1. Einleitung
Ich werde in dieser Hausarbeit über die Schülergesundheit der Kinder und Jugendlichen in Deutschland schreiben. Zunächst werde ich mich mit den grundlegenden Begriffen Gesundheit, Krankheit und Wohlbefinden befassen. Um auf die gesundheitlichen Probleme der Kinder und Jugendlichen näher eingehen zu können, ist ein Überblick über die gesundheitlichen Probleme bedeutsam. Auf dieser Basis kann nun die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen in der Schule betrachtet werden. Zum Schluss der Arbeit sollen Anregungen zur Gesundheitsförderung der Schüler aufgeführt werden.
2. Begriffliches Verständnis von Gesundheit, Krankheit und Wohlbefinden
Gesundheit und Krankheit bilden im allgemeinen Sprachgebrauch eine begriffslogische Polarität, ähnlich wie „gut“ und „böse“ oder „stark“ und „schwach“. Nach der Weltgesundheitsorganisation ist die Gesundheit des Menschen „ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheiten oder Gebrechen“ (Homepage WHO). Krankheit ist dem zufolge also die bestehende oder drohende nachteilige Beeinträchtigung oder Einschränkung körperlicher, geistig-seelischer oder sozialer Fähigkeiten (vgl. Dür 2008, S. 19). Gesundheit ist aber nicht einfach nur der Gegenpol zu Krankheit sondern wird als Wohlbefinden des menschlichen Lebens gesehen. Sie kann unabhängig von Krankheit sogar bei völliger Abwesenheit von Krankheit gesteigert oder vermindert werden (vgl. Pelikan 2007, S.80). Wohlbefinden ist ein Zustand der Entspannung und des Genießens. Er wird aber gleichzeitig mit Lebensenergie in Verbindung gebracht (vgl. Dür 2008, S. 131).
3. Größenordnung der Gesundheitsprobleme bei Kindern und Jugendlichen
Um eine ungefähre Vorstellung davon zu vermitteln, in welchen Größenordnungen die Gesundheitsprobleme der Kinder und Jugendlichen heute vorliegen, werden im Folgenden die, nach meiner Meinung, drei wichtigsten Einflussbereiche der Gesundheit konkretisiert.
3.1 Körperliche Gesundheit und Funktion
Bereits bei Schuleintritt sind viele Kinder in ihrer Gesundheit eingeschränkt. „So hat ein Fünftel der Schulanfänger ein eingeschränktes Sehvermögen, jedes zehnte Kind ein vermindertes Hörvermögen und 10% weisen Erkrankungen des Bewegungsapparates auf. Eine große Gruppe dieser Kinder hat von Karies befallene Zähne (ca. 30%). Rund jedes
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zehnte Kind und jeder zehnte Jugendliche in Deutschland leidet an einer chronischen Krankheit oder Behinderung“ (Ravens- Sieberer 2004, S. 37). Die HBSC- Studie (HBSC Homepage) hat ca. 6000 Schüler deutscher Schulen gefragt: „Wie würdest du deinen Gesundheitszustand beschreiben?“ Über eine ausgezeichnete Gesundheit berichteten 52% der 11- jährigen aber nur noch 41% der 15- jährigen Jungen, 36% der 11- jährigen, aber nur noch 23% der 15- jährigen Mädchen. Man sieht also eine Verschlechterung der subjektiven Gesundheit mit dem Älterwerden bzw. mit dem Eintritt in die Pubertät und einen nicht unwesentlichen Unterschied im Gesundheitsniveau der beiden Geschlechter (vgl. Dür 2008, S. 21).
3.2 Gesundheitsverhalten
„Zum Zeitpunkt der Einschulung sind bereits 7% bis 19% zu dick.“ (Benkert 2003 MASGF Brandenburg 2004) Übergewicht ist gleichermaßen Folge eines ungünstigen Ernährungswie Bewegungsverhaltens. Beim Ernährungsverhalten spielt die soziale Schicht eine wesentliche Rolle. Personen mit einem höheren Sozialstatus ernähren sich ausgewogener, Kinder und Jugendliche aus Familien mit einem niedrigen Sozialstatus hingegen essen unregelmäßiger und greifen häufiger zu kalorienreichen, fett- und zuckerhaltigen Produkten mit wenig Ballaststoffen.
