Inhaltverzeichnis
Einf ührung in die Thematik 3
1. Aspekte der Migration 5
1.1. Tendenz der demographischen Entwicklung der Migration in Deutschland 6
1.2. Motive und Hintergründe der Migration 9
1.3. Phasen der Migration und ihre Auswirkungen auf den Gesundheitszustand
von jugendlichen Migranten 9
2. Psychische Gesundheit in der Migration 14
2.1. Psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen. Allgemein 14
2.2. Psychischer Gesundheitszustand und psychische Belastungen bei den Kindern
und Jugendlichen mit Migrationshintergrund 18
3. Risikofaktoren für psychische Probleme bei Migrantenkindern 22
3.1. Ökonomische und soziale Lage von Kindern und Jugendlichen mit
Migrationshintergrund in Deutschland 22
3.2. Zusammenhang der Integration und der psychischen Gesundheit von
Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund 25
3.3. Suche nach Identität und ihre Auswirkung auf die Psyche der Jugendlichen 27
4. Stand der Migrationsforschung von psychischer Gesundheit bei Kindern 29
4.1. Analyse der Problematik über die Migrationsforschung von psychischer
Gesundheit bei Kindern 29
4.2. Ein Überblick über Ergebnisse und Probleme migrationspezifischer
Forschungsstudien in Deutschland 32
5. Zusammenfassung und Ausblick 37
Literaturverzeichnis 40
Abk ürzungsverzeichnis 47
2
Kapitel 1. Aspekte der Migration
Kapitel 1
1. Aspekte der Migration
Der Themenkomplex „Migration und Gesundheit" ist eine Verbindung der zwei grundsätzlich unterschiedlichen Systeme, die im Grenzbereich von Medizin, Psychiatrie/Psychologie, Soziologie und Ethnologie angesiedelt sind (Weiss, 2003). Migration ist ein Phänomen der Menschheitsgeschichte und findet überall auf unserer Erde statt. Migrationsbewegungen werden aus verschiedenen Gründen ganz unterschiedlich erlebt, wobei für die Betroffenen Migration mehr oder weniger große innere und äußere Veränderungsanforderungen mit sich bringt, die Konsequenzen für die psychische Gesundheit hervorrufen (Hegemann und Salman, 2001). Migration ist ein einschneidender Abschnitt des Lebens von Migranten und darf nicht als ein einzelnes Ereignis, sondern muss als Prozess der Eingliederung, der Anpassung und neuer Identitätsbildung verstanden werden (Keller, 2004). Der Begriff „Migration“ wird im Migrationsbericht 1999 von Beauftragten der Bundesregierung für Ausländerfragen folgend dargestellt: „Migration steht für die räumliche Bewegung zur Veränderung des Lebensmittelpunktes von Individuen oder Gruppen über eine bedeutsame Entfernung. Die Verlagerung des Lebensmittelpunktes über die Grenzen eines Nationalstaates ist dabei kennzeichnend für internationale Migration…. Räumliche Bewegungen im Zusammenhang mit Freizeitbeschäftigung, Reisen, Sport, Tourismus und Pendeln sind (Lederer et al., URL: nicht als Migration zu bezeichnen“ www.integrationsbeauftragte.de).
Die allgemein anerkannte Definition beinhaltet einige Vorteile, sodass sie nicht nach Motiven, Zielen der Migration und nach dem Rechtsstatus unterscheidet. Aber aus dem psychologischen Winkel hat die Definition jedoch einen Nachteil. Dabei könnte die psychische Distanz bedeutsamer als die räumliche Entfernung sein. In der Wirklichkeit können die Menschen in vielen Fällen ihre räumliche Entfernung
5
Kapitel 1. Aspekte der Migration
realisieren, obwohl ihr Denken und Fühlen noch ganz auf das Herkunftsland bezogen sein könnte (Brucks, 2001). Migranten suchen ihren eigenen Weg und ihre persönliche Identität im fremden Land. Sie erleben dabei Erfolg oder Niederlage, Aufschwung oder Abstieg, Nostalgie und Heimweh, sodass große Belastungen auf die Psyche des Menschen ausgeübt werden.
1.1. Tendenz der demographischen Entwicklung der Migration in
Deutschland
Die deutsche Geschichte kennt zahlreiche Facetten und Vielfältigkeiten der Migration. Der große Bevölkerungswandel hat mit der Migration nach Ost- und Südeuropa im ausgehenden Mittelalter angefangen und wurde mit der Auswanderung von mehreren Millionen Deutschen nach Nord- und Südamerika im 19. Jahrhundert fortgesetzt. Er stellt auch im 20. Jahrhundert ein gesellschaftlich bedeutendes Phänomen dar (Lederer et al., URL: www.integrationsbeauftragte.de).
