Buch Auschwitz - „Direkt von der Rampe weg…“. Kaduk, Erber, Klehr: Drei Täter geben zu Protokoll.
Der 140seitige Band dokumentiert Demants Fragen an die SS-Männer Josef Erber, Oswald Kaduk und Josef Klehr und die Antworten der jeweils einzeln Befragten zu Arbeits- und Tagesabläufen innerhalb des Lagers Auschwitz protokollartig. Eingebettet sind diese Interviews in eine Einführung von Axel Eggebrecht, der zwei der Täter während des Frankfurter-Prozesses kennenlernte, eine Vorbemerkung Ebbo Demants, in welcher er seine Beweggründe für die Reportage, ebenso wie seine Bedenken vor der Begegnung mit den drei Tätern schildert, aber vor allem seine zeitgenössische Kritik an mangelnder Aufklärung und verantwortungslosem Umgang mit deutscher Geschichte äußert, sowie einem, den Frankfurter Prozess abschließend reflektierenden Essay von Gerhard Mauz. Ein kurzes, den Interviews vorangestelltes Kapitel über den Lagerkomplex Auschwitz liefert notwendige Zahlen und Fakten und gestattet dem interessierten Leser anhand von Standortgrafiken eine Orientierung.
Dem Interview des Einzelnen geht eine Vorstellung seiner Person mit kurzen biografischen Daten, den nachweislich begangenen Straftaten sowie dem dafür erhaltenen Strafmaß voraus, um dem Leser einen ersten Eindruck zu vermitteln und ihn auf die folgenden Aussagen vorzubereiten. Von den Interviews abgesetzte Bemerkungen ergänzen und kommentieren Sachverhalte, die bei der Befragung nicht oder nur tangierend angesprochen werden konnten. Auffallend ist Demants zögerlicher und zurückhaltender Stil, der jegliche Fragen nach persönlicher Verantwortung oder gar Schuldempfinden vermeidet und aus heutiger Sicht zu unkritisch und zu wenig provokativ erscheint. Doch macht man sich die schwierige Interviewsituation bewusst, so wird jene vermeintliche Neutralität - um die Aussagebereitschaft der Täter nicht zu unterbinden - nachvollziehbar. Demant begründet dies selbst: „ich […] musste sie klinisch über ihre Taten befragen, durfte keine Vorwürfe machen, konnte kaum widersprechen. Sie wären sonst aufgestanden und hätten sich in ihre Zelle zurückbringen lassen.“ 1
Dabei wird für den Leser ersichtlich, dass es sich hier um bereits zu lebenslänglicher Haft verurteilte Täter handelt, die „sich nicht mehr mit Falschaussagen vor einer juristischen
Strafverfolgung schützen“ 2 müssen und deren unbefangene Äußerungen deshalb umso
erschreckend authentischer wirken. Oder wie es Axel Eggebrecht in seiner Einführung zu diesem Buch formuliert: „Zwei [sic.] arme Teufel sprechen, die einst mörderische Teufel waren. Das macht sie zu glaubhaften Zeugen. Ungern füge ich hinzu: Es macht sie glaubhafter als überlebende Opfer, hinter deren Aussagen die ahnungslose Nachwelt allzu rasch Rachebedürfnis vermutet. Den Zeugen Kaduk und Klehr muss die Nachwelt glauben“.
1 Demant, Ebbo: Anmerkungen zu einem Film. In: Schnackenberg, Anke: Dokumentarfilm und Geschichte. Untersuchung ausgewählter Filme der SWF-Sendereihe „Menschen und Straßen“. Marburg 1992, S.104.
2 Keilbach, Judith: Zeugen der Vernichtung. Zur Inszenierung von Zeitzeugen in bundesdeutschen Fernsehdokumentationen. In: Die Gegenwart der Vergangenheit. Dokumentarfilm, Fernsehen und Geschichte. Berlin: Vorwerk 2003, S.165.
2
Arbeit zitieren:
BA Mireille Murkowski, 2007, Essay zu Auschwitz – „Direkt von der Rampe weg…“. Kaduk, Erber, Klehr: Drei Täter geben zu Protokoll, von Ebbo Demant (1979), München, GRIN Verlag GmbH
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