Gliederung
1.Einleitung S. 3
2. Hauptteil 5
2.1. Natur und Moral 5
2.2. Perspektivierung der Moral 6
2.3. Pluralität der Moral 9
2.4. Psychologische Analyse der Moral 10
2.5. historische Analyse der Moral 11
2.6. Herdenmoral 12
2.7. Herrschaft und Moral 14
2.8. Herren- und Sklavenmoral 14
2.9. Forderungen an die neuen Philosophen 15
3. Schluss 17
4. Literaturverzeichnis 18
2
1. Einleitung
Friedrich Wilhelm Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken geboren und lebte in Deutschland, Italien, Frankreich und der Schweiz. Er war ein deutscher Philosoph, Schriftsteller und Dichter und hatte ab 1868 für zehn Jahre den Lehrstuhl an der Universität in Basel für klassische Philologie inne. Er starb am 25. August 1900 in Weimar, nachdem er 11 Jahre lang von seiner Schwester u.a. wegen Geisteskrankheit gepflegt wurde.
Nietzsche war wohl der bisher mutigste Kritiker der Moral, der Philosophie, der Wissenschaft und der Religion. Er prägte Begriffe wie „Nihilismus“, „Gott ist tot“, „Wille zur Macht“ etc, die heute noch viel Raum für Diskussionen und Interpretationen liefern.
In dieser Hausarbeit soll von Nietzsches großem Werkfundus das Werk: „Jenseits von Gut und Böse“ behandelt werden. Es ging aus Plänen und Studien als Erläuterung des Werks: „Menschliches, Allzumenschliches“ hervor, in dem Nietzsche zum ersten Mal die Kritik an der Moral ausführt. Als Erläuterung von „Jenseits von Gut und Böse“ erschien später seinerseits die „Genealogie der Moral“. In beiden Werken führt Nietzsche weiter aus, was er in „Menschliches, Allzumenschliches“ bereits ansprach: Die Kritik an der Moral im allgemeinen und an der christlichen Moral und Religion insbesondere. Zum ersten Mal erwähnt Nietzsche nun auch im Titel das leitende Thema seiner Philosophie: die Distanzierung von der Moral.
„Jenseits von Gut und Böse“ ist in eine Vorrede, neun Hauptstücke und einen Nachgesang aufgeteilt. Bezeichnend für Nietzsche ist der aphoristische Schreibstil der Hauptstücke; insgesamt setzt sich das Werk aus 296 unterschiedlich langen Aphorismen zusammen.
Die Hauptstücke behandeln eine große Fülle an unterschiedlichen Themen, die hier an dieser Stelle kurz angerissen werden sollen.
Im ersten Hauptstück: Von den Vorurteilen der Philosophen wird der Begriff der Wahrheit ausgeführt. Nietzsche konstatiert, dass es trotz des Willens zur Wahrheit keine unbedingte Wahrheit gibt. „Unbedingte Wahrheiten sind Fiktionen, aber lebensnotwendige Fiktionen.“ 1 Er bezeichnet die bisherige Philosophie als
unwissenschaftlich und verlangt nachdrücklich nach neuen Philosophen, die sich die „Unwahrheit als Lebensbedingung zugestehn: das heißt freilich auf eine gefährliche Weise den gewohnten Wertgefühlen Widerstand leisten; und eine Philosophie, die das wagt, stellt sich damit schon allein jenseits von Gut und Böse.“ 2
Das zweite Hauptstück trägt den Titel: Der freie Geist und entwirft - wie der Titel schon sagt - Nietzsches Vorstellung eines freien Geistes und des vornehmen Denkens. Er entwickelt hypothetisch den „Willen zur Macht“, jene aus der Natur des Menschen entspringende Triebfeder für alle seine Handlungen. Im dritten Hauptstück: Das religiöse Wesen stellt er die Funktionen der Religioninsbesondere der christlichen - dar. Er zeigt ihre Ursprünge und Einflüsse auf und führt seine Religionskritik an dieser Stelle aus. Er beschreibt die Religion als „die feinste und letzte Ausgeburt der Furcht vor der Wahrheit (...), als der Wille zur Umkehrung der Wahrheit, zur Unwahrheit um jeden Preis.“ 3 Das vierte Hauptstück setzt sich aus zahlreichen kurzen Aphorismen zu einer Vielzahl von Themen zusammen. Es hat keine zentrale Aussage, sondern ist eher - dem Titel (Sprüche und Zwischenspiele) entsprechend - eine Sammlung von Gedanken in aphoristischem Schreibstil.
