Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I I
Abkürzungsverzeichnis V
1. Einleitung 1
1.1 Zielstellung und Aufbau 2
1.2 Begriffsdefinitionen und Erläuterungen 4
1.2.1 Erneuerbare Energien 4
1.2.1.1 Erneuerbare Energien in Deutschland und ihre Entwicklung 5
1.2.1.2 Biomasse 10
1.2.2 Kraft-Wärme Kopplung 13
1.2.2.1 Kennzahlen der Kraft-Wärme Kopplung 14
1.2.2.2 Energetische und ökologische Bewertung 16
1.2.2.3 Wirtschaftliche Bewertungen 17
1.2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen 19
1.2.3.1 Das Erneuerbare-Energien Gesetz 19
1.2.3.2 Biomasseverordnung 23
2. Holz als Energieträger 24
2.1 Zusammensetzung und Klassifikation 25
2.2 Energieinhalt 27
2.3 Ökologische Bewertung der Energiegewinnung mit Holz 31
2.4 Holzvorkommen und Potential in Deutschland 33
2.5 Energetische Umsetzungsmöglichkeit von Holz 33
2.6 Nutzungsmöglichkeiten des erzeugten Stroms und der Wärme 35
I
3. Planung und Realisierung eines Holzheizkraftwerkes
auf Basis Kraft-Wärme Kopplung 36
3.1 Phase 1 : Planung 37
3.2 Phase 2 : Entwurf 41
3.3 Phase 3 : Spezifikationen 42
3.4 Phase 4 : Bauvorbereitung 43
3.5 Phase 5 : Bau und Probebetreib 44
3.6 Phase 6 : Inbetriebnahme 45
4. Technologieauswahl 45
4.1 Technologischer Gesamtaufbau und Dimensionierung 45
4.1.1 Lagerung und Trocknung des Brennstoffes 49
4.1.2 Kessel mit Vorschubrostsytem und Nassentschlacker 50
4.1.2.1 Stufen der Holzverbrennung 53
4.1.2.2 Stickstoffoxid-Reduktion 55
4.1.2.3 Anforderungen für eine vollständige Verbrennung 57
4.1.3 Dampfturbinentechnik im Kraft-Wärme Kopplungsprozess 58
4.1.4 Abluftreinigung 60
4.1.4.1 Elektrofilter 60
4.1.4.2 Absorption mittels zirkulierendem Wirbelschichtreaktor 62
4.1.4.3 Gewebefilter 63
4.1.5 Verwertung der Asche und der Reaktionsprodukte 65
4.2 Emissionen bei der Verbrennung von Holz 66
4.2.1 Treibhausgase 68
4.2.2 Andere Schadstoffe 69
II
4.2.3 Die Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft und
die Bewertung der Schadstoffe 71
5. Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Holzheizkraftwerkes 75
5.1 Grundsätzliches zur Wirtschaftlichkeitsbetrachtung 75
5.2 Investitionsbedarf und Finanzierung 76
5.3 Kosten des Holzheizkraftwerkes 79
5.3.1 Personalkosten 79
5.3.2 Brennstoffkosten 81
5.3.3 Sonstige Kosten 82
5.4 Produktion, Umsatz und Gewinn des Holzheizkraftwerkes 83
5.5 Investitionsanalyse 85
5.5.1 Liquiditätsplanung 86
5.5.2 Cash-Flow Analyse 87
5.5.3 Die Rentabilität des Holzheizkraftwerkes 88
5.5.4 Die Gewinnschwelle des Holzheizkraftwerkes 89
6. Das Genehmigungsverfahren des Holzheizkraftwerkes 90
6.1 Grundsätze des Bundesimmissionsschutzgesetztes 92
6.2 Geltungsbereich des Bundesimmissionsschutzgesetzes 94
6.2.1 Besondere Begriffsdefinitionen 95
6.2.1.1 Anlagenbegriff 95
6.2.1.2 Stand der Technik 97
6.2.2 Anwendungsbereich des Bundesimmissionsschutzgesetzes 97
6.2.3 Das vereinfachte Genehmigungsverfahren nach dem
Bundesimmissionsschutzgesetzes 98
III
6.2.4 Geltungsbereich des Gesetztes der Umweltverträglichkeitsprüfung 99
6.3 Die Erstgenehmigung des Holzheizkraftwerkes 101 6.3.1 Fristen des Genehmigungsverfahrens 101 6.3.2 Ablauf des Genehmigungsverfahrens 103 6.3.3 Antragsunterlagen und Formulare 106 7. Zusammenfassung 107 Abbildungsverzeichnis 110 Tabellenverzeichnis 111 Literaturverzeichnis 113 Anhang 119
1. Örtliche Aufteilung der am Vorhaben beteiligten Unternehmen 119
2. Wesentliche Verfahrensschritte des Holzheizkraftwerkes 120
3. Gewinn und Verlustrechnung nach Bereichen gegliedert 121
4. Gewinn und Verlustrechnung des Gesamtunternehmens 122
5. Liquiditätsplan der Unternehmung über die ersten zwei Jahre 123
6. Prüfung der UVP-Pflicht für Neuanlagen 125 7. Allgemeines Ablaufschema des Genehmigungsverfahrens 126 8. Vorzulegende Antragsunterlagen für eine Neugenehmigung nach BImSchG 127
IV
Abkürzungsverzeichnis
AFA Absetzung für Abnutzung AG Arbeitgeber AGEB Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen BGA Betriebs- und Geschäftsausstattung BImSchG Bundesimmissionsschutzgesetz BImSchV Bundesimmissionsschutzverordnung BiomasseV Biomasseverordnung BMELV Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz BMU Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit EE Erneuerbare Energien EEG Erneuerbare-Energien-Gesetz EEV Endenergieverbrauch EFH Einfamilienhäuser ETG Energetische Gesellschaft im VDE EVU Energieversorgungsunternehmen EU Europäische Union GEMIS Globales Emissions-Modell Integrierter Systeme GG Grundgesetz GuV gewinn und Verlustrechnung H u Heizwert H o Brennwert HHKW Holzheizkraftwerk HMULV Hessisches Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten IW Immissionswerte KWK Kraft-Wärme-Kopplung MUNLV NRW Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen NawaRo Nachwachsende Rohstoffe PEV Primärenergieverbrauch TA Technische Anleitung V
UN Unternehmen UVP Umweltverträglichkeitsprüfung UVPG Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung UVS Umweltverträglichkeitsstudie VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik VDI Verband Deutscher Ingenieure ZWS Zirkulierende Wirbelschicht
VI
1. Einführung
