1 Einleitung
Paul Watzlawick vertritt die These, dass man nicht kommunizieren kann. Das bedeutet, dass selbst wenn Menschen sich begegnen und verbal nicht miteinander sprechen trotzdem durch ihre Körpersprache nonverbal miteinander kommunizieren. Wenn beispielsweise jemand von seinem Freund gefragt wird, wo sie sich gestern Abend noch so spät aufgehalten hat und keine Antwort gibt, findet dennoch eine Kommunikation statt. Die gefragte Person könnte rot werden, die Arme vor dem Oberkörper verschränken und dem Blick des Partners ausweichen. In diesem Fall
signalisiert sie ihm durch ihre Körpersprache, dass sie nicht darüber sprechen möchte, da ihr etwas unangenehm ist.
In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, was Körpersprache und nonverbale Kommunikation eigentlich ist und welche Funktionen sie besitzt. 1 Daran anlehnend sollen als nächstes die Elemente der nonverbalen Kommunikation- nämlich der Mimik, Gestik, Blickkontakt, Körperhaltung und die Proxemik- erläutert werden. Des Weiteren wird auf die nonverbale Kommunikation in interkulturellen Kontakten eingegangen werden, wobei den Missverständnissen in diesen Situationen und den konventionalisierten Ensemble 2 besondere Aufmerksamkeit zukommen wird. Zum Schluss soll kurz untersucht werden, welche Ansätze gefunden werden können, um interkulturelle Missverständnisse weitestgehend zu vermeiden.
2 Nonverbale Kommunikation
2.1 Begriffsdefinition
Während einer Kommunikationssituation werden Informationen zwischen dem Sprecher und dem Hörer ausgetauscht. Diese Informationen oder Signale werden nicht nur durch die gesprochene Sprache ausgedrückt, sondern auch durch bewusst oder unbewusste verwendete nonverbale Kommunikation. Zu diesen Signalen gehören: Gesten, der Blickkontakt, der
1 Der Begriff der ‚nonverbalen Kommunikation’ und der ‚Körpersprache’ wird meistens synonym verwendet.
2 Der Begriff Ensemble (v.französ.: ensemble (attributiv) = zusammen, miteinander, zugleich, insgesamt; als Substantiv = das Ganze, Gesamtheit) bezeichnet
2
Gesichtsausdruck, die Körperhaltung und andere nonverbale Aspekte in Sprache, Kleidung und Schmuck (vgl. Argyle 1982, 13). Argyle betont, dass viele menschliche nonverbale Verhaltensweisen das Ziel verfolgen, sich mitzuteilen. Demzufolge haben die benutzten Signale für den Sender und Empfänger eine gemeinsame Bedeutung. 3
Das verbale Verhalten beruht nach Argyle:
„…gewöhnlich auf Sprechakten, schließt aber auch Geschriebenes ein sowie Gesten, die für Buchstaben oder Worte stehen. Jedoch ist das Sprechen durchweg von komplizierten nonverbalen Signalen begleitet, die Rede veranschaulichen, ein Feedback geben und durch eine Synchronisierung helfen“ (Argyle 1982, 17).
Aus dieser Definition ergibt sich, dass es bei einer ‚face to face’- Situation zwischen
Menschen nicht möglich ist, nur verbal zu kommunizieren. Verbale Sprechakte werden demnach immer von der Körpersprache begleitet. Sprache ist also von nonverbaler Kommunikation abhängig und fest mit ihr verflochten.
Auch Scherer betont die Bedeutung nonverbaler Zeichen für die Kommunikation und stellt heraus, dass
„…die Wirkungen von Mitteilungen in der interaktionalen Kommunikation weitgehend durch nonverbale Zeichen beeinflusst werden (Scherer 1979, 21).
Apeltauer verweist darauf, dass unterschiedliche Kanäle bei der Kommunikation zusammen wirken und fasst die verschiedenen Möglichkeiten der Kombination von Informationen zusammen, die über verbale und nonverbale Kanäle vermittelt werden:
Redundanz: Gleiche Informationen werden über verbale und nonverbale
Komplementarität: Verbale übermittelte Informationen, die Unklarheiten oder
Doppeldeutigkeiten aufdecken, werden durch nonverbale
Informationen eindeutig.
3 Diese Signale haben nicht für alle Menschen die gleiche Bedeutung. Für Personen aus einem anderen Kulturkreis können die Signale andere Bedeutungen haben und dementsprechend anders entschlüsselt werden, was dann Missverständnisse zur Folge haben kann (vgl. Matsumoto/Hee Yoo
2005, 259). Vgl. dazu Abschnitt ‚3.1 Missverständnisse in interkulturellen Kontakten’.
3
Addition: Ergänzende Informationen werden über nonverbale Kanäle
ausgedrückt, wie zum Beispiel eine besondere Betonung in
Divergenz: Hierbei entsteht ein Widerspruch zwischen Informationen, die
über verbale und nonverbale Kanäle übermittelt werden.
Substitution: Sprache wird durch Körpersprache ersetzt.
Reduktion: Körpersprache wird nicht vermittelt- wie beispielsweise bei der
Produktion schriftlicher Texte. (nach Apeltauer 1997, 19 ff.)
Es kann festgestellt werden, dass in der theoretischen Auseinandersetzung keine einheitliche Definition zum Thema „nonverbale Kommunikation“ existiert (vgl. Bente/Krämer 2002, 19). Trotzdem herrscht weitestgehend Einigkeit darüber, welche Verhaltensbereiche zur nonverbalen Kommunikation gezählt werden können. Neben nonvokaler (z. B. Gestik und Mimik) und vokaler nonverbaler Kommunikation werden unter nonverbaler Kommunikation auch Merkmale mit Signalcharakter verstanden, die etwas über die Definition der eigenen Identität aussagen, wie zum Beispiel die Gestaltung der eigenen Wohnung. Die folgende Abbildung stellt die verschiedenen Bereiche des nonverbalen Verhaltens anschaulich dar.
4
(Quelle Rosenbusch & Schober, 2000)
2.2 Funktionen der nonverbalen Kommunikation
In Anlehnung zu den semiotischen Aspekten der Sprache unterscheidet Scherer vier Funktionen nonverbaler Verhaltensweisen im Dialog: die parasemantische,
parasyntaktische, parapragmatische und dialogische Funktion (vgl. Scherer 1979, 25). 4 Die semantische Dimension zeigt die Beziehung zwischen Zeichen und bezeichnetem Zustand oder Objekt auf, während die syntaktische Dimension die Beziehung der Zeichen untereinander und die pragmatische Dimension die Beziehung des Zeichengebrauchs zum Sprecher darstellt. Scherer weist darauf hin, dass bestimmte Kommunikationsakte nicht ausschließlich der einen oder anderen Funktion zugeordnet werden können, sondern man müsse die Funktionalität des bestreffenden Zeichens in Bezug auf alle Dimensionen sehen (vgl. Scherer 1979, 25).
4 Scherer knüpft bei dieser Klassifikation an die Zeichentheorie von Morris (1946) an (vgl. Scherer
1979, 25).
5
Arbeit zitieren:
Student Nubar Karimova-Lange, 2009, Nonverbale Kommunikation, München, GRIN Verlag GmbH
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