ii
Inhaltverzeichnis
Inhaltverzeichnis ii
1. Einleitung 1
2. Struktureller Wandel und die Kompatibilität unseres Arbeitsmarktes. 2
3. Europäisierung der Berufsbildung 2
4. Fortschritt durch Zertifizierung der beruflichen Bildung. 3
4.1. Zertifikate und berufliche Bildung 4
4.1.1. Bedeutung von Zertifikaten. 4
4.1.2. Funktionen von Zertifikaten. 4
4.1.3. Zertifikatstypen 5
4.2. Regelungsfelder von Zertifikaten 6
4.3. Arbeitsmarktrelevanz der Zertifikate 7
5. Europäische Zertifizierungssysteme der Berufsbildung 8
5.1.1. Europass 8
5.1.2 ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training) 9
5.1.3. EQF (European Qualification Framework) 10
5.2. Rückwirkungen auf das duale System 11
6. Zertifizierungssysteme im Bereich der IT- Aus- und Weiterbildung. 12
6.1. Deutsches IT-Weiterbildungssystem. 12
6.2. Struktur der IT-Weiterbildung 13
6.3. Vorteile für Unternehmen und Fachkräfte 14
6.4. Neue Lernkultur 14
7. Einschätzung und Ausblick 15
Anhang 16
Literaturverzeichnis 17
1
1. Einleitung
Qualifikationen der Mitarbeiter bestimmen heute zunehmend die Leistungsfähigkeit der Unternehmen. Kompetenzen, Fähigkeiten, Ideen und die Leistungs- bzw. Einsatzbereitschaft entscheiden über den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit, die Bewältigung des strukturellen Umbruchs und über die Innovationsfähigkeit unserer Wirtschaft. 1 Die raschen und nachhaltigen Veränderungen in der Weltwirtschaft gehen deshalb auch an unserer Arbeitswelt nicht spurlos vorüber. Neue Produkte müssen schneller als bisher entwickelt und Innovation als permanente Aufgabe verstanden werden. Informations- und Telekommunikationstechniken eröffnen uns dabei die Möglichkeit, in einem weltumspannenden Netz der Forschung, Entwicklung, Beschaffung und Produktion zu agieren. 2 Da Europa wirtschaftlich mehr und mehr zusammenwächst, hat der Europäische Rat von Lissabon im Jahr 2000 sich das Ziel gesetzt, in der europäischen Union einen hoch dynamischen und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum zu schaffen, der mehr und bessere Beschäftigungsmöglichkeiten zulässt und durch ein nachhaltiges Wachstum gekennzeichnet ist. Eine der Schlussfolgerungen des Rates von Lissabon lautet: „Europas Bildungs- und Ausbildungssysteme müssen sich auf den Bedarf der Wissensgesellschaft und die Notwendigkeit von mehr und besserer Beschäftigung einstellen. Sie werden Lern- und Ausbildungsmöglichkeiten anbieten müssen, die auf bestimmte Zielgruppen in verschiedenen Lebensphasen zugeschnitten sind: junge Menschen, arbeitslose Erwachsene sowie Beschäftigte, bei denen die Gefahr besteht, dass ihre Qualifikation mit dem raschen Wandel nicht Schritt halten kann. Dieses neue Konzept sollte drei Hauptkomponenten aufweisen: Entwicklung lokaler Lernzentren, Förderung neuer Grundfertigkeiten, insbesondere im Bereich der Informationstechnologien, und größere Transparenz der Befähigungsnachweise“. 3
Von hoher Wichtigkeit ist demnach, dass sich in einzelnen Branchen, welche in besonderem Maße europäisiert und globalisiert sind, europäische Qualifikationen bzw. Qualifikationsprofile und Standards entwickeln, die die Integration der Arbeitsmärkte und die Mobilität der Arbeitnehmer auf Dauer fördern. 4
Von zentraler Bedeutung ist dabei eine Strategie lebenslangen Lernens, wobei der beruflichen Bildung, neben der allgemeinen und schulischen Bildung, eine bedeutende Rolle zukommt. 5
