Inhaltsverzeichnis:
1. Vergessene Geschichte 3 - 4
2. Kurland und sein Herzog 4 - 6
3. Tobago, die Insel der Verzweiflung 7 - 8
4. Der Vorstoß in die Karibik 8 - 10
5. Aufbau Entwicklung der Kolonie 10 - 12
6. Das Schicksal der Kolonie 13 - 14
7. Spuren der Kolonialgeschichte 14 - 15
8. Kurland und die Wissenschaft 15 - 16
9. Sekundärliteratur 17 - 18
10. Pressetexte 18
11. Webquellen 18
2
1. Vergessene Geschichte
Touristen, die die lettische Hafenstadt Ventspils (Windau) besuchen, werden vom rot leuchtenden Neonschild des Warenhauses ‚Tobago’ begrüßt’. 1 Der Name geht auf die Insel ‚Tobago’ zurück. Doch das Eiland in der Karibik liegt weit entfernt von Lettland. Wie wurde es zum Namenspaten? Hat die Letten eine Art Piratenromantik erfasst? Die Antwort auf diese Frage ist simpel: Ventspils und sein Warenhaus haben mit Tobago ein Stück Geschichte gemein.
Auf einem Teilgebiet des heutigen Lettlands entstand Mitte des 16. Jahrhunderts das Herzogtum Kurland. Jakob Kettler, einer der Herzöge Kurlands, reformierte im 17. Jahrhundert die Wirtschaft des Landes. Zeitgleich regte er die Gründung von überseeischen Kolonien an. Die Kurländer übernahmen 1651 Gambia in Afrika 2 und ließen sich 1654 auf Tobago in der Karibik nieder. Sucht man in Ventspils nach Informationen zur Verbindung des Ortes mit Gambia und Tobago, wird man enttäuscht. Im Turm des Schlossmuseums finden sich nur einige alte Schautafeln. Der kolonialen Vergangenheit von Ventspils werden sie nicht gerecht.
Dieser Trend setzt sich in der wissenschaftlichen Literatur in Lettland, Europa und Amerika fort. Ein großer Teil der Publikationen über Kurland und seine Kolonien wurde vor 1945 verfasst. Häufig finden sich darin starke lokalpatriotische und völkischnationale Motive 3 . Hinzu kommt eine Handvoll neuerer Veröffentlichungen, die aber kaum über die Ergebnisse der älteren Forschung hinausgehen. 4 Eine seltene Ausnahme sind Edgar Andersons „The ancient Couronians in America (…)“ 5 und „The Couronians and the West Indies“ 6 . Beide Schriften geben sich aktuell, sind jedoch ausschließlich in
1 Hier, wie im Folgenden: Vgl. Imbi Sooman, Stefan Donecker, Herzog Jakobs Traum,
www.diepresse.com, Zugriff: 31.07.2009.
2 Bei Gambia handelte es sich eigentlich nicht um eine Kolonie, sondern um eine befestigte Insel,
namentlich: St. Andrews Island. Die Insel im Gambia-Fluss heißt heute James Island. Sie steht auf der
Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.
3 Als Beispiel sei Matthiesens „Die Koloniale Überseepolitik Herzog Jakobs von Kurland“, aus dem Jahr
1939, genannt. Da sich die besagten lokalpatriotischen und völkisch-nationalen Motive bei Matthiesen
relativ klar identifizieren lassen, soll seine Arbeit im Folgenden Bezug nicht außen vor gelassen wer-
den. Vgl. Otto Matthiesen, Die Kolonial- und Überseepolitik Herzog Jakobs von Kurland, 1640 -
1660, Stuttgart 1939.
4 Vgl. Erwin Oberländer & Ilgvars Misans, Vorwort, in: dies. Das Herzogtum Kurland 1561 - 1795,
Lüneburg 1993, S. 2.
5 Edgar Anderson, The ancient Couronians in America and the colonization of Tobago, Stockholm 1970.
6 Edgar Anderson , The Couronians and the West Indies, Chicago 1965.
3
ausgewählten Bibliotheken zu finden. Im Folgenden können sie daher nur in Ausschnitten herangezogen werden.
Die koloniale Vergangenheit Lettlands, d.h.: Die kolonialen Bestrebungen Kur-lands, scheinen heute auf geringes historisches Interesse zu stoßen. Sie bieten jedoch Raum für eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen, die in der Lage wären Phänomene und Entwicklungen des 17., 18. und 19. Jahrhunderts aus neuen, faszinierenden Perspektiven zu beleuchten.
Die vorliegende Arbeit soll deshalb aufzeigen inwieweit die Kolonialbestrebungen Kurlands ein Phänomen ihrer Zeit waren, inwieweit sie aber auch Kurlands eigene Geschichte widerspiegeln.
