Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Der Film im Geschichtsunterricht 3
2.1 Vorteile der Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht 3
2.2 Darstellungsvarianten 4
3. Filmerziehung 5
3.1 Filmtypologie 6
3.2 Filmsprache 9
4. Arbeit mit Dokumentationen 14
4.1 Ziele der Arbeit mit Dokumentarfilmen 14
4.2 Subgattungen des Dokumentarfilms 17
5. Filme zum Thema Machtergreifung 19
5.1 FWU-Film „Machtergreifung und Gleichschaltung“ 19
5.1.1 Filminhalt 20
5.1.2 Filmkritik und Verwendung im Unterricht 22
5.2 Spiegel TV-Dokumentation
„1933-Hitlers Machtergreifung“ 22
5.2.1 Filminhalt 23
5.2.2 Filmkritik und Verwendung im Unterricht 24
6. Schlussbetrachtung 25
7. Literaturverzeichnis 27
8. Benutzte Homepages 27
9. Benutzte Medien S 28
1. Einleitung
Geschichtsbewusstsein wird bei Jugendlichen heutzutage sehr stark durch das Medium Film (in Fernsehen, auf Video oder DVD) beeinflusst. Filme sind ein Teil der Geschichtskultur geworden, man betrachte nur die Zunahme der Dokumentationen im Fernsehen, aktuell die ZDF-Reihe „Die Deutschen“, die sogar didaktisch aufbereitetes Material zur Unterrichtsvorbereitung für Lehrer 1 anbietet und Schüler zu der Mitmachaktion „Geschichte vor Deiner Haustür“ anregt. 2 Doch nicht nur in Dokumentationen wird dem Zuschauer ein Geschichtsbild vermittelt, auch in Spielfilmen hat Geschichte nach wie vor ihren Stellenwert. War es in den 1950er Jahren Ernst Marischkas „Sissi“-Trilogie, die die Zuschauer begeisterte, so sind es heute Hollywood-Produktionen wie „Troja“ (2004) von Wolfgang Petersen oder auch deutsche Produktionen wie „Der Untergang“ (2004) von Oliver Hirschbiegel, die versuchen, Geschichte darzustellen.
Die folgende Arbeit soll aufzeigen, wie das Medium Film einerseits im Geschichtsunterricht fungieren kann, andererseits welches Wissen dem Schüler vermittelt werden muss, damit er reflektiert mit dem Film als Teil der Geschichtskultur umgehen kann. Zuerst werden allgemeine Hinweise zum Film im Geschichtsunterricht gegeben: Welche Vorteile kann die Arbeit mit dem Medium Film bieten? Weiterhin soll aufgezeigt werden, wie der Schüler das Medium Film aufnimmt und welche Vorarbeit nötig ist, um einen kompetenten Umgang mit dem Film im Geschichtsunterricht und darüber hinaus zu ermöglichen. Dies soll durch eine ausführliche Filmtypologie und durch die Darstellung der filmischen Mittel erreicht werden. Als Beispiel für eine Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht werden daraufhin zwei Dokumentationen herangezogen. Dabei wird noch einmal ausführlich auf die positiven Aspekte der Arbeit mit Dokumentationen eingegangen, bevor dann der didaktisch aufbereitete Unterrichtsfilm „Machtergreifung und Gleichschaltung“ (1992) vom Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU) und die Spiegel-TV-Produktion „1933 - Hitlers Machtergreifung“ (2008) kurz vorgestellt und analysiert werden.
1 In der folgenden Arbeit soll der Einfachheit halber „Schüler“ und „Lehrer“ als Begriff für männliche als
auch weibliche Schüler und Lehrer gelten.
