Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Beschreibung der Männer 4
2.1. Der Prinz (aus „Emilia Galotti“) 4
2.2. Graf Appiani (aus „Emilia Galotti“) 5
2.3. Mylord Seymour (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“) 6
2.4. Mylord Derby (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“) 7
2.5. Der Fürst (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“) 9
3. Beschreibung der Frauen 9
3.1. Emilia Galotti 9
3.2. Sophie von Sternheim 10
4. Es gibt Mensch- Mann und Mensch- Frau, welche verschiedenen Funktionen übernehmen sie
in der Gesellschaft? 11
5. Was ist Verführung? 12
6. Was hat es mit der Gestalt des Verführers auf sich? 13
7. Wie gestehen die Männer ihre Leidenschaften? Und wie werden die Frauen daraufhin
beschrieben ? 14
8. Was für eine Rolle hatte die Frau in der Verführung? Was für Konsequenzen musste sie
daraus ziehen und welche Möglichkeiten hatte sie? 15
9. Schluss 19
10. Literaturverzeichnis. 21
2
1. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Verführung und Verführbarkeit in den Werken „Emilia Galotti“ und der „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“. Vor allem geht es darum, was Verführung im 18. Jahrhundert bedeutete und was für Probleme sie für die Frauen aufwarf.
Doch bevor ich auf die Verführung eingehe, werde ich zuallererst die wichtigsten Charaktere vorstellen. Ich gliedere sie in die „Beschreibung der Männer“ und in die „Beschreibung der Frauen“, um dann auf die gesellschaftlichen Geschlechterrollen des 18. Jahrhundert einzugehen und darzustellen wie unterschiedlich sie definiert wurden. Dies ist deswegen von Bedeutung, um die Rolle der Frau zu begreifen, ohne die die Schwierigkeiten, die sich in der Verführung ergeben, nicht darzustellen wären. Erst dann werde ich auf die Verführung kommen, die so eingebettet verständlicher wird. Nach einer kurzen Definition über die Verführung, erläutere ich, was es mit der Gestalt des Verführers, in den beiden Werken auf sich hat und in Punkt sieben werde ich schildern, wie sich die Männer den Frauen annäherten bzw. wie die Frauen ab diesem Zeitpunkt beschrieben werden.
Zum Schluss komme ich zu den interessantesten Fragen, nämlich was für eine Rolle die Frau in der Verführung hatte, was für Konsequenzen sie daraus ziehen musste und welche Möglichkeiten sie hatte.
Wie wissend darf eine Frau sein und was für einen Unterschied macht es, ob ein Roman von einem weiblichen oder männlichen Autor des 18. Jahrhunderts geschrieben wurde? Was sind die Gründe warum die Frauen ihre wahren Gefühle nicht zeigen durften und religiöser erzogen wurden als Männer?
Warum konnten sich die beiden Frauen Emilia und Sophie nicht besser gegen ihre Verführer schützen und weshalb mussten sie zu Opfern werden? Dies sind die wichtigsten Fragen meiner Hausarbeit über die Verführung.
3
2. Beschreibung der Männer
2.1. Der Prinz (aus „Emilia Galotti“)
Der Prinz verkörpert eine oberflächliche, leichtlebige Natur. 1 Diese oberflächliche Einstellung wird auch durch die Leichtfertigkeit gekennzeichnet, mit der er ein Todesurteil unterzeichnen will. Er möchte alles aus dem Weg räumen, was ihn von seinem erotischen Vorhaben ablenken könnte. Der Prinz ist so auf Emilia fixiert, dass ihm für ihr Bildnis jede Summe recht ist, und auch für Emilia selbst ist er bereit jeden Preis zu zahlen. Dadurch degradiert er sie zur käuflichen Ware, die er „besitzen“ möchte.
