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INHALTSVERZEICHNIS:
SEITE
1 Problemstellung 6
2 Grundgedanken der Soziometrie 8
2.1 Definition 8
2.2 Historischer Abriss 9
2.3 Techniken der soziometrischen Datenerhebung 10
2.4 Techniken der soziometrischen Datenanalyse 12
3 Unternehmenspraxis 17
3.1 Portrait der Kremke Gesellschaft für Managementtraining mbH 17
3.2 Inhalt und Zielsetzung der Azubi-Kick-Off-Seminare 18
3.3. Angewandte Übungen des Teamtrainings 18
3.3.1 NASA-Übung 19
3.3.2 ÄEi des Columbus 20
3.3.3 Brückenbau 21
4 Vorgehensweise bei der Datenerhebung 23
5 Datenauswertung Stadtwerke Lübeck 26
5.1 Soziomatrix 26
5.1.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 27
5.1.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 28
5.1.3 Bewertung Soziomatrix 29
5.2 Soziogramm 30
5.2.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 30
5.2.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 31
5.2.3 Bewertung Soziogramm 32
5.3 Soziometrische Indizes 34
5.3.1 Soziometrische Indizes der einzelnen Gruppenmitglieder 34
5.3.1.1 Soziometrischer Status 34
5.3.1.1.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 34
5.3.1.1.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 35
5.3.1.1.3 Bewertung Soziometrischer Status 35
4 5.3.1.2 Emotionale Expansion 38 5.3.1.2.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 38 5.3.1.2.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 38 5.3.1.2.3 Bewertung Emotionale Expansion 39 5.3.2 Soziometrische Indizes für die gesamte Gruppe 41 5.3.2.1 Kohäsionsindex 41 5.3.2.1.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 41 5.3.2.1.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 41 5.3.2.1.3 Bewertung Kohäsionsindex 41 5.3.2.2 Kohärenzindex 42 5.3.2.2.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Lübeck 42 5.3.2.2.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Lübeck 42 5.3.2.2.3 Bewertung Kohärenzindex 42 5.4 Gesamtbewertung Stadtwerke Lübeck 43
6 Erhebungsdaten Fette GmbH 44 6.1 Eingangsbefragung Fette GmbH 44 6.1.1 Soziomatrix 45 6.1.2 Soziogramm 46 6.2 Abschlussbefragung Fette GmbH 47 6.2.1 Soziomatrix 47 6.2.2 Soziogramm 48
7 Erhebungsdaten Stadtwerke Kiel AG 49 7.1 Eingangsbefragung Stadtwerke Kiel AG 49 7.1.1 Soziomatrix 50 7.1.2 Soziogramm 51 7.2 Abschlussbefragung Stadtwerke Kiel AG 52 7.2.1 Soziomatrix 52 7.2.2 Soziogramm 53
8 Fazit 54
Literaturverzeichnis 56 Internetquellenverzeichnis 59 Anlagen 60
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1 Problemstellung
Die Wirkung von Teamtrainings ist seit Jahren in der Diskussion. Es ist immer noch umstritten, ob man durch sie in der Lage ist, gruppendynamische Prozesse in Gang zu bringen und positive strukturelle Veränderungen in Gruppen hervorzurufen. Diese Studie prüft die Veränderung der interpersonellen Beziehungen und des Status von Auszubildenden dreier Unternehmen durch die so genannten »Azubi-Kick-Off-Seminare« der Kremke Gesellschaft für Managementtraining mbH. Der Veranstalter wirbt damit, dass die teilnehmenden Firmen erheblich bessere schulische und betriebliche Leistungen der Auszubildenden im Vergleich zu den vorangegangenen Jahrgängen bestätigen. Doch lassen sich diese Erkenntnisse unmittelbar mit der Durchführung der Seminare in Verbindung bringen?
Die zu untersuchende Alternativhypothese dieser Studie geht von einer signifikanten Verbesserung des Status des Einzelnen innerhalb konstanter Gruppen durch Teamtrainings aus. Das Azubi-Kick-Off-Seminar, als hier angewandte Methode des Teamtrainings, ist die unabhängige Variable, deren Wirkung auf die abhängige Variable interpersonelle Beziehungsstruktur und Status des Einzelnen in den Auszubildendengruppen der jeweiligen Unternehmen untersucht wird. Die Nullhypothese nimmt dementsprechend keinen Effekt oder eine Verschlechterung der Beziehungsstruktur in den jeweiligen Gruppen an.
