Anwesenheit Kaiser Heinrich II. die Priesterweihe 6 . Als 1009 Bischof Wigbert von Merseburg starb, wurde Thietmar auf Empfehlung des Erzbischof Tagino 7 zu dessen Nachfolger bestimmt. Thietmar blieb bis zu seinem Tod 1018 im Merseburger Bischofsamt. Er wurde im Merseburger Dom beigesetzt.
Die Auseinandersetzungen mit den Bischöfen des Nachbarbistümer, die Mitarbeit am Grenzschutz und der Slawenmission prägten die Amtszeit Thietmars. Den Reformideen seiner Zeit stand er extrem kritisch gegenüber. Thietmar von Merseburg kritisiert z.B. mit Hilfe von Bibelzitaten die Absetzung von Abt Rikdag (Abt des Klosters Berge, Erzieher von Thietmar) durch Bischof Tagino 8 . An seine Stelle kam Alfker, der Vorsteher des Klosters Pöhlde. Das Johanneskloster Berge wurde 966 gegründet, 1005 dem Erzbistum Magdeburg geschenkt. Die Mönche waren Anhänger der Gorzer Reform 9 . Inhalt der Reform war die Neuerung der Ordnung und die striktere Einhaltung der durch Consuetudines ergänzten Regel. Die Durchsetzung erfolgte durch Einsetzung eines neuen Abtes. König Heinrich II. setzte sich sehr für diese Reform ein. Die Verbreitung der Reform kam zügig voran, in dem bereits reformierte Klöster, weitere Ordensgemeinschaften mit den neuen Reformen bekannt machten. Cluny nahm bei dieser Entwicklung eine Sonderstellung ein, sein Gründer Wilhelm von Aquitanien unterstellt es direkt dem Papst. Die Cluniazenser hatten mit ihrer asketischen Religiosität maßgeblichen Anteil an den kirchlichen Reformen des 11. Jahrhunderts. Anschließend leitet Thietmar in eine generelle Kritik an kirchlichen Würdenträgern über, wieder mit Zitaten aus der Bibel und des Augustinus. Der Chronist polemisiert gegen die Einsetzung des Reformabtes im Kloster Berge: „Tatsächlich sind Menschen, deren neuartiges Auftreten in Kleidung und Lebensweise Lob findet, oft nicht das, was sie vorgeben“ 10 .
Dieser Abschnitt wird von Thietmar im Predigtstil beendet. Seine Kritik ist scharf, er vermeidet aber direkt die Reform anzusprechen und setzt vom Leser offenbar das benötigte „Insiderwissen“ voraus.
In regelmäßigen Abständen nimmt der Bischof auch zu seiner eigenen Person Stellung. Er beschreibt sich selbst als kleinwüchsig und durch eine Narbe im Gesicht entstellt (IV, 75).
6 Thietmar von Merseburg, IV, 46,
Presbiterii vero dignitatem XII. Kal. Ianuarii a prefato archiepiscopo, presente Heinrico rege et casulam mihi optimam largiente, indignus percepi.
7 Thietmar von Merseburg, VI, 38,
8 Tagino von Magdeburg, Erzbischof, * um 970, Dollnhofen (südöstlich von Regensburg), † 9.6. 1012, Magdeburg, 1009 inthronisierte Tagino den Chronisten später. Im Sinne Kaiser Heinrichs setzte er sich auf der Synode von Frankfurt 1007 erfolgreich für die Gründung des Bistums Bamberg ein.
9 Lexikon des Mittelalters, CDRom Ausgabe, LEXMA 1 1952, D. Claude.
10 Thietmar von Merseburg, VI, 21, Verum est, quod hii, quorum nova conversatio et in habitu et in victu laudabilis extat, vero non sunt sepe quod simulant.
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Seinen Schreibstil entnimmt der Leser, dass er eine selbstbewusste Person gewesen sein muss, obwohl er sich selbst als unwürdig für die Darstellung der Geschichte der Ottonen bezeichnet. Seine eigene Zeit bezeichnete Thietmar, wie so viele mittelalterliche Chronisten, als schlecht. Engel verkündeten ihm oder seinen Angehörigen und Bekannten, wenn jemand mit dem Tod und damit die Aufnahme in eine erstrebenswertere Umgebung belohnt wurde.
Das Bistum Merseburg
Um das Wirken Thietmars zu verstehen, empfiehlt sich ein Blick auf die Geschehnisse des Bistums Merseburg. Otto I. errichtete 968 nach Zerlegung der Mark nach dem Tod des Markgrafen Gero 965 mit Zustimmung des Papstes das Erzbistum Magdeburg und dessen Suffraganbistümer Merseburg, Zeitz und Meißen 11 . Das Bistum Merseburg erfüllte aufgrund seiner geringen Größe seine Aufgaben nur mangelhaft. Das Bistum Halberstadt, welches bei der Magdeburger Gründung mehrere Sprengel zur Verfügung stellen musste, stellte laufend Wiedergutmachungsansprüche. Bischof Adalbert und Bischof Giseler von Merseburg setzten gemeinsam mit Otto II. die Aufteilung des Bistums durch 12 . Papst Gregor V. (972-999) beanstandete die Aufhebung des Bistums, 999 beschloss Otto III. die Wiederherstellung des Bistums Merseburg. Aber erst 1004 errichtete Heinrich II. schließlich erneut das Bistum unter dem königlichen Kaplan Wigbert 13 . Thietmar plante eine territoriale Erweiterung des Bistums, was ihm aber trotz seiner vorzüglichen Kontakte zum Königshof nicht gelang. Er betrachtete die Rekonstruktion und Ausweitung seines Bistums als bischöfliche Amtspflicht. Wie sehr im sein Bistum am Herzen lag, zeigt die umfassende Einführung in die Geschichte der Stadt Merseburg gleich zu Beginn der Chronik 14 . Die Auseinandersetzungen mit den Bischöfen des Nachbarbistümer, die Mitarbeit am Grenzschutz und der Slawenmission prägten die Amtszeit Thietmars.