Sein leidenschaftliches Interesse, für das Mädchen, findet Ausdruck in: „Ich war so ruhig, Bild ich mir ein, so ruhig - auf einmal muss eine arme Bruneschi, Emilia heißen: - weg ist meine Ruhe, und alles - “ 2
Emilia ist eine wohlbehütete Tochter aus gutem Hause und der Prinz weiß, dass es ihm nicht leicht gemacht werden wird. „Auch kenn ich ihren Vater. Er ist mein Freund nicht. Er war es. Der sich meinen Ansprüchen auf Sabionetta am meisten widersetzte.“ 3 Die Figur des Prinzen ist durchgehend widersprüchlich angelegt. Zur Charakterisierung wird das ganze Stück in Widerspruch gesetzt: „(…) Widerspruch von Staatsinteresse und Persönlichkeit, von Amt und Menschsein.“ 4 Als es zu zwei entgegengesetzten Versuchen kommt, Emilia zu gewinnen, setzt sich in der Figur des Prinzen der angelegte Gegensatz fort. Während er seine Machtmittel in Marinellis Hände legt, will er gleichzeitig selbst ein Gespräch mit ihr suchen. An die Seite der Intrige, des höfisch-politischen Mittels, tritt das menschliche Liebesgeständnis.
Durch seine egozentrische Schwärmerei überspringt der Liebhaber die Barrieren des guten Rufs und erschreckt Emilia in der Kirche. 5 So begeht er den Fehler, in der Kirche aus Zeitnot seine Liebeswerbung vorzubringen. "Mit allen Schmeicheleien und Beteuerungen konnt' ich ihr auch nicht ein Wort auspressen. Stumm und niedergeschlagen und zitternd stand sie da; wie eine Verbrecherin, die ihr Todesurteil höret. Ihre Angst steckte mich an, ich zitterte mit und schloß mit einer Bitte um Vergebung." 6
1 Nolle. S.302 Zeile 3
2 Lessing. I 1 S. 5 Zeile 19-22
3 Lessing. I 4 S. 9 Zeile 35
4 Schmitt-Sasse. S. 42 Zeile 2
5 Nolle. S. 306 Zeile 12
6 Lessing. III 3 S. 45 Zeile 30
4
Die Mutter erklärt Emilia daraufhin: 7 „Der Prinz ist galant. Du bist die unbedeutende Sprache der Galanterie zu wenig gewohnt." 8
2.2. Graf Appiani (aus „Emilia Galotti“)
Sein einziger Auftritt im 2. Aufzug 7. Auftritt verrät seine stolze, gerade Haltung. „Adelsrang, Reichtum und persönliche Vorzüge zeichnen den Grafen aus. Er ist ein Mann voller Ehre, den zu heiraten seine Braut in jeder Hinsicht glücklich machen kann.“ 9 Er zollt Emilias Vater nicht nur Respekt, sondern verehrt ihn noch dazu abgöttisch. „(...) Welch ein Mann, meine Emilia, Ihr Vater! Das Muster aller männlichen Tugend! Zu was für Gesinnungen erhebt sich meine Seele in seiner Gegenwart! Nie ist mein Entschluss immer gut, immer edel zu sein, lebendiger, als wenn ich ihn sehe - wenn ich ihn mir denke." 10 Die Ehre, dem Prinzen zu dienen, ist ihm weniger wichtig, als die Ehre Odoardos Sohn zu heißen. Er ist absolut nicht der Mann, der sich vom Prinzen etwas sagen lassen würde. Laut Emilias Vater ist Appiani tugendhaft und würdig ihr Ehemann zu werden. Die Aussage: „ Ich werde eine fromme Frau an ihnen haben; und die nicht stolz auf ihre Frömmigkeit ist" 11 , zeigt, dass Appiani, im Gegensatz zum Prinzen, nicht oberflächlich ist. Ihm ist es nicht wichtig wie Emilia gekleidet ist. Selbst am Hochzeitstag erscheint ihm dies nur zweitrangig. „Wer kann Sie sehen, Emilia, und auch auf ihren Putz achten?" 12
Auch will er sein Glück nicht länger am Hof suchen, sondern sein Glück soll die Verbindung mit Emilia ausmachen. Emilias Tugend, Gefühl, Witz und ihre ‘Frömmigkeit‘ 13 schätzt er höher ein, als die Gnade des Prinzen. Wäre es darauf angekommen, hätte der Graf Appiani Gewalt mit Gegengewalt beantwortet, er hätte gekämpft und sich nicht von der fürstlichen Autorität abschrecken lassen. In der folgenden Textstelle kommt dies zur Geltung: - Marinelli:" Tod und Verdammnis! - -Graf, ich fordere Genugtuung. " - Appiani:" Das versteht sich" - Marinelli:" Und würde sie gleich itzt nehmen (...)"