Im Verlauf der letzten 20 Jahre hat sich der Primär- und Endenergieverbrauch auf der Gebietsfläche von Deutschland auf einem relativ hohen Niveau annähernd stabilisiert, bedingt durch den hohen Lebensstandard der heutigen Gesellschaft. Der Energieverbrauch wird gegenwärtig zum überwiegenden Teil durch fossile Energieträger abgedeckt (Kohle, Gas, Öl). Eine Studie der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen stellte fest, dass die Spitzenstellung nach wie vor das Mineralöl einnimmt, welches seinen Anteil am Primärenergieverbrauch zwischen 1990 und 2008 relativ stabil gehalten hat und im Jahr 2008 einen Anteil von 34,8 % aufwies. Sowohl das Erdgas als auch das Erdölgas hat seinen Anteil von 15,4 % auf 22,1 % gesteigert. Braunkohle wurde massiv um 21,5 % auf 11,1 % zurückgefahren. Die Steinkohle hingegen hat nur kleine Einbußen im Primärenergieverbrauch erlitten, ihr Anteil sank von 15,5 % auf 13,1 %. 1 Die Nutzung der fossilen Energieträger ist aber, abgesehen von dem entsprechenden Ressourcen-Verzehr, mit einer Reihe negativer Umweltfolgen verbunden, die im Sinne einer richtig verstanden Umwelt und der Berücksichtigung unserer Generation und der darauffolgenden weniger toleriert werden kann. Die Menschheit sieht sich großen Umweltproblemen gegenüber, wenn sie weiterhin auf den fossilen Brennstoffen beharrt. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf den durch die energiebedingten Kohlendioxid- und Methanemissionen hervorgerufenen Treibhauseffekt, sondern auch für Umweltschäden wie Boden- und Gewässerverunreinigungen (z.B. infolge von kaputten Pipelines oder Tankerhavarien). Zur Errichtung einer nachhaltigen und klimaverträglichen Energiever-sorgung kommt den Erneuerbaren Energien eine wachsende Bedeutung zu. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) lag der Anteil der Erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch im Jahr 2007 schon bei 9,8 % und hat sich seit 1998 um 6,7 % gesteigert. 2 Der Schutz des Klimas und eine sichere Energieversorgung gehören zu den wichtigsten globalen Herausforderungen der Menschheit. Energieeinsparungen und der Einsatz effizienter Technologien sind zentrale Strategien, um diese Herausforderungen zu meistern. Setzt man sich mit den Erneuerbaren Energieträgern auseinander, kommt man nicht umhin sich mit der wachsenden Bedeutung der Biomasse zur Energiegewinnung zu beschäftigen, da sie die größten Primärressourcen in Deutschland mit einem Anteil von 38 % im Bereich der regenerativen Energien im Jahr
1 Vgl. AGEB, (2007)
2 Vgl. BMU, (2008c), S. 9.
1
2007 aufwies. 3 Durch die Liberalisierung des deutschen Strommarktes im Jahr 1998 wurde der Wettbewerb unter den Energieversorgungsunternehmen (EVU) verschärft und Strompreissenkungen waren die Folge. Dieser Kostendruck zwingt die EVU zu einer ökonomischen Effektivität und Effizienz und somit auch zu einer Neugestaltung der Versorgungslandschaft. Zusätzlich wurde im Rahmen des Kyoto-Protokolls 4 eine Senkung der Treibhausgasemissionen beschlossen.
Aus diesen Gründen beschäftigt sich die vorliegende Diplomarbeit mit einer „Feasibility Study“ (Machbarkeitsstudie) eines dezentralen Holzheizkraftwerkes (HHKW) auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) mit einer Feuerungswärmeleistung von ca. 12 MW und Stromauskopplung von ca. 4,5 MW . Als Brennstoff sollen nur nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz kommen. Spätestens seit Einführung des neuen Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) im Jahr 2004 und den damit gewährten Bonuszahlungen, ist die Technologie der Kraft-Wärme-Kopplung mit der Verbrennung von Holzresten, Holzschnitzeln oder Altholz eine interessante Nutzungsmöglichkeit und hat viele Investoren in den Bereich der Energiegewinnung durch feste Biomasse gelockt.
1.1 Zielstellung und Aufbau
Es ist das Ziel der vorliegenden Diplomarbeit einen Überblick über die Vorzüge der Erneuerbaren Energien, speziell der nachwachsenden Rohstoffe, zu erstellen und die technischen Grundlagen der Verbrennung von naturbelassenem Holz mittels der KWK zu erläutern und zu bewerten. Desweiteren sollen am Beispiel des zu planenden HHKW die komplexen Planungs- und Realisierungsphasen einer solchen Unternehmung mit speziellen Hilfestellungen erläutert und dargestellt werden, um einen Überblick über die wichtigsten Aspekte der Planung zu erstellen. Im Einzelnen werden die technologischen Anlagenbestandteile sowie die Dimensionierung des HHKW aufgezeigt und erläutert.
3 Vgl. BMU, (2008b), S. 13.
4 Zur Klimarahmenkonvention 1997 in Kyoto wurde das Kyoto-Protokoll abgeschlossen. In ihm wurden erstmals rechtsverbindliche Begrenzungen und Reduktionsverpflichtungen verabschiedet. Die Industrieländer verpflichteten sich demnach die sechs festgelegten Treibhausgase um 5 % im Zeitraum von 2008 bis 2012 gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren. Die Europäische Union (EU) hat sich eine Minderung von 8 % zum Ziel gesetzt. Im Rahmen der EU-internen Lastenteilung hat sich Deutschland zur Senkung von 21 % der sechs Treibhausgase verpflichte (Schrader, K. / Hartmann, M. / Krzikalla, N. (2004), S. 432.).