Die Chronik:
Thietmars Chronik stellt als historische Quelle einen Glücksfall dar 15 . Thematisch setzt sich der Schreiber mit dem politischen Ereignissen zur Zeit der Ottonen, mit besonderem Schwerpunkt der Markenpolitik und der Geschichte der Westslaven, wobei ihm kein
11 MGH DO 366.
12 Thietmar von Merseburg, IV, 10, Kaiserin Theophanu sieht im Traum den heiligen Laurentius im Traum. Es fehlt ihm ein Arm. Nachdem er der Kaiserin seinen Namen gesagt hat, erzählt er, dass ihm diese Verwundung von Otto II. zugefügt worden ist, der das Bistum Merseburg aufgelöst hat.
13 Thietmar von Merseburg, Chronik, Darmstadt 1957, Einleitung, S XIX.
14 Quocirca ego Thietmarus, non solum honoris, verum etiam nominis indignus episcopalis, Merseburgensis seriem civitatis olim longe lateque cluentem, nunc autem oblivionis senio caligantem fervens retegere, admodum vereor fumum ex fulgore inscicia producere et ut imus faber infelici summa operis deficere.
15 Althoff Gerd, Lexikon des Mittelalters, CD Rom Ausgabe, Verlag Metzler 2000, LexMa 8, 695-696.
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literarischer Ehrgeiz wichtig war. Detailreich schildert er deren Bräuche und Gewohnheiten und das Verhältnis der Bewohner des Frankenreichs zu den „Fremden“. Sein Wirken war geprägt von den Problemen um die Wiederherstellung des Bistums Merseburg, welche in der Chronik des Bischofs detailliert aber parteiisch aufgezeichnet werden. Außerdem liefert sie Informationen über die Reichsgeschichte seit den 80er Jahren des 10.Jahrhunderts und gibt einen unmittelbaren Eindruck über die Gedankenwelt des Klerikers 16 . Mit dem Zusatz „Lieber Leser“ wendet er sich immer wieder persönlich an den Leser. Mit bissigen Bemerkungen und scharfer Kritik spart der Schreiber nicht, teilweise auch nicht bei der Beschreibung der Taten der sächsischen Großen. Die Beurteilung der ottonischen Herrscher richtet Thietmar nach der Art der erbrachten Leistungen für das Bistum Merseburg. So wird Heinrich I. als Gründer des Bistums gewürdigt. Die Aufhebung des Bistums unter Otto I, versucht der Chronist Bischof Giselher von Magdeburg zur Last zu legen. Im Nachruf für Otto II. sieht er die größte Leistung des Herrschers darin, dass dieser für die Wiederherstellung des Merseburger Bistums eingetreten ist. Die Chronik ist eine Ansammlung kulturgeschichtlicher Darstellungen, ergänzt durch zahlreiche Wundergeschichten, die sinnliche und übersinnliche Welt bilden bei Thietmar eine Einheit. An der Spitze dieser Einheit steht „Deus“, der sie Taten der Menschen direkt oder indirekt beeinflusst 17 .
Der Bischof gliedert sich in acht Bücher, die chronologisch die Reichsgeschichte von Heinrich I. und Heinrich II. erzählen. Die ersten vier Bücher beschäftigen sich mit Heinrich I., Otto I., Otto II. und Otto III., die letzten vier setzen mit Heinrich II. fort und enden mit dem Tod des Schreibers.1012 begann er seine Geschichte der Sachsen zu verfassen, in den beiden Folgejahren entstand Buch II und III, 1014 Buch IV und V, 1015 Buch VI bis VIII. Anschließend entstanden Zusätze und Ergänzungen. Die verschiedenen Kapitell sind nicht hintereinander entstanden, der Schreiber zog einzelne Teile vor und ergänzte andere später. Das Werk besitzt keine straffe inhaltliche Gliederung und hat vor allem in den späteren Teilen Tagebuchcharakter. Berichte zur Tagespolitik, Träume und Visionen, geistliche Belehrungen im Predigtstil und Ermahnungen zu christlichen Tugenden wechseln in unregelmäßigen Abständen einander ab. Dabei wird die chronologische Abfolge vernachlässigt. Teile der Kapitel werden mit poetischen Vorreden in Hexametern begonnen.
16 LexMa 8 695-696, Gerd Althoff.
17 Thietmar von Merseburg, II, 8, Commotus tandem Deus meritis justorum gemituque miserorum, fugavit turbam perfidorum; et rex eos iterum alio quam putaret divertentes insecutus, Bawariam rursus invadit.
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Arbeit zitieren:
Veronika Pichl, 2008, Die Chronik des Thietmar von Merseburg, München, GRIN Verlag GmbH
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