Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Das Leben der Elisabeth von Thüringen 5
3 Die „imitatio Christi“ als Einfluss auf Elisabeths Leben 7
4 Die Darstellung Elisabeths in den Quellen 9
4.1 Schriftliche Quellen 9
4.1.1 Die „Summa Vitae“ 9
4.1.2 Das “Libellus de dictis quator ancillarum sanctae Elisabeth
confectus 10
4.2 Elisabeths Darstellung in den Bildquellen 13
4.2.1 Das Elisabethfenster in Marburg 13
4.2.2 Der Elisabethschrein 15
4.2.3 Der Lübecker Elisabethzyklus 17
5 Schlussbetrachtung 21
6 Literaturverzeichnis 22
7 Anhang 23
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1 Einleitung
Während des Mittelalters spielte die Religiosität eine große Rolle im Leben vieler Menschen. Das Christentum schuf den Rahmen für den Verhaltenskodex, dem man folgte. Dies trifft auch auf den Bereich der Armen- und Krankenfürsorge zu, die vielfach von Mitgliedern der Kirche getragen wurde.
Eine Persönlichkeit des 13.Jahrhunderts, die heute noch für ihre Mildtätigkeit als Heilige verehrt wird, ist Elisabeth von Thüringen. Wichtige Größen in ihrem Leben waren die Lehre des Franz von Assisi und das damit verbundene Armutsideal, sowie die Unterstützung von Armen und Kranken. Da sie eigentlich eine weltliche Funktion innehatte, die der Landgräfin, stieß ihr Lebenswandel bei vielen Zeitgenossen auf wenig Gegenliebe. Dennoch blieb sie ihren persönlichen christlichen Werten treu und lebte nach diesen.
Elisabeth von Thüringen war eine Person, die schon bei ihren Zeitgenossen einen bleibenden Eindruck hinterließ, der bis heute erhalten blieb. Dieser schlägt sich zum Beispiel in den zahlreichen Darstellungen ihres Lebens nieder. Im Jahr 2007 wurden anlässlich ihres 800. Geburtstags mehrere Ausstellungen, deren Inhalt ihr Leben und Schaffen war, eröffnet. Im Rahmen dieser Arbeit möchte ich mich darum mit ihrer Person und deren Darstellung beschäftigen. Dabei interessiert mich zum einen ihre Beschreibung in den schriftlichen Zeugnissen, zum anderen ihre Darstellung in der Kunst.
Quellen ihres Lebens finden sich zahlreiche, ich möchte mich hier aber auf einige wenige beschränken. Schriftliche Quellen sind zum einen die „Summa Vitae“, die von ihrem Beichtvater Konrad von Marburg verfasst wurde, zum anderen das „Libellus de dictis quator ancillarum sanctae Elisabeth confectus“, im Folgenden als Libellus bezeichnet, ein Buch, das Aussagen ihrer vier Leibdienerinnen über ihr Leben zusammenfasst. Diese entstanden beide kurz nach ihrem Tod und berichten über ihren Umgang mit dem für sie so wichtigen franziskanischen Armutsideal und über ihr Engagement in der Krankenpflege und Armenfürsorge.
Ein Motiv, das in Zusammenhang mit Elisabeth immer wieder auftaucht, ist ihr intensiver Einsatz für Arme und Kranke. Als bildliche Quellen habe ich den Lübecker Elisabeth-Zyklus aus dem 15. Jahrhundert und das Elisabethfenster in der Elisabethkirche in Marburg gewählt, die sich mit ihrem Leben und ihrer Frömmigkeit beschäftigen. In beiden Bildfolgen finden sich Abbildungen Elisabeths bei der Ausübung
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verschiedener karitativer Tätigkeiten, weshalb sie meiner Meinung nach gut geeignet sind, um die Darstellung von Elisabeths Nächstenliebe zu betrachten. Im Folgenden werde ich zunächst einen Überblick über Elisabeths Leben und geben und die beiden große Einflüsse darauf kurz erläutern. Anschließend werde ich mich mit den genannten Quellen auseinandersetzen und daraufhin untersuchen, wie diese Einflussgrößen, Armutsideal und Barmherzigkeit, sich darin wieder finden und abgebildet sind.
Wie ist Elisabeth dargestellt und welche Motive kehren wieder? Wie wurde sie von ihren Zeitgenossen wahrgenommen und welche Aspekte waren für diese von Bedeutung? Diese Fragen möchte ich anhand der Quellen zu beantworten versuchen. Darstellungen und Beschreibungen, der von ihr gewirkten Wunder habe ich bewusst außen vor gelassen, da diese nur für das Kanonisationsverfahren von Belang sind, über ihre Wahrnehmung jedoch wenig aussagen.
