Inhaltsverzeichnis:
I.: Das menschliche Bewusstsein - Untersuchung eines Phänomens. 1
II.: Ein Phänomen - Verschiedene philosophische Zugänge 2
II.1.1 Der Dualismus nach Decartes - Res extensa und res cogitans. 3
II.1.2. Der Dualismus nach Saul Kripke. 5
II.2. Monismus und Funktionalismus. 6
II.3. Der Funktionalismus 7
III. Das Bewusstseinskonzept in den Neurowissenschaften 8
III.1. Die Entstehung des Bewusstseins 9
III.2. Die Aufgaben des Bewusstseins 10
III.3. Neuronenverbände als Grundgerüst des menschlichen Bewusstseins 11
III.4. Die Rolle des Gedächtnisses 12
III.5. Die wichtigsten Wirkprinzipien beim Entstehen von Bewusstsein 12
IV. Neurowissenschaft versus Philosophie 13
V. Ein Ausblick - Das künstliche Bewusstsein 15
VI. Literaturverzeichnis 17
Das Menschliche Bewusstsein in Philosophie und Neurowissenschaft Wieso das Thema „Bewusstsein“ auch heut noch nicht seine Aktualität verloren hat
I.: Das menschliche Bewusstsein - Untersuchung eines Phänomens
„Das Problem des Bewußtseins bildet heute - vielleicht zusammen mit der Frage nach der Entstehung unseres Universums - die äußerste Grenze des menschlichen Strebens nach Erkenntnis. Es erscheint deshalb vielen als das letzte große Rätsel überhaupt und als die größte theoretische Herausforderung der Gegenwart.“ 1
Mit dieser Aussage umreißt der Philosoph Thomas Metzinger die Tragweite des Problems, an dessen Lösung sich bereits namhafte Philosophen des antiken Griechenlands, wie z.B. Platon oder Aristoteles versucht haben. 2 Dank technischer Neuerungen, wie dem Magnetresonanztomographen (MRT) und dem Elektroenzephalographen (EEG) besitzen wir heutzutage die Möglichkeiten, detaillierte Einblicke in die Wirkmechanismen unseres Gehirns zu erlangen. Je größer jedoch die mit Hilfe der zuvor genannten technischen Hilfsmittel gewonnenen Informationsmengen werden, desto klarer zeichnet sich ab, dass die von Metzinger getroffene Aussage weiterhin ihre Gültigkeit behält. Es ist sogar vorstellbar, dass Phänomene, wie das menschliche Bewusstsein niemals bis ins letzte Detail geklärt werden können. Auf diese Möglichkeit weist auch Patricia Smith Churchland hin, wenn sie feststellt, dass unser Gehirn derart komplex ist, dass seine daraus hervorgehende Intelligenz nicht ausreichen könnte, um diese ungeheure Komplexität zu begreifen. 3 Doch obwohl eine solche hypothetische Konstellation durchaus der Realität entsprechen könnte, rät sie zunächst zum Versuch der Beantwortung folgender Fragen: „Wie weit reicht unser geringer Intellekt? Wie schwierig ist das Problem? Wie könnte es möglich sein, daß es außerhalb unserer Reichweite liegt, unabhängig davon, wie sich Wissenschaft und Technologie entwickeln?“ 4
In dieser Arbeit soll derselbe pragmatische Ansatz verfolgt werden, wie er z.B. auch vom Hirnforscher Christof Koch in Zusammenarbeit mit Francis Crick angestrebt wird. 5 Dabei werde ich zunächst die zwei bedeutendsten Philosophischen Positionen der Dualisten einerseits und der Monisten bzw. Funktionalisten andererseits präsentieren, um zu zeigen, welche Erklärungsmodelle die Philosophie zu diesem Phänomen beizutragen hat. Anschließend werden in einer knappen und trotzdem möglichst konsensfähigen Form die
1 http://www.philosophie.uni-mainz.de/metzinger/publikationen/1995e.html, 23.03.09, 13.37 Uhr
2 vgl.: Hans W. Ingensiep, S. 137 f.
3 vgl.: Patricia Smith Churchland, S. 464
4 Patricia Smith Churchland, S. 478
5 vgl.: Christof Koch, S. 12 f.
