Inhalt:
1. Einleitung 3
2. Lucius Cornelius Sulla Felix (138-78 v.Chr.) - Kurzbiographie bis ins Jahr
83v.Chr. S. 3
3. Sullas Rückkehr nach Italien und der Bürgerkrieg 83-81 v.Chr. 5
4. Sulla crudelis : die Proskriptionen und die Unterwerfung der letzten Gegner 7
5. Dictator legibus scribundis et rei publicae constituendae - Die Neuordnung des
r ömischen Staates S.10
5.1. Die Reform der Magistraturen (Volkstribunat, Quaestur, Prätoren, Cursus Honorum) S.12
5.1.1 Volkstribunat - tribuni plebis S.13
5.1.2 Lex Cornelia de magistratibus S.13
5.1.3 Lex Cornelia de praetoribus octo creandis S.14
5.2. Die Senatsreform (Einschränkung der Censoren) S.15
5.3. Die Neuordnung der Provinzverwaltung S.16
5.4. Die Reform der Rechtsprechung - neue juristische Institutionen S.17
5.5. Die Luxus- und Moralgesetzgebung S.18
5.6. Reformen auf dem Bereich des Religiösen (lex de sacerdotis) S.19
5.7. Die Entmilitarisierung Italiens S.19
6. Sullas Rücktritt S.20
7. Zusammenfassung S.22
8. Forschungsüberblick - Literatur zu Sullas Neuordnung des Staates S.23
9. Literatur S.25
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1. Einleitung:
Die vorliegende Arbeit soll einen geschichtlichen Überblick zu Sullas politischem Wirken in den Jahren 83 - 79 v. Chr. geben. Im Mittelpunkt stehen Sullas Rückkehr nach Italien im Jahr 83 v.Chr., der darauf folgende Bürgerkrieg, Sullas Machtübernahme in Rom, die Proskriptionen und vor allem Sullas Diktatur mit der damit verbundenen Restauration und Reformierung des römischen Staates. Die in der geschichtswissenschaftlichen Forschung kontroverse Diskussion zur sullanischen Neuordnung des römischen Staates und die schwierige Bewertung und Interpretation von Sullas Absichten ( und seinen politischen Motiven) soll in ihren Grundzügen dargestellt werden.
2. Lucius Cornelius Sulla Felix (138-78 v.Chr.) - Kurzbiographie bis ins Jahr
83v.Chr. 1
Sullas Biographie, seine politische und militärische Karriere bis ins Jahr 83 v.Chr., stehen zwar nicht im Mittelpunkt der vorliegenden Darstellung, sind aber für die Einschätzung der Person Sullas und der persönlichen Motive für seine Diktatur (seines Reformwerkes) nicht ganz zu vernachlässigen. Sulla entstammt einer angesehenen, aber verarmten römischen Patrizierfamilie. Eine Erbschaft ermöglichte ihm den Beginn einer politisch-militärischen Karriere. Er wurde 107 zum Quaestor gewählt und kämpfte unter Marius erfolgreich im Numidischen Krieg. In den Jahren 104-103 diente er ebenfalls unter Marius als Legat bzw. Kriegstribun im Krieg gegen die Germanen in Gallien. Erst 97 wurde er schließlich (wahrscheinlich durch Bestechung) in das Prätorenamt gewählt. Im Jahre 96 setzte er im Auftrag des Senats (als Proconsul in Cilicia) Ariobarzanes als König von Cappadocia ein, gelangte dabei bis an den Euphrat und knüpfte erste diplomatische Kontakte zwischen Rom und den Parthern. Unterstützt von einer angesehenen Familie (Metelli), wurde Sulla im Jahre 88 zum Konsul gewählt. Als Exponent optimatischer Politik wurde er mit dem Krieg gegen Mithridates betraut. Noch bevor Sulla mit seinen Truppen nach Asien aufbrechen konnte, wurde ihm jedoch der Oberbefehl entzogen und auf Marius übertragen. Er selbst, seine Legionen und auch einer seiner Offiziere (L. Lucullus) wollten die Entscheidung nicht
1 Sehr umfassend informieren Keaveney und Letzner über Sullas militärischen und politischen Werdegang vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Konflikte der späten römischen Republik. (LETZNER, WOLFRAM, S.22-208.; KEAVENEY, ARTHUR, S.6-110.)