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2 Das Leben der Elisabeth von Thüringen
Geboren wurde Elisabeth am 7. Juli 1207 in Ungarn als Tochter des ungarischen Königs Andreas II. und seiner Frau Gertrud von Andechs. Bereits wenige Monate nach ihrer Geburt wurde sie mit dem Sohn des Landgrafen von Thüringen verlobt. 1211 wurde Elisabeth mit ihrer Aussteuer nach Thüringen geschickt, da es üblich war, dass Verlobte gemeinsam aufgezogen wurden. 1 1221, nach dem Tod des alten Landgrafen, heiratete sie Ludwig. Ihre Ehe war glücklich und Elisabeths karitative Tätigkeit wurde von Ludwig nicht nur toleriert, sondern sogar unterstützt. So gründeten die beiden 1223 gemeinsam ein Spital in Gotha, dem sie Landgüter zusprachen, die die weitere Finanzierung gewährleisten sollten. 2 Ab 1223 hielt sich der Franziskanermönch Rodeger am Landgrafenhof auf und fungierte als Elisabeths geistlicher Beistand. Er vermittelte Elisabeth die franziskanischen Ideale der Armut und Keuschheit, nach denen sie künftig leben wollte. Sie war davon sehr beeindruckt und begann ihre kostbare Kleidung und ihren Schmuck zu verschenken. 3 Außerdem begann sie in der Armenpflege zu arbeiten und übte dabei einige, von Zeitgenossen als entwürdigend betrachtete, Tätigkeiten aus, wie die Waschung und Einkleidung Verstorbener. 4
Im Jahr 1226 löste Konrad von Marburg den Laienbruder Rodeger ab und war fortan Elisabeths geistlicher Berater. Er verpflichtete sie zu absolutem Gehorsam ihm gegenüber, sofern dies nicht mit den Rechten des Landgrafen kollidierte und verlangte ewige Keuschheit im Falle von Ludwigs Tod. Zudem forderte er von Elisabeth das Armutsdasein auch bei Hofe zu leben, was bei ihren Verwandten zu Unmut führte, von Ludwig aber toleriert wurde. 5 Während ihr Ehemann sich auf einer Reise befand, öffnete sie bei einer Hungersnot die Lebensmittelspeicher Ludwigs, um zu verhindern, dass große Teile der Untertanen verhungerten. Dies wurde ihr von den Brüdern ihres Mannes sehr übel genommen, von Ludwig jedoch nach seiner Rückkehr gut geheißen. 6
1227 folgte die Stiftung eines Franziskaner-Klosters in Eisenach. Kurz darauf, am 11.09.1227, verstarb Ludwig bei der Teilnahme an einem Kreuzzug; und nach Streitigkeiten mit seinen Brüdern und einigen höheren Hofbeamten verließ Elisabeth die
1 Die heilige Elisabeth in der Kunst 1983, S. 11
2 Nigg 1967, S. 82, Zimmermann 2006, S. 46
3 Zimmermann 2006, S. 124 und S. 106 bis 109
4 Barow-Vassilevitch 2007, S. 71/72
5 Ebd., S. 74, Werner 49/50
6 Oexle, S. 92/Zimmermann 2006, S. 48/49
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Wartburg, Heinrich Raspe, Ludwigs jüngerer Bruder entzog ihr die von Ludwig versprochenen Witwengüter. Durch einen Schutzbrief des Papstes, den Konrad von Marburg für sie erwirkte, gelang es ihr schließlich eine Entschädigungssumme von 2000 Silbermark, sowie einige Ländereien bei Marburg zu erhalten. Im Jahr 1228 errichtete sie dort ein Spital, dessen Kapelle sie dem heiligen Franz weihen ließ, und diente selbst als Spitalsschwester. 7
Am 17. November 1231 starb Elisabeth schließlich in Marburg an der Lahn, Pfingsten 1235 wurde sie auf Betreiben Konrad von Marburgs heilig gesprochen. 8
7 Barow-Vassilevitch, S. 84-85, Werner, S. 53
8 Die heilige Elisabeth in der Kunst 1983, S. 11
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3 Die „imitatio Christi“ als Einfluss auf Elisabeths Leben
Eine wichtige Regel, die die katholische Kirche ihren Anhängern auferlegte, ist die er christlichen Tugend der Barmherzigkeit. Der Mensch sollte in einer „imitatio Christi“ dem Vorbild Jesu nacheifern und sich ebenfalls barmherzig gegenüber seinen Mitmenschen zeigen. Als christliche Tugend galt Barmherzigkeit jedoch erst, wenn das passive Mitleid zu aktiver Tätigkeit wurde. 9 Wer es ablehnte diesen Dienst zu tätigen, riskierte damit sein Seelenheil.
