Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg Wintersemester 2002/2003 Historisches Seminar
Hitlers Kriegserklärung an die USA
11. Dezember 1941
Oliver Lutz Radtke
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Vorgeschichte 4
2.1 Hitlers Amerikabild 4
2.2 Hitlers Dilemma 8
2.3 Der Weg in den Krieg 11
3. Vier Hypothesen zur Kriegserklärung 17
3.1 Robert Waite 17
3.2 Sebastian Haffner 19
3.3 Eberhard Jäckel 22
3.4 Enrico Syring 24
4. Auswirkungen der Kriegserklärung 25
4.1 Konsequenzen für die amerikanische Politik 25
4.2 Deutschland: Enttäuschte Hoffnungen 26
5. Schluss 28
6. Literaturverzeichnis 34
2
1 Einleitung
Am 11. Dezember 1941, vier Tage nach dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor, eilte Generaloberst Alfred Jodl zum Chef der Abteilung Landesverteidigung (Chef L), General Walter Warlimont, um ihn darüber zu informieren, dass der „Führer“ soeben den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt habe. Jodl beauftragte Warlimonts Planungsstab zu prüfen, „nach welcher Seite Fernost oder Europa, die Ver. Staaten voraussichtlich zuerst die Masse ihrer Kräfte wenden werden.“ 1 Warlimont stimmte mit Jodl überein, dass eine solche Untersuchung notwendig sei, „[d]a ein Krieg gegen die Ver. Staaten bisher [...] nicht in Betracht kommen sollte und wir daher über keinerlei Unterlagen zu dieser Untersuchung verfügen.“ 2
Die Kriegserklärung Deutschlands an die USA gilt noch immer als eine sehr umstrittene Entscheidung Hitlers, die aus heutiger Perspektive die Niederlage endgültig besiegelte. Umstritten ist sie deshalb, weil die Quellenbasis für eine abschließende Beurteilung nicht ausreicht. Trotz vielfältiger Erklärungsansätze haben alle Autoren eines gemeinsam. Sie gehen davon aus, dass Hitler diese Entscheidung alleine gefällt hat und dadurch Bedingungen schuf, die Deutschlands Untergang herbeiführten. Eine Fülle verschiedener Thesen werden zur Erklärung herangezogen, ohne voll überzeugen zu können. Weshalb erklärte Hitler den USA 1941 den Krieg, obwohl weder Großbritannien, der Feind im Westen, noch Russland besiegt waren? Hinzu kommt, dass zu diesem Zeitpunkt der Ostfeldzug bereits länger dauerte als erwartet. Objektiv betrachtet erscheint Hitlers Entscheidung folglich äußerst widersinnig.
Im folgenden sollen vier Erklärungsmodelle vorgestellt werden, die sich der Frage nach Hitlers Motivation von mitunter völlig unterschiedlichen Seiten annähern. Anschließend werden die Auswirkungen von Hitlers Kriegserklärung an die USA auf die Vereinigten Staaten und Deutschland untersucht. Um in die damalige Situation einsteigen zu können, erscheint ein Abriß vorangegangener Ereignisse sinnvoll. Hierbei steht vor allem die Frage der sich wandelnden Deutschland- und Amerikabilder im Vordergrund. Warum wendet sich Hitler von seiner vorsichtigen Amerikapolitik der Dreissiger Jahre ab? Ist in seinem sich wandelnden Amerikabild ein möglicher Konflikt schon vorgezeichnet?
1 Warlimont, Walter, „Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht, 1939-1945. Grundlagen, Formen, Gestalten“, Frankfurt 1962, S. 222.
2 ebd.
3
2. Vorgeschichte
2.1 Hitlers Amerikabild
Hitlers Amerikabild vor Beginn des Zweiten Weltkrieges war ambivalent. Er schwankte zwischen Bewunderung und Verachtung - Bewunderung für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dieses Landes und Verachtung für seine „verjüdischte und verniggerte“ Gesellschaft. War es Hitlers dogmatische Weltanschauung, die es ihm unmöglich machte, die Realität jenseits seiner Vorurteile zur Kenntnis zu nehmen? Hitler, der als Ideologe und Programmatiker für sich in Anspruch nahm, im Krieg und Kampf der Rassen um knappen Lebensraum den Sinn der Weltgeschichte zu sehen, nahm womöglich auch über die USA nur die Informationen auf, die mit seinen Vorurteilen übereinstimmten.
