Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 3
2 Max Weber - Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
(1904/05) 4
2.1 Methodisches Vorgehen Webers 4
2.2 Thesen 6
2.3 Ergebnisse 7
2.4 Kritische Diskussion 8
3 Emile Durkheim - Die elementaren Formen des religiösen Lebens
(1912) 10
3.1 Methodisches Vorgehen Durkheims 10
3.2 Thesen 11
3.3 Ergebnisse 13
3.4 Kritische Diskussion 14
4 Vergleich 15
5 Religionssoziologie. 17
5.1 Grundlegung der Religionssoziologie. 17
5.2 Ausblick und gegenwärtige Entwicklungen 18
Literaturverzeichnis 19
1 Einleitung
Die Religionssoziologie in Gestalt einer Erfahrungswissenschaft fragt nach konkreten Wirkungen und Voraussetzungen im Handeln der Menschen. In diesem Kontext ist es Gegenstand dieser Arbeit, einen kurzen Abriss über Max Webers und Emile Durkheims religionssoziologische Untersuchungen zu geben.
In Webers Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ (Protestantismusthese) tritt vor allem das Religiöse als bewegender Faktor des Wirtschaftlichen und der Entwicklung des modernen Kapitalismus hervor. Eng mit Webers Prädestinationslehre verbunden sind innerweltliche Askese und eine calvinistische Lebenspraxis, welche zur Kapitalakkumulation führten. So wird im Folgenden die verschlungene Beziehung zwischen einer religiös inspirierten alltäglichen Lebensführung und der Entstehung des Kapitalismus dargestellt. Mit Emile Durkheims Werk „Die elementaren Formen des religiösen Lebens“ wird ein weiterer religionssoziologischer Ansatz vorgestellt. Ziel der Darstellung ist hier die Definition von Religion als Ausdruck des Sozialen und die Ausein-andersetzung mit Durkheims These, dass Religion in der Vergangenheit als Bindeglied traditioneller Gesellschaften fungierte; in modernen Gesellschaften jedoch durch soziale Zusammenhänge zunehmend ersetzt wird. Der abschließende Vergleich der Thesen Webers und Durkheims zu der Relation von Religion zur jeweiligen Gesellschaft, ihren Funktionen und Strukturen zeigt auf, dass Religion in ihrer Funktion die Stiftung gesellschaftlichen Zusammenhalts (Kollektivbewusstsein) und gesellschaftlicher Identität ausmacht. Ein kurzer Ausblick am Schluss der Ausführungen führt zu den gegenwärtigen Aufgaben von Religion. Betrachtet wird hierbei der Aspekt, inwieweit Formen religiösen Denkens und Handelns die Kraft und Macht haben werden, an die Stelle von Dualismus und Rationalismus zu treten und ob eine Wiederbelebung menschlicher Werttraditionen die fortwirkenden Individualisierungskräfte regulieren kann.
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2 Max Weber - Protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus (1904/05)
2.1 Methodisches Vorgehen Webers
Webers Bestimmung des Materials zielt auf den Nachweis eines Zusammenhangs zwischen einer religiös bestimmten asketischen Berufsethik 1 und der kapitalistischen Wirtschaftsweise; seine Intention ist es, die besondere Eigenart des modernen okzidentalen Rationalismus zu erkennen und seine Entstehung zu erklären. Ausgangspunkt hierbei war für ihn die Frage nach dem Einfluss religiöser Vorstellungen auf das wirtschaftliche Handeln und die ökonomische Entwicklung einer Gesellschaft. Den modernen Kapitalismus als Produkt einer in ihren Folgen nicht vorhersehbaren protestantischen Ethik nachzuweisen und die Suche nach „[...] evtl. Ausdrucksformen materialistischer Lebensgesinnung“ (Guttandin 1997: 88) war Webers Absicht. Zur Untersuchung benutzt er religi-onshistorische und theologische Sekundärliteratur 2 , in welcher er Hinweise auf die Ursachen der „[...] Antriebe, welche der Lebensführung die Richtung wiesen“ (Weber 1995: 28) zu finden hoffte. Eine große Bedeutung kam dem Postulat der Wertfreiheit im weltanschaulichen und religiösen Sinne zu, welchem sich Weber bei seinen historisch-soziologischen Studien verpflichtet fühlte und sich damit die unbedingte Distanz zum Untersuchungsgegenstand verschaffte. Webers ungewöhnliches Vorgehen bestand nicht im Gebrauch eines vorgefertigten Methodensets und -instrumentariums, sondern in der sukzessiven Entwicklung und Bildung der historisch-soziologischen Begriffe am Schluss der Untersuchung; allerdings lässt sich eben diese Prozesshaftigkeit als methodisches Verfahren ausmachen, indem Weber eine einmal „gefundene“ Definition vollständig relativiert, d.h. er bezeichnet diese Bestimmung als das Ergebnis der Perspektivität der diesbezüglichen Fragestellung. Die Steuerung des Forschungsprozesses „[...] übernehmen begründete Fragestellungen und heuristische Vorabdefi-nitionen.“(Guttandin 1997: 93). Im Hinblick auf Webers idealtypische (Postulat der logischen Konsistenz), nicht empirische Begriffs-bildung bedeutet dieses Vorgehen die Herausbildung eines anfänglich erkenntnisleitenden und letztlich eines voll entwickelten Begriffes. Das kulturwissenschaftliche Konstruktionsver- 1 Nach Weber ethische Einstellung innerweltlicher Asketen, dieser vollstreckt den unbegreiflichen
Willen Gottes, indem er rational handelt.
2 Zusätzlich benutzte er Materialien aus Disziplinen wie der Kulturgeschichte, Statistik und Ethnolo-
gie.
