. Von Alexander berichten uns Arrian, Curtius, Diodor, Justin und Plutarch, welche selbst auf noch ältere Quellen zugegriffen haben 2 . Hierbei ist zu beachten, dass die Quellen unvollständig oder durch politische Propaganda oder erfundene Geschichten verfälscht sein können. In der Sekundärliteratur gibt es bisher wenige Prosopographien zu diesem Thema, hier gilt Waldemar Heckels Werk The Marshals of Alexander's Empire als das aktuellste und vollständigste. Jedoch gibt es eine größere Anzahl von Aufsätzen zu den einzelnen Charakteren.
1 Zur Einteilung in 'Old Guard' und 'New Men' vgl. Heckel, Marshals.
2 Für genauere Angaben der verwendeten antiken Quellen siehe Literaturverzeichnis.
2
2. Die 'Old Guard'
2.1 Parmenion
Parmenion wurde 400 v. Chr. geboren 3 und war bereits unter Alexanders Vater Philipp ein wichtiger General. Während dessen Ermordung befand sich Parmenion mit einer Expeditionstruppe in Klein-Asien 4 . Als Alexander seinen Feldzug gegen die Perser begann, bekleideten Parmenion und seine Söhne wichtige Ämter in der Armee, besonders sein Sohn Philotas, der die Getreuenreiterei kommandierte. Parmenion war damit der einflußreichste Vertreter der altmakedonischen Aristokratie im Heer, die sich eher einen schwachen König wünschte. Seine militärische Erfahrung war für den jungen Alexander jedoch unverzichtbar, mußte er doch Erfolge aufweisen, um sich zu legitimieren. Und in der Tat sprachen die militärischen Erfolge bis Gaugamela für sich. Doch allzu häufig lehnte Alexander die Ratschläge seines alten Generals ab. Im Verlauf des Persienfeldzuges wurde Parmenion mit immer unwichtigeren Aufgaben betraut, bis er schließlich einen "Schreibtischjob" in Ekbatana erhielt, wo er über einen Großteil der Kriegskasse wachen sollte 5 . In Wirklichkeit wollte ihn Alexander nur vom Hauptteil des Heeres fernhalten und isolieren, um einer möglichen adeligen Opposition vorzubeugen. Nach der Verurteilung seines Sohnes Philotas wurde Parmenion schließlich 330 auf Alexanders Befehl in Ekbatana ermordet 6 , entweder weil Alexander ihn als Mitverschwörer betrachtete, oder weil Parmenion seinen Sohn hätte rächen wollen 7 . Um vor der Nachricht von Philotas Exekution Ekbatana zu erreichen ließ Alexander extra Rennkamele einsetzen. Die dortigen Soldaten waren nach der Ermordung ihres Generals sehr aufgebracht und konnten nur durch die Verlesung eines königlichen Briefes beruhigt werden 8 .
2.2 Philotas
Philotas, der Sohn von Parmenion, wurde in den späten 360er Jahren v. Chr. geboren 9 . Da er die Getreuenreiterei kommandierte 10 , bekleidete er im Heer von Alexander einen hohen Posten Philotas besaß ein gutes Verhältnis zu Alexander. In Ägypten aber lehnte er die
3 Curt. 6,11,32.
4 Just. 9,5,8.
5 Arr. 3,19,7.
6 Arr. 3,26,3-4; Curt. 7,2,11-32.
7 Arr. 3,26,4.
8 Curt. 7,2,28-31.
9 Heckel, Marshals, 23.
10 Diod. 17,17,4.
3
göttliche Verehrung Alexanders ab und behauptete zurecht, dass die bisherigen militärischen Erfolge ihm und seinem Vater, nicht aber Alexander zu verdanken seien. 11 Als Krateros von diesen Aussagen hörte, befahl er Antigona, der Geliebten von Philotas, ihm direkt alles Wichtige zu berichten. Schließlich informierte er Alexander über diese "Ägyptische Verschwörung" 12 , für sich selbst auf Vorteile hoffend. Doch Alexander schenkte diesen Vorwürfen keine Beachtung, sicher auch, da Parmenion und Philotas zu diesem Zeitpunkt noch sehr mächtig waren.
Im Jahre 330 kam es dann zur sogenannten "Dimnos-Verschwörung". Der Makedone Dimnos erzählte seinem Geliebten von einer geplanten Ermordung Alexanders. Dieser berichtete anschließend seinem Bruder Kebalinos davon, der den König daraufhin warnen wollte 13 . Da er aber keine Audienz erhielt, bat er den gerade aus dem Königszelt kommenden Philotas, etwas zu unternehmen. Doch obwohl dieser mehrmals täglich zum König gelangte, hatte er auch nach zwei Tagen noch nichts unternommen. Schließlich wandte sich Kebalinos an einen königlichen Pagen, der ihn in die Waffenkammer einschmuggelte und ihm so ermöglichte, Alexander zu informieren 14 . Nebenbei erwähnte er auch das zögernde Verhalten von Philotas. Der König befahl sofort die Verschwörer zu verhaften, doch Dimnos konnte nicht lebend gefaßt werden. Philotas behauptete, die Verschwörung nicht ernst genommen zu haben 15 . "But, in such a context, negligence implied complicity, and his inaction, at least in the eyes of Alexander's younger companions, was treasonable." 16 So wurde Philotas der Mittäterschaft verdächtigt.
Da Dimnos jedoch nicht lebend gefaßt wurde und eine aufklärende Aussage ausblieb, wird vermutet, dass die Verschwörung nur inszeniert war, um über Philotas schließlich Parmenion zu entmachten 17 . Doch diese These erscheint unlogisch. Zwar wäre im Falle von Alexanders Tod die Macht an Parmenion übergegangen, doch konnte man nicht wissen, ob Philotas wirklich untätig bleiben würde, nachdem er informiert worden war. Und wäre er sogar Mitglied der Verschwörung gewesen, hätte er wohl Maßnahmen ergriffen, um diese nicht zu gefährden. Viel wahrscheinlicher ist, dass Philotas einfach abwartete und hoffte, dass die Verschwörung Erfolg haben würde. 18
11 Vgl. Heckel, Resistance, 217.
12 Arr. 3,26,1.
13 Curt. 6,7,2-19; Plut. Al. 49,2-3.
14 Curt. 6,7 17-25; Diod. 17,79,2-5.
15 Curt,6,10,11-18.
16 Heckel, Marshals, 28.
17 Zu der These einer Verschwörung gegen Philotas siehe Badian, Parmenio, 330-333 und Badian, Loneliness of
Power, 196-197.
18 Vgl. Heckel, Marshals, 29; Müller, Opposition 88-89; Rubinsohn, Philotas, 418-419.
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Arbeit zitieren:
Lars Rothenpieler, 2004, Die Führungskräfte Alexanders des Großen, München, GRIN Verlag GmbH
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