2 Vgl. hierzu die Homepage http://www.diedeutschen.zdf.de/.
2
2. Der Film im Geschichtsunterricht
Leider sind die Möglichkeiten und Vorteile des Films im Geschichtsunterricht (wie auch in anderen Fächern) noch nicht ausreichend erkannt und umgesetzt worden. Filme werden meist sowohl von Lehrern, als auch von Schülern als Erholungsphase zwischen den anstrengenden Lehr- und Lerneinheiten empfunden oder als eine Art „Belohnung“ am Ende einer Lerneinheit bzw. vor den Ferien. Dies mag einerseits daran liegen, dass viele Lehrer im Umgang mit den neuen Medien zu wenig vertraut sind, andererseits bereitet der Einsatz des Films auch einen erheblichen Aufwand, den manche Geschichtslehrer vermeiden wollen. Der Einsatz des Films brächte jedoch den Vorteil mit sich, dass innerhalb der Arbeit der Geschichte nicht nur das Speichergedächtnis, sondern auch das Funktionsgedächtnis anregen würde, was zu einer intensiveren, nachhaltigeren Verarbeitung von Geschichte führt. 3
2.1 Vorteile der Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht
„Es gibt keine Quelle, es gibt kein Medium, das hinsichtlich seiner Intensität, seiner Faszination, Suggestivität, Ausdrucksstärke und Erlebnisqualität, aber auch seiner Genauigkeit und Realitätsnähe dem Film gleich käme.“ 4 Diese Qualität des
3 Vgl. von Borries, Bodo: Arbeit mit „Dokumentarfilmen“ als Erwerb „Historischer Kompetenz“. In:
Schreiber, Waltraud / Wenzl, Anna (Hrsg.): Geschichte im Film. Beiträge zur Förderung historischer
Kompetenz. Neuried 2006, S. 46. Er bezieht sich bezüglich Speicher- und Funktionsgedächtnis auf Aleida
Assman.
4 Schneider, Gerhard: Filme. In: Pandel, Hans-Jürgen / Schneider, Gerhard (Hrsg.): Handbuch Medien im
Geschichtsunterricht. Schwalbach 1999, S. 370.
5 Zwölfer, Norbert: Filmische Quellen und Darstellungen. In: Günther-Arndt, Hilke (Hrsg.):
Geschichtsdidaktik - Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2003, S. 128.
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tausend Worte, deshalb sollte die Betrachtung von Filmen im Unterricht nicht zum „Zuckerl“ in der letzten Stunde vor den Ferien degradiert werden, sondern das Medium Film wirkungsvoll in den Unterricht miteinbezogen werden. Im Geschichtsunterricht soll ja nicht das Auswendiglernen von Zahlen und Fakten im Vordergrund stehen, sondern die Schüler sollen im Unterricht Kompetenzen aufbauen, die sie auch für ihr späteres Leben vorbereiten: 6
a) Historische Fragekompetenzen: Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, mit historischen Fragestellungen umzugehen
b) Historische Methodenkompetenzen: Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, Vergangenes zu re-konstruieren bzw. vorliegende historische Narration, die Dritte verfasst haben, zu untersuchen
c) Historische Sachkompetenzen: Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, mit theorie-, subjekt-, inhalts- und methodenbezogenen Begriffen bzw. Prinzipien, Konzepten, Kategorien und Scripts umgehen zu können
d) Historische Orientierungskompetenzen: Fähigkeit, Fertigkeit und Bereitschaft, sich mit Hilfe von Geschichte Orientierung zu verschaffen
All diese Kompetenzen kann die Arbeit mit Filmen im Geschichtsunterricht bieten, wie später am Beispiel von Dokumentarfilmen (einem Unterrichtsfilm und einer TV-Produktion) verdeutlicht werden soll.
6 Vgl. hierzu Schreiber: Geschichte, S. 11-14.
7 Hagemann, Wilhelm: Medienpädagogik. Köln, 1979, S. 12. Graphik aus Meyers, Peter: Film im
Geschichtsunterricht. Realitätsprojektionen in deutschen Dokumentar- und Spielfilmen von der NS-Zeit
bis zur Bundesrepublik. Frankfurt am Main 1998, S. 6.
4
Wie die Graphik verdeutlicht, so versucht der Kommunikator ein Kommunikat an den Rezipienten zu übermitteln. Auf den Film übertragen, so versucht der Filmemacher die Aussage bzw. Botschaft des Films dem Zuschauer, in unserem Falle dem Schüler, zu übermitteln. Dazu benutzt der Kommunikator (Filmemacher) bestimmte Zeichen bzw. Codes, die er verschlüsselt. Der Filmemacher kennt diese Zeichen und verwendet diese im Film. Auf der anderen Seite steht nun der Rezipient (Schüler), der versucht, die ihm vorgegebene Botschaft zu entschlüsseln. Auch er hat einen gewissen Zeichenvorrat. Doch, wie die untere Hälfte der Graphik besagt, besitzen beide, der Kommunikator (Filmemacher) und der Rezipient (Schüler) einen bestimmten Zeichenvorrat, der gemeinsame Zeichenvorrat jedoch, also die Schnittmenge, ist meist ziemlich begrenzt. Es ist daher notwendig, dass auch der Rezipient Zeichen erlernt, die der Kommunikator einsetzt. Natürlich wäre es verwegen, davon auszugehen, ein Schüler könne alle Zeichen decodieren, die ein Filmemacher in seinem Werk einbaut. Wichtig ist es für den Schüler allerdings, einen bestimmten Grundstock für die Arbeit mit Filmen zu erhalten, den die schulische Filmerziehung leisten muss.
3. Filmerziehung
Um mit einem Medium wie dem Film arbeiten zu können, bedarf es also fachspezifisches Wissen. Methodenkompetenz, in diesem Falle Medienkompetenz zu erwerben, ist in der Filmarbeit im Geschichtsunterricht ebenso wichtig, wie die wissenschaftliche Überprüfung des historischen Wahrheitsgehalts eines Films. Auch der gymnasiale Lehrplan greift dies auf, wenn es im Vorwort zum Fach Geschichte lautet: „Die Methodenkompetenz umfasst auch den sinnvollen Umgang mit neuen Medien und schließt die angemessene Nutzung moderner Präsentationsformen durch die Jugendlichen mit ein.“ 8 Die Schüler sollen also, sowohl in der Schule, als auch in ihrem Privatleben, befähigt sein, mit neuen Medien sinnvoll und kritisch umgehen. In einer Zeit, in der neue Medien immer präsenter werden, abwechslungsreicher und beeinflussender gestaltet werden, müssen Schüler zur kritischen Auseinandersetzung mit diesen Medien und damit auch zur Selbstverantwortung erzogen werden. Sie sollten dabei erkennen können, welche unterschiedlichen
Präsentationsformen eines Filmes es geben kann. Genau so wichtig ist es, dass der Schüler bei einer Analyse des Films, das „Handwerkszeug“ eines Filmemachers, also die filmischen Mittel und deren Möglichkeiten begreifen und interpretieren kann.
8 Lehrplan G8, Vorwort zum Fach Geschichte. Aufgerufen unter: http://www.isb-gym8-
lehrplan.de/contentserv/3.1.neu/g8.de/index.php?StoryID=26390
5
3.1 Filmtypologie
Wie Gerhard Schneider feststellt, hat sich zur „fachspezifischen Nutzung des Films als Unterrichtsmedium […] bislang noch keine einheitliche, allgemein akzeptierte Terminologie durchgesetzt.“ 9 Er selbst unterscheidet zwischen dem kommentierten Dokumentarfilm, dem Filmdokument und Historischen Spielfilmen. 10 Norbert Zwölfer „geht davon aus, dass bestimmte Typen von Filmen durch die hauptsächliche Verwendung ihres Materials bestimmt werden“ 11 und nennt infolgedessen die filmische Fiktion, die filmische Rekonstruktion und den Archiv- bzw. Dokumentarfilm. 12 Michael Sauer und Peter Meyers differenzieren hingegen vier unterschiedliche Filmgattungen, das Filmdokument, den Dokumentarfilm, den Spielfilm und den Unterrichtsfilm, die im Folgenden genauer vorgestellt werden sollen. 13
a) das Filmdokument
Bei einem Filmdokument handelt es sich um „filmisches Quellenmaterial mit dem höchsten Authentizitätsgrad.“ 14 Gemeint sind also alle Aufzeichnungen der Vergangenheit, die im Original - ohne nachträgliches Zufügen von Ton, Texten oder Bildern - erhalten sind. Dabei kann man Zufallsaufnahmen, Live-Sendungen oder auch Dokumentationen unterscheiden, die im Nachhinein nicht mehr bearbeitet wurden, also in Originalbild und Originalton auf dem Originalmedium erhalten sind. Jeweils „[m]it dem Grad der Bearbeitung nimmt die Authentizität und Wirklichkeitsnähe der Aufnahmen zu oder ab.“ 15 Gerade beim Filmdokument steht der Film als Quelle besonders im Vordergrund, das Dargestellte darf aber nicht unumstößlich als Realität betrachtet werden, da der jeweilige Filmemacher schon im Vorfeld versucht, das Dargestellte „in Szene“ zu setzen.
b) der Dokumentarfilm
Im Gegensatz zum Filmdokument steht beim Dokumentarfilm „eine Reproduktion von Wirklichkeit […] im Mittelpunkt, die sich der einzelnen Filmdokumente bedient und sie im Sinne der inhaltlichen Zielsetzungen des
9 Schneider: Filme, S. 367.
10 Vgl. ebd., S. 367f.
11 Zwölfer: Quellen, S. 129.
12 Ebd.
13 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Seelze 2008, S. 218f.; Meyers: Film (1998), S. 37-53; Ders.:
Film im Geschichtsunterricht. In: GWU 52 (2001), S. 247-253. Die nachstehenden Erläuterungen
beziehen sich, wenn nicht anders angegeben auf Meyers (1998).
14 Ders.: Film (1998), S. 42.
15 Rohlfes, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. Göttingen 2005, S. 339.
6
Filmemachers kommentierend oder interpretierend aneinanderreiht.“ 16 Im Dokumentarfilm können also aus Filmdokumenten jeweils unterschiedliche Realitäten produziert werden, je nach Thema und Vorhaben des Filmemachers. Peter Meyers 17 unterscheidet zwei Realitätsebenen von Dokumentarfilmen: Einerseits kann der Dokumentarfilm die unmittelbare Dokumentation von Wirklichkeit sein, wie man sie täglich in Nachrichtensendungen zu sehen bekommt. Hier besteht die Motivation darin, über aktuelle Ereignisse und Realitäten zu informieren. Davon zu differenzieren sind Dokumentationen, die die Absicht enthalten, an bestimmte Ereignisse und Realitäten zu erinnern. Hier steht der Aspekt der Rekonstruktion der Geschichte - meist in einem größeren Zeitabstand zum Ereignis - im Vordergrund, was nicht allzu selten zur Manipulation des Inhalts führen kann. „Der Filmemacher zeig[t] eben nicht die Wirklichkeit, sondern mit Hilfe bestimmter Präsentations-, Darstellungs- und Verstehensmuster nur Ansichten von ihr.“ 18 Wenn man von Manipulation spricht, so kann legitime und gefährliche Manipulation voneinander abgrenzen. Erlaubte Manipulation ist diejenige, „die die Wirklichkeit nicht entstellt, sondern nur auswählt, durch ‚ein Temperament’ sieht.“ 19 Unerlaubte und daher gefährliche Manipulation hingegen versucht, durch die geschickte Aneinanderreihung von Fakten die Wirklichkeit zu entstellen um bestimmte Ziele zu verfolgen (so zum Beispiel NS-Propagandafilme wie Leni Riefenstahls „Triumph des Willens“). Gerade durch die Sachlichkeit, durch die eine Dokumentation überzeugen will, wird der Zuschauer dazu verführt, die belegten Aussagen als objektive Realität anzunehmen und die subjektiven Ziele des Filmemachers zu ignorieren. Technisch gesehen ist nahezu jeder Dokumentarfilm ein Kompilationsfilm, also „[e]in Film, der aus bereits vorhandenem, meist schon anderweitig verwertetem Filmmaterial zusammengestellt ist.“ 20 Dokumentarfilme zeichnen sich weiterhin durch gesprochenen Kommentar, durch Einfügen von Texten, Skizzen, Karten, usw. aus, um „ein Thema mit visuellen Mitteln so abzuhandeln […], wie dies etwa mit sprachlichen Mitteln in einem wissenschaftlichen Vortrag geschieht.“ 21
16 Meyers: Film (1998), S. 44.
17 Vgl. ders.: Film (2001), S. 249f.
18 Ebd., S. 250.
19 Ders.: Film (1998), S. 48.
20 Bawden, Liz-Anne: Buchers Enzyklopädie des Films. 2 Bände. München, 1983, S. 419.
21 Rohlfes: Geschichte, S. 339f.
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Andrea Surner, 2008, Film im Geschichtsunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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