Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
1.1 Fragestellung 2
1.2 Gliederung 2
2. Annäherung an die Definition von Aggression 3
3. Ausdrucksformen von Aggression 4
4. Psychologische Aggressionstheorien 5
4.1 Triebtheorie (Freud) 5
4.2 Lerntheoretischer Erklärungsansatz (Bandura) 7
4.3 Frustrations-Aggressions-Theorie (Dollard) 8
5. Biologisch bedingte Geschlechtsunterschiede der Aggression 10
5.1 Aberrationen des Geschlechtschromosoms 10
5.2 Sexualhormone und Aggression 11
6. Sex und Gender 11
7. Geschlechtsspezifisches Aggressionsverhalten 13
8. Fazit 16
Literaturverzeichnis 20
2
1. Einleitung
1.1 Fragestellung
Ein 36-jähriger Mann erschlägt den Lebensgefährten seiner Ex-Frau mit einem Baseballschläger. 1 Ein 43 Jahre alter Mann schubst seine Ehefrau vor die S-Bahn. 2 Ein Modelleisenbahnbastler ersticht seinen Freund bei einem Streit um ein Werkzeug. 3 Im März 2009 erschoss ein 17-jähriger 15 Menschen und sich selbst bei einem Amoklauf. 4 Zwei maskierte Männer überfallen einen Supermarkt und bedrohen Angestellte mit einer Schusswaffe. 5 Diese Schlagzeilen der RUHR NACHRICHTEN spiegeln nur einen Bruchteil der Straftaten wieder, die in den letzten Wochen in der Tageszeitung vorzufinden waren. Auffällig ist bei den Artikeln, die Gewaltdelikte thematisieren, dass diese fast ausschließlich von Männern oder männlichen Jugendlichen praktiziert werden. Weibliche Täter sind in den Medien eher selten vertreten, so dass es den Anschein hat, dass Männer weitaus öfter aggressives Verhalten vorweisen als Frauen. Doch nicht nur in den Medien besteht das Bild vom aggressiven Mann, auch im Alltag kommt regelmäßig zum Vorschein, dass Männer als aggressiv und brutal und Frauen in der Regel als friedfertig und zurückhaltend gelten. An diesem Punkt stellt sich die Frage, ob das Bild des aggressiven Mannes und der sanftmütigen Frau lediglich ein Konstrukt unserer Gesellschaft ist und aus Vorurteilen besteht, oder sich die aggressiven Verhaltensweisen aus biologischer und besonders aus psychologischer Sicht begründen lassen.
1.2 Gliederung
Die Arbeit leitet mit einer Annäherung an die Definition von Aggression ein und wird mit einer Vorstellung der Ausdrucksformen von Aggression fortgesetzt. Im Anschluss folgt eine bündige Zusammenfassung der Triebtheorie von FREUD, des lerntheoretischen Modells von BANDURA und der Frustrations-Aggressions-Theorie von DOLLARD et. al., um einen
1 Brücken-Mord: Teilgeständnis. Mann gesteht, Lebensgefährten seiner Ex-Frau getötet zu haben: mari, in: Ruhr
Nachrichten. Grösste. Tageszeitung in Werne, Nr. 203 vom 02.09.2009.
2 Mann schubst Ehefrau vor S-Bahn, in: Ruhr Nachrichten. Grösste Tageszeitung in Werne, Nr. 206 vom
05.09.2009.
3 Modellbauer ersticht Bastelfreund, in: Ruhr Nachrichten. Grösste Tageszeitung in Werne, Nr. 208 vom
08.09.2009.
4 Amokläufer hinterließ Biref. Winnenden: Tim K. litt schon länger unter Tötungsfantasien: dpa, in: Ruhr
Nachrichten. Grösste Tageszeitung in Werne, Nr. 209 vom 09.09.2009.
5 Männer überfallen Supermarkt, in: Ruhr Nachrichten. Grösste Tageszeitung in Werne, Nr. 210 vom
10.09.2009.
3
prägnanten Überblick von drei einflussreichen psychologischen Aggressionstheorien zu geben. Daraufhin wird überprüft ob Aggressionen biologisch verankert sind, indem Aberrationen des Geschlechtschromosoms und Sexualhormone in Bezug zur Aggressionsentstehung gesetzt werden. Anschließend werden das biologische Geschlecht (Sex) und das psychologische Geschlecht (Gender) vorgestellt und in Zusammenhang gebracht, so dass nachfolgend das geschlechtsspezifische Aggressionsverhalten anhand von Analysen, Studien etc. thematisiert werden kann. Zuletzt werden im Fazit die wichtigsten Thesen zusammengefasst und die Fragestellung aufgegriffen und beantwortet.