2
Mit Hilfe einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung wird die Lukrativität der Investition nachgewiesen. Darauf folgt ein Ausblick auf das bevorstehende Genehmigungsverfahren des HHKW, damit das komplexe, zumeist wenig transparente Netz der staatlichen Regelwerke im Umweltschutz für einen Planer sich übersichtlicher dargestellt. Der Aufbau der Diplomarbeit besteht aus sieben Kapiteln, wobei die Kapitel:
- Planung und Realisierung eines Holzheizkraftwerkes auf Basis Kraft-Wärme-Kopplung (Kapitel 3),
- Technologieauswahl (Kapitel 4),
- Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Holzheizkraftwerkes (Kapitel 5) und
- das Genehmigungsverfahren des Holzheizkraftwerkes (Kapitel 6)
die Schwerpunkte der Diplomarbeit markieren. Die ersten zwei Kapitel dienen zur näheren Erläuterung der Thematik Erneuerbarer Energien, ihre Entwicklung, Nutzung, Bewertung und Bedeutung. Desweiteren wird ein besonderes Augenmerk auf das Gebiet der Biomasse gelegt, vor allem auf die der nachwachsenden Rohstoffe. Die Technologie der KWK wird näher betrachtet und im ökologischen, energetischen und wirtschaftlichen Sinne beurteilt. Anschließend wird auf die rechtlichen Rahmenbedingungen genauer eingegangen, wobei hier insbesondere interessiert, welche Vorschriften vorhanden sind und welche spezielle Wirkung sie besitzen. Die methodischen Hilfestellungen und die Durchführung der Planung und Realisierung des HHKW bilden den ersten Schwerpunkt der Diplomarbeit. Hier wird eine Übersicht über die wichtigsten Aspekte der Planung erstellt. Der zweite Schwerpunkt beinhaltet die genaue Auswahl und Dimensionierung der technologischen Anlagenbestandteile mit ihren Auswahlkriterien. Darauf folgend wird auf bevorstehende Emissionen und ihre Grenzwerte eingegangen. Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Holzheizkraftwerkes beinhaltet den dritten Schwerpunkt der Diplomarbeit. In diesem Kapitel wird mit verschiedenen betriebswirtschaftlichen Methoden die Wirtschaftlichkeit der Investition nachgewiesen. Das sechste Kapitel („Das Genehmigungsverfahren des Holzheizkraftwerkes“) markiert den letzten Schwerpunkt und beinhaltet einen detaillierten Ausblick auf das zu erwartende Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz. Im letzten Kapitel werden nochmals alle wichtigen Erkenntnisse aufgezeigt und anschließend ein Fazit der erarbeiteten Ergebnisse dargelegt.
3
1.2 Begriffsdefinitionen und Erläuterungen
1.2.1 Erneuerbare Energien
Durch den beschlossenen Ausstieg aus der Kernenergie und die drastische Reduzierung der fossilen Energieträger bekommen die Erneuerbaren Energien immer mehr Bedeutung in der heutigen Strom- und Wärmeerzeugung. Die Erneuerbaren Energien, die auch oftmals in der Literatur als regenerative Energien oder auch Alternativenergien bezeichnet werden, sind Energiequellen, die unter dem menschlichen Zeithorizont unerschöpfliches Potential besitzen. Die Unerschöpflichkeit beruht auf der Entnahme von Energie aus laufend stattfindenden Prozessen der Umwelt. Diese entnommenen Energien können in drei Bereiche eingeteilt werden: dazu zählen die Sonnenenergie mit 3.900.000.000 PJ/a Energieangebot im Jahr, Planetenenergie (Gravitation) mit 94.000 PJ/a Energieangebot im Jahr und die geothermische Energie mit 996.000 PJ/a Energieangebot im Jahr. 5
Auf der Erde können diese Energiequellen in Form von Sonnenlicht und -wärme, Windenergie, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme genutzt werden. Die Geothermische Energie bezeichnet dabei die Wärme im Erdinneren (4.600 ºC). Durch große Temperaturunterschiede zwischen Erdinneren und -kruste existiert ein ständiger Wärmestrom von innen nach außen. Das Energiepotential dieses Wärmestroms liegt in der Größenordnung des Weltprimärenergiebedarfs. Um dieses enorme Potential zu nutzen müssen Tiefenbohrungen durchgeführt werden, wodurch in Regionen mit geothermischen Anomalien diese Nutzung der Wärme im Erdinneren am wirtschaftlichsten ist. Die Planetenenergie stellt das kleinste nutzbare Energiepotential dar. Diese Energie wird durch die wechselseitigen Anziehungskräfte zwischen unserer Erde und ihrem Mond erzeugt. Sie wirkt sich besonders im Bereich der Küstengebiete durch die Gezeiten aus. Das Größte Energieangebot stellt die Sonne zur Verfügung. Die jährliche Energiemenge die die Erdoberfläche erreicht beträgt 3,9 . 10 24 J = 1,08 . 10 18 KWh. Dieses Energiepotential entspricht dem 10.000 fachen des Weltprimärenergiebedarfs und damit weit mehr als alle verfügbaren Energiereserven zusammen. Bei der Nutzung der Sonnenenergie werden zwei Arten unterschieden. Zum einen die direkte Sonnenenergie, wobei die eintreffenden Sonnenstrahlen direkt durch technische Anlagen genutzt werden (Photovoltaganlagen) und zum anderen die indirekte Sonnenenergie, wobei die