Zentrale Bedeutung hingegen hat das fünfte Hauptstück: Zur Naturgeschichte der Moral. In diesem Hauptstück versucht Nietzsche, die Moral zu beschreiben, indem er als Instrument ihre Distanzierung verwendet. Er beabsichtigt an dieser Stelle noch keine Genealogie, sondern vielmehr die „Vorbereitung zu einer Typenlehre der Moral“ 4 . Er versucht, eine Wissenschaft der Moral zu entwickeln und untersucht sowohl die verschiedenen Moralen als auch deren verschiedene Funktionen, Begründungen für Moralphilosophen und Perspektivierungen. Von diesem Ausgangspunkt aus entwickelt er im sechsten (Wir Gelehrten) und im siebten Hauptstück (Unsere Tugenden) die neuen Aufgaben der Philosophen. Der Philosoph sei durch seine Tugenden derjenige, der durch seine Studien der Wahrheit am nächsten komme und somit verpflichtet sei, die Moral weiterhin außermoralisch zu betrachten und sie zu überwinden.
Im 8. Hauptstück: Völker und Vaterländer untersucht Nietzsche die Unterschiede der verschiedenen Völker Europas und die daraus entspringende gegenwärtige
2
Friedrich Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, Aph. 4
3 Nietzsche, Aph. 59
4 Nietzsche, Aph. 186
4
Moral. Im Blickfeld stehen hier insbesondere die Engländer, Franzosen, Deutschen und Juden.
Das 9. Hauptstück: Was ist vornehm?, an das später die „Genealogie der Moral“ anknüpft, führt Nietzsches These einer „Herren- und Sklavenmoral“ aus.
In dieser Hausarbeit soll insbesondere auf das fünfte Hauptstück eingegangen werden. Es wird versucht, Nietzsches Begriff der Moral zu durchleuchten und auf seine Perspektivierung der Moral einzugehen. Nietzsches These, dass die Pluralität der Moralen das eigentliche Problem darstellt, soll wiedergegeben und nachvollzogen werden. Zum Schluss wird auf Nietzsches Typisierung der Moral in eine Herren- und eine Sklavenmoral eingegangen.
2. Hauptteil
2.1. Natur und Moral
Zunächst einmal sei auf den Titel des zu behandelnden fünften Hauptstücks: Zur Naturgeschichte der Moral eingegangen. Dieser erscheint zunächst verwirrend, ist doch die Moral normalerweise der Natur gegenteilig. Die Moral ist eigentlich über die Natur und die Geschichte erhaben. Durch die Beschreibung der Moral als Natur ist sie das nicht, und durch die Beschreibung der Moral als Naturgeschichte ist sie es auch nie gewesen. Dadurch, dass Nietzsche die Natur in die Perspektive der Naturgeschichte stellt, versucht er eine Distanzierung der Moral. Er stellt Moral, Natur und Geschichte in ein reziprokes Verhältnis: nicht nur die Moral entspringt aus der Natur und der Geschichte, auch das Verständnis von Natur und die Geschichte entspringt einer Moral.
Das Verhältnis von Natur und Moral ist ein doppeldeutiges: Einerseits ist die herrschende Moral, da sich alle an sie zu halten haben, „ein Stück Tyrannei gegen die ‚Natur’, auch gegen die ‚Vernunft’ (...). Das Wesentliche und Unschätzbare an jeder Moral ist, dass sie ein langer Zwang ist.“ 5 Dies ist noch kein Grund, diese Moral zu verwerfen, man kann sie ja nur aus der Perspektive einer anderen Moral beurteilen (eine, die Tyrannei verurteilt). Nietzsche vergleicht gewisse Perioden und Völker, die fanatisch eine Moral verfolgten, mit erzwungenen Fastenzeiten, in
5
Arbeit zitieren:
Cana Nurtsch, 2009, Über die Moralkritik Nietzsches in dem Werk: Jenseits von Gut und Böse, München, GRIN Verlag GmbH
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