Auf dieser „imitatio Christi“ beruhte die mittelalterliche Caritas, die ihren Ausdruck vor allem in Hospitälern fand, wo Arme und Kranke beherbergt und versorgt wurden. Dabei standen vor allem die sieben Werke der Barmherzigkeit im Mittelpunkt, die ursprünglich auf das neue Testament zurückgehen. 10 Bei Matthäus finden sich zunächst nur sechs Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte bekleiden, Kranke pflegen und Gefangene besuchen. 11 Bei Tobias 12,12 wird schließlich das Werk Tote begraben hinzugefügt. 12 Während unfreiwillige Armut häufig als Unmoral, Unglauben oder Dummheit ver-standen wurde, galt freiwillig ertragene Armut als Möglichkeit der Läuterung und als Ausdruck der Religiosität. Der Verzicht auf Eigentum und die massive Einschränkung materieller Bedürfnisse wurde als erhabene christliche Lebensform verstanden und grenzte sich von dekadentem Reichtum und der Ausbeutung Abhängiger ab. Die Besitzenden wurden dadurch zur Armenpflege und Barmherzigkeit aufgefordert. Ab dem 11. und 12. Jahrhundert kamen diverse Bettelorden auf, die Armut zum Beruf machen und sich als „pauperes christi“ verstanden. 13 Dazu gehörte der Orden der Franziskaner, die sich selbst als Minderbrüder bezeichneten. Franz von Assisi, der 1182 als reicher Kaufmannssohn geboren worden war, wandte sich 1206 von seinem alten Leben ab, um zukünftig in einsiedlerischer Armut dem Beispiel Christi zu folgen. 14 Die erste Ordensregel, die er 1210 seinen Anhängern gab, geht auf die Aussendung der Apostel durch Jesus zurück. 15 Auch Franz von Assisi verlangte von seinen Brüdern die Aufgabe aller weltlichen Güter und ein Leben
9 Vgl. J. Auer, LexMA Online, 2004
10 Ebd.
11 Vgl. Mt. 25, 34-36
12 Bühren 1998, S. 11/12
13 Vgl. U. Lindgren, LexMa Online, 2004
14 Vgl. K. Elm, LexMA Online, 2004
15 Vgl. Mk. 6, 7ff., aber auch Lk. 9, 1-6
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im Dienste der Menschen. 16 Sie sollten ihren Lebensunterhalt selbst verdienen oder durch Betteln erwirtschaften. 17
Elisabeth von Thüringen, die schon sehr früh einen sehr tiefen Glauben hatte, war von diesen Grundsätzen stark beeinflusst. Sie verstand es als ihre Pflicht, als adlige Christin die Bedürftigen zu unterstützen. Als sie 1223 durch Rodeger mit dem Vorbild Franz von Assisis in Bezug auf materiellen Besitz und ein christliches Leben in Berührung kam, bemühte sie sich diesem nachzueifern um eine vollkommene Christin zu werden.
16 Vgl. Testament Assisis
17 Vgl. U. Lindgren, LexMA Online 2004
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4 Elisabeths Darstellung in den Quellen 4.1 Die Darstellung in den schriftlichen Quellen
Über das Leben der Elisabeth von Thüringen gibt es mehrere schriftliche Zeugnisse, die alle recht kurz nach ihrem Tod entstanden sind. Als erstes entstand die von Elisabeths Beichtvater Konrad von Marburg geschriebene „Summa Vitae“, ihr folgte 1235 das „Libellus de dictis quator ancillarum sanctae Elisabeth confectus“, das die Zeugenaussagen von Elisabeths Leibdienerinnen zusammenfasst. Die erste literarische Darstellung von Elisabeths Leben verfasste 1236 Caesarius von Heisterbach im Auftrag des Deutschen Ordens. 1297 folgte eine blumige Version des Dominikaners Dietrich von Alpoda, die allerdings bereits auf den ersten drei Schriften beruht. 18 Ich habe mich für diese Arbeit für die Lebensbeschreibungen Elisabeths, die von Konrad von Marburg und ihren Leibdienerinnen verfasst worden sind, entschieden, weil diese Berichtscharakter haben und auf schriftstellerische Elemente verzichten. Dabei werde ich zuerst auf die „Summa Vitae“ eingehen und anschließend das Libellus behandeln. Beide Texte liegen mir in Form eines Buches über Elisabeth von Walter Nigg vor, in dem dieser die aus dem Lateinischen übersetzten Texte als Volltext abgedruckt hat.
4.1.1 Summa Vitae
Die Summa Vitae wurde 1232 von Konrad von Marburg anlässlich des Kanonisationsverfahrens verfasst und bezieht sich lediglich auf die letzen fünf Lebensjahre Elisabeths. 19 Da aber vor allem der spätere Teil ihres Lebens besonders intensiv vom Armutsgedanken und karitativer Aktivität beeinflusst war, ist sie trotzdem als Quelle geeignet.
Konrad schildert in seinem Text zunächst ihre Tätigkeit zu Lebzeiten Ludwigs: Elisabeth spendete nicht nur ihre gesamten Einkünfte aus ihren Ländereien, sondern verkaufte auch ihren Schmuck und ihre Kleider, um die Bedürftigen zu unterstützen. Zusätzlich dazu legte sie selbst Hand an und suchte das Hospital zweimal täglich auf, um dort Kranke zu versorgen. 20
Nach dem Tod ihres Mannes wollte Elisabeth zuerst als Bettlerin leben, was er als ihr Beichtvater jedoch ablehnte, so berichtet Konrad. Daraufhin schwor Elisabeth ihrem
18 Vgl. Albrecht/Atzmann 2006, S. 5
19 Ebd., S. 64/65
20 Vgl. Nigg 1967, S. 62
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Katharina Grafmüller, 2009, Elisabeth von Thüringen in schriftlicher und bildlicher Darstellung, München, GRIN Verlag GmbH
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