- Appiani:" Nach Massa freilich mag ich mich heute nicht abschicken lassen: aber zu einem Spaziergang mit ihnen hab ich Zeit übrig. - Kommen sie, kommen sie!"
7 Nolle. S. 312 Zeile 5
8 Lessing. II 7 S. 31 Zeile 12
9 Schmitt-Sasse. S.75 Zeile 15
10 Lessing. II 7 S. 32 Zeile 10-15
11 Lessing. II 7 S. 32 Zeile 26-28
12 Lessing. II 7 S. 32 Zeile 36
13 Lessing. II 7 S. 32 Zeile 29
5
- Marinelli:" Nur Geduld, Graf, nur Geduld." 14
„Mit Appianis Tod erweist sich die Hofpartie als übermächtig. Der Traum vom Landleben kann nicht realisiert werden, solange höfische Interessen ihm entgegenstehen.“ 15
2.3. Mylord Seymour (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“) „Die La Roche zeichnet in Seymour den Idealtypus eines im vollendeten Sinne
empfindsamen und tugendhaften Mannes, dessen „tötende Melancholie“ und unentschlossen - passive Haltung oft masochistische Züge tragen.“ 16
Seymour ist ein sehr emotionaler Mann. Sein Lehrer Doktor T** lehrte ihn, das wahre Gute und Schöne zu erkennen und zu lieben. „Ich wollte auch immer lieber sterben, als etwas Unedles oder Bösartiges tun." 17 Er begehrt Sophie von Sternheim nicht nur wegen ihres Äußeren, so schreibt er seinem Doktor T** in dem ersten Brief:" Erwarten Sie keine Ausrufungen über ihre Schönheit; aber glauben Sie mir, wenn ich sage, dass alle mögliche Grazien, deren die Bildung und Bewegung eines Frauenzimmers fähig ist, in ihr vereinigt sind: eine holde Ernsthaftigkeit in ihrem Gesichte, eine edle anständige Höflichkeit in ihren Bezeugen, die äußerste Zärtlichkeit gegen ihre Freundin, eine anbetungswürdige Güte und die feinste Empfindsamkeit der Seele." 18
Seymour liegt viel an seiner Tugend und so ist er auch versucht Fräulein Sternheims Tugend, ihre Ehre und ihre Annehmlichkeiten zu retten. „Niemals, niemals ist mein Herz so eingenommen, so zufrieden mit der Liebe gewesen!“ 19 Er befürchtet, dass das Fräulein Sternheim dem Fürsten zur Mätresse werden oder sie den Lord Derby rühren könnte. „Wenn er sie rührt, so ist mein Glück hin; ebenso hin, als wenn sie der Fürst erhielte; dann wenn sie einen Ruchlosen lieben kann, so hätte sie mich niemals geliebt.“
Seymour fühlt sich höchst elend und ist unsicher, was von seiner Seite weiter zu tun ist und so endet er den Brief an Doktor T** mit der Bitte, er möge ihm bald sagen, was er von ihm denkt und was er hätte tun sollen. 20 Auch macht ihn die ganze Zurückhaltung zu Fräulein Sternheim eifersüchtig auf Derby und den Fürsten, die ihre ganze Hochachtung zu erwerben suchen. "Ich mißgönnte Derbyn, sie gesehen und gehört zu haben." 21 Er selbst ist nur bemüht
14 Lessing. II 10 S. 38 Zeile 10-22
15 Schmitt-Sasse. S. 79 Zeile 7
16 Heidenreich. S. Zeile 24
17 La Roche. S.91 Zeile1
18 La Roche. S.91 Zeile 26-33
19 La Roche. S. 92 Zeile 7-9
20 La Roche. S.95 Zeile 24
21 La Roche. S. 106 Zeile 1
6
sie zu beobachten und eine untadelhafte Aufführung zu haben. 22 Durch seinen Eifer sagte er zu Derby: "Das Fräulein hat den edelsten und seltensten Charakter; wehe den Elenden, die sie zu verderben suchen!" 23
Lord Seymours Welt bricht zusammen, als er Fräulein Sternheims Gang in den Pfarrgarten und ihre darauf folgende Zufriedenheit missversteht. "Itzt hingegen verachte, verfluche ich diese Sternheim und ihr Bild. Ihre Reize und meine Liebe liegen noch in dem Grunde meiner Seele; aber ich hasse beide, und mich selbst, daß ich zu schwach bin, sie zu vernichten." 24 Und aus diesem Grunde wollte er sie nicht ohne "Erinnerung und Bestrafung" 25 lassen und machte "ihr bittere und heftige Vorwürfe über ihre Frechheit, sich mit so viel Lustigkeit in ihrem schändlichen Putz zu zeigen." 26
Ab diesem Augenblick ist Seymours "Gemütszustand nicht zu beschreiben; gefühllos, geistlos, mißvergnügt, unruhig." 27
2.4. Mylord Derby (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“)
Derby ist galant, skrupellos und intrigant. Für ihn sind Frauen austauschbar, gerade der Wechsel macht es für ihn aus. Er ist sich sicher, schon jede Art Frau gehabt zu haben, bis auf ein so gut erzogenes, tugendhaftes Mädchen, wie Sophie.