Flöthmann (2004) unterscheidet in Deutschland insgesamt fünf Wanderungsphasen:
-Die erste große Wanderungswelle, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der zweiten Hälfte der 50er Jahre einsetzte, erreichte im Jahr 1965 einen Höhepunkt mit einem jährlichen Wanderungsgewinn von ca. 300.000 Migranten. Diese Phase endete im Jahr 1967;
-Die zweite Wanderungswelle, die durch Gastarbeitermigration gekennzeichnet war, hat im Jahr 1970 einen Höhepunkt mit einem Wanderungsgewinn von ca. 550.000 Migranten erreicht. Diese Wanderungsphase endete durch die Ölkrise und den Anwerbestopp im Jahr 1975;
-Die dritte große Wanderungsphase, die durch Familiennachzüge gekennzeichnet war, war in der Zeit von 1973 bis 1984 mit einem Maximum von ca. 300.000 Migranten. Die Wanderungswelle endete durch finanzielle Remigrationsanreize im Jahr 1984;
-Die vierte und größte Wanderungswelle, die durch die politische Veränderung in Osteuropa ausgelöst wurde, wies im Jahr 1992 den höchsten jährlichen Wanderungsgewinn mit 782.000 Migranten auf. Diese bedeutende Wanderungsphase war im Jahr 1998 durch Änderungen des Asylrechts sowie
6
Kapitel 1. Aspekte der Migration
geringe ökonomische Wachstumsraten und zunehmende Arbeitslosigkeit beendet;
-Die fünfte Wanderungsphase, die durch die EU-Osterweiterung beeinflusst wird, ist zurzeit noch offen.
Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die Abhängigkeit von wirtschaftlichen Konjunkturen und die Unklarheit der Migrationspolitik, die entscheidende
Festlegungen verhindern, zu einem „unruhigen Migrationsland“ geworden. Migration in der Bundesrepublik Deutschland ist durch eine hohe Fluktuation und ein demzufolge sehr hohes Wanderungsvolumen charakterisiert. Über 750.000 Personen wandern nach Deutschland jährlich zu und über 600.000 Personen sind pro Jahr wieder abgewandert (Hamburger et al., 2005).
Die Zahl der ausländischen Migranten ist in der Bundesrepublik Deutschland von 5,5 Millionen im Jahr 1990 auf 7,2 Millionen im Jahr 2005 gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2007), davon ist allein die Zahl der ausländischen Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren ca. 2 Millionen (Konsortium Bildungsberichterstattung, 2006). Die zugewanderten Migranten sind eine bedeutend jüngere Population mit einem hohen Anteil an Kinder und Jugendlichen im Vergleich zur deutschen Bevölkerung (Siehe Abb. 1).
Abbildung 1. Altersstruktur der bundesdeutschen und ausländischen Bevölkerung im Jahr 2005 (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2007).
7
Kapitel 1. Aspekte der Migration
Dieser hohe Anteil (21,4 %) zeigt, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund im Durchschnitt deutlich jünger ist als die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund verteilt sich auf die Bundesländer sehr unterschiedlich. In Hamburg und Bremen erreichen die Anteile an jungen Menschen mit Migrationshintergrund 40 %, in Baden-Württenberg, Berlin, Hessen und Nordrhein - Westfalen 35 %, in Saarland und Bayern 25 % (Konsortium Bildungsberichterstattung, 2006). Durch weitere Integration der östlichen EU-Länder sind neue
Wanderungsbewegungen entstanden. Nach der Erweiterung der Europäischen Union ist Polen mit dem größten Anteil (24,7 %) der Migranten zum Haupteinwanderungsland in der Bundesrepublik Deutschland geworden (Siehe Abb.2).
Abbildung 2. Zuzüge im Jahr 2007 nach den häufigsten Herkunftsländer (Quelle: Statistisches Bundesamt, 2007).
Das gesamte Bild der Migration zeigt, dass kinderreiche Familien ihre Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland suchen. Es bringt einen positiven Effekt, der „zur Verjüngung der Bevölkerung“ führt (Dietz, 1998).
8
Kapitel 1. Aspekte der Migration
1.2. Motive und Hintergründe der Migration
Menschen wanderten schon zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte und die Gründe für die Migration sind vielfältig (ohne Autor, URL: www.exil-club.de). Das Spektrum der Migrationsbewegung entsteht aus unterschiedlichen Motiven, die ein bestimmtes Migrationsmuster in der Bundesrepublik Deutschland bilden.