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Ergebnisse der Neurowissenschaften zum Thema erläutert und daraus ein naturwissenschaftliches Bewusstseinsmodell gebildet. Ausgehend von den dem Bewusstsein zugeschriebenen Leistungen, speziell im Bereich der Verarbeitung von auf den menschlichen Körper einströmenden Reizen, werden die grundlegenden Wirkmechanismen dieses komplexen Gebildes näher beleuchtet. Im letzten Teil der Arbeit gehe ich schließlich auf die Diskrepanzen ein, die ein Vergleich der drei zuvor genannten Modelle mit sich bringt. Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden besprochenen philosophischen Ansätze werden herausgearbeitet und der Versuch einer Synthese, welcher zu einem ganzheitlichen Bewusstseinskonzept führt, soll versucht werde. Dabei kommt es mir aber auch darauf an, die (vorläufigen?) Grenzen der Neurowissenschaften aufzuzeigen. Denn nur die von Micheal Pauen angemahnte Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen wird langfristig zu neuen Erkenntnissen und damit auch zur Beantwortung der von Patricia Smith Churchland formulierten Fragen führen. 6
II.: Ein Phänomen - Verschiedene philosophische Zugänge
Dualismus, Physikalismus, Identitätstheorie, Materialismus, Monismus, usw. Alle diese philosophischen Konzepte bemühen sich um eine schlüssige Klärung des Leib-Seele- bzw. Körper-Geist-Problems. Worum es dabei im Kern geht, ist eine ontologische Betrachtung des Bewusstseinsphänomens, also die Untersuchung von dessen Existenzumständen. Ansgar Beckermann schlägt hierbei eine Zuspitzung des Problems auf zwei Fragen vor: 1) Gibt es neben den physischen Dingen auch noch nicht-psychische, immaterielle Entitäten, die die Träger mentaler Eigenschaften sind? Oder sind die Träger mentaler Eigenschaften selbst physische Dinge, z.B. bestimmte Lebewesen? 7 2) Sind mentale Eigenschaften eigenständig oder können sie auf physische Eigenschaften zurückgeführt werden? 8
Unter diesen Gesichtspunkten sollen in der Folge die zwei Grundkonzeptionen verglichen werden, welche bei der Beantwortung dieser Fragen die größten Differenzen aufweisen. Dies ist erstens der Dualismus, wie ihn unter anderem René Descartes vertreten hat und als dessen aktuell stärkster Befürworter Saul Kripke gelten kann. Die Hauptthesen dabei sind: 1) Es gibt immaterielle Entitäten neben den physischen, wobei die Träger dieser Eigenschaften physische Dinge sind.
2) Mentale Eigenschaften - hier die Seele bzw. der Geist - sind eigenständig und können nicht direkt auf physische Eigenschaften zurückgeführt werden.
6 vgl.: Michael Pauen, S. 20 f.
7 Ansgar Beckermann, S. 7
8 ebda.
2
Im krassen Gegensatz dazu steht die von den Monisten und Funktionalisten vertretene Position. Hier lassen sich die Fragen folgendermaßen beantworten: 1) Es gibt neben den physischen Entitäten grundsätzlich keine metaphysischen Wirkprinzipien.
2) Mentale Eigenschaften sind nur in Verbindung mit dem Körper denkbar. Eine Reduktion auf die physischen Ursprünge ist in vollem Umfang möglich. Zunächst soll nun aber die dualistische Position am Beispiel des cartesianischen Bewusstseinsmodells erläutert, sowie die von Saul Kripke entwickelten Gedanken zur Stärkung dieses Konzepts vorgestellt werden.
II.1.1 Der Dualismus nach Decartes - Res extensa und res cogitans
Zwar ist das Konzept des Dualismus in der Philosophie keineswegs neu, doch aufgrund der konsequenten Anwendung desselben auf das Leib-Seele-Problem, nimmt Descartes auf diesem Feld eine herausragende Stellung ein. Bereits in dem 1641 veröffentlichten Werk „Meditationes de prima philosophia“ werden die Grundzüge des Cartesianischen Dualismus deutlich. Das Hauptaugenmerk des Verfassers liegt darin neben dem Beweis der Existenz Gottes vor allem in der Untersuchung des Phänomens der menschlichen Wahrnehmung. Die Erwähnung ersterer Tatsache erhält ihre Relevanz dadurch, dass es Descartes zu folge durchaus vorstellbar wäre, dass Gott um eine bewusste Täuschung des Menschen bemüht ist 9 . Diese Erkenntnis zieht der Philosoph unter anderem aus dem in der zweiten Meditation beschriebenen Experiment mit einem Stück Wachs, welches unter Wärmezufuhr seine Gestalt ändert. So wie Descartes in dieser Meditation aus der Fähigkeit zum Denken auf die Existenz eines Denkenden „Ich“ schließt, so erfolgt nun die Anwendung der daraus gewonnenen Erkenntnis auf das Wachs-Experiment. Nicht die Existenz ist der Ausgangspunkt für die anschließende Erkenntnis, sondern zunächst ist nichts weiter mit Sicherheit festzustellen, als das Erfassen des Wachses durch den Geist 10 : „Was ist denn nun dieses Wachs, das man nur im Geiste auffassen kann? Offenbar eben das, was ich sehe, berühre, bildhaft vorstelle; überhaupt dasselbe, das ich von Anfang an für seiend gehalten habe. Aber, wohlgemerkt, die Auffassung desselben besteht nicht in einem Sehen, Berühren, sinnlichen Vorstellen, und bestand überhaupt nie darin, wenn es mir auch früher so vorkam; sie besteht vielmehr in einem bloßen geistigen Einblick, der unvollkommen und verworren sein kann wie vordem, oder klar und deutlich wie jetzt, je nachdem ich mehr oder weniger auf seine Bestandteile achte.“ 11
9 vgl.: René Descarte, Med., S. 103
10 vgl.: René Descarte, Med., S. 93
11 René Descarte, Med., S. 93
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Weitere Täuschungsmöglichkeiten bieten unter anderem noch die zum Teil äußerst realistischen Träume während des Schlafens, sowie das Verwenden von Wörtern beim Prozess der Gedankenbildung 12 . Nachdem Descartes bereits in der zweiten Meditation aus der Fähigkeit zu Denken zumindest die Existenz eines „denkenden Ichs“, das heißt das Vorhandensein von Bewusstsein gefolgert hat, ist im Gegensatz dazu gerade der Körper, oder wie er es in den „Les Passions de l'âme“ bezeichnet, die „res extensa“, der mit der größten Unsicherheit behaftete Teilbereich innerhalb des dualistischen
Gedankengebäudes. 13 Erst durch den Umweg über den Beweis für die Existenz Gottes, kann auch die effektive Untersuchung über das Vorhandensein einer von der rein geistigen Welt verschiedenen Dimension erfolgen. Zentral ist hierbei folgende Erkenntnis, die eher als Postulat bezeichnet werden muss:
„Wenn auch die Fähigkeit zu täuschen ein Zeichen von Scharfsinn oder Macht zu sein scheint, so beweist doch die Absicht zu täuschen ohne Zweifel, Bosheit und Ohnmacht und kann sich darum bei Gott nicht finden. 14 “
Den nächsten Schritt beim Beweis der Existenz des Körpers vollzieht Descartes dann, indem er auf die von Gott verursachte Neigung zum „Für-wahr-halten-Wollen“ desselben im Menschen hinweist:
„Wie könnte ich […] [Gott] für wahrhaftig halten, wenn sie einen andern Ursprung hätten, als die körperlichen Dinge! Und folglich gibt es körperliche Dinge.“ 15 Mit Abschluss dieser Beweiskette steht nun für Descartes fest, dass die belebte Welt weder erschöpfend durch die Machina-Konzeption, d.h. alle Lebewesen sind nichts weiter als Automaten, noch durch eine rein metaphysische Anima-Konzeption erklärbar ist. 16 Als einziger Ausweg bleibt folglich ein Zusammenwirken zwischen beiden Kategorien. Zur vollständigen Reife gelangt Descartes’ Konzept schließlich in den „Les Passions de l'âme“ (1649). Die in den Meditationen nur knapp thematisierte Verbindung zwischen Körper und Geist, wird dabei bis auf die Ebene des praktischen Zusammenwirkens beider Teile konkretisiert. Lokal verortet ist dieser Wechselwirkungsprozess seiner Ansicht nach in der Zirbeldrüse im menschlichen Gehirn, in welcher die metaphysische Seele Einfluss auf den stofflichen Körper ausübt. 17
12 vgl.: René Descarte, Med., S. 65 f. und 93
13 vgl.: René Descarte, S. 83 u. Johannes Hirschberger, S. 114
14 René Descarte, S. 141
15 René Descarte., S. 193
16 vgl.: Hans W. Ingensiep, S. 151
17 vgl.: Johannes Hirschberger, S. 115
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Arbeit zitieren:
Johannes Stockerl, 2009, Das Menschliche Bewusstsein in Philosophie und Neurowissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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