1 Vgl. Loebe, 2000, S. 40.
2 Vgl. BMBF, 1999, S. 4.
3 Schlussfolgerungen des Vorsitzes. Europäischer Rat 2000.
4 Vgl. Fahle / Thiele, 2003, S. 11.
5 Behringer / Hanf, 2005, S. 26-29.
2
2. Struktureller Wandel und die Kompatibilität unseres Arbeitsmarktes
Der anhaltende Strukturelle Wandel unserer Wirtschaft schlägt sich auch auf unseren Arbeitmarkt nieder. In unserer sich ständig ändernden Umwelt spielen nicht nur Flexibilität sowie räumliche und berufliche Mobilität eine überaus bedeutende Rolle, sondern auch die fachlichen Anforderungen an die Arbeitskräfte unterliegen einem stetigen strukturellen Wandel, der zu einem erhöhten Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeiter führt und der gedeckt werden muss. Zum einem geschieht dies durch Verstärkungen innerhalb des tertiären Bildungsbereiches 6 in den so genannten Mangelfächern. Aber auch die Weiterqualifizierung der Erwerbspersonen stellt eine zentrale Aufgabe für unsere Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft dar. Angesprochen ist hier auch eigenes Engagement und verschiedenste Initiativen der beruflichen Weiterbildung, die nicht zuletzt zur Idee des „Lebenslangen Lernens“ führt, um diese Herausforderung entsprechend zu meistern.
Gerade im Bezug auf diesen strukturellen Wandel und die immer stärker fortschreitende Globalisierung mit umfassenden wirtschaftlichen Verflechtungen in allen Bereichen und Branchen ist der Vergleich und die Anpassung der nationalen Bildungs- bzw. Weiterbildungssysteme unverzichtbar. 7
Die Lissabon-Strategie hat sich das Ziel gesetzt mehr und qualifiziertere Beschäftigung zu schaffen. Jedoch stehen dem die nationalen Bildungssysteme mit ihrer Intransparenz und Abschottung entgegen. 8
3. Europäisierung der Berufsbildung
„Die deutsche Diskussion über eine Europäisierung der Berufsbildung befasst sich heute vor allem mit bildungspolitischen Aspekten. Im Vordergrund stehen Fragen danach, wie europäische Regelungen nationale Verfahren der Transparenzsicherung, Qualitätssicherung und der Zertifizierung überformen können. Welche ordnungspolitischen und institutionellen Belange berührt sein können, und ob die EU-Kommission einen ausreichenden Zeitrahmen für die nationale Umsetzung vorgibt.“ 9 Das Vorhaben gestaltet sich jedoch überaus kompliziert, da in der beruflichen Bildung im Wesentlichen nicht staatliche Einrichtungen agieren, sondern vie- 6 Dertertiäre Bildungsbereich umfasst den Bereich im Bildungswesen eines Staates, der aufbauend auf einer abgeschlossenen Sekundarschulbildung (Abitur oder Fachhochschulreife) auf höherqualifizierte Berufe vorberei-
tet.
7 Vgl. Hörner, 2002, S. 69-70.
8 Vgl. Severing, 2006, S. 16.
9 Ebd. S. 18.
3
le Akteure wie Kammern, Innungen, Sozialpartner, Bildungsträger und vor allem Unternehmen selbst. Dennoch findet ein Trend der weltweiten Standardisierung von Produkten statt. Dies fördert wiederum die Nachfrage nach vereinheitlichten Qualifikationsanforderungen, da sich beispielsweise die betriebswirtschaftlichen Regeln, Qualitätssicherungsverfahren und die Produktionsnormen in der Weltwirtschaft immer weiter angleichen. Die Nachfrage nach beruflicher Bildung verlangt nun mehr und mehr Inhalte und Zertifizierungen, welche sich nicht mehr von Land zu Land unterscheiden. Um dies zu gewährleisten sind neue Instrumente der Berufsbildung notwendig, die eine Vergleichbarkeit und Transparenz der beruflichen Bildungsabschlüsse und eine Nachvollziehbarkeit der Dokumentation der Bildungsinhalte bewirken sollen. Dies verspricht höhere Mobilität von Arbeitnehmern und bessere Vergleiche der Unternehmen im Bezug auf die zu fordernden Qualifikationen bis hin zum Aufbau eines europäischen Arbeitsmarktes. Eine erhöhte Wettbewerbsfähigkeit seitens der Wirtschaft aber auch seitens der europäischen Bildungsanbieter resultiert daraus. Die Differenz der europäischen Berufsbildung und deren unterschiedliche Bildungskonzepten erschweren eine erfolgreiche Positionierung der europäischen Bildungsanbieter. Um einen globalen Maßstab repräsentieren zu können sind europäische Standards notwendig. 10