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fahren methodologischen Vorwissens besteht nach Weber aus Komposition, Konstruktion und Kombination. Komposition bedeutet hier die Abstimmung von Begriff und Sachverhalt und orientiert sich am Untersuchungsgegenstand, nicht am methodischen Vor-gehen; dadurch versucht Weber ein „Bild“ von der Philosophie unabhängiger Methodologie zu entwickeln. Seine Annahme einer chaotischen Wirklichkeit basiert auf der Erkenntnis vom Irrationalen als das Unberechenbare und Unverstehbare (vgl. Guttandin 1997). Begriffsbildung ist nur möglich durch das erkennende Subjekt, welches die Begriffe konstruieren kann. Der Konstruktion des amorphen Chaos im Sinne von unüberschaubaren Kausalketten und Bedingungskonstellationen stellt sich bei Webers Betrachtung als kausal-chaotisch heraus. Das bedeutet, dass Wirklichkeit nicht mehr in der Lage ist, Erkenntnis zu legitimieren und darüber hinaus wissenschaftliche Gegenstände erst konstruiert werden müssen. Der Strukturierung und Analyse dieser Kausalbeziehungen, der Gliederung von geschichtlichem „Geschehenem“ an-hand von Wertebeziehungen kommt demnach eine große Bedeutung zu; erst so kann ein Gegenstand als geschichtliches Individuum 3 konstruiert werden. Ein weiterer Aspekt seiner Untersuchungen ist das Erklären als “[...] Kausalität einmaliger individueller Einheiten.“ (Guttandin 1997: 111) und das Verstehen von Handlungsmotiven als Einfühlen in geschichtliche Geschehnisse. Wissenschaftliche Bedeutung erlangt Verstehen erst durch die mögliche Zuordnung zu kausalen Konstruktionen; Erkenntnis wird somit geleitet von diesem Konstruktionsprinzip 4 . Webers Idealtypus dient dem Auffinden einer begrifflichen Eindeutigkeit, der Systematisierung von Begriffen, dem Vergleich der Idealtypen mit der Realität und letztlich der genetischen Begriffsbildung. Weber schuf damit eine Methodologie, welche die Reflexion der denkbaren Bedingungen des Bewährten ermöglicht. Ausschlaggebend ist die Erkenntnis vom Kontext und der Bedeutung realer Kulturphänomene.
3 Gleichbedeutend mit der Formung durch Wertebeziehungen.
4 Webers Methode entspricht dabei der einer kausal-konstruierenden qualitativen Soziologie.
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2.2 Thesen
Auf der Suche nach dem "Geist des Kapitalismus" stieß Weber auf den Refor-mator Calvin (1509-1564) und dessen alttestamentarische Weltsicht. Calvin ging es in seinem reformatorisch geprägten Wirken ausschließlich um das ewige Seelenheil der Menschen; er predigte die Prädestinationslehre (Gnadenwahl), die Gott als allmächtigen „Weltregierer“ beschreibt, der schon seit Ewigkeiten festgelegt habe, wer als Erwählter in den Himmel und wer als Verdammter in die Hölle komme. Menschliches Handeln hat auf Gottes Entscheidungen keinen Einfluss; nur der Erwählte ist beruflich erfolgreich und kann durch harte Arbeit Gottes Ruhm vermehren (Weber bezeichnet diese Ethik als protestantische Ethik.). Der Einzelne wird durch den Wegfall des kirchlichen Heils (stattdessen religiöse „Prämie“ für ordentliche Arbeit) auf sich selbst gestellt und damit die Beziehung zu Gott individualisiert. Dies führt zur sozialen Individualisierung und Auflösung traditioneller Normen für zwischenmenschliches Verhalten und Handeln.
Das Entfallen der (katholischen) Beichte bewirkte weiterhin eine Steigerung des menschlichen „Kräftehaushalts“ und die Konzentrierung der Kräfte des Individuums durch das Fokussieren auf das Lebensziel „Gottes Ruhm zu mehren“. Zentral in Webers Untersuchungen zur Berufsethik ist hier der Aspekt, dass der Mensch seine Vorherbestimmung nicht durch sein (gutes oder schlechtes) Handeln beeinflussen kann. Allein gelungene Arbeit, d. h. eine “[...] zum System gesteigerte Werkheiligkeit“ (Weber 1988: 114) galt als ein Zeichen dafür, wonach der religiöse Mensch sein Leben lang strebt: Gnadengewissheit. Das der schicksalhaft Verdammte häufig bettelarm blieb, war damit Gotteswerk. Die strikt asketische Lebensführung der Puritaner nahm für Weber eine zentrale Stellung im weltlichen Berufsleben als Ort der „Bewährung des Glaubens“ ein und bildete den Ausgangspunkt der modernen kapitalistischen Produktionsweise. Das Erwerben wurde Zweck des Lebens; Vermögensanhäufung und die Akquise neuer Kapitalquellen machten den „Geist des Kapitalismus“ aus. Zur Sicherung des Erfolgs war es notwendig, innerweltliche Askese mit rationalem Handeln (tabellarische und statistische Buchführung des Lebens, Rechnungswesen, religiöses Tagebuch etc.) zu verbinden und somit selbst die methodische Kontrolle auszuüben. Die konstante, weitestgehend affektfreie und selbstkontrollierte Lebensführung ermöglichte es den Calvinisten, ihr Leben vollkommen zu rationalisieren und zu organisieren. In diesem Kontext lässt sich fest-
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Arbeit zitieren:
Silke Piwko, 2006, Soziologiegeschichte - Religionssoziologische Ansätze im Vergleich - Weber und Durkheim, München, GRIN Verlag GmbH
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