Aus diesem Grund macht er es sich zur Aufgabe, auch sie zu erhalten und alle seine Nebenbuhler zu zerstören. "Du weißt, daß ich der Liebe niemals keine andre Gewalt als über meine Sinne gelassen habe, deren feinstes und lebhaftestes Vergnügen sie ist. Daher war die Wahl meiner Augen immer fein, daher meine Gegenstände immer abgewechselt. Alle Klassen von Schönheiten haben mir gefrönet (...)" 28 Nur für ihn soll Sophie von Sternheim geblüht haben, das sei festgesetzt; all seinem Verstand ist aufgeboten, ihre schwache Seite zu finden. 29 Am Beginn des zweiten Briefes an seinen Freund in Paris, wird deutlich, dass er eine Intrige geplant hat, um Sophie zu besitzen. „Du bist begierig den Fortgang meiner angezeigten Intrige zu wissen." 30 (…) "Besitzen muss ich sie, und das mit ihrer Einwilligung." 31 Er behandelt sie wie einen Gegenstand und nennt sie auch in seinem Brief an Mylord B**
22 La Roche. S.104 Zeile 6-8
23 La Roche. S.106 Zeile 4
24 La Roche. S. 145 Zeile 7-11
25 La Roche. S. 204 Zeile6
26 La Roche. S. 204 Zeile 31-33
27 La Roche. S. 205 Zeile 7
28 La Roche. S.100 Zeile 23-28
29 La Roche. S. 101 Zeile 15-17
30 La Roche. S. 119 Zeile 1
31 La Roche. S. 120 Zeile 1
7
"Täubchen", das noch nicht kirre genug sei, um das Feuer seiner Leidenschaft in der Nähe zu sehen. 32 „Rasend dachte ich, Sehnsucht und Liebe in ihr gesehen zu haben, die einen Abwesenden zum Gegenstand hatten; aber ich schwur mir, sie mit oder ohne ihre Neigung zu besitzen. Wenn sie Liebe, feurige Liebe für mich bekömmt so kann es sein, dass sie mich fesselt; aber auch kalt soll sie mein Eigentum werden." 33
All dies macht deutlich, dass Mylord Derby keine guten Absichten mit Sophie hegt und er in D* eine Intrige spinnt, damit kein anderer von Sophie "Besitz" ergreifen kann. Er sieht in ihr eine Trophäe, die er ganz für sich alleine haben muss.