4. Fortschritt durch Zertifizierung der beruflichen Bildung
Hohe Bedeutung trägt der Bereich der beruflichen Weiterbildung. Die damit verbundene Zertifizierung von Lernleistungen rückt durch den flexiblen und dynamischen Arbeitsmarkt immer weiter in den Vordergrund. Das stetig wechselnde Anforderungsprofil gestattet es nicht mehr die gesamte Erwerbsphase seines Lebens ausschließlich durch eine Erstausbildung zu bestreiten. Deshalb ist ein strukturiertes Weiterbildungssystem notwendig, das Lernleistungen richtig einschätzt, Übergänge zwischen Erwerbs- und Lernphasen zulässt und dennoch berufliche Identität ermöglicht. Die Zertifizierung ist notwendig, um die erlangten Kenntnisse der beruflichen Weiterbildung effizient gegenüber Dritten zu veranschaulichen. Jedoch wurde ein einheitliches System der Weiterbildungszertifikate noch nicht entwickelt. 11
10 Vgl. Ebd. S. 18-22.
11 Vgl. Vespermann, 2005, S.1-2.
4
4.1. Zertifikate und berufliche Bildung
4.1.1. Bedeutung von Zertifikaten
Zertifikate sind formelle, qualifizierte Nachweise von Weiterbildungsleistungen. Diese spielen eine große Bedeutung für die Arbeitsmarktchancen und die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten der Zertifikatsinhaber. 12 Unter Zertifikaten versteht man alle Bescheinigungen über den Abschluss von Ausbildungsgängen und Ausbildungsabschnitten. 13 „Zertifikate können Bewertungen in Form von Noten, Testergebnissen, gutachterliche Stellungnahmen und Beurteilungen enthalten. Zertifikate bescheinigen nicht nur bestimmte Ergebnisse von Bildungsprozessen, sie geben vielmehr explizit oder implizit Optionen für den Übertritt in weitere, höherwertige Bildungsprozesse und/oder für die Übertragung von Funktionen, deren Wahrnehmung an das Vorliegen des Zertifikats gebunden ist. Damit hat das Zertifikat Ähnlichkeit mit einem Wertpapier in der Weise, dass Rechte bescheinigt werden, deren Geltendmachung ohne das Zertifikat nicht erfolgen kann“. 14 „Wie auch in anderen Ländern bestätigt das Zertifikat nicht nur eine Qualifikation, sondern es ist für den Inhaber des Zertifikates gleichzeitig Mittel der beruflichen und gesellschaftlichen Positionierung“. 15
4.1.2. Funktionen von Zertifikaten
Personen, die ein Zertifikat erwerben, diejenigen, die sich für die zertifizierte Kompetenz interessieren, die zertifizierende Instanz selbst und die Gesellschaft bzw. einzelne Gesellschaftliche Gruppierungen sehen in der zertifikatsgestützten Berufsbildung unterschiedliche Funktionen.
Basisfunktion ist die Bestätigung einer Lernleistung oder eins Lernerfolges (Bestätigungsfunktion), was durch Standardisierung eine Vergleichbarkeit (Vergleichsfunktion) mit anderen Personen ermöglicht und Berechtigung und Anspruch auf weiterführende Bildung verbrieft (Berechtigungsfunktion). Zudem besitzen Zertifikate eine Lernanreizfunktion, die motivierend zum weiteren, über den konkreten Lerninhalt hinaus, zum Lernen anregt. Durch den ausgeübten Leistungsdruck im Bezug auf den Erwerb des Zertifikates kommt es zu einer Disziplinierungsfunktion. Zertifikate fungieren des Weiteren als Grundlage für eine Allokation des Zerti-
12 Vgl.Severing, 2006, S. 11-13.
13 Vgl. Schweikert / Grieger, 1971, S. 6.
14 Ebd. S. 6.
15 Münch, 1993, S.2.
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Johannes Himmer, 2007, Zertifizierungssysteme in der Weiterbildung, München, GRIN Verlag GmbH
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