3
akzeptieren. Sulla zog mit seinen Soldaten gegen Rom 2 ; sie konnten die Stadt trotz heftigem Widerstand einnehmen. Er ließ seine politischen Gegner (Sulpicius, Marius, u.a.) zu Staatsfeinden (hosti publici) erklären; die Gesetzgebungen der popularen Politik wurden aufgehoben. Auf Druck auch seiner Anhänger verließen die sullanischen Legionen wieder die Stadt, und es wurden für das Jahr 87 Konsulatswahlen durchgeführt. Sullas zu jenem Zeitpunkt sinkende Popularität manifestierte sich in der Wahl eines politischen Gegners: L.Cornelius Cinnas wurde Konsul, zunächst für das Jahr 87. Sulla vertraute dennoch auf die politische Fairneß Cinnas und verließ mit seinen Legionen Italien Richtung Griechenland, wo sich bereits Truppen des Mithridates befanden. Diese hatten in der sog. „Vesper von Ephesos“ ca. 80000 Römer und Italiker getötet - ein rasches militärisches Vorgehen gegen Mithridates war daher dringend nötig. Gleichzeitig entsandten Cinna und der Senat ein weiteres Heer (unter Valerius Flaccus) nach Griechenland, um Sullas Aufgabe zu übernehmen - wiederum sollte ihm sein Oberbefehl entzogen werden, er wurde sogar zum Staatsfeind erklärt. Sulla verfolgte in Griechenland eine umstrittene Strategie des Ausweichens - mehrmals vermied er die direkte militärische Konfrontation mit Mithridates. Die „popularen“ Legionen schlossen sich Sulla an, und er konnte mit Mithridates einen großzügigen Frieden (Friede von Dardanos, 85 v.Chr.) schließen; all dies mit dem Hintergedanken, seine Legionen für eine feindliche Rückkehr nach Italien zu schonen.
Sullas politische und militärische Karriere waren eng verknüpft mit den konfliktreichen Ereignissen der späten Römischen Republik. Die Ereignisse nach seiner Rückkehr im Jahr 83 lassen sich nur vor dem Hintergrund der hier skizzierten Entwicklungen begreifen. Sullas Marsch auf Rom, die Proskriptionen und seine Diktatur waren schon im Jahre 83 kein Novum mehr - die Ereignisse aus dem Jahr 88, als Sulla zum ersten Mal auf Rom marschierte um seinen politischen Willen durchzusetzen, geben bereits einen Ausblick auf seine Rückkehr aus Griechenland im Jahre 83.
2 Bellen beschreibt die folgenschweren Ereignisse aus dem Jahr 88v.Chr, als erstmals römische Truppen gegen die eigene Stadt marschierten: „Sulla [...] brauchte die Soldaten dazu, sich der Befehlsübernahme durch Marius [...] zu widersetzen. Sie bekundeten [...] ihren Willen, Sulla in Rom Geltung zu verschaffen und mit ihm in den Krieg gegen Mithridates zu ziehen. [Sulla] [...] führte vier Legionen gegen Rom (zwei blieben vor Nola zurück). Die Ungeheuerlichkeit des Entschlusses, gegen den Sitz der res publica zu ziehen - auch wenn ein Konsul ihn gefaßt hatte und als Befreiungstat rechtfertigte -, kam vor allem den Offizieren zu Bewußtsein; sie verließen Sulla und eilten in die bedrohte Hauptstadt. Den Soldaten dagegen galten ihr Feldherr und ihr Vorteil mehr als der
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3. Sullas Rückkehr nach Italien und der Bürgerkrieg der Jahre 83 - 81 v.Chr. 3
Nachdem Sulla im Jahre 85 v.Chr. mit König Mithridates von Pontos jenen überraschend großzügigen Frieden geschlossen hatte 4 (Friede von Dardanos), bereitete er sich mit seinen Legionen (ca. 40000 Mann) darauf vor, nach Rom zurückzukehren. In Rom regierten zwischenzeitlich die Konsuln Cornelius Scipio und C. Norbanus, beide politische Erben des Marius. Als Sulla seine Rückkehr ankündigte, wurden in ganz Italien Truppen ausgehoben um der Bedrohung eines erneuten Bürgerkriegs militärisch entgegenzutreten. In einem Brief an den Senat rechtfertigte Sulla seine Vorgehensweise, zählte seine Verdienste auf und kündigte die Rückkehr nach Italien und Rache an seinen politischen Gegner an:
Appian, Emphylia 1, 77, 350-352:
Sulla schrieb hochgemut in eigener Sache an den Senat, nannte seine Verdienste schon als Quäestor in Afrika gegen Iugurtha von Numidien, als Legat im Krieg gegen die Kimbern, als Kommandant in Kilikien und im Bundesgenossenkrieg, schließlich als Konsul, Er betonte besonders seine jüngsten Erfolge gegen Mithridates und zählte die vielen Völkerschaften auf, die Mithridates unterstanden hatten, nun aber durch ihn an Rom gelangt waren. Er stellte ebenso heraus, daß er die von Cinna aus Rom Vertriebenen, die sich zu ihm in ihrer Verzweiflung geflüchtet hatten, bei sich aufgenommen hätte... Als Dank für all dies, so sagte er, hatten ihn nun seine Gegner zum Feind des Staates erklärt, sein Haus sei zerstört, seine Freunde ermordet; seine Frau und seine Kinder hätten kaum zu ihm entkommen können. Er käme nun, um an den Schuldigen Rache für die Opfer und für die ganze Stadt zu nehmen. Er machte aber dem Volk insgesamt und besonders den Neubürgern dabei deutlich, daß er ihnen nichts vorzuwerfen habe. 5
Erst im Jahr 83 v.Chr. landete Sulla mit fünf Legionen in Brundisium 6 (Brindisi); seine siegreichen Legionen waren zwar nicht besonders zahlreich, aber auf Grund ihres
Staat. Das war die Konsequenz aus dem Strukturwandel des römischen Heeres; ein Berufsarmee ließ sich auch gegen den Staat einsetzten.“ vgl. BELLEN, HEINZ, S.108-109.
3 Zum Verlauf der hier dargestellten historischen Handlungen und Abläufe siehe auch: MEIER, CHRISTIAN, S.240-243; BLEICKEN, JOCHEN, S.72-73; LETZNER, WOLFRAM, S.229-245; CRAWFORD, MICHAEL, S.169-171.
4 Mithridates sollte lediglich seine Eroberungen in der Provinz Asia aufgeben und 2000 Talente bezahlen, blieb ansonsten aber straflos und konnte sein großes Reich halten. Er bekam sogar den Status eines römischen Bundesgenossen. Von den Städten in Asia die z.T. zu Mithridates „übergelaufen“ waren, verlangte Sulla jedoch 20000 Talente und hohe Aufwendungen für seine Legionen - immerhin blieb Sulla fast noch zwei Jahre in Griechenland ehe er die Rückkehr nach Italien wagte.
5 Zit. nach CRAWFORD, MICHAEL, S.169; der Sullas Argumentation wie folgt bewertet: „Auf den ersten Blick ist es erstaunlich, mit welchem Nachdruck Sulla seine Verdienste um den Staat als Rechtfertigung für seine Vorhaben anführte; doch war ihm bewußt, daß er damit einen Kernpunkt im römischen Wertesystem ansprach.“
6 Im Zusammenhang mit dem Aufbruch von Sullas Legionen in Griechenland erwähnt PLUTARCH folgende Begebenheit: „Als er nun im Begriff war, die Soldaten einzuschiffen, und die Besorgnis hegte, daß sie sich, sobald sie nach Italien kämen, in ihre Städte zerstreuen würden, da schworen sie zunächst von sich aus, bei ihm zu bleiben und, soviel an ihnen liege, in Italien keine Schäden anzurichten, und da sie ferner sahen, daß er viel Geld brauchte, so veranstalteten sie eine Sammlung und gaben, jeder nach seinem Vermögen. Aber Sulla nahm das Opfer nicht an, sondern lobte sie nur, ermunterte sie, [...]“ (Plut. Sulla 27.5); dt. Übersetzung zit. nach:
5