Als Erhebungs- und Analyseverfahren zur Messung der informellen Gruppenstrukturen wird hier die Soziometrie angewandt. Sie eignet sich sowohl zur Erfassung der Stellung des Individuums in der Gruppe als auch zum Aufzeigen der gruppeninternen Beziehungsstruktur. Im Sinne der Soziometrie spricht man dann von einer Verbesserung des Beziehungsgefüges, wenn Außenseiter integriert, Untergruppen minimiert, Geschlechterschranken überwunden werden und so weiter. Die soziometrische Messung wurde bei Auszubildenden der Stadtwerke Lübeck, der Fette GmbH Schwarzenbek und der Stadtwerke Kiel AG durchgeführt. Die Ergebnisse der Befragung der Seminarteilnehmer der Stadtwerke Lübeck werden dabei umfassend analysiert und interpretiert, während die Erhebungsdaten der Fette GmbH und der Stadtwerke Kiel AG in dieser Arbeit lediglich in »Rohform« präsentiert werden.
7
Ein Anliegen dieser Arbeit ist, dass sie als wissenschaftliche Studie, wo immer möglich, auch für den »Laien« auf dem Feld der Psychologie interessant und verständlich bleibt. Unumgänglich erscheint hierbei eine umfassende Einführung in die Soziometrie. Es werden deshalb auch über die Untersuchung hinaus gehende theoretische Konzepte erörtert.
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2 Grundgedanken der Soziometrie
Im Folgenden soll sich zunächst dem Begriffsfeld der Soziometrie zugewandt werden. Ein Verständnis der wichtigsten Zusammenhänge ist erforderlich, um dem Verlauf der Untersuchung folgen zu können und die Ergebnisse entsprechend zu beurteilen.
2.1 Definition
Etymologisch ist »Soziometrie« aus den Worten Sozius und Metrum zusammengesetzt, was soviel wie »Partnermessung« oder »soziale Messung« bedeutet. 2 Forschungsgegenstand der Soziometrie ist die Einbettung von Personen, Organisationen oder Firmen in ein Geflecht sozialer Beziehungen. 3 In quantitativer Form analysiert sie vorrangig zwischenmenschliche Präferenzen von Gruppenmitgliedern und ist damit Ermittlungsinstrument zur Erforschung sozialpsychologischer Gesetzmäßigkeiten. 4 Als Teilgebiet des Psychodramas, einer Gruppenpsychotherapiemethode, in deren Mittelpunkt therapeutisch angewandtes Stehgreiftheater steht und die in vielen Ländern als psychotherapeutisches Verfahren anerkannt ist, steht die Soziometrie am Schnittpunkt von traditioneller empirischer Sozialforschung, Aktionsforschung und Psychotherapie. 5 Sie ist dabei zugleich Erhebungs- und Analyseverfahren. Die Soziometrie misst immer auf der Dimension Bevorzugung - Gleichgültigkeit ± Ablehnung und eignet sich daher zur Untersuchung unterschiedlichster Gruppen. 6 Jedoch beziehen sich soziometrische Untersuchungen meist auf kleinere, weitgehend abgeschlossene Sozialsysteme. Sie findet heute vor allem in der erziehungswissenschaftlichen Forschung und der empirischen Sozialforschung Anwendung. 7
2 Vgl. Dollase 1976, S. 12
3 Vgl. Diekmann 2004, S. 424
4 Vgl. Roth, Holling 1999, S. 672
5 Vgl. Denz 1989, S. 38
6 Vgl. Denz 1989, S. 36
7 Vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, S. 179
9
2.2 Historischer Abriss