5 Vgl. Quaschning, V. (2007), S. 34.
4
Sonnenwärme durch natürliche Prozesse in andere Energieformen (Pflanzenwachstum) umgewandelt wird. Diese umgewandelte Sonnenenergie kann später mittels technischer Anlagen zurückgewandelt werden. 6
1.2.1.1 Erneuerbare Energien in Deutschland und ihre Entwicklung
Schon Anfang der 1970er Jahre führten die Ölkrisen zum Umdenken und zur Verhaltensänderung in Deutschland. Man begann erstmals seit der Jahrhundertwende wieder über den Ausbau der erneuerbaren Energien nachzudenken. Aber mit der Entspannung auf dem Energiemarkt durch die sinkenden Ölpreise wurde der neue Ansatz verdrängt. Erst Ende der 1980er Jahre wurden in Deutschland wichtige Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbare Energien geschaffen. Das Stromeinspeisungsgesetz (1991) für Erneuerbare Energien war von besonderer Bedeutung. Erstmals konnten mit diesem Gesetz die Netzbetreiber verpflichtet werden, Strom aus regenerativen Energiequellen vorrangig abzunehmen und mit einem gesetzlich festgelegten Mindestentgelt zu vergüten. Begünstigt wurde die Förderung der Erneuerbaren Energien auch durch den Ausstieg aus der Kernenergienutzung und die schrittweise Reduzierung der Kohlesubventionen. Das Stromeinspeisungsgesetz wurde im Jahr 2000 durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) ersetzt, auf welches im Kapitel 1.2.4.1 näher eingegangen wird.
Bis zum Jahr 2008 verfolgte die Bundesregierung unter anderem das Ziel den Bruttostromverbrauch 7 bis zum Jahr 2010 aus 12,5 % Erneuerbaren Energien zu decken. Dieses Ziel ist mit 14,2 % bereits 2007 deutlich überschritten worden. Damit beschloss die Bundesregierung, dass bis zum Jahr 2020 der Beitrag der Erneuerbaren Energien zur Strombereitstellung auf mindestens 30 % und der Anteil an der Wärmebereitstellung auf 14 % ansteigen sollen. Im Jahr 2030 soll bereits rund die Hälfte des Stroms in Deutsch-land aus Erneuerbaren Energien stammen. 8
6 Vgl. Quaschning, V. (2007), S. 35 ff.
7 Der Bruttostromverbrauch bezeichnet die gesamte verbrauchte Menge an Strom unter der Berücksichtigung der Stromimporte und -exporte
(http://www.bundesregierung.de/Content/DE/StatischeSeiten/Breg/FAQ/faq-energie.html,
20.06.2009).
8 Vgl. BMU, (2008c), S. 8 f.
5
Laut einer Studie des BMU betrug im Jahr 2007 die gesamte Primärenergie 9 , die durch
Erneuerbare Energien bereitgestellt wurde, 963 PJ. Den größten Anteil machten die
biogenen Festbrennstoffe mit 367 PJ (38 %) aus. Sie besitzen auf der Erde das größte
Potential der Erneuerbaren Energien, welches genutzt werden kann um Energie zu
produzieren (siehe Abbildung 1-1). Der Endenergieverbrauch 10 (EEV) in Deutschland
betrug im Jahr 2007, bezogen auf alle Energiequellen, 8.585 PJ. Der Anteil der Er-
neuerbaren Energien belief sich im Jahr 2007 auf 841,33 PJ (9,8 %). Den größten Anteil
am Endenergieverbrauch im Bereich der Erneuerbaren Energien besitzt die Biomasse
mit 70 % (siehe Abbildung 1-2).
2007 11
9 Als Primärenergie bezeichnet man Energie, die mit den natürlich vorkommenden Energieformen oder Energiequellen zur Verfügung steht, etwa als Kohle, Gas oder Wind und somit noch nicht technisch aufbereitet wurde (Vgl. Quaschning, V. (2007), S. 17.).
10 Der Endenergieverbrauch ist die Summe der zur unmittelbaren Erzeugung der Nutzenergie verwendeten Primär- und Sekundärenergieträger. In der Energiebilanz ist der Endenergieverbrauch als letzte Stufe der Energieverwendung aufgeführt. Energetisch und energieökonomisch handelt es sich jedoch noch nicht um die letzte Stufe der Energieverwendung. Es folgen noch die Nutzenergiestufe (z. B. Nutzung als Licht, Wärme) und die Energiedienstleistungen (Vgl. Quaschning, V. (2007), S. 17.).
11 Vgl. BMU, (2008b), S. 13.
6
Eine Branchenprognose der Agentur für Erneuerbare Energien sagt einen Anteil der EE am EEV für das Jahr 2020 von 20 % voraus. Die CO 2 -Vermeidung belief sich 2007 auf 115 Mio. t gegenüber anderen fossilen Brennstoffen. 14 Im Laufe der Zeit haben diese in Deutschland immer mehr an Bedeutung gewonnen, wie aus der Abbildung 1-3 ersichtlich wird. Ihr Anteil am EEV stieg von 3,1 % auf 9,8 % im Zeitraum zwischen 1998 und 2007. Der enorme Anstieg ist zurückzuführen auf das in Kraft getretene EEG im Jahr 2000 und auf die Novellierung des EEG im Jahr 2004 mit der Einführung der verschiedenen Bonus-Zahlungen (siehe Kapitel 1.2.3.1), sowie auf die verschiedenen positiven Argumente die eine Investition im Bereich der Erneuerbaren Energien attraktiv machen:
- Die Nutzung der Erneuerbaren Energien ist ressourcenschonend, da sie unbegrenzte Vorkommen und kaum Schadstoffemissionen verursachen.
- Sie stehen kostenlos und zeitlich unbegrenzt zur Verfügung.
- Sie verursachen kaum externe Kosten 15 , die von der Bevölkerung getragen werden müssen.
- Unvorhersehbare Preisentwicklungen, wie sie bei fossilen und atomaren Energieträgern oft vorkommen, sind nicht möglich, was nicht nur für Industrienationen, sondern in besonderem Maße für Schwellen- und Entwicklungsländer wichtig ist.
- Erneuerbare Energien können in vielen Regionen der Welt genutzt werden. Extreme Ungleichverteilungen wie bei fossilen und nuklearen Brennstoffen existieren nicht.
- Erneuerbare Energien schonen Bodenressourcen. Die begrenzt vorhandenen Öl-, Kohle- und Erdgasvorräte können daher von der Menschheit und von kommenden Generationen für wertvollere Anwendungen als zur Wärme- und Energiegewinnung genutzt werden.