außerordentlichen Erfolgs in Griechenland (Frieden von Dardanos, Sieg über Mithridates) ihrem Heerführer treu ergeben. Die beiden römischen Konsuln, L. Cornelius Scipio und C. Norbanus, erwarteten Sullas Ankunft in Italien nicht unvorbereitet. In ganz Italien wurden Truppen ausgehoben (ca. 100 000 Soldaten) um der militärischen Bedrohung eines erneuten Bürgerkrieges entgegenzutreten. Es stellten sich jedoch Sulla mehrere optimatische Freunde 7 als Legaten zur Verfügung: Marcus Licinius Crassus rekrutiert in Spanien, als er von Cinnas Tod hörte, eine Armee und schloß sich Sullas Legionen an. Auch Pompeius beteiligte sich mit zwei Legionen, die er aus eigenen Mitteln in Picenum ausgehoben hatte. Ganz Unteritalien trat in einer raschen Entscheidung zu Sulla über 8 . Da er sich seiner Abhängigkeit vom Wohlwollen der gesamten Bevölkerung Italiens bewußt war, untersagte Sulla seinen Legionen jegliches Plündern und signalisiert, die unter Marius und Cinna zugestandenen Bürgerrechte der Bundesgenossen (Lex Plautia Papiria) zukünftig zu respektieren. 9 Die zunächst angestrebten Friedensverhandlungen mit den beiden Konsuln (Scipio und Norbanus) scheiterten. Die Legionen Scipios verbündeten sich jedoch mit Sullas Armee, und es wurde ihm möglich Norbanus zu schlagen. Für das Jahr 82 v.Chr. wurden Gnäus Papirius Carbo und der 27jährige Sohn Marius zu Konsuln gewählt. Es standen ihnen noch genügend Truppen zur Verfügung, zumal sich die Neubürger Italiens zum großen Teil gegen Sulla entschieden hatten. Es gelang Sulla jedoch bis ins Latium vorzudringen, Marius bei Signa zu schlagen, und ihn in der Stadt Präneste einzuschließen. Ohne auf weiteren Widerstand zu treffen, konnte Sulla daraufhin in Rom einziehen. Carbo und Marius hielten sich jedoch immer noch in Oberitalien auf, und ein großes Heer von Samniten und Lukanern unter einheimischen
PLUTARCH: Große Griechen und Römer, (aus dem Griechischen übertragen und erläutert von KONRAD ZIEGLER), Bd.3, München 1980, S.83. Zur Bewertung jener Spendenszene siehe auch LETZNER, WOLFRAM, S.228, und Anm.44: „Der Appell an die Loyalität ihm gegenüber war sicher nur reine Formsache, denn die Truppen hatten schon längst Sullas Ziele verinnerlicht, da sie sogar spontan bereit waren, durch eine Sammlung die Kriegskosten teilweise zu tragen, was von Sulla aber abgelehnt wurde. [...] Bei der Bewertung von der Spendengeschichte wird man davon ausgehen müssen, daß sie von Plutarch unmittelbar aus der res gestea Sullas [Sulla schrieb kurz vor seinem Tod seine Memoiren, ein Text der antiken Autoren bekannt war, heute jedoch verschollen ist] übernommen ist. [...] Es stellt sich die Frage, welche Intention Sulla mit der Erwähnung der Episode verband. Es gibt die Vermutung, daß Sulla die Spendengeschichte bewußt lanciert habe, um so die Loyalität des Heeres weiter zu verfestigen.[...]“
7 Auch Metellus schloß sich Sullas Legionen an; siehe hierzu KEAVENEY,ARTHUR, S.130: „It was at this point that Metellus and Crassus, fresh from their overseas adventures, came finally to join him. The accession of Metellus, [...] was of particular importance. Still a proconsul, a member of a powefull noble familiy and possessing immense personal prestige, the example he set in joining Sulla convinced many waverers to do likewise.“
8 „Unmittelbar nach der Landung vollzog Sulla erneut Opfer und Auspizien, die sich geschickt auswerten ließen, da sie erneut einen Sieg Sullas prophezeiten. Brundisium selbst öffnete ohne Gegenwehr die Tore, da es Sullas Versprechungen glaubte. Aufgrund der Disziplin, die Sullas Armee an den Tag legte, entschloß sich ganz Apulien für die Unterwerfung.“ vgl. LETZNER, WOLFRAM, S.229.
9 So urteilt CRAWFORD, MICHAEL, S.170ff: „Sulla war klug genug, deutlich zu machen, daß er nicht die Absicht hatte, den Italikern ihr römisches Bürgerrecht zu entziehen oder ihr Wahlrecht anzutasten; als der römische Widerstand gebrochen war, wurde Sulla von den meisten Italikern anerkannt.“
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Manfred Merkel, 2003, Sullas Diktatur - die Neuordnung der Römischen Republik, München, GRIN Verlag GmbH
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