Als Pionier der Bewegung gilt der in die USA emigrierte Österreicher Jakob L. Moreno (1889 ± 1974), der die Bedeutung der sozialwissenschaftlichen Anwendung der soziometrischen Befragungs- und Auswertungstechnik erkannt und populär gemacht hat. 8 $OV 6R]LRQRPLH EH]HLFKQHW HU GDEHL ÄGLH DXI *UXQG VR]LRPHWULVFKHU 8QWHUVXFKXQJHQ HUKDOWHQHQ >«@ *HVHW]H³ 9 Hier zeigt sich, dass Moreno früh Regelmäßigkeiten und Tendenzen in der Aktivität von Gruppen wahrnimmt. Seiner 0HLQXQJQDFK]HLJWVLFKGLHNRQNUHWHLQQHUH6WUXNWXUHLQHU*UXSSHQXULQÄVHOWHQHQ
$XJHQEOLFNHQ >«@ GHU VR]LDOHQ ,QWHUDNWLRQ³ 10 , was eine Technik zur Erfassung der Tiefenstruktur einer Gruppe erforderlich macht. Er vertritt außerdem die Ansicht, dass die Möglichkeiten, die die Soziometrie auf Gruppenebene bietet (Umordnen und Neustrukturieren), als so genannte »hot-sociometry« auch auf
gesamtgesellschaftliche Ebene übertragbar sind. 11
Nach Lenz wird das ursprüngliche soziometrische Verfahren durch Verbreiterung des wissenschaftlichen Fundaments und Heranziehung von theoretischen Konzepten anderer Art in die Sozialpsychologie integriert. Man hat beispielsweise Beziehungen zu den Kleingruppenversuchen von Robert F. Bales und der Feldtheorie Kurt Lewins hergestellt. 12 Dollase regt allerdings an, prinzipiell die interdisziplinäre Austauschbarkeit der Verfahren im Auge zu behalten. Seiner Ansicht nach können soziometrische Techniken auch Problemlösungen in anderen Wissenschaftsbereichen bieten, wie etwa bei Netzwerkanalysen in der Elektrotechnik. 13 Auch Krüger fordert, sich von der ausschließlichen Zuordnung der Soziometrie zum Teilgebiet der Sozialpsychologie zu lösen. Er vertritt die Auffassung, dass die Ergebnisse soziometrischer Fragestellungen weit mehr der Differentiellen Psychologie, also der Persönlichkeitspsychologie, zuzuordnen sind. 14 Roth und Holling betrachten das
%HJULIIVIHOG GHU 6R]LRPHWULH LQ HLQHP ÄELV KHXWH QLFKW JDQ] JHNOlUWH>Q@
%HJULIIVXPIDQJ³ 15 und legen es nahe, die Rezeption auch in weiten Bereichen der Soziologie zu untersuchen.
8 Vgl. Dollase 1974, S. 7
9 Moreno 1967, S. 28
10 Moreno 1967, S. 32
11 Vgl. Denz 1989, S. 38
12 Vgl. Lenz 1980, S. 4
13 Vgl. Dollase 1976, S. 14
14 Vgl. Krüger 1976, S. 5
15 Roth, Holling 1999, S. 669
10
Seit 1970 gibt es die Sektion Psychodrama im deutschen »Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik« (DAGG), die sich 1994 den Status eines Fachverbandes gegeben hat (»Deutscher Fachverband für Psychodrama«, DFP e. V.). Die ersten Ausbildungsinstitute für Psychodrama wurden in der Bundesrepublik Deutschland 1974 gegründet. Forschungsergebnisse und Richtlinien für psychodramatische Fort- und Weiterbildung werden unter anderem in der »Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie« (ZPS) und auf Fachtagungen publiziert. 16
Heute ist die Soziometrie nur eine von zahlreichen Techniken zur Untersuchung von interpersonellen Beziehungen zwischen Gruppenmitgliedern. So gilt sie beispielsweise als Vorläufer und Spezialfall der so genannten »Netzwerkanalyse«, einer Forschungsstrategie, deren Anliegen die Beschreibung und Erklärung von sozialen Beziehungen und daraus resultierenden Handlungen ist. 17 Auch ist eine mehrstufige Beobachtung von Gruppen durch das von Robert F. Bales, Stephan P. Cohen und Stephen A. Williamson entwickelte SYMLOG-Raummodell möglich, das der Analyse gruppeninterner Verhaltenskonstellationen und der Darstellung der Dynamik des sozio-emotionalen Austausches dient. 18
2.3 Techniken der soziometrischen Datenerhebung
In soziometrischen Tests lassen sich Hinweise dafür finden, wie eine Gruppe insgesamt strukturiert ist und ob Voraussetzungen für ein »Wir-Gefühl« und einen »Gruppengeist« bestehen. Beispielsweise sind abgeschottete Untergruppen und starke Isolierung der Geschlechter Anzeichen dafür, dass es soziale Spannungen gibt und die Gruppe sich nicht als Einheit empfindet. 19 Die gewonnenen Daten können dabei natürlich jeweils nur eine Momentaufnahme im dynamischen Entwicklungsprozess einer Gruppe darstellen. 20
16 Vgl. http://www.dagg.de/sektionen.htm [Download: 2005-07-28]
17 Vgl. Schnell, Hill, Esser 2005, S. 258
18 Vgl. Boos 1996, S. 68
19 Vgl. Ingenkamp 1985, S. 214
20 Vgl. Lenz 1981, S. 25
11
In den meisten Fällen findet die soziometrische Erhebung in Form einer (schriftlichen) Befragung statt. Typische soziometrische Wahlfragen lauten beispielsweise »Mit welchem Kollegen würden Sie ein wichtiges Problem besprechen?«, »Wer sollte die Gruppe bei der Durchführung des Projektes leiten?« oder »Welche Person würden Sie am wenigsten als Geschäftspartner akzeptieren?«.
Bereits hier wird die ethische Brisanz der Anwendung soziometrischer Verfahren deutlich. Da immer auf der Dimension Bevorzugung - Gleichgültigkeit - Ablehnung gemessen wird, kann die Art der Fragestellung persönlich betreffend und treffend sein. Dementsprechend sollte man bei der Erstellung eines soziometrischen Forschungsplanes eine genaue Zielgruppenanalyse durchführen und sich über die Ziele und möglichen Konsequenzen einer solchen Befragung im Klaren sein.
Bei der Mehrzahl soziometrischer Studien handelt es sich um ex-post-facto Designs. 21 Das bedeutet, dass potentielle Ursachen für die in der Untersuchung festgestellten Strukturen in der Vergangenheit liegen (»nach den Fakten«) und vom Forscher nicht aktiv beeinflusst werden. Man unterscheidet sieben Dimensionen des soziometrischen Forschungsplanes: 22
- 1. Sympathie/ Antipathie,
- 2. Einstellung/ Verhalten,
- 3. Sympathiedimension/ spezielle Messdimension,
- 4. Selbsteinschätzung/ Fremdeinschätzung,
- 5. Innenbeziehungen/ Außenbeziehungen,
- 6. Wahlart/ Wahlanzahl/ Rangfolge und
- 7. Ergänzungen.
Die Dimension Sympathie/ Antipathie klärt die Frage, ob nur positive oder auch negative Wahlen zugelassen werden. Die Unterscheidung zwischen Einstellung- und Verhaltensmessung liegt in der Art der Fragestellung: Konjunktiv erhobene Fragen messen die Einstellung, während das Verhalten durch indikative Fragen bestimmt wird. Die Sympathiedimension unterscheidet lediglich eine allgemeine Beziehung (sympathisch/ unsympathisch). Eine spezielle Messdimension hingegen legt den Fokus auf ein Gebiet wie Arbeit, Freizeit, Freundschaft, Kommunikation,
21 Vgl. Kerlinger 1979, S. 871
22 Vgl. Denz 1989, S. 38
12
Ähnlichkeit, Interaktion und so weiter. Neben der soziometrischen Fremdeinschätzung besteht außerdem die Möglichkeit der Selbsteinschätzung. Beispielsweise kann eine Frage lauten: »Was meinen Sie, von wem wurden Sie gewählt?«. In der Regel lässt der soziometrische Test nur Wahlen innerhalb der Gruppe zu. Man spricht dann von der Messung der Innenbeziehungen. Wenn auch Nicht-Gruppenmitglieder gewählt werden können, zieht man so genannte Außenbeziehungen mit in Betracht.
Bei der Wahlart unterscheidet man, ob
- nur positive,
- positive und negative oder
- nur negative Wahlen zugelassen sind.