- Erneuerbare Energien stärken die regionalen Wirtschaftskreisläufe und tragen so zur lokalen Wertschöpfung bei.
Die immer stärker wachsende Bedeutung spürt man auch im Bereich der Beschäftigung in Deutschland. Im Jahre 2004 waren, laut einer Studie des BMU, 160.500 Personen im
14 Vgl. Agentur für Erneuerbare Energien, (2008), S. 2.
15 Externe Kosten sind Kosten, die nicht in den Marktpreisen enthalten sind, wie Kosten für das Walsterben, für Gesundheitsschäden, für Klimaveränderungen und Bau- und Materialschäden. (http://www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBsonstiges/ExterneKosten.php, 23.05.2009)
8
Bereich der Erneuerbaren Energien tätig und bis zum Jahr 2007 hat sich die Zahl der Beschäftigten auf 249.300 gesteigert, was eine Steigerung um ca. 37 % bedeutet. 16 Bis zum Jahr 2020 soll sich, laut einer Branchenprognose der Agentur für Erneuerbare Energien, die Zahl der Beschäftigten auf 500.000 erhöhen. 17 Im Jahr 2007 beliefen sich die Investitionen in EE-Anlagen auf 10,7 Mrd. € in Deutschland. Die Aufteilung dieser Investitionskosten auf die einzelnen Bereiche der regenerativen Energien wird aus der Tabelle 1-1 ersichtlich. Im Vergleich dazu betrugen die Umsätze dieser Gesamtinvestitionen 14,0 Mrd. €. Aufgeteilt auf die einzelnen Sektoren ergibt sich ein Bild wie in Tabelle 1-2 dargestellt.
Tab. 1-1: Investitionskosten in Deutschland im Bereich Erneuerbare Energien im Jahr 2007 18
Tab. 1-2: Umsätze aus dem Anlagenbetrieb Erneuerbarer Energien in Deutschland im Jahr 2007 19 en wesentlich zur W
Erschöpfung bei. Erneuerbare Energien sind Schlüsseltechnologien
16 Vgl. BMU, (2008b),S. 37.
17 Vgl. Agentur für erneuerbare Energien, (2008), S. 3.
18 Vgl. Agentur für erneuerbare Energien, (2008), S. 3.
19 Vgl. Agentur für erneuerbare Energien, (2008), S. 3.
9
Die Bioenergie ist nicht nur die älteste Energiequelle der Menschheit, sondern auch die wichtigste und vielseitigste erneuerbare Energiequelle in Deutschland. Seit vielen tausend Jahren nutzt die Menschheit Biomasse als Energieträger. In Form von Holz war sie lange Zeit das wichtigste Material zum Heizen und Kochen, bis Kohle, Erdöl und Erdgas sie ersetzten. Als Biomasse bezeichnet man im Allgemeinen Stoffe organischer Herkunft, das heißt die in der Natur lebende und wachsende Materie sowie alle deren erzeugten Abfallstoffe. 20 Sie ist hauptsächlich aus Kohlenstoff, Sauerstoff und Wasserstoff sowie Stickstoff aufgebaut. Eine speziellere Definition liefert die Verordnung über die Erzeugung von Strom aus Biomasse (Biomasseverordnung - BiomasseV). Im
§ 2 Abs. 1 Satz 1 und 2 BiomasseV heißt es:
„Biomasse im Sinne dieser Verordnung sind Energieträger aus Phyto- und Zoomasse. Hierzu gehören auch aus Phyto- und Zoomasse resultierende Folge- und Nebenprodukte, Rückstände und Abfälle, deren Energiegehalt aus Phyto- und Zoomasse stammt.“
Biomasse entsteht durch Photosynthese (6CO 2 + 12H 2 O → C 6 H 12 O 6 + 6O 2 + 6H 2 O) aus anorganischer Materie. Aus dem Kohlendioxid der Luft sowie Wasser und Mineralien aus dem Boden bauen Pflanzen mit Hilfe der Sonnenenergie ihre Struktur auf. Als Abfallprodukt seitens der Pflanze entsteht Sauerstoff. Somit ist die Bildung der Biomasse die wesentliche Komponente des Kohlenstoffkreislaufs und damit die Grundlage für die Existenz des menschlichen Lebens. Biomasse wird als Umsetzungsprodukt der Sonnenenergie und darüber hinaus als chemisch gebundene Energie betrachtet. 21
20 Vgl. Kaltschmitt, M. (2001), S. 2.
21 Vgl. Beier, E. (1994), S. 251.
10
Die für eine energetische Verwertung anfallende Biomasse kann allgemein in drei Bereiche gegliedert werden:
- flüssige Biomasse,
- gasförmige Biomasse und
- feste Biomasse.
Da der Schwerpunkt der Diplomarbeit auf der Verbrennung von fester Biomasse liegt, wird diese im Weiteren näher betrachtet. Zu den festen Bioenergieträgern gehören auch die Nachwachsenden Rohstoffe (NawaRo), sie sind land- und forstwirtschaftlich erzeugte Produkte, die einer Verwendung im Nichtnahrungsbereich zugeführt werden. Feste Bioenergieträger sind ein fester Bestandteil in der heutigen Strom- und Wärmeproduktion in Deutschland. Laut einer Studie des BMU, deckten die biogenen Festbrennstoffe im Jahr 2007 1,4 % (bezogen auf den EEV) des gesamten Stromverbrauchs und 6 % des gesamten Wärmebedarfs ab. 22 Für das Jahr 2007 betrug ihr Anteil an der Strombereitstellung im Bereich der EE 15 % (siehe Abbildung 1-4). Im Bereich der Wärmebereitstellung belegen sie bei den EE die absolute Spitzenposition mit 85 % (siehe Abbildung 1-5). Die gesamte installierte elektrische Leistung der Bioenergieanlagen im Sinne von § 8 EEG hat sich in den Jahren 2000 bis 2006 in Deutschland vervierfacht. Für die Stromerzeugung aus fester, flüssiger und gasförmiger Biomasse zeigten sich aber durchaus unterschiedliche Tendenzen auf, die aber nicht weiter betrachtet werden. Die Entwicklung der Stromproduktion aus fester Biomasse verläuft relativ kontinuierlich. Ausgehend von 200 MW el im Jahr 2000 stieg die installierte elektrische Leistung bis 2006 auf 1.100 MW el . Ein Drittel aller Anlagen verfügen über eine elektrische Leistung im Bereich von 5 bis 20 MW el . Diese Anlagen stellen den größten Anteil an der Stromerzeugung aus fester Biomasse bereit. Während in den großen Anlagen überwiegend Altholz eingesetzt wird, nutzen die kleineren Anlagen unter 5 MW el überwiegend Waldrestholz und Industrierestholz, welches beim Betreiber meist selbst anfällt. Vom gesamten Brennstoffeinsatz dürften etwa 65 bis 75 % auf Altholz entfallen, 20 bis 25 % auf Industrierestholz und Sägenebenprodukte und etwa 10 % auf Waldrestholz und Holz aus der Landschaftspflege. Auf Grund der Anreizwirkung des NawaRo-, Technologie- und KWK-Bonus die mit der EEG-Novelle 2004 eintraten (siehe Kapitel 1.2.3.1), wurde ein verstärkter Trend zu Biomasseanlagen im kleinen und