Unzufriedenheit mit politischem Systemen, die Angst von politischer oder religiöser Verfolgung, schlechte wirtschaftliche Bedingungen, Gefühle von Unsicherheit und Frustration, die durch verschiedene Beschränkungen in eigenem Land hervorgerufen sind, sind überwiegende Auslöser und bewegen Menschen zum Auswandern (Kornischka, 1992; ohne Autor, URL: www.exil-club.de). Man unterscheidet in der Migrationstheorie ausgehende Push-Faktoren des Herkunftslandes und ausgehende Pull-Faktoren des Zuwanderungslandes, die für die Wanderungsbewegung zuständig sind. Unter Push-Faktoren versteht man, Formen existentieller Bedrohungen im Herkunftsland, zum Beispiel: Kriege, ökologische Katastrophen, wirtschaftliche Verelendung oder religiöse und ethnische Diskriminierung. Pull-Faktoren stellen eine Kosten-Nutzen-Einschätzung dar. Es heißt, dass im Zuwanderungsland bessere Überlebensbedingungen und Aufnahmegarantien erwartet werden (Dietz, 1997).
Ingenhorst (1997) weißt darauf hin, dass das zentrale Motiv für die Ausreise in den sich verschlechternden Verhältnissen in der alten Heimat und in den eher diffusen Erwartungen auf ein besseres Leben in der neuen Heimat zu finden ist. Migration prägt in einer spezifischen Art und Weise die Ausreisewünsche und Vorstellungen von Kindern und Jugendlichen, die das Hauptgewicht im Vergleich zu der älteren Generation auf die Verbesserung der sozialen und ökonomischen Situationen setzten.
1.3. Phasen der Migration und ihre Auswirkungen auf den
Gesundheitszustand von jugendlichen Migranten
Mit den Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund als auch mit den Erwachsenen geschehen verschiedene Ereignisse im Verlauf des Migrationsprozesses,
9
Kapitel 1. Aspekte der Migration
sodass die Anfälligkeit für psychische Störungen sehr stark erhöht ist (Baune, 2004). Ein Migrationsprozess mit seinen kurzfristigen aber auch langfristigen Auswirkungen scheint einen wichtigen Einfluss auf das psychische Wohlergehen sowie auf die Entwicklung psychischer Erkrankungen unter jugendlichen Migranten auszuüben (Baune zitiert nach Machleidt, 2004, S. 124). Die Gestaltung der neuen Lebenswelt im Migrationsprozess wird von verschiedenen Faktoren belastet (Weiss, 2003). Baune (2004) behauptet, dass die Dauer des Migrationsprozesses sehr unterschiedlich sein kann und von der Geschwindigkeit der beruflichen, sozialen und sprachlichen Integration von Kindern und Jugendlichen abhängig ist.
Sluzki (2001) unterteilt den Verlauf eines Migrationsprozesses in folgende sechs Stadien, die unterschiedlich auf den psychischen Gesundheitszustand bei Kindern und Jugendlichen einwirken (Siehe Abb.3):
Abbildung 3. Phasen der Migration
Quelle: modifiziert nach Sluzki, 2001, S.103
10
Arbeit zitieren:
Master of Education, Bachelor of Science (BSc), Dipl.Ing. Margarita Esterleyn, 2009, Migration und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Margarita Esterleyn's Text Migration und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Margarita Esterleyn hat den Text Migration und psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund veröffentlicht
Margarita Esterleyn hat einen neuen Text hochgeladen
Armut von Kindern mit Migrationshintergrund
Ausmaß, Erscheinungsformen und...
Carolin Butterwegge
Aktivitäten für den Entwicklungsbereich "Gesunde Kinder"
Ich entdecke meinen Körper. Ha...
Sally Featherstone, Clare Beswick
Aktivitäten für den Entwicklungsbereich "Gesunde Kinder"
Ich bin ich und du bist du Han...
Sally Featherstone, Clare Beswick
Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund
Eine Fallstudie über drei Kind...
Nergiz Çevik
Mediennutzung junger Menschen mit Migrationshintergrund
Umfragen und Gruppendiskussion...
Joachim Trebbe, Annett Heft, Hans-Jürgen Weiß
Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen
Lehrbuch der Kinder- und Jugen...
Hans-Christoph Steinhausen
Psychische Störungen in Kindheit und Jugend
Symptome - Psychodynamik - Fal...
Hans Hopf, Evelyn Heinemann
0 Kommentare