Im Verlauf des Briefes an Mylord B** beschreibt er Sophie von Sternheim auch als “seine Göttin”. 34 Der Hauptgegenstand seiner Intrige ist das “Wohltätigkeits- Verhalten”. Doch durch dieses Vorhaben erschreckt er seine Göttin bei der Familie T*: „Ehe sie sich von ihrem Erstaunen mich zu sehen erholen konnte, war ich zu ihren Füßen; machte in unserer Sprache einige lebhafte Entschuldigungen wegen des Überfalls, und wegen des Schrecken, den ich ihr verursacht, aber es sei mir unmöglich gewesen noch länger zu leben, ohne ihr das Geständnis der lebhaftesten Verehrung zu machen” und durch die List, sie von D zu befreien, indem er bereit sei sein Leben und alles zu ihrem Dienste aufzuopfern. 35 Dass er sich seines Ziels gewiss ist kommt zum Ausdruck, als er in seinem fünften Brief an Mylord B** in Paris schreibt: „Meine letzten Vorschläge müssen etwas fruchten, denn mit allen ihren strahlenden Vollkommenheiten ist sie doch - nur ein Mädchen.” 36 Durch den Erfolg, Sophie für sich zu gewinnen, verliert er den Respekt ihr gegenüber. Ziemlich gehässig erzählt er seinem Pariser Freund, in seinen sechsten Brief, über Sophie: „Warum haben doch gute Leute so viel schafmäßiges an sich, und warum werden die Weibsbilder nicht klug, ungeachtet der unzähligen Beispiele anderer Schelmereien, welche sie vor sich haben? Aber die Eitelkeit beherrscht sie unumschränkt, dass eine jede glaubt, sie hätte das Recht eine Ausnahme zu fodern, und sie sei so liebenswürdig, dass man unmöglich nur seinen Spaß mit ihr treiben könne.” 37 Mylord Derbys Charakter ist geprägt von Egozentik, Kontrolle und krankhafter Besitzergreifung.
32 La Roche. S. 121 Zeile 22-24
33 La Roche. S. 121 Zeile 29-35
34 La Roche. S.124 Zeile 13
35 La Roche. S.190 Zeile 17
36 La Roche. S. 192 Zeile 34-36
37 La Roche. S. 195 Zeile 22-29
8
2.5. Der Fürst (aus „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“)
Der Fürst von D hat an Sophie von Sternheim nur insoweit Interesse, dass er sie als seine Mätresse erhalten will. Er ist so überwältigt von ihrer Tugendhaftigkeit und ihrer Ehre, dass er bereit ist alles für sie zu tun. „Er versicherte sie, dass seine Liebe alles in der Welt für sie tun würde, was in seiner Gewalt stünde.“ 38
Lord Seymour beschreibt die Begegnung der Sternheim und des Fürsten, als lüsterndes Auge des Fürsten und Anmut von Seiten des Fräuleins von Sternheim.
Der Fürst “affektierte viel von ihrem Vater zu sprechen.” 39 wohl um ihr zu gefallen, doch sie “soll kurz und in einem gerührten Tone geantwortet haben.” 40
3. Beschreibung der Frauen
3.1. Emilia Galotti
Emilia ist, laut dem Künstler Conti, eine bildschöne Frau. Er beschreibt sie mit den Worten: „Dieser Kopf, dieses Antlitz, diese Stirn, diese Augen, diese Nase, dieser Mund, dieses Kinn, dieser Hals, diese Brust dieser Wuchs, dieser ganze Bau, sind, von der Zeit an, mein einziges Studium der weiblichen Schönheit.” 41 “Die Schönheit ist es auch, die den Prinzen herausfordert.” 42
Lessing stellt Emilia Galotti als unschuldiges Geschöpf dar, die noch nicht verführt worden ist. Laut ihrem tugendhaften Vater und ihrem zukünftigen Ehemann hat sie eine anständige Erziehung hinter sich.
“Ich werde eine fromme Frau an ihnen haben, und die nicht stolz auf ihre Frömmigkeit ist.” 43 Dies sind die Worte des Grafen Appiani.
“Selbst Marinelli kann nicht umhin, Tugend, Gefühl und Witz an Emilia hervorzuheben, wenn auch mit abwertenden, ironisierenden Unterton.” 44
Emilia ist eine Gestalt mit extremer Schwäche, aus Mangel an Selbstvertrauen vor dem Bruch ihrer anerzogenen Tugendvorstellung 45 und vor einem möglichen künftigen Verschulden. 46 Dass Emilias Liebe zu Appiani unzweifelhaft ist, sieht man daran, dass sie ihn schon an
38 La Roche. S.188 Zeile 1
39 La Roche. S. 94 Zeile 35
40 La Roche. S. 94 Zeile 36
41 Lessing. I, 4; S. 11 Zeile 6-10
42 Nolle. S. 323 Zeile 10
43 Lessing. II 7, S.32 Zeile 27-29
44 Nolle. S. 323 Zeile 21-23
45 Neuß. S. 196 Zeile 10
46 Neuß. S. 197 Zeile 7
9
seinem Gang erkennt und sie sich ganz genau an die erste Begegnung mit ihm erinnert. Ein höherer Ausdruck erotischer Leidenschaft wäre für ein so gesittetes Mädchen kaum angemessen. 47
3.2. Sophie von Sternheim
Sophie von Sternheim wird als vorbildhafte Identifikationsfigur dargestellt. 48 Sie bekam eine gute und gesegnete Erziehung, da ihr Vater, seinen bürgerlichen Prinzipien entsprechend, Wert auf eine gründliche Erziehung seiner Tochter legte. 49 Sophie entspricht dem „empfindsamen Frauenbild“, ihre Erziehung ist am Ausgleich zwischen Kopf und Herz orientiert, als auch an der Fähigkeit zur sittlichen Empfindung. 50 Die größte Befürchtung des sterbenden Vaters war, “dass das edeldenkende Herz des besten Mädchens durch keine Scheintugend hingerissen werde.” 51 Diese Gefahr sieht er wegen ihrer Empfindsamkeit und besonders wegen ihrer Liebe. “Unglücklich wird keine menschliche Seele durch sie gemacht werden; denn ich weiß, dass sie dem Wohl ihres nächsten tausendmal das Ihrige aufopfern würde.” 52 „Aber da sie lauter Empfindung ist, so haben viele, viele die elende Macht, sie zu kränken. 53 Am Hofe von D wird Sophie für lächerlich und ernsthaft gehalten, weil sie sagt, was sie denkt und empfindet. Auch deswegen fühlt sie sich in D unnütz und bereut, sich für diese Reise überreden lassen zu haben.
Vor allem die Blicke des Fürsten sind es, die Sophie in D verabscheut. „Der bitterste Schmerz durchdrang mich bei dem Gedanken, der Gegenstand so häßlicher Blicke zu sein.” 54 Für Sophie sind „gute Handlungen viel ruhmwürdiger (…) als die feinsten Gedanken.” 55 Mit diesen Grundsätzen, und mit diesen Neigungen kam sie in die große Welt. “Der Durst nach Ergötzlichkeiten, nach neuem Putz, nach Bewunderung eines Kleides, eines Meubles, einer neuen schädlichen Speise” 56 erfüllt sie mit Verachtung und Mitleiden. 57 Sophie von Sternheim ist eine schöne Frau, die in D von ihrem Friseur, dem Schneider und Putzmacher umschmeichelt wird. Sie selbst behauptet: „wie froh bin ich, mit keiner
47 Neuß. S. 198 Zeile 3
48 Nenon. S. 79 Zeile 10
49 La Roche. S. 53 Zeile 5-8
50 Nenon. S. 82 Zeile 7
51 La Roche. S. 53 Zeile 18
52 La Roche. S. 53 Zeile 24-27
53 La Roche. S. 53 Zeile 29-31
54 La Roche. S. 98 Zeile 20-23
55 La Roche. S. 107 Zeile 24-35
56 La Roche. S. 109 Zeile 25-28
57 La Roche. S. 109 Zeile 24
10
besonderen Schönheit bezeichnet zu sein; weil ich diese Art von Ekel für allgemeinem Lob in mir fühle.” 58
4. Es gibt Mensch- Mann und Mensch- Frau, welche verschiedenen Funktionen übernehmen sie in der Gesellschaft?
Die Frau erfährt eine andere Bestimmung von Menschlichkeit als der Mann. Zwischen Mensch- Mann und Mensch- Frau bestehen unterschiedliche Definitionen. Die Arbeitsproduktivität, d.h. die produktive Tätigkeit des Menschen, wird den Männern zugeschrieben, während die Frauen die biologische Fähigkeit besitzen, nämlich “menschliches Leben zu produzieren.” 59 “Indem die gesellschaftliche Nützlichkeit der Frau in ihrer biologischen Besonderheit gesehen wird, bekommt die naturhafte Seite ihres Wesens eine ganz andere Bedeutung als beim Naturwesen Mann.” 60
Die Polarisierung von ‘Welt’ und ‘Heim’ wurde verknüpft mit derjenigen von Mann und Frau: Die ‘natürliche’ Sphäre des Mannes sei draußen in der Welt, die der Frau drinnen im Heim angesiedelt. 61 Der Lebenszweck der Frau bestand darin, dem Mann zu gefallen und alle ihre Geistesgaben und Fähigkeiten für ihre Hausfrauen- und Mutterrolle in der patriarchalisch geleiteten Familie auszubilden und zu verwenden. 62 Während Männern die kulturelle und politische Gestaltung im öffentlichen Bereich zukam. 63
Die menschliche Bestimmung der Frau fällt mit ihrer Kreatürlichkeit zusammen, d.h. ihr Menschsein verdient sie sich im Wesentlichen durch ihre geschlechtliche Bestimmung, ein Reichtum an menschlicher Arbeitskraft zu produzieren. Da die Frau somit auf ihre biologische Natur beschränkt werden soll, bezieht sich auch ihre Moral auf ihr geschlechtliches Verhalten. Der Mann wird dagegen unter dem Aspekt seiner intellektuellen Vervollkommnung betrachtet.
“Da die Frau physisch schwächer ist als der Mann, kann sie von ihm unterdrückt werden.” 64 Dadurch wird die Frau in der Gesellschaft zur Sklavin und wie Grund und Boden, zum Eigentum des Mannes. Ihre Aufgaben sind es, sich zu vermehren und das Kind zu nähren und nicht zu verlassen, bevor es nicht ihre Pflege entbehren kann.
58 La Roche. S. 62 Zeile 30-34
59 Steinbrügge. S. 35 Zeile 11
60 Steinbrügge. S. 36 Zeile 36-39
61 Garbe. S. 19 Zeile 14-16
62 La Roche. S. 405 Zeile 30-34
63 Hausen. S. 85 Zeile 31
64 Garbe. S. 98 Zeile 1
11
Maßstab der “Natürlichkeit” der Frau ist, der bei ihr ausgeprägte Mutterinstinkt. Dennoch bleibt die Funktion des Weiblichen in der idealen Gesellschaft undeutlich und beschränkt.
5. Was ist Verführung?
‘Verführung’ bedeutet, nach dem Rechtswörterbuch Creifelds;” das Geneigtmachen zum Verkehr 65 unter Überwindung eines inneren Widerstands durch sinnliche Erregung oder andere Mittel.” 66 Im Grunde also eine Überredung das andere Geschlecht für seine eigenen Ziele zu gewinnen. In den seltensten Fällen ist jedoch die Liebe das Ziel. In dem Drama “Emilia Galotti” und dem Roman „Geschichte des Fräulein Sternheim” wird die Verführung der Frauen durch Intrigen gesponnen. Sprich, die Verführer gehören nicht zu den tugendhaftesten Figuren dieser Werke. Jakob und Wilhelm Grimm charakterisieren in ihrem “Deutschen Wörterbuch” das Wort ‘Verführung’ mit “ableiten, Ablenkung vom eingeschlagenen Weg”. 67 D.h. also „den anderen von seiner Wahrheit abbringen.“ 68 Dies wird in den beiden Werken dadurch deutlich, dass beide Frauen innerlich mit ihrer Tugend kämpfen, aus Angst der Sittlichkeit nicht zu widerstehen und somit der Sinnlichkeit zu verfallen. Der Tugend treu zu bleiben wird zum scheinbar unlösbaren Problem. Fräulein Sternheim bleibt, um von dem Hof von D** wegzukommen und ihre Tugend zu retten, nichts anderes übrig als Derby zu heiraten und mit ihm D** zu verlassen. Sie verfällt, zu diesem Zeitpunkt noch unbewusst, der Sinnlichkeit und Verführungskünste des Derbys. Anders lässt sich ihre Tugend für sie nicht retten. Emilia muss sogar sterben, weil ihr der Sieg ihrer Tugend nicht mehr möglich erscheint.
Die Verführer haben somit erreicht die Frauen von ihren tugendhaften, religiösen Wegen abzubringen. Emilia weiß, dass sie sich nur noch durch den Tod retten kann, da der Prinz sie dazu zwingt, sich entscheiden zu müssen, entweder gewaltvoll aus dem Leben zu gehen, oder ihre Tugend zu verlieren. Und so ruft sie im 5. Aufzug 7. Auftritt verzweifelt aus, dass Verführung die wahre Gewalt sei.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Verführung ist, der des verführen lassens. Wer sich nicht verführen lässt, kann auch nicht verführt werden. Verführen und verführt werden fügen sich zu einem ‘Verführungskomplex’ zusammen. 69
Interessant daran ist die vom Verführer ausgehende Aktion der Liebeswerbung und die
65 gemeint ist wohl der Geschlechtsverkehr.
66 Nolle. S. 8 Zeile 1-4
67 Nolle. S. 8 Zeile 12
68 Baudrillard. S. 113 Zeile 24
69 Nolle. S. 9 Zeile 15
12
Reaktion der zu Verführenden. In den beiden Werken handelt es sich ausschließlich um die noch den Erfolg suchende Handlungsweise der Werbung. Die Männer arbeiten und tasten sich an die Frauen heran, es entsteht also in erster Linie ein Verführungsversuch. Dazu gehört unter anderem die regelmäßige Information, dass die Herzensdame noch nicht verführt worden ist. Die ‘Noch- Nicht- Verführte’ steht also auf der Probe; durch die Liebeswerbung erfolgreich verführt zu werden, oder es eskalieren zu lassen. 70
6. Was hat es mit der Gestalt des Verführers auf sich?
Der Verführer macht sich selbst zu einem irreführenden Köder, um Verwirrung zu stiften, doch dieses Täuschungsmittel nimmt die Form des Kalküls an, und wird zur Strategie. 71 Mylord Derby verfährt auf diese Weise. Er spielt Sophie einen tugendhaften Mann vor, um sie zu täuschen. Anfangs hält sie in für weniger tugendhaft als Mylord Seymour d.h., dass sie Lord Derby zu Beginn noch „richtig“ einschätzt, um dann, durch die Täuschung, beeinflusst zu werden.
Derby hält sich für den Meister des Spiels, obwohl er damit selbst zum Opfer des Mythos der Strategie wird. Alles was er möchte ist Sophie von Sternheim zu besitzen. Als er dann sein Ziel erreicht hat, ist er enttäuscht wie wenig Leidenschaft sie ihm entgegen bringt. Doch er hat sich selbst betrogen, weil er sie hauptsächlich nur besitzen wollte, damit kein anderer sie haben kann. „Aber mein schöner Traum verflog durch die Beobachtung, dass sie bei den zärtlichsten Stellen, die sie am besten sang, nicht mich, sondern mit hängenden Kopfe die Erde ansah, und Seufzer ausstieß, welche gewiss nicht mich zum Gegenstand hatten. (…) Hundert Kleinigkeiten, und selbst die Mühe, die es sie kostete, zärtlich und fröhlich zu sein, überzeugten mich, dass sie mich nicht liebte.“ 72 So ist er selbst zum Opfer seines Spiels geworden. Er war besessen von dem anmutigen Wesen und dadurch wurde „sie zum grausamen Spieleinsatz einer Herausforderung: sie muß verführt werden, sie muss zerstört werden, da sie es ist, die von Natur aus mit aller Verführung begabt ist.“ 73 Der zugrunde liegende Spieleinsatz ist, dass man der Natur nicht das letzte Wort lassen kann. Lord Derby und der Prinz wollen durch diesen Spieleinsatz die beiden Frauen mit ihrer verteufelt unmoralischen Anmut zu Fall bringen. Sie versuchen sie, im Verlaufe der Werke, durch eine weise Taktik bis zur erotischen Hingabe zu führen, damit sie aufhören, für die Männer, eine gefährliche Macht zu sein.
70 Nolle. S. 12 Zeile 7-9
71 Baudrillard. S. 136 Zeile 5-8
72 La Roche. S. 221 Zeile 9-23
73 Baudrillard. S. 137 Zeile 11-14
13
Den jungen Frauen werden nicht die geringsten Chancen im Verführungsspiel überlassen, sie scheinen wehrlose Objekte zu sein. „Der Verführer selbst ist also nichts, die Verführung geht ganz von den jungen Frauen aus.“ 74 Das Opfer kