Justus-Liebig-Universität Gießen Germanistik - WS 1999/2000 Zwischen Phantastik und Adoleszenzroman -(Post)Moderne Literatur für Kinder und junge Erwachsene
Der postmoderne Adoleszenzroman am Beispiel von
Brock Coles Celine oder welche Farbe hat das Leben
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1. Die Protagonistin in der Handlung 5
2. Beziehung der Hauptfigur zu den Nebenfiguren 7
3. Gedanken und Äußerungen der Protagonistin 11
3.1. Witz und Ironie 11
3.2. Phantasie 12
3.3. Vergleiche 13
4. „Reife zeigen“ - erwachsen werden 15
5. Parallelen und Gegensätze zwischen zwei Adoleszenz-
romanen : Der Fänger im Roggen und Celine oder welche
Farbe hat das Leben 16
Fazit 19
Quellen - und Literaturverzeichnis 21
1
Einleitung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit Brock Coles Roman Celine oder welche Farbe hat das Leben. Er ist der Gattung Postmoderner 1 Adoleszenzroman zuzuordnen, ist 1989 in den USA unter dem Titel Celine und 1996 in der deutschen Übersetzung von Sybil Gräfin Schönfeldt erschienen.
Adoleszenzromane beschäftigen sich mit dem Erwachsenwerden junger Menschen. 2 Der jugendliterarische Adoleszenzroman der Gegenwart konzentriert sich auf nur wenige zentrale Themenkomplexe, „die für die Dreizehn- bis Siebzehnjährigen von Bedeutung sind.“ 3 Die Handlung beschränkt sich zum größten Teil auf das Individuum mit seinem Innenleben und setzt sich nicht mit Themen wie Politik, Gesellschaft, Religion, Berufsfindung oder Ökologie auseinander; jedoch befinden sich die Figuren nicht „auf dem Weg zu sich selbst oder einer festen Identität.“ 4 Patentlösungen für die Lebensprobleme der jungen Leserinnen und Leser halten die Autorinnen und Autoren des postmodernen Adoleszenzromans nicht bereit, 5 deshalb ist das Ende ein offenes. In Coles Roman möchte die Protagonistin Celine nach Italien, verwirft die Idee aber wieder, schnellstmöglich wegzuziehen und ist letztlich sehr unsicher über ihre Zukunft.
Der subjektbezogene Inhalt solcher Texte wird meistens aus der Binnensicht dargestellt. Die Erzählform des untersuchten Roman Coles ist die durchgängige Ich-Erzählform, die eher typisch für den m o d e r n e n Adoleszenzroman ist. Im postmodernen Adoleszenzroman finden beispielsweise häufig „Formen der Montage“ oder „mehrere Erzählerstimmen“ Anwendung. 6
In den dreizehn Kapiteln berichtet die Hauptfigur Celine über einen kurzen Zeitraum ihres Lebens. Die Handlung umfasst nur etwa zehn Tage. Sie setzt ein, als Celine von der Schule auf dem Weg nach Hause ist. Die Ich-Erzählerin schildert, wie sie Jakob, einen kleinen Jungen aus der Nachbarwohnung kennenlernt, ihn beaufsichtigt, einen Ausflug mit ihm und seinem Vater Mr. Barker am Wochenende macht, Jakob zu einem Termin mit einem
1 Zum Begriff Postmoderne vgl. Jeremy Hawthorn, Grundbegriffe moderner Literaturtheorie: ein Handbuch (Tübingen/Basel 1994), S. 210ff; Merkmale der Postmoderne sind u.a.: positive Haltung gegenüber der modernen Welt, Faszination an Technik, „Feiern“ der Gegenwart.
2 Vgl. Günter Lange, „Adoleszenzroman“ in: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon, hrsg. von Kurt Franz u.a. (Meitingen 1995ff), Band 2, Teil 5, S. 1. und Heinrich Kaulen, „Fun, Coolness und Spaßkultur?“ in: Der Deutschunterricht Heft 5/99, S. 327.
3 Lange, „Adoleszenzroman“ in: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon, hrsg. von Franz u.a., Band 2, Teil 5, S. 14.
4 Carsten Gansel, Moderne Kinder- und Jugendliteratur: ein Praxisbuch für den Unterricht (Berlin 1999), S. 122.
5 Vgl. Heinrich Kaulen, „`Mädchen dürfen stark sein`“ in: Der Deutschunterricht Heft 4/93, S. 87.
6 Gansel, Moderne Kinder-und Jugendliteratur, S. 127.
2
Psychologen bringt und sich eine Freundschaft zwischen ihr und Jakob entwickelt. Weiterhin berichtet die Protagonistin von ihrem „Boyfriend“ Dermot, der sie jedoch nicht interessiert und den sie loswerden möchte. Teil der Handlung ist ebenso eine Party, zu der sie mit ihrer Mitschülerin Lucile und Dermot geht.
Die Erzählung endet, nachdem Jakob bei Celine übernachtet hatte, weil sein Vater ihn wegen eines Missverständnisses nicht abholte, auf seine Mutter wartete und sich mit Celine Gedanken über die Zukunft macht.
Zum Zeitpunkt des Geschehens lebt die 16-jährige Celine mit ihrer nur einige Jahre älteren Stiefmutter in Chicago, während ihr Vater auf einer Vorlesungsreise in Europa ist. Hier werden die Verwischung der Generationsgrenzen, die Veränderung von Familienstrukturen sowie die damit verbundene Abschwächung von Generationskonflikten deutlich. 7 Die Form der Darstellung in aktuellen Adoleszenzromanen ist deshalb auch die der entdramatisierten. Kennzeichen der postmodernen Familie sind beispielsweise die nichtautoritäre Erziehung, wenige Familienmitglieder, alleinerziehendes Elternteil. „Sie [die Familie] ist zu einer Wohngemeinschaft von gleichberechtigten und fast `gleichalten´ Partnern geworden.“ 8 Die Hauptfigur der Handlung - Celine - ist intelligent, früherwachsen, selbstsicher und geht in einer Sache ganz auf: der Kunst. Sie sieht die Welt mit den Augen einer Malerin und achtet auf Farbe und Formen in ihrer Umgebung, was sich in den Worten des Textes wiederspiegelt. Günter Lange bezeichnet u.a. Malen als eine Rückzugsmöglichkeit, die dem Adoleszenten in Krisensituationen hilfreich sein kann und in manchen Jugendbüchern als Lösung angeboten wird. 9
Das erste Kapitel dieser Arbeit widmet sich der Hauptfigur im Zusammenhang mit der Handlung. Die Beziehung der Protagonistin zu anderen Figuren der Handlung untersucht das zweite Kapitel. Kapitel drei beschäftigt sich mit dem Innenleben Celines; es geht auf Gedanken, Sprache und Weltsicht der Protagonistin ein. Die Problematik des Erwachsenwerdens findet sich im vierten Kapitel wieder, wobei der Unterschied zwischen Reife zeigen und erwachsen werden herausgestellt wird. Ein Vergleich zwischen Coles Roman und Salingers Der Fänger im Roggen 10 ist die Grundlage des letzten Kapitels. Es greift hierfür den intertextuellen Zusammenhang, der über Celines missglückten Aufsatz über
7 Vgl. ebd. S. 123, 127 und Heinrich Kaulen, „Vom bürgerlichen Elternhaus zur Patchwork-Familie“ in: Familienszenen, hrsg. von Hans-Heino Ewers und Inge Wild (Weinheim/München 1999), S. 117ff.
8 Hannelore Daubert, „Von `jugendlichen` Eltern und `erwachsenen´ Jugendlichen. Familienstrukturen und Geschlechterrollen in Schülerromanen der 80er und 90er Jahre“ in: Jugendkultur im Adoleszenzroman: Jugendliteratur der 80er und 90er Jahre zwischen Moderne und Postmoderne, hrsg. von Hans-Heino Ewers (Weinheim/München 2 1997), S. 58.
9 Lange, „Adoleszenzroman“ in: Kinder- und Jugendliteratur. Ein Lexikon, hrsg. von Franz u.a., Band 2, Teil 5, S. 12.
10 Jerome D. Salinger, Der Fänger im Roggen (Köln 1956).
3
Der Fänger im Roggen erwächst, auf und konzentriert sich sowohl auf Parallelen als auch auf Gegensätze zwischen dem modernen Roman Salingers und dem postmodernen Roman Coles.
4
Arbeit zitieren:
MA Angela Exel, 2000, Der postmoderne Adoleszenzroman am Beispiel von Brock Coles "Celine oder welche Farbe hat das Leben", München, GRIN Verlag GmbH
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