22 Vgl. BMU, (2008b), S. 7.
11
mittleren Leistungsbereich bis 500 kW el beobachtet. Während der Anteil von Anlagen mit einer Leistung bis 2 MW el an den 2004 in betrieb befindlichen Biomasseanlagen bei 36 % lag, stieg er bei den Ende 2006 in Bau befindlichen Anlagen auf 77 %. Der Anteil von nachwachsenden Rohstoffen i.S. des § 8 Abs. 2 EEG am Einsatz fester Brennstoffe zur Stromerzeugung stieg von etwa 6 % im Jahr 2004 auf etwa 9 % im Jahr 2006. Die Zahl der Beschäftigten im Bereich der festen Biomasse stieg von 23.800 im Jahr 2004 auf 64.000 Beschäftigte im Jahr 2006 an, was eine Steigerung von 63 % bedeutet. 23
23 Vgl. BMU, (2007a), S. 81 f.
24 Vgl. BMU, (2008b), S. 6.
12
1.2.2 Kraft-Wärme-Kopplung
In konventionellen Großkraftwerken wird das erzeugte Wärmepotential bei der Stromerzeugung durch die Verbrennung häufig ungenutzt an die Umgebung abgegeben. Dadurch muss am Ende noch zusätzliche Primärenergie zur Deckung des Wärmebedarfs verbraucht werden. Der Hauptvorteil der Kraft-Wärme-Kopplung besteht in der systematischen Nutzung der im Brennstoff enthaltenen Exergie 26 und dem hohen Gesamtwirkungsgrad des Systems, insbesondere im Hinblick auf Ressourcenschonung und Umweltschutz. Der Exergieabbau wird einerseits für die Auskopplung für Kraft/Strom genutzt und andererseits, wird die bei der Stromerzeugung entstehende Umwandlungswärme auf ein gegenüber hohes Nutztemperaturniveau ausgekoppelt. Nachteilig zusehen sind die hohen Investitionskosten. Demgegenüber besteht aber die
25 Vgl. BMU, (2008b), S. 6.
26 Exergie ist, im Gegensatz zur Anergie, der Teil der Energie, der sich beliebig in jede andere Energie-form umwandeln lässt. Sie ist die maximale Arbeit, die von einem System übertragen werden kann, wenn es mit der Umgebung bei Umgebungstemperatur ins thermodynamische Gleichgewicht gekommen ist (Winter, C.-J. (1993), S. 49.).
13
Möglichkeit einer beträchtlichen Energiekosteneinsparung, da bei der Wärmeerzeugung zugleich Strom erzeugt wird, so dass für den Eigenverbrauch kein zusätzlicher Strom bezogen werden muss. 27 Man kann also mit einer KWK-Anlage gleichzeitig zwei Energieformen (Strom und Wärme) bereitstellen. In der Literatur wird oft folgernde Definition der KWK gebraucht:
„Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist die gleichzeitige Gewinnung von mechanischer und thermischer Nutzenergie aus anderen Energieformen mittels thermodynamischen Prozessen in einer technischen Anlage.“ 28
Bei einem optimalen Betrieb einer KWK-Anlage lässt sich die Primärenergie bis zu 40 % gegenüber der getrennten Erzeugung von elektrischer Energie und Wärme einsparen. Es können Gesamtwirkungsgrade von 85 bis 90 % erreicht werden. Die Primärenergieverminderung trägt auch noch dazu bei, dass sowohl die CO 2 -Emissionen als auch die Schadstoffemissionen verringert werden. 29
1.2.2.1 Kennzahlen der Kraft-Wärme-Kopplung
Wird mit einem System Wärme oder Strom erzeugt, so ist ein thermischer und ein elektrischer Wirkungsgrad zu bestimmten. Der elektrische Wirkungsgrad berechnet sich wie aus Gleichung 1-1 und der thermische wie aus Gleichung 1-2.
η el
zu- und abgeführte elektrische Leistung in [kW] P Q FWL mit einem Brennstoff zugeführte Feuerungswärmeleistung in [kW] zugeführter Brennstoffmassenstrom in [kg/s] m
unterer Heizwert des zugeführten Brennstoffes in [kJ/kg] H
elektrischer Wirkungsgrad in [%] η
27 Vgl. Suttor, K.-H. / Suttor, W. (1993), S. 11.
28 Schmitz K. / Schumann G. (2005), S. 6.
29 Vgl. Schmitz K. / Schumann G. (2005), S. 5. und Hilmes, U. (2004), S. 200.
30 Vgl. Karl, J. (2006), S. 23.
14
Gl. (1-2) 31 Q zu η th thermischer Wirkungsgrad in [%] W Arbeit in [J]
Q zu Wärme in [J] W
zu- und abgeführte (mechanische oder elektrische) Leistung [kW] Q zu zu- und abgeführte Wärmeströme in [kW] Für die energetische Bewertung der KWK wird der Brennstoffnutzungsgrad herangezogen. Er beschreibt das Verhältnis der elektrischen und thermischen Nutzenergie zur Feuerungswärmeleistung (Brennstoffleistung). Bei der Erzeugung von Wärme und Strom mittels KWK ist der Stromanteil immer als der höherwertige zu betrachten. Um
Üblich ist hierbei die Angabe einer Stromkennzahl:
stoffnutzungsgrad immer das Verhältnis von Strom zur Wärme angegeben werden. den Wirkungsgrad der KWK sinnvoll beurteilen zu können, muss neben dem Brenn-
σσ Gl. (1-3) 32 P elektrische Netto-Leistung in [kW el ]
Nutzwärmeleistung in [kW th ] Q
σ Stromkennzahl in [%] Bei einer Stromkennzahl σ = 0 wird ausschließlich Wärme und für σ → nur Strom produziert. Je höher die Stromkennzahl ist, umso höher ist die Ausbeutung an
elektrischer Energie. Um den unmittelbaren, unzulässigen Vergleich der Wirkungsgrade
der Strom- und Wärmeerzeugung zu umgehen, wird der gesamte Wirkungsgrad einer
KWK-Anlage auch als Brennstoffnutzungsgrad bezeichnet, der sich wie aus Gleichung
15
η
∗ Gl. (1-4) 33 Q erzeugte Nutzwärmeleistung in [kW] P
zu- und abgeführte elektrische Leistung in [kW]
Q FWL mit einem Brennstoff zugeführte Feuerungswärmeleistung in [kW] m zugeführter Brennstoffmassenstrom in [kg/s] H unterer Heizwert des zugeführten Brennstoffes in [kJ/kg] η Brennstoffnutzungsgrad in [%] 1.2.2.2 Energetische und ökologische Bewertung Die zugeführte Primärenergie wird im Falle der KWK in die Energieformen Strom und Wärme umgewandelt. Strom hat den Nachteil, dass seine Verteilung ein Verteilungsnetz erfordert und dass eine Speicherung nicht möglich ist. Die Erzeugung verläuft demnach zeitgleich zum Verbrauch. 34 Energie in Form von Wärme kann zwar gespeichert werden, jedoch wird diese bei KWK-Anlagen als Fernwärme bzw. Nahwärme dem Verbraucher zur Verfügung gestellt, so dass auch hier ein Verteilernetz benötigt wird. 35 Neben den Kosten für den Ausbau des Fernwärmenetzes müssen auch die Leitungsverluste in Höhe von ca. 10 % als negativ bewertet werden. 36 Aus energetischer Sicht ist die KWK nur dann sinnvoll, wenn zur Erzeugung der geforderten Zielenergie in der gesamten Umwandlungskette durch die KWK der Primärenergieaufwand reduziert werden kann und bei gleichartiger Brennstoffnutzung die Reduktion der CO 2 - und anderen Emissionen erfolgen kann. Der Austausch von CO 2 steht damit im Mittelpunkt der Emissionsbetrachtung, welcher vor allem vom eingesetzten Brennstoff und weitaus weniger von der Technologie abhängt. Bei gleichem Brennstoff entspricht der
16
dem Primärenergieaufwand für die getrennte Erzeugung PE und dem Primärenergie-aufwand (PE - ∆PE) für die gekoppelte Erzeugung stellt eine Effizienzkennzahl für die KWK dar:
γ KWK
Für den Fall, dass das Kraft-Wärme-Kopplungssystem vorteilhafter als das Referenzmodell ist, nimmt die Effizienzkennzahl den Wert größer eins an. Werden als Primärenergie kohlenstoffhaltige Brennstoffe eingesetzt, dann hat der geringere Primär-energieaufwand durch die Nutzung der KWK bei gleicher Brennstoffnutzung auch die Verringerung der Kohlendioxidemission und aller anderen Emissionen in der Um-wandlungskette zur Folge. 38
1.2.2.3 Wirtschaftliche Bewertung
Ein wichtiges Argument für die KWK ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation für dezentrale Anlagen. Dies kann durch zwei Effekte verwirklicht werden. Zum einen können sich die Erlöse dadurch erhöhen, dass bei der Stromerzeugung höhere, auf den Brennstoffeinsatz bezogene Erlöse erzielt werden können als durch den Verkauf von Wärme. Somit können bei gleicher Feuerungswärmeleistung (gleichem Brennstoffeinsatz) deutlich höhere Umsätze erzielt werden. Zum anderen kann bei Anlagen, die eine variable Stromkennzahl besitzen, die Auslastung erhöht werden, indem die Anlage betrieben wird, auch wenn kein entsprechender Wärmeabnehmer vorhanden ist. Ob sich die Situation der Einnahmen durch den Einsatz der KWK gegenüber der ausschließlichen Wärmeerzeugung verbessert, hängt wesentlich von den einzelnen Wärme- und Stromerlösen und von den erzielbaren Wirkungsgraden ab. Die pro MWh Brennstoff erzielten Gesamterlöse bei der KWK errechnen sich aus der Summe der Stromerlöse und der Wärmeerlöse.