2. Kurland und sein Herzog
Kurland gehörte bis zum 16. Jahrhundert zum Deutschritterorden. Mit dem Livländischen Krieg 7 fiel es der polnischen Krone zu. 8 Das neu geschaffene Herzogtum Kurland wurde dem letzten Deutschordensmeister, Gotthard Kettler, als Lehen übertragen. 9 Der Herzogtitel ging nach Gotthards Tod an seine Söhne, Wilhelm und Friedrich über. Unter ihrer Herrschaft begann die Macht der Familie Kettler zu bröckeln. Wilhelm verlor seine Stellung durch Konflikte mit dem Adel, Friedrich wurde Alleinherrscher, war aber stärker vom Adel abhängig
1610 wurde Wilhelm Kettlers Sohn, Jakob Kettler, geboren 10 . Nach dem Tod der Mutter wuchs Jakob am Hof des Kurfürsten in Königsberg auf. Seinen Lehrern war früh klar, dass er über eine gute Auffassungsgabe verfügte. Jakob nahm an verschiedenen Schlachten des 30jährigen Kriegs teil. Motiviert durch seine Erfahrungen während dieser Zeit begab er sich auf Auslandsreise. Zwischen 1634 und 1637 lernte Jakob die Städte Amsterdam, Paris und London kennen. Zurück im heimatlichen Kurland ernannte ihn sein Onkel Friedrich zum Mitregenten. 1642 übernahm Jakob nach dem Tod des Onkels die volle Herrschergewalt.
7 Krieg um die Vorherrschaft im Baltikum, 1558 bis 1582.
8 Vgl. Alexander von Richter, Geschichte der, dem russischen Kaiserthum einverleibten, deutschen
Ostseeprovinzen bis zur Zeit ihrer Vereinigung mit demselben, Teil 2, Kurland unter den Herzögen,
1562 - 1795, Band 2, Die Ostseelande als Provinzen fremder Reiche, 1562 - 1721, Riga 1858.
9 Hans Grusemann, Die Frühgeschichte des Geschlechts Ketteler, 12.-16.Jahrhundert, Soest 1990.
10 Hier, wie im Folgenden: Vgl. Theodor Schiemann, Jakob Kettler in: Allgemeine Deutsche
Biographie, Band 13, München 1881, S. 540 ff.
4
Im 17. Jahrhundert entwickelte sich in Europa ein neuer, politisch motivierter, Merkantilismus. Er verband Herrschafts- und Wirtschaftsmacht auf das engste miteinander. Jakob kam mit diesem neuen Merkantilismus sowohl in Königsberg, als auch im Ausland in Kontakt. In Amsterdam und London lernte er neue Produktions- und Handelsmethoden kennen. Er sprach mit Adligen und Kaufleuten, die ihm von fremden Ländern und großen Schätzen berichteten. Jakob traf in Seeland sogar Teilnehmer einer gescheiterten Tobago-Expedition 11 und wurde so zum ersten Mal auf das kleine Karibik-Eiland aufmerksam.
Die Stellung der Familie Kettler in Kurland war auch nach der Übernahme der Macht durch Jakobs instabil. Der Adel übertrug die einstige Opposition gegen Wilhelm und Friedrich direkt auf deren Nachfolger. Jakob musste seine Machtbasis konsolidieren. Wahrscheinlich liebäugelte er sogar mit einer uneingeschränkten Alleinherrschaft. Wie aber sollte er das erreichen? Den Erkenntnissen folgend, die er in seiner Jugend gewonnen hatte 12 , setzte er auf innen- und außenpolitische Erfolge auf dem Wirtschaftssektor. Dazu war die Lage Kurlands alles andere als ideal. Das Land war klein und wirtschaftlich schwach.
Im Inneren regte Jakob Wirtschaftsreformen an. Nach dem Vorbild anderer Länder ließ er Eisenwerke und Manufakturen errichten und führte neue Produktions-formen ein. Viel wichtiger als die Innenpolitik war aber die Außenpolitik. Dafür gibt es mehrere Gründe. Hier sei zum einen der internationale Einfluss auf die Adligen Kurlands genannt. Zum anderen Kurlands Status: Das kleine Herzogtum unterstand der polnischen Krone, von der sich Jakob nur allzu gerne lösen wollte. Aber: Durch seine politische wie geografische Lage drohte Kurland ohne polnischen Rückhalt zum Spielball der Ostseemächte zu werden.
Für Jakob stand die Stärkung von Außenbeziehungen an erster Stelle seiner Agenda. Gute Außenbeziehungen waren allein als Basis für den Fernhandel unschätzbar wichtig. Nur allzu leicht war es anderen Mächten möglich wichtige Häfen zu sperren oder Kurland gar die Ausfahrt aus der Ostsee zu verweigern. Ein fataler Zustand, denn der Fernhandel gewann mehr und mehr an Bedeutung. Jakobs Wirtschaftsreformen im Inland führten zu ersten Anzeichen von Überproduktion in Kurland. Die Güter, die im
11 Vgl. a.a.O. Karin Jekabson-Lemanis, Balts in the Caribbean, S. 37.
12 Vgl. Walter Eckert, Kurland unter dem Einfluss des Merkantilismus. Ein Beitrag zur Staats- und
Wirtschaftspolitik Herzog Jakobs von Kurland (1642 - 1682), Riga 1927.; Vgl. Marite Jakovleva,
Merkantilismus und Manufakturen, Die Eisenwerke der Herzöge von Kurland, in: Erwin Oberländer
& Ilgvars Misans (Hg), Das Herzogtum Kurland 1561 - 1795, Lüneburg 1993, S. 98 - 128.
5
Arbeit zitieren:
Stefan Noack, 2009, Der Traum des Herzogs - Kurlands Kolonie auf Tobago, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Livelihoods and Landscapes: The People of Guquka and Koloni and Their ...
Paul Hebinck, Peter C. Lent
Tims Traum - oder wie man Monster kitzeln kann / Tim's Dream
Kinderbuch Deutsch-Englisch
Betty Legler, Robin Thomsen
0 Kommentare