2. Annäherung an die Definition von Aggression
Wird ein Blick auf die Geistes- und Sinnesgeschichte des Wortes Aggression geworfen, so wird ersichtlich, dass der Terminus Aggression bis zu Beginn der Neuzeit eine feindlichangriffige und eine friedlich-konstruktive Bedeutung vorwies. Im französischen und englischen Sprachgebrauch wurde der feindlich-angriffige Sinn immer salonfähiger, bis sich während der Napoleonischen Zeit im Deutschen die feindliche und bösartige Bedeutung, die bis heute im Deutschen steht, durchsetzte. 6
Im Laufe dieser Entstehungsgeschichte einschließlich bis Heute sind weitaus mehr als 200 Definitionen aggressiven Verhaltens entstanden 7 , so dass MEIER zwischen weit gefassten und präzisen Definitionen der Aggression unterscheidet. Die weit gefassten Definitionen beziehen vor allem den „[…] etymologischen Ursprung des Wortes Aggression (vom lateinischen agredi: sich annähern, herangehen, angreifen […]“ 8 mit ein. In diesem Fall ist jede vom Menschen ausgehende Aktivität und Konfrontation mit der Umwelt als Aggression zu definieren, wobei Aggression als Synonym für Aktivität verstanden werden kann. Um die Bedeutungsinhalte von (destruktiv-aggressiver) Aggression zu konkretisieren, sind eindeutige Kriterien, die kategorisieren können, ob ein Verhalten als Aggression eingestuft werden kann oder nicht, von Nöten. Für die Identifizierung von destruktiv-aggressivem Verhalten wird auf die enger gefassten Definitionen zurückgegriffen, die Aggression als negativ betrachten. 9
6 Vgl. Buchta, Anneliese: Aggression von Frauen. Entwicklungspsychologie, Psychodynamik und
Psychotherapie, W. Kohlhammer, Stuttgart 2004, S. 13f.
7 Vgl. Scheithauer, Herbert/Hayer, Tobias: Psychologische Aggressionstheorien und ihre Bedeutung für die
Prävention aggressiven Verhaltens im Kindes- und Jugendalter, in: Gollwitzer, Mario/Pfetsch,
Jan/Schneider,Vera (u.a.): Gewaltprävention bei Kindern und Jugendlichen, Hogrefe, Göttingen 2007, S. 15.
8 Meier, Ulrich: Aggressionen und Gewalt in der Schule. Zur Dialektik von Schülerpersönlichkeiten,
Lernumwelten und schulischem Sozialklima, Lit Verlag, Münster 2004, S. 18.
9 Vgl. ebd., S. 18f.
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Beispiel solch einer Definition wäre z.B. die Definition von KLEITER:
„Mit „Aggression“ […] ist das aktuelle Verhalten gemeint, das in absichtlicher und
selbstverantwortlicher Weise reflektiert oder nicht-reflektiert auf die
Schädigung/Verletzung eine andere Person, das Selbst (Autoaggression) oder die
Zerstörung einer Sache/eines Gegenstandes (Vandalismus) zielt.“ 10
Zu beachten ist allerdings, dass die Festlegung von Kriterien zur Aggressionsdefinierung aus subjektiven Wahrnehmungen und Interpretationen resultieren, so dass MUMMENDEY und Mitarbeiter aggressiv als ein Beurteilungsprädikat betrachten, dass in Abhängigkeit von Perspektive und Kontext einem vorhandenen Verhalten zugewiesen wird. 11
3. Ausdrucksformen von Aggression
Der Stand der Literatur verweist auf eine Vielzahl von Aggressionsarten und Einleitungssystemen, die versuchen, Aggressionen zu differenzieren. 12 Für diese Arbeit wird aus Platzmangel lediglich auf die gängigsten Ausdrucksformen von Aggression verwiesen. Nachdem Einleitungssystem von BUSS (1961) gibt es direkte, indirekte, psychische und physische Aggressionen. 13 Die direkte Aggression richtet sich offensichtlich gegen das Opfer. Bei indirekten Aggressionen werden beispielsweise negative Aussagen über das nicht präsente Opfer verbreitet, oder andererseits wird ein Ersatzobjekt (= z.B. Autoscheibe ggf. die des Opfers) gesucht, an dem die Aggression ausgelassen wird. Für diese Arbeit ist es wichtig, dass die Aggression, die sich gegen ein Ersatzobjekt richtet, wie bei MICUS, als verschobene bzw. Gegenstandsaggression und nicht als indirekte Aggression verstanden wird. 14 Die physischen Aggressionen beabsichtigen ein Objekt körperlich zu schädigen, während die psychische Aggression z.B. symbolischen Charakter besitzt und so z.B. verbal verübt wird. Diese beiden Aggressionsarten werden als offene Aggressionen bezeichnet und sind demzufolge ein beobachtbares Verhalten, wobei hingegen die verdeckte Aggression (= Phantasieaggression) nur im Bewusstsein bzw. Unterbewusstsein verankert ist. Des
10 Kleiter, Ekkehard F.: Gender und Aggression. Männliche und weibliche Aggression im Rahmen der
Sozialpersönlichkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen, Belz, Weinheim/Basel 2002, S. 3.
11 Vgl. Otten, Sabine/Mummendey Amélie: Sozialpsychologische Theorien aggressiven Verhaltens, in: Frey,
Dieter/Irle, Martin (Hrsg.): Theorien der Sozialpsychologie. Band II Gruppen-, Interaktions- und Lerntheorien,
2. Aufl., Hans Huber, Bern/Göttingen/Toronto (u.a.) 2002, S. 199.
12 Vgl. Kleiter, Ekkehard F. Weinheim/Basel 2002, S. 12f.
13 Vgl. Micus, Christiane: Friedfertige Frauen und wütende Männer?. Theorien und Ergebnisse zum Umgang der
Geschlechter mit Aggression, Juventa, München 2002, S. 25f.; Kleiter, Ekkehard F. Weinheim/Basel 2002,
S. 12.
14 Vgl. Micus, Christiane. München 2002, S. 25f.
5
Weiteren wird auch das Schweigen als Aggressionsform bezeichnet. 15 Für die Unterscheidung der diversen Aggressionsarten ist es von Priorität zwischen spontanen (= ohne Auslöser von Außerhalb) und reaktiven (= Folge durch bestimmte Außenreize) Aggressionen zu unterscheiden. 16
Wird ein Blick auf das Einleitungssystem der Aggression von KLEITER (2002) geworfen, so ist ersichtlich, dass ebenfalls zwischen direkter/indirekter, physischer/psychischer, offener/verdeckter Aggression unterschieden wird und auch Aggression gegen Gegenstände explizit getrennt wird. Allerdings wird in diesem System auch die Autoaggression berücksichtigt, so dass sich aus diesem Einleitungssystem sieben Aggressionsarten 17 herauskristallisiert haben. Diese überschneiden sich teilweise erheblich, so dass auf vier Aggressionsarten reduziert werden kann. Die erste ist die direkte Aggression, die sich aus körperlicher Aggression und direktem Bullying 18 zusammensetzt. Die zweite ist die relationale Aggression, die eine indirekte verbale Aggression, wie z.B. indirektes Bullying darstellt. Die dritte stellt die Gegendstandsaggression und die letzte die Autoaggression dar. 19
4. Psychologische Aggressionstheorien
4.1 Triebtheorie (Freud)
Nach SIGMUND FREUDS tiefenpsychologischer Sichtweise geht aggressives Verhalten von einem biologisch verankerten Trieb im Menschen aus, der somit ein „[…] unaufhebbarer Bestandteil des menschlichen Verhaltensrepertoires“ 20 darstellt. Die aggressiven Impulse werden durch die im Individuum verwurzelten Energiequellen erzeugt und verlangen nach Entladung, die durch Verhaltensausübung aktiviert wird. Werden die aggressiven Impulse
15 Vgl. ebd., S. 25f.
16 Vgl. Micus, Christiane. München 2002, S. 26; Kleiter, Ekkehard F. Weinheim/Basel 2002, S. 16f.
17 Die sieben tabellarisch aufgelisteten Aggressionsarten von KLEITER (2002) sind die körperliche Aggression
(= prügeln, schlagen usw.), die direkte verbale Aggression (= beschimpfen, tyrannisieren usw.), die indirekte
verbale Aggression bzw. relationale Aggression (= Hinterlist, Gerüchte verbreiten), die direkte gegenständliche
Aggression (= gegen Türen treten, Regale umwerfen usw.), die indirekte gegenständliche Aggression (= Wände
besprühen, Vandalismus), die direkte körperliche Autoaggression (= Selbstverletzung, Suizid, Bulimie etc.) und
die indirekte psychische Aggression, die sich aus Selbstbestrafung, Wutschlucken und Gewissensbisse
zusammensetzt. Vgl. hierzu: Kleiter, Ekkehard F. Weinheim/Basel 2002, S. 16f.
18 Unter Bullying (engl. Bully = der Tyrann) sind Verhaltensweisen wie z.B: tyrannisieren, schikanieren und
unter Druck setzen gemeint. Allerdings muss zwischen indirektem Bullying und direktem Bullying
unterschieden werden. Bei direktem Bullying handelt es sich um Verhaltensweisen wie anschreien und
tyrannisieren, wobei das indirekte Bullying eher Verhaltensweisen wie Hinterlist und Gerüchte verbreiten mit
einbezieht.
19 Vgl. Kleiter, Ekkehard F. Weinheim/Basel 2002, S. 16f.
20 Scheithauer, Herbert/Hayer, Tobias. Göttingen 2007, S. 18.
6
Arbeit zitieren:
Tobias Neuhaus, 2009, Aggressive Männer und sanftmütige Frauen, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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