38 Vgl. Schmitz K. / Schumann G. (2005), S. 17 ff.
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e B η B, KWK ‐ η el, KWK * w E η el, KWK * S E Gl. (1-6)
Gesamterlöse in [€/MWh Brennstoff ] e Stromerlöse in [€/MWh el ] S Wärmeerlöse in [€/MWh th ] w
η ,,,, Brennstoffausnutzungsgrad bei der KWK η ,, elektrischer Wirkungsgrad der KWK
Die KWK ist die einzige Möglichkeit, spezifisch teure, dezentrale Technologien für die Stromerzeugung einsetzten zu können. Die KWK ist der getrennten Erzeugung immer vorzuziehen, wenn regenerative Brennstoffe - wie Biomasse - energetisch genutzt werden. Regenerative Brennstoffe können nur in kleinen, spezifisch relativ teureren Anlagen genutzt werden, da sie nur dezentral zur Verfügung stehen. 39 Aber durch die speziellen Vergütungssätze durch das EEG (siehe Kapitel 1.2.3.1) macht sich der Einsatz der KWK bei regenerativen Brennstoffen sehr bemerkbar. 40 Das Hauptproblem der Wirtschaftlichkeit einer KWK-Anlage liegt in der Kuppelproduktion von Strom und Wärme, welche die Anlage gerade aus energiewirtschaftlichem Gesichtspunkt attraktiv macht. Die im Rahmen der Kuppelproduktion erzeugten Produkte werden auf verschiedenen Märkten „verkauft“. Auf diesen Märkten herrschen sehr unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen, die sich wiederum unterschiedlich auf die Preise auswirken. Beachtet man zunächst die Absatzsituation auf dem Strommarkt, so befinden sich KWK-Anlagen in Konkurrenz zu großen Versorgungsunternehmen, die durch die dominante Marktstellung den Marktpreis beeinflussen. Die Haupteinflussgrößen sind hierbei:
- Investitionskosten,
- Brennstoffkosten,
- Stromerlöse (Nachfragestruktur) und ihre Förderungen.
Betrachtet man den Absatzmarkt für Wärme, entsteht annähernd dasselbe Bild. Der Unterschied liegt darin, dass die technischen Systeme (Heizanlagen) für einen lokalen
39 Vgl. Karl, J. (2006), S. 163.
40 Vgl. Karl, J. (2006), S. 352.
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Bedarf konfiguriert sind und sich nicht wie die Stromerzeugung an der überregionalen bzw. nationalen Nachfrage orientieren. Die Haupteinflussgrößen sind hierbei:
- Investitionskosten,
- Brennstoffkosten,
- Wärmeerlöse (Nachfragestruktur),
- im Falle von Prozesswärme eine hohe Temperaturabhänigkeit und
- einzelne Produktionsprozesse. 41
1.2.3 Rechtliche Rahmenbedingungen
1.2.3.1 Das Erneuerbare Energien Gesetz
Das am 29. März 2000 beschlossene Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien, kurz auch Erneuerbares Energien Gesetz (EEG) bezeichnet, löste am 1. April 2000 das Stromeinspeisungsgesetz ab. Das EEG ist ein Instrument zur Umsetzung des verfassungsrechtlichen Ziels der Nachhaltigkeit 42 aus Art. 20 a GG. Zugleich ist es ein Instrument zur Umsetzung der in der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen vereinbarten Ziele sowie der Klima- und Versorgungssicherheitsstrategie der Europäischen Gemeinschaften und der BRD. Es beinhaltet die Förderung und den Ausbau von Strom- und Wärmeerzeugung aus regenerativen Energiequellen und belegt damit ein zentrales Element im Klimaschutz. Es sieht individuelle abgestimmte Vergütungssätze für die unterschiedlichen erneuerbaren Energiequellen und Technologien vor und garantiert ebenso die Abnahme der Stromproduktion durch die Netzbetreiber über einen Zeitraum von 20 Jahren. Eine Novellierung des Gesetzes trat am 1. August
41 Vgl. Hilmes, U. (2004), S. 201 f.
42 Das Konzept der Nachhaltigkeit beschreibt die Nutzung eines regenerierbaren Systems in einer Weise, dass dieses System in seinen wesentlichen Eigenschaften erhalten bleibt und sein Bestand auf natürliche Weise nachwachsen kann. Aus der Nachhaltigkeit lassen sich drei Regeln ableiten: Die Nutzung der erneuerbaren Ressourcen darf die natürliche Wachstumsrate nicht überschreiten, endliche Ressourcen dürfen nur soweit verbraucht werden, wie funktionsgleiche Ersatzstoffe entwickelt werden und Schadstoffe dürfen die Aufnahmekapazität der Umwelt nicht übersteigen (http://www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBrechtmanagement/Nachhaltigkeit.php,
27.05.2009).
19
2004 in Kraft. Wesentliche Punkte der novellierten Fassung betreffen die Höhe der Fördersätze sowie die bessere juristische Stellung der Betreiber von Anlagen zur Erzeugung Erneuerbarer Energien gegenüber den örtlichen Netzbetreibern. Es wurden die Mindestvergütungssätze angepasst und zusätzliche Boni für den Einsatz naturbelassener bzw. nachwachsender Rohstoffe, KWK-Anlagen sowie innovative Technologien eingeführt. Sie bilden die Grundlage für einen weiteren starken Ausbau der Stromerzeugung bzw. der gekoppelten Wärme- und Stromerzeugung auf Basis der Biomasse in Deutschland.
Am 1. Januar 2009 hat der Deutsche Bundestag eine Neufassung des EEG in Kraft gesetzt, um es der Entwicklung anzupassen. So wurden unter anderem neu zielgerichtete Anreize bei der Nutzung von Bioenergie und Windenergie geschaffen und Verordnungen zur Nachhaltigkeit von Biomasse auf den Weg gebracht. Für die in den kommenden Jahren neu installierten Anlagen legt das Gesetz abnehmende Vergütungssätze fest, damit ein Anreiz für Kostensenkung geschaffen wird. Erreicht wird aber auch, dass Erneuerbare Energien mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit mit konventionellen Energieträgern erlangen. Gefördert wird die Stromerzeugung im Allgemeinen aus:
- Wasserkraft,
- Deponiegas, Klärgas sowie Grubengas,
- Biomasse,
- Geothermie,
- Windenergie und
- solare Strahlungsenergie.
Für Strom aus Anlagen für regenerative Energien besteht eine Abnahme- und Übertragungsplicht der Netzbetreiber. Im § 4 Abs. 1 Satz 1 EEG heißt es konkret:
„Netzbetreiber sind verpflichtet, Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Energien oder aus Grubengas unverzüglich vorrangig an ihr Netz anzuschließen und den gesamten aus diesen Anlagen angebotenen Strom aus Erneuerbaren Energien oder aus Grubengas vorrangig abzunehmen und zu übertragen.“
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Anton Zeiner, 2009, Feasibility Study für die Errichtung eines dezentralen Holzheizkraftwerkes, Munich, GRIN Publishing GmbH
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