In allen westeuropäischen Gesellschaften findet sich bei Jugendlichen ein geringes und mit dem Alter abnehmendes Niveau in Bezug auf Bewegung und Sport (1Stunde Sport 1 in drei Tagen), aber ein hohes Niveau in Bezug auf übermäßigen Fernseh- und PC- Konsum (fast 3 Stunden pro Tag). Die Richtlinien der WHO sehen mindestens eine Stunde sportliche Bewegung pro Tag vor.
Eine mit den Lebensjahren ansteigende Häufigkeit weist der Konsum von legalen und illegalen Suchtmitteln auf. Mit 15 Jahren trinken 18% mindestens einmal wöchentlich Bier, weitere 29% mindestens einmal wöchentlich Mischgetränke. Letzteres ist bei Mädchen beliebter als bei Jungen, beim Bier ist es umgekehrt. Häufige Rauscherfahrungen sind daher ebenfalls weit verbreitet. 20% der Jungs und 16% der Mädchen hatten mit 15 Jahren schon mindestens vier Räusche (vgl. Dür, 2008).
Die Zunahme des Konsums von Suchtmitteln ist beim Nikotin am deutlichsten ausgeprägt. Auf Basis der HBSC- Studie rauchen im Alter von 15 Jahren bereits 50% der Mädchen und 40% der Jungen zumindest gelegentlich, obwohl für diese Altersgruppe eigentlich noch ein gesetzliches Rauchverbot besteht. In den letzten Jahren ist jedoch ein Rückgang des Tabakkonsums zu verzeichnen (ebd S. 23). Dies hängt mit zwei gesundheitspolitischen Maßnahmen zusammen. Zum einen liegt es an der mehrfachen Erhöhung der
1 „dass du dabei außer Atem gerätst und ins Schwitzen kommst“
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Zigarettenpreise durch Besteuerung, zum anderen mit der Pflicht der Tabakkonzerne auf der Verpackung deutlich auf Gesundheitsschäden hinzuweisen.
3.3 Psychische Probleme, Kompetenzen und Ressourcen
„Man muss davon ausgehen, dass etwa 10% bis 25% der Kinder bei Schuleinstieg unter Entwicklungsdefiziten im Sprachbereich leiden, weitere 5% bis 10% unter sogenannten umschriebenen Entwicklungsrückständen der Grob- und Feinmotorik, worunter am häufigsten Koordinationsstörungen zu verstehen sind.“(vgl. Krobholz 2005, S. 545-574) Weltweit und auch in den EU- Ländern leiden ca. 20% der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 8 und 18 Jahren an einer psychischen Krankheit, schätzungsweise 4% von ihnen benötigen akute Hilfe von psychotherapeutischen Fachleuten, ca. 10% sind chronisch psychisch krank. (vgl. Steinhausen 2002) Die häufigsten Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind:
• Angststörungen: es wird zwischen Schulangst und Schulphobie unterschieden. • Aggressiv- dissoziale Störung: Kennzeichnend ist ein durchgängiges
• Depressive und hyperkinetische Störungen (ADHS): Wobei das Aufmerksamkeits-
Nach der Skala zur Messung der psychosomatischen Beschwerden der HBSC- Studie (der Index umfasst Kopfschmerzen, Nervosität, Gereiztheit, Schlafstörungen, Schwindel, Angst, Bauchschmerzen, schlechtes Allgemeinbefinden, Müdigkeit und Erschöpfung) leiden 34% der 11- jährigen und 43% der 15- jährigen Jungen sowie 40% der 11- jährigen und 60% der 15- jährigen Mädchen regelmäßig an einzelnen solcher Beschwerden (ebd. S. 27).
4. Die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen und die Rolle der Schule
Dass der Besuch einer Schule nicht nur positive, sondern auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden der Schüler 3 haben kann, weiß im Grunde jeder aus seiner eigenen Schulzeit. Lernstress, Prüfungsangst, Streit mit Mitschülern oder schlechte Noten sind nur wenige Faktoren die den Gesundheitszustand beeinflussen. Meist ist den Schulen bzw. den Lehrerinnen und Lehrern gar nicht bewusst, dass ihr Handeln zu unerwünschten Effekten führt. Die pädagogischen Reformdebatten, welche auf immer
Arbeit zitieren:
Fabian Gut, 2009, Schülergesundheit - Lehrergesundheit, München, GRIN Verlag GmbH
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