Auf jeden Fall gilt immer, dass man sich nicht selbst wählen oder ablehnen kann. Ist die Anzahl der Wahlen vorher festgelegt spricht man von beschränkter Wahlmöglichkeit, ist sie nicht festgelegt von unbeschränkter. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit, die Wahlen durch Festlegung einer Rangfolge zu gewichten. In der Dimension Ergänzungen geht es um die Frage nach Erhebung zusätzlicher Variablen wie beispielsweise Alter, Geschlecht, Religion, Gehalt, Herkunft, Berufsposition und so weiter. Letztendlich sollte auch festgelegt werden, ob und wann der Gruppe das Ergebnis der Befragung mitgeteilt wird.
2.4 Techniken der soziometrischen Datenanalyse
Bei der Analyse erhobener Daten spielen vor allem drei Komponenten eine Rolle:
- Soziomatrizen,
- Soziogramme und
- Soziometrische Indizes.
Soziomatrizen stellen die Antworten auf soziometrische Wahlfragen in tabellarischer Form dar. In den Zeilen und Spalten sind dabei jeweils die Namen der einzelnen Gruppenmitglieder aufgeführt. Die Messwerte in Form der Ziffern »0« (keine Wahl), »1« (Wahl) und gegebenenfalls »-1« (negative Wahl) werden in eine quadratische
13
Matrix eingetragen, die alle Wahlen einer Gruppe zum Ausdruck bringt (zum Beispiel Kapitel 5.1.1). Bei der Untersuchung der einzelnen Wahlen kann man die »Einwegwahl«, die »Zweiwegwahl« und »keine Wahl« voneinander unterscheiden. Eine Einwegwahl liegt dann vor, wenn ein Mitglied der Gruppe ein anderes wählt, ohne dabei von diesem gewählt zu werden. Von einer Zweiwegwahl spricht man, wenn sich zwei Gruppenmitglieder gegenseitig wählen. 23
Um interpersonelle Beziehungen sichtbar zu machen, ist eine grafische Darstellung soziometrischer Daten von Vorteil. Soziogramme beziehungsweise gerichtete Grafen enthalten dieselben Informationen wie Soziomatrizen. Sie dienen lediglich der zusammenfassenden Darstellung und der besseren Übersicht. Mit zunehmender Gruppengröße wird es jedoch schwieriger, die Grafen zu konstruieren und zu analysieren. Allerdings lassen sich durch die Erfassung der Beziehungsstruktur in einem Soziogramm eine Reihe von Begriffen der Gruppenpsychologie operationalisieren. 24 Aus der grafischen Darstellung kann man folgende soziometrische Muster ableiten: 25
- Paar (zwei Personen wählen sich gegenseitig),
- Dreieck (drei Personen wählen sich gegenseitig),
- Clique (Untergruppe, innerhalb derer sich Personen gegenseitig wählen und in der der Austausch mit anderen Gruppen gering ist),
- Kette (A wählt B, B wählt C, C wählt D und so weiter),
- Stern oder Star (Person, die viele Wahlen auf sich vereinigt),
- Isolierter (Person, die nicht gewählt wird und auch nicht wählt),
- Vergessener (Person, die keine Wahl erhält, aber selbst wählt) und
- Abgelehnter (Person, die nur negative Wahlen erhält).
Trotz der einfachen Technik der Datenerhebung ist die Soziometrie Gegenstand komplizierter mathematisch-statistischer Analysen geworden. 26 Beispielsweise gab es in den 1950er Jahren 986 berechenbare soziometrische Indizes, von denen sich natürlich nur ein Bruchteil wissenschaftlich etablieren konnte. 27 Einige dieser Indizes
23 Vgl. Kerlinger 1979, S. 866
24 Vgl. Dollase 1974, S. 8
25 Vgl. Denz 1989 S. 40
26 Vgl. Kerlinger 1979, S. 865
27 Vgl. Roth, Holling 1999, S. 671
Arbeit zitieren:
Dipl.-Päd. Marcel Bohnert, 2009, Zur Veränderung der Beziehungsstruktur in Gruppen während Teamtraining-Seminaren, München, GRIN Verlag GmbH
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