„Deutschland wird entweder Weltmacht oder gar nicht sein.“ 3 Das war Hitlers Zielsetzung für das Deutsche Reich und er sah dabei in den USA den Prototypen einer Weltmacht mit angemessenem Lebensraum, einem großen Binnenmarkt, hohem Lebensstandard, außerordentlicher Produktivität und technischer Innovationsfähigkeit. 4 Auf der anderen Seite stellte Amerika damit eine Herausforderung für Deutschland und Europa dar. Es sollte die Aufgabe Deutschlands sein, durch eine Vormachtstellung in Europa - möglicherweise sogar durch die Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“ - der drohenden Hegemonie Amerikas zu begegnen. Die relevante Sekundärliteratur diskutiert häufig über einen Stufenplan Hitlers, der vorsah, Deutschland, nach dem Ausfall Frankreichs und Russlands, zunächst zu einer der vier verbliebenen Weltmächte neben Großbritannien, Japan und den USA zu machen, um in einem letzten Schritt gemeinsam mit England gegen die USA vorzugehen. 5 Ein friedliches Nebeneinander konkurrierender Staaten gab es offensichtlich nicht in Hitlers Vorstellungswelt. Wenn Hitler derartige Pläne einer friedliche Koexistenz gehabt haben sollte, dann kann es nicht seine Absicht gewesen sein, die USA in den bevorstehenden europäischen Konflikt hineinzuziehen.
Es bleibt nun zu klären, warum Hitler 1939 endgültig von seiner in den Dreissiger Jahren betriebenen „vorsichtigen Amerikapolitik“ abwich und damit den Grundstein für den Kriegseintritt der USA legte.
3 Hitler, Adolf, „Mein Kampf“, München 1933, S. 741 f.
4 Weinberg, Gerhard L. (Hrsg.), „Hitlers zweites Buch. Ein Dokument aus dem Jahr 1928“, (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 7), Stuttgart 1961, Kapitel 9.
5 Hillgruber, Andreas, „Deutsche Großmacht- und Weltpolitik im 19. und 20. Jahrhundert“, Düsseldorf 1977, S. 198.
4
Im November 1937 ließ Hermann Göring verlauten, es gäbe Staaten, mit denen Deutschland gute, und es gäbe Staaten, mit denen Deutschland schlechte Beziehungen habe, aber mit den USA habe Deutschland überhaupt keine Beziehungen. 6
Abgesehen davon, dass auch das Nichtvorhandensein kongruenter oder divergenter politischer Positionen zwischen zwei Staaten eine Beziehung ausmacht, deutet diese Aussage bereits auf eine veränderte Einstellung des Dritten Reiches gegenüber den USA hin. Anfangs der 30er Jahre versuchte die deutsche Außenpolitik noch eine soweit wie möglich amerikakonforme Politik zu betreiben. Bei der gescheiterten Weltwirtschaftskonferenz im Jahre 1933 trat Hitler, der gerade erst an die Macht gekommen war, als zurückhaltender Staatsmann auf, vertrat u.a. amerikanische Positionen und spekulierte auf amerikanisch-britische Interessenskonflikte. Damit stellte er sich anfangs eine wohlwollend angenommene Visitenkarte des neuen Deutschlands aus. 7
Doch bereits seit 1934/35 führten, eingeleitet durch die Kündigung des deutsch-amerikanischen Handelsvertrages, wirtschaftspolitisch unvereinbare Gegenpositionen zu den Vorstellungen der USA zu einer rapiden Verschlechterung der gegenseitigen Beziehungen. 8 Spätere Versuche, zu neuen Wirtschaftsabkommen mit den USA zu kommen, scheiterten allesamt. Da Deutschland aber auf Rohstofflieferungen des Auslandes angewiesen war, widmete es sich verstärkt sowohl Lateinamerika 9 als auch Südosteuropa 10 und erzielte große Erfolge beim Aufbau von bilateralen Handelsabkommen. Damit kam Hitler vitalen amerikanischen Interessen in die Quere, sahen die Vereinigten Staaten die Genesung der amerikanischen Wirtschaft doch in einer offenen Weltmarktpolitik. 