Inhaltsverzeichnis
A. Das Ende des „Kalten Krieges“ als Beginn der „neuen Kriege“ 2
B. Die Theorie der „Neuen Kriege“ 3
1. Der Kriegsbegriff 3
a) Theoretische Vorüberlegungen 3
b) Der Kriegsbegriff bei Münkler. 4
c) Kritik an Münklers Kriegsbegriff. 4
2. Was ist das „Neue“ an den „neuen Kriegen“? 5
a) Der Zusammenhang zwischen den „alten Reichen“ und den „neuen Kriegen“ 5
b) Staatsbildungskriege in Europa und Nordamerika und „Failed States“ in der Dritten Welt. 6
c) Kritik am Zusammenhang zwischen den „alten Reichen“ und den „neuen Kriegen“ 7
3. Die Ökonomie der „Neuen Kriege“ 8
a) Die Ökonomie als Kriegsursache 8
b) Privatisierung und Kommerzialisierung 8
c) Kindersoldaten und Brutalisierung des Krieges 9
d) Der billige Krieg 10
f) Kritik an Münklers Bedeutung der Ökonomie 11
4. Asymmetrische Kriege 12
a) Asymmetrie der Stärke und Asymmetrie aus Schwäche. 12
b) Der Begriff „Terrorismus“ 12
c) Asymmetrie des Terrorismus 13
d) Kritik an Münklers Bedeutung des Terrorismus 13
C. Fazit 15
D. Literaturverzeichnis 16
1. Bücher, Artikel, Aufsätze. 16
2. Texte aus dem Internet 17
1
A. Das Ende des „Kalten Krieges“ als Beginn der „neuen Kriege“
Seit dem Ende des „Kalten Krieges“ hat sich die weltpolitische Lage drastisch gewandelt. Das klare Blockdenken und das Handeln in den vorgegebenen Grenzen ist nach der Auflösung der UdSSR weggefallen.
Nach einer Phase der Euphorie und einer positiven Zukunftserwartung, in der die Weltgemeinschaft eine friedliche Entwicklung vor sich haben sollte, wurde schon früh in den 90er Jahren klar, dass eine so positive Entwicklung nicht realistisch ist. Vor allem bei den „Theorien der Internationalen Beziehungen“ kam es durch die sich überschlagenden Ereignisse des Jahres 1990 zum Umdenken. In den USA wie auch in Europa wurden auf dem Gebiet des klassischen Forschungsgebietes „Krieg und Frieden“ durch eine kritische Auseinandersetzung mit den „veralteten“ Ansätzen, Methoden und Theorien neue Wege eingeschlagen, die durch interdisziplinäre Ansätze, andere Sichtweisen und neue Forschungsmethoden die neuen Gegebenheiten und Entwicklungen besser erklären konnten. So wohl die Kriegsursachenforschung als auch die Kriegsfolgenforschung wurden durch die veränderte weltpolitische Lage vor neue Herausforderungen gestellt, die mit den herkömmlichen Herangehensweisen nicht mehr bewältigt werden konnten. 1 In der Konfliktforschung wurden schon bestehende Theorien weiter ausgebaut und auf die neuen, globalen Herausforderungen angepasst und angewandt, wodurch eine Vielzahl neuer Datensätze und Erkenntnisse gewonnen werden konnten, mithilfe derer eine Erklärung von Konflikten und Krisen besser dargestellt werden konnte. 2
Für den deutschen Sprachraum hat Herfried Münkler in seinem Buch „Die neuen Kriege“ im Jahr 2002 die Veränderungen der Kriege unter den neuen weltpolitischen Begebenheiten dargestellt und dafür große Anerkennung aber auch einiges anKritik geerntet. In dieser Arbeit werde ich die Grundüberlegungen und theoretischen Ansätze dieses Buches von Herfried Münkler darstellen. Zusätzlich werde ich in den jeweiligen Kapiteln die geäußerte Kritik an der „Theorie der neuen Kriege“ darlegen, bevor ich dann in einem Fazit meine eigene Meinung darstellen werde.
1 Vgl. Daase, Christopher: Krieg und politische Gewalt: Konzeptionelle Innovation und theoretischer Fortschritt,
in: Hellmann, Gunther / Wolf, Klaus-Dieter / Zürn, Michael (Hrsg.): Die neuen Internationalen Beziehungen.
Forschungsstand und Perspektiven in Deutschland, Baden-Baden, 2003, 161-163.
2 Vgl. Bonacker, Thorsten: Krieg und Theorie in der Weltgesellschaft. Zur makrosoziologischen Erklärung
neuerer Ergebnisse der empirischen Kriegsforschung, in: Geis, Anna(Hrsg.): Den Krieg überdenken.
Kriegsbegriffe und Kriegstheorien in der Kontroverse, Baden-Baden, 2006, 75.
2
B. Die Theorie der „Neuen Kriege“
1. Der Kriegsbegriff
a) Theoretische Vorüberlegungen
Karl W. Deutsch hat 1965 in dem Buch von Quincy Wright „The Study of War“ geschrieben, dass wenn der Krieg überwunden werden soll, er zuerst verstanden werden muss. 3 Um den Krieg aber zu verstehen muss es einen Begriff des „Krieges“ geben. Aber genau darin liegt die Schwierigkeit, denn eine Begriffsdefinition ist keine neutrale, technische Angelegenheit um sich den objektiven Realitäten politischer Wirklichkeit anzunähern. Vielmehr spielen unterschiedlichste Faktoren bei der Entwicklung einer Definition eine Rolle. Da Sprache selbst ein Teil der politischen Wirklichkeit ist, liegen einer Kriegsdefinition immer theoretische und politische Differenzen zu Grunde, die es dann unmöglich erscheinen lassen, einen Kriegsbegriff zu benutzen mit dem jeder einverstanden ist. 4 Dieses Phänomen lässt sich besonders gut bei der jetzigen Diskussion um den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan erkennen. Immer wieder wird von soldatischer Seite gefordert, dass auch in diesem Zusammenhang von „Krieg“ gesprochen werden sollte. Allerdings wird aus verschiedenen Gründen von „bewaffnetem Konflikt“ oder „Stabilisierungseinsatz“ gesprochen. Zum einen beruht dies darauf, dass die Politiker einen völkerrechtlichen Begriff des Krieges benutzen, in dem sich zwei oder mehrere souveräne Staaten gleichberechtigt gegenüberstehen und alle Parteien an die völkerrechtlichen Regeln einer bewaffneten Auseinandersetzung gebunden sind und zweitens werden durch die Anwendung des Begriffs „Krieg“ die Gegner der anderen Partei zu Kombattanten gemacht, d.h. sie haben ein legitimes Recht, Gewalt innerhalb der Grenzen des Völkerrechts anzuwenden. Da sich aber die Taliban durch ihre Art zu kämpfen eben nicht an diese Regeln halten, soll ihnen nicht der Status des Kombattanten zugewiesen werden und sie können deshalb im Falle einer Gefangenschaft nach den geltenden Regeln wie „Verbrecher“ verurteilt werden und werden nicht nach dem Völkerrecht wie Kriegsgefangene behandelt. 5
3 Vgl. Deutsch, Karl W.: Quincy Wright’s contribution to the study of war: a preface to the second edition in:
Journal of Peace Resolution, Nr.14, 1970, 473, in: http://jcr.sagepub.com/cgi/reprint/14/4/473(Stand:
02.07.2009).
4 Vgl. Daase, Christopher: Krieg und politische Gewalt: Konzeptionelle Innovation und theoretischer Fortschritt,
163.
5 Vgl. Berg, Bettina: Völkerrechtlich ist kein Krieg in Afghanistan, Berlin, 18.11.2008, in:
http://www.bmvg.de/portal/a/bmvg/kcxml/04_Sj9SPykssy0xPLMnMz0vM0Y_QjzKLd4k3cQsESUGY5vqRML
GglFR9b31fj_zcVP0A_YLciHJHR0VFAFBC9EY!/delta/base64xml/L2dJQSEvUUt3QS80SVVFLzZfRF80S1
Q!?yw_contentURL=%2FC1256F1200608B1B%2FW27LDDQG474INFODE%2Fcontent.jsp(Stand:
25.06.2009).
3
Dieses Beispiel zeigt, dass die Begriffsdefinition von „Krieg“ nicht einfach ist und viele, unterschiedlichste Dinge mit berücksichtigt werden müssen.
b) Der Kriegsbegriff bei Münkler
„[...]Der Krieg ist nichts als die Fortsetzung des politischen Verkehrs mit Einmischung anderer Mittel.“ 6 . Die von Carl von Clausewitz zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschaffene Definition des Krieges ist bei Herfried Münkler nicht mehr anwendbar. Der Definition von Clausewitz liegen mehrere Annahmen zu Grunde, die aber die heutige empirische Kriegswirklichkeit nicht mehr widerspiegeln.
Durch die Annahme der rein zwischenstaatlichen Kriege wurde als Grundlage dieser Definition dem Krieg nur eine Objektposition innerhalb der Instrumente der Politik zugeschrieben. Die Legitimität eines Krieges wurde durch die vorher und weiterhin bestehenden politischen Beziehungen zwischen den Staaten gerechtfertigt. Damit wurden mit Krieg immer politische Ziele und ein bestimmter Zweck verbunden und dadurch ergaben sich die anzuwendenden Mittel und der Umfang des Krieges und daraus folgend das angestrebte Ende eines Krieges mit der Durchsetzung des eigenen Willens.
Die meisten heutigen Kriege entsprechen aber nicht mehr diesen Annahmen. Nur selten ist überhaupt noch eine der Konfliktparteien staatlich oder unter staatlicher Kontrolle. Oftmals ist es heute gar nicht mehr möglich den Zweck oder die Ziele eines Krieg zu benennen, da der Kriegsbeginn schon so lange zurück liegt, dass die kämpfenden Parteien nicht mehr wissen, warum der Krieg überhaupt ausgebrochen ist und für welche Ziele sie überhaupt noch kämpfen. Zusätzlich bekommt der Krieg eine eigene Subjektivität, das vor allem in der angewandten Sprache deutlich wird, wenn man z.B. sagt, „Der Krieg schwelt, breitet sich aus oder greift über“. Der benutzte Kriegsbegriff bei Münkler geht also von der lange vorherrschenden Definition des zwischenstaatlichen Krieges als bloßes Objekt der Politik weg und gibt ihm eine eigenständige, unabhängige Existenz in der sich Ziel, Zweck und die Kriegsparteien stark im Gegensatz zu früher unterscheiden. 7
c) Kritik an Münklers Kriegsbegriff
Der erste Kritikpunkt, der sich auf Münklers „Theorie der neuen Kriege“ bezieht, ist der Begriff der „Neuen Kriege“ an sich. Durch das „Neu“ wird eine klare zeitliche Abfolge vorgegeben, indem sich der Typus der „Alten Kriege“ klar von dem neuen Typus abtrennen
6 Clausewitz, Carl von, in: Marées, G. v.(Hrsg.): Vom Kriege. Hinterlassenes Werk des Generals Carl von
Clausewitz, Berlin, 1880, 566.
7 Vgl. Münkler, Herfried: Die neuen Kriege, Reinbek, 2002, 59-63.
4
Arbeit zitieren:
Florian Semler, 2009, Die Neuen Kriege nach Herfried Muenkler, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Theorie der "neuen Kriege"
Darstellung und kritische Anal...
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Beitragsfähigkeit der evolutionären Psychologie zur Erklärung von ...
Soziologie - Recht, Kriminalität abw. Verhalten
Hausarbeit, 12 Seiten
Zu: Die neuen Kriege von Herfried Münkler, 2002
Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Rezension / Literaturbericht, 11 Seiten
Wandel des Kriegsbildes im Angolakonflikt unter der besonderen Berücks...
Politik - Internationale Politik - Region: Afrika
Hausarbeit, 19 Seiten
Das Wesen der Fotografie - eine vergleichende Analyse der Essays von R...
Medien / Kommunikation - Theorien, Modelle, Begriffe
Hausarbeit (Hauptseminar), 29 Seiten
Operative Führung seit dem Ersten Weltkrieg
Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik
Wissenschaftliche Studie, 60 Seiten
Medienrecht - Die kommunikative Grundordnung
(Stand 2005)
Medien / Kommunikation - Sonstiges
Seminararbeit, 16 Seiten
Mediales Mitleid - Wie viel Mitleid verdienen Bilder?
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Hausarbeit (Hauptseminar), 28 Seiten
Parlamentarismus bei Max Weber und Carl Schmitt
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Seminararbeit, 19 Seiten
Eine Analyse aus den Perspekti...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 17 Seiten
Die Schutztruppe von Deutsch-Ostafrika im Ersten Weltkrieg
Lettow-Vorbeck und die Askari
Soziologie - Krieg und Frieden, Militär
Wissenschaftlicher Aufsatz, 17 Seiten
Die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU - Verbesserte Hand...
Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union
Seminararbeit, 15 Seiten
Utilitarismus - Über die Theorien von Jeremy Bentham und John Stuart M...
Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
Seminararbeit, 19 Seiten
Die Umwandlung von Schall in neuronale Informationen und die sich dara...
Hausarbeit, 15 Seiten
Die USA und die BRD als demokratische Systeme im Vergleich
Systeme der Regierungsbildung
Politik - Politische Systeme - Allgemeines und Vergleiche
Essay, 6 Seiten
Florian Semler's Text Die Neuen Kriege nach Herfried Muenkler ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Florian Semler hat den Text Die Neuen Kriege nach Herfried Muenkler veröffentlicht
Florian Semler hat einen neuen Text hochgeladen
Exchange Traded Funds (ETFs) - Darstellung, Analyse und Bewertung eine...
Christoph Lamprecht
Neue Deutsche Geschichte V. Kriege und Krisen
Deutschland 1600 - 1715
Peter Moraw, Volker Press, Wolfgang Schieder
Afghanistan - So werden die neuen Kriege gemacht
Deutschland und der Krieg am H...
Wolfgang Gehrcke, Christel Buchinger, Jutta von Freyberg, Sabine Kebir
Friedenskonsolidierung im Zeitalter der "neuen Kriege"
Der Wandel der Gewaltökonomien...
Monika Heupel
0 Kommentare