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Der Blasphemievorwurf im religionswissenschaftlichen Vergleich

Title: Der Blasphemievorwurf im religionswissenschaftlichen Vergleich

Seminar Paper , 2003 , 27 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ann-Katrin Gässlein (Author)

Theology - Comparative Religion Studies
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Summary Excerpt Details

[...] Da dieses
Thema nicht nur im Islam, sondern auch in anderen Religionen eine Rolle spielt, kam ich auf
die Idee, Blasphemie in einem religionswissenschaftlichen Vergleich zu untersuchen.
Der Vorwurf der Blasphemie ist eng mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden und
weist gleichzeitig eine hohe aktuelle Brisanz auf. Wenn man einmal anfängt, in der
Geschichte nach Fällen zu stöbern, in denen dieser Vorwurf erhoben wurde oder gar zu einem
gerichtlichen Prozess geführt hat, sieht man sich schnell einer gewaltigen Menge von Material
gegenüber. Allein die Blasphemie-Fälle in der mittelalterlichen Geschichte der römischkatholischen
Kirche können schon Bände füllen. Der Historiker Alan Cabantous hat sich
dieses enorme Projekt vorgenommen.1 Dabei könnte man das Augenmerk auf Blasphemie in
der frühchristlichen Zeit richten, als die eben entstandene Kirche mit der Kanonisierung
beschäftigt war, um eine einheitliche Lehre rang und sich in diesem Kontext mit
„abweichenden Meinungen“ konfrontiert sah.2 Die Entwicklung des Protestantismus und der
Religionskriege könnte unter dem Gesichtspunkt der Blasphemie untersucht werden.3
Oder man konzentriert sich auf die mystischen Bewegungen im Christentum, Islam oder
Judentum und untersucht den Blasphemievorwurf bei grossen spirituellen Lehrmeistern:
Diese sprachen aus der unmittelbar eigenen Gottesschau und gingen damit über die Lehren
der Bibel und der kirchlichen Dogmen weit hinaus. Dazu zählen zum Beispiel Meister
Eckehart, der als Ketzer angeklagt und verfolgt wurde,4 oder Al-Halladsch aus der
islamischen Mystik.5
Die Fragestellung dieser Arbeit lässt die oben genannten Aspekte bewusst ausser Acht und
geht dahin, welche Elemente von Blasphemie nicht mehr ausschliesslich mit der jeweiligen
Religion zusammenhängen, in deren Kontext sie geschieht, d. h. welche „Gemeinsamkeiten“
sich in Blasphemiefällen feststellen lassen.

1 Cabantous, Geschichte
2 Religion in Geschichte und Gegenwart, Sp. 1441ff.
3 ebd., Sp. 1445ff.
4 Meister Eckehards Satz „Wer Gott selbst lästert, lobt Gott“ wurde mit einem Bannfluch belegt, vgl.
www.regina-berlinghof.de/mystik.htm: Die Antworten der Mystiker auf Gotteslästerung. Nachträge zur
Diskussion um Salman Rushdie und Annemarie Schimmel
5 Al-Halladsch schockierte öffentlich mit seinem Ausspruch „Ana l-haqq – Ich bin die göttliche Wahrheit“5 und
wurde schließlich hingerichtet, vgl. Vogel, Blasphemie, S. 20

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herkunft und Bedeutung von Blasphemie

3. Vormoderne Blasphemie

3. 1. Der Fall Sokrates

3. 2. Der Fall Jesus von Nazareth

4. Moderne Blasphemie

4. 1. Der Fall George Grosz

4. 2. Skandal um Jesus Christus – eine kleine Chronik

4. 3. Der Fall Salman Rushdie

4. 5. „Die Satanischen Verse“

5. Formaler Vergleich: „Christus mit der Gasmaske“ und „Die Satanischen Verse“

5. 1. Medium

5. 2. Form

5. 3. Inhalt

5. 4. Motivation

6. Voraussetzungen für Blasphemie

6. 1. Objektive Voraussetzungen

6. 2. Subjektive Voraussetzungen

7. Schluss

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Blasphemie in einem religionswissenschaftlichen Vergleich. Ziel ist es, Gemeinsamkeiten in Blasphemiefällen aufzuzeigen, die unabhängig vom spezifischen religiösen oder historischen Kontext existieren, und dabei zu analysieren, welche strukturellen und sozialpsychologischen Elemente für die Entstehung eines Blasphemievorwurfs maßgeblich sind.

  • Analyse vormoderner versus moderner Blasphemieformen
  • Religionsvergleichende Untersuchung anhand prominenter Fallbeispiele
  • Strukturelle Analyse der Vorwurfskonstitution (objektive und subjektive Voraussetzungen)
  • Rolle von Verfremdung und künstlerischer Provokation als Auslöser

Auszug aus dem Buch

3. 1. Der Fall Sokrates

Der erste Fall stammt aus der griechischen Antike. Um 470 v. Chr. wird Sokrates in einer Athener Bildhauerfamilie geboren. Seine Kindheit und Jugend sind massgeblich von einer neuen Bewegung geprägt, einem „stark rational geprägtes Denken“, ebenso wie von den Versuchen, eine neue Staatsform, die „Demokratie“, im Stadtstaat zu etablieren. Die Vertreter dieses „neuen“ Denkens nennen sich nach dem griechischen Begriff für Weisheit „Sophisten“ und äussern auch religionskritische Theorien. Sokrates nimmt an der Bewegung seiner Zeit teil, aber er bewahrt eine sachliche Distanz. Er konfrontiert alle und jeden mit seinen unbequemen Fragen, aber er äussert sich nicht revolutionär. Als er bereits über 70 ist, wird er gerichtlich angeklagt. Der Vorwurf lautet „die Götter des Staatskults nicht anzuerkennen, neue Gottheiten eingeführt zu haben und die Jugend zu verführen.“

Im Prozess bekennt sich Sokrates zu seiner philosophischen Gesprächstätigkeit, aber er bezeichnet sich als loyaler Bürger Athens und der dort geltenden Gesetze. Vor allem die Anschuldigung der Gottlosigkeit weist er zurück. Er meint, Opfer einer Intrige von Ignoranten zu sein und verteidigt seine Ehre.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Blasphemie als religionswissenschaftliches Phänomen und Erläuterung der Motivation für den Vergleich.

2. Herkunft und Bedeutung von Blasphemie: Analyse der etymologischen Wurzeln und der notwendigen Definition von Blasphemie jenseits des rein christlichen Gottesbegriffs.

3. Vormoderne Blasphemie: Untersuchung historischer Fälle wie Sokrates und Jesus von Nazareth als religiöse bzw. philosophische Grenzgänger.

4. Moderne Blasphemie: Darstellung moderner Konfliktfälle zwischen Kunst und Religion anhand der Beispiele George Grosz und Salman Rushdie.

5. Formaler Vergleich: „Christus mit der Gasmaske“ und „Die Satanischen Verse“: Strukturelle Gegenüberstellung von Medium, Form, Inhalt und Motivation der beiden modernen Fallbeispiele.

6. Voraussetzungen für Blasphemie: Erarbeitung objektiver und subjektiver Thesen, die zur Entstehung von Blasphemievorwürfen beitragen.

7. Schluss: Synthese der Ergebnisse und Fazit über die religionsunabhängigen Gemeinsamkeiten bei Blasphemievorwürfen.

Schlüsselwörter

Blasphemie, Religionswissenschaft, Gotteslästerung, Häresie, Asebie, Salman Rushdie, George Grosz, Religionskritik, Verfremdung, Interferenz, Religionsdelikt, Religionsvergleich, Meinungsfreiheit, Fundamentalismus, Sakralität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Vorwurf der Blasphemie aus einer religionswissenschaftlichen Perspektive und versucht, Gemeinsamkeiten in den Prozessen zu finden, die zu solchen Vorwürfen führen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder sind die Definition von Blasphemie, der Vergleich vormoderner und moderner Fälle sowie die Analyse von gesellschaftlichen und individuellen Voraussetzungen für die Entstehung blasphemischer Konflikte.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Blasphemie als ein strukturelles Phänomen zu begreifen, das sich unabhängig von spezifischen religiösen Inhalten in ähnlicher Weise manifestiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturelle Analyse und einen religionsvergleichenden Ansatz, bei dem Fallbeispiele in Bezug auf ihre kulturellen und religiösen Kontexte untersucht werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse (Sokrates, Jesus) und eine moderne Analyse (Grosz, Rushdie), wobei Aspekte wie Medium, Form und Motivation systematisch verglichen werden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Blasphemie, Religionswissenschaft, Verfremdung, Häresie und Religionskritik charakterisiert.

Warum wird Sokrates als Fallbeispiel angeführt?

Sokrates dient als Beispiel für eine "vormoderne" Blasphemie bzw. Asebie, bei der eine philosophische Auseinandersetzung mit dem religiösen Status quo zu einem tödlichen Konflikt führt.

Welche Rolle spielt die "Verfremdung" in der modernen Blasphemie?

Die Verfremdung fungiert als künstlerisches Mittel, das vertraute religiöse Symbole in neue, provozierende Kontexte setzt und damit den Betrachter zur kritischen Reflexion anregt.

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Details

Title
Der Blasphemievorwurf im religionswissenschaftlichen Vergleich
College
University of Fribourg  (Vergleichende Religionswissenschaft - sozialwissenschaftliche Optiob)
Grade
1,0
Author
Ann-Katrin Gässlein (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V13861
ISBN (eBook)
9783638193986
Language
German
Tags
Blasphemievorwurf Vergleich
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ann-Katrin Gässlein (Author), 2003, Der Blasphemievorwurf im religionswissenschaftlichen Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13861
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