11 Als Folge darauf wurde Deutschland von allen Bemühungen Amerikas ausgeschlossen, die eine Ausweitung des internationalen Handels vorsahen. Diese wirtschaftspolitischen Nadelstiche vermochten es offenbar aber nicht, Hitler zu einem Wechsel seiner Politik zu bewegen. Die verringerte Rücksichtnahme Hitlers auf amerikanische Interessen kann auf das erneute Auftreten einer weltweiten wirtschaftlichen Depression zurückgeführt werden, weil mit ihr auch eine Abwertung der amerikanischen Stellung einherging. Ebenso wichtig ist Andreas Hillgrubers Hinweis, dass Hitler in der sein „politisches Denken kennzeichnenden Gleichsetzung von politischen und territorialen Interessen in jeder Großmachtpolitik für diese Phase des
6 Junker, Detlef, „Kampf um die Weltmacht. Die USA und das Dritte Reich 1933-1945“, Düsseldorf 1988, S. 25.
7 Thanner, Hans-Ulrich, „Ausbau des Führerstaates“, in: Informationen zur politischen Bildung Nr.266, München 2000, S.5f.
8 Junker, Detlef, „Der unteilbare Weltmarkt - Das ökonomische Interesse in der Außenpolitik der USA 1933-1941“, Stuttgart 1975, S. 93 ff.
9 Schröder, Hans-Jürgen, „Die USA und Deutschland 1918-1975“, in: Knapp, Manfred u.a. (Hrsg.), Das Dritte Reich und die USA, München 1978, S. 137 ff.
10 Schröder, „Die USA und Deutschland 1918-1975“, S. 145 ff.
11 ebd.
5
Expansionsprogramms keine Überschneidung deutscher und britischen und amerikanischen Interessen zu erkennen vermochte.“ 12
Hitler glaubte noch gegen Ende der 30iger Jahre, mit England und damit, wie er meinte, auch mit den USA übereinzukommen, dass diese beiden Staaten ihm freie Hand auf dem europäischen Kontinent überlassen würden. Ein willkommenes Druckmittel bot sich Hitler dabei mit Japan, das bereits seit Mitte der 30iger Jahre durch seine aggressive Expansionspolitik im ganzen pazifischen Raum die Aufmerksamkeit auf sich zog. Großbritannien musste um seine Kolonien fürchten, während den USA Konflikte von zwei Seiten drohten. Das sich diese Vorstellung nicht ohne weiteres bewahrheiten würde, zeigte sich spätestens im Oktober 1937 in der berühmten Quarantänerede des amerikanischen Präsidenten 13 , in der Roosevelt öffentlich die Politik sogenannter Aggressorstaaten verurteilte und die Quarantäne der angeprangerten Staaten - ähnlich der Behandlung eines infektiösen Patienten - forderte. 14 Damit zeigte sich bereits die Tendenz, dass Roosevelt den englischen Widerstand zunächst rhetorisch und später auch faktisch unterstützen würde. Hitlers Fehleinschätzungen der Situation resultierten vorwiegend aus seiner einseitigen Informationsverarbeitung. Informationen, die seinen Vorurteilen gerecht wurden, dienten der Bestätigung seiner Politik, andere Informationen, die davon abwichen, wurden ignoriert. Des weiteren sah er sich durch die amerikanische Neutralitätsgesetzgebung von 1935 und 1937, welche die USA als Verbündeten der europäischen Hitler-Gegner praktisch ausschloß, in seiner sich ändernden Amerikapolitik bestätigt 15 , ebenso wie durch den in Amerika tobenden politischen Kampf zwischen den Isolationisten und den Interventionisten. Während die Isolationisten, die mehrheitlich von der amerikanischen Bevölkerung und des Kongresses unterstützt wurden, für eine strikte Neutralität der USA und einen Rückzug aus der internationalen Politik eintraten 16 , waren die Interventionisten bestrebt, dafür zu sorgen, dass die USA ihre weltpolitische Verantwortung übernehmen sollten, um als Verteidiger der
12 Hillgruber, Andreas, „Deutsche Großmacht und Weltpolitik im 19. und 20. Jahrhundert“, Düsseldorf 1977, S. 201.
13 Roosevelt, Franklin. D., „The Public Papers and Address of Franklin D. Roosevelt“, New York 1941, S. 406 ff.
14 Junker, Detlef, „Franklin D. Roosevelt - Macht und Vision: Präsident in Krisenzeiten“, Göttingen 1979, S.114 ff.
15 Hönicke, Michaele, „NS-Deutschland und die Vereinigten Staaten von Amerika“, in: Larres, Klaus/Oppeland, Thorsten, Deutschland und die USA im 20. Jahrhundert - Geschichte der politischen Beziehungen, Darmstadt 1997, S. 69.
16 Gallup-Umfrageergebnis vom 18. September 1939: Should we send our army and navy abroad to fight Germany? Yes: 16%, No: 84%, in: The Gallup Poll. Public Opinion 1935-1957, Vol.I, 1935-1948, New York 1972, zitiert in: Junker, Detlef, „Kampf um die Weltmacht. Die USA und das Dritte Reich 1933-1945”, Düsseldorf 1988.
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Demokratie zu agieren. 17 Letzteren stand Roosevelt stets sehr nahe, er konnte jedoch mit Rücksicht auf die Mehrheiten in der Bevölkerung meistens nicht so handeln, wie es ihm seine Überzeugung gebot. Eine Ausnahme dafür stellt die bereits erwähnte Quarantänerede dar, die dem Geist des Isolationismus und dem Sinn der Neutralitätsgesetze völlig widersprach. Ein weiterer Umstand, der Hitlers Amerikabild stark beinflusste, bestand darin, dass er nie in einem angelsächsischen Land gewesen war und kein Englisch sprach. „[L]iberale Traditionen hielt er eo ipso für jüdisch, internationalistisch und für einen Frevel an der Menschheit. Sein Weltbild war europazentrisch, auf den europäischen Raum und die Landheere fixiert. Von den weltweiten Möglichkeiten der angelsächsischen Seemächte hatte er nie eine angemessene Vorstellung.“ 18
Nach dem Ausbruch des Krieges ging Hitler davon aus, dass „wir 1941 alle kontinentaleuropäischen Probleme lösen müßten, da ab 1942 (die) USA in der Lage wären, einzugreifen.“ 19 Daher war es sein Ziel, bis zu diesem Zeitpunkt den Krieg auf dem europäischen Kontinent zu Gunsten Deutschlands zu entscheiden und es zu einem europäischen Kontinentalimperium zu machen. Anschließend wollte er den schon vor dem Krieg angestrebten Ausgleich mit England erzielen, womit auch ein möglicher Kriegseintritt der USA verhindern werden sollte.
Zusammenfassend läßt sich sagen, dass Hitlers Abkehr von der vorsichtigen Amerikapolitik das Ergebnis eines gesteigerten Selbstbewusstseins der deutschen Reichsführung und einer Abwertung der amerikanischen Position war. Begünstigt wurde diese Einschätzung auf deutscher Seite einerseits durch einen erneuten wirtschaftlichen Abschwung besonders in den USA und andererseits durch die handelspolitischen Erfolge in Lateinamerika und Südosteuropa. Durch die Neutralitätsgesetzgebung und den öffentlichen Konflikt zwischen Isolationisten und Interventionisten musste Amerika den Eindruck erwecken, genug mit sich selbst beschäftigt zu sein. Der Unwille des Volkes, noch einmal in den Krieg ziehen zu müssen, stärkte die isolationistische Front. Mit Japan an der Seite glaubte Hitler, die USA in der westlichen Hemisphäre halten zu können, um genug Zeit zu gewinnen, sein Kontinentalimperium soweit zu errichten, dass er den USA in der Zukunft die Stirn bieten könne.
17 Cole, Wayne S., „Roosevelt and the Isolationists 1932-1945“, Lincoln 1983, S.363 ff.
18 Junker, „Kampf um die Weltmacht“, S. 23.
19 Schramm, Percy E. (Hrsg.), „Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmachtführungsstab) 1940-1945“, Bd. I, Bonn 1964, S.996.
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Oliver Radtke, 2003, Hitlers Kriegserklärung an die USA, 11. Dezember 1941, München, GRIN Verlag GmbH
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Thomas Zürn hat den Text Hitlers Kriegserklärung an die USA, 11. Dezember 1941 kommentiert
Oliver Radtke's Text Hitlers Kriegserklärung an die USA, 11. Dezember 1941 ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
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Rippentrop schrieb 1946 in dessen Biographie "Zwischen London und Moskau", daß er nach dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour versucht hätte, Hitler von einer deutschen Kriegserklärung an die USA abzuhalten. In einer Unterredung in der Reichskanzlei erklärte der Reichsaußenminister dem Führer, daß Deutschland gemäß den Bedingungen des Dreimächtepakts nicht verpflichtet wäre, Japan im Falle eines Kriegseintritts gegenüber einem Drittstaat beizustehen. Der mit Japan abgeschlossene Vertrag sei kein "Schutz- und Trutzbündnis" sondern lediglich ein defensiver Beistandspakt. Dem soll Hitler entgegnet haben: "Wenn wir jetzt den Japanern nicht beistehen, verzeihen sie uns das nie!" Weiter fügte Hitler hinzu: "Die Amerikaner schießen doch eh schon auf uns." Rippentrop hatte diese Aufzeichnungen unter schwierigen Bedingungen in seiner Haft im Nürnberger Kriegsverbrechergefängnis verfaßt. Es ist historisch unumstritten, daß Roosevelt trotz der offiziellen Neutralität einseitig die Gegner Deutschlands unterstützt hat. Die von Rippentrop an den amerikanischen Geschäftsträger in Berlin überreichte Kriegserklärung gab den Schießbefehl des US-Präsidenten vom 11. September 1941 auf deutsche Kriegsfahrzeuge als einen Kriegsgrund an. Erwähnt wurden die US-Zerstörer Greer, Kearny und Reuben James, die seit der Geltung des von Roosevelt verkündeten Befehls planmäßig auf deutsche Unterseeboote geschossen hatten. Auch hatte der amerikanische Präsident den Bestand dieses Angriffbefehls auf deutsche Schiffe und U-Boote am 27. Oktober 1941 ausdrücklich bestätigt. Andreas Hillgruber führt in dessen Habilitationsschrift "Hitlers Strategie" an, daß Roosevelt im August 1941 mit Mißmut die Ergebnisse von Meinungsumfragen entgegennahm. Gemäß einer Volksbefragung hatte eine Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung angegeben, daß sie eine Sympathie für den deutschen Angriff auf die kommunistische Sowjetunion empfände. Die deutschen Siege zu Beginn des Rußlandfeldzuges wurden von einer beachtlichen Zahl von US-Bürgern mit Wohlwollen vernommen, was Roosevelt sehr beunruhigt hat. Es ist ersichtlich, daß der US-Präsident alles Erdenkliche tat, um das Deutsche Reich zu einer Kriegserklärung zu provozieren. Rippentrop fügte dem hinzu, daß er den Schritt einer deutschen Kriegserklärung so lange wie möglich hinausgezögert hätte. Man muß in diesem Zusammenhang erwähnen, daß Japan zuvor bei dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion dem Deutschen Reich nicht gefolgt ist. Hitler erhielt vom japanischen Botschafter Ende Juni 1941 den Ratschlag, daß Deutschland die Westmächte bekämpfen solle. Im Zwang des Ablaufs der Kriegsereignisse, war der 11. Dezember 1941 kein irrationaler Wahnsinnsakt.
Thomas Zürn; Köln 2011
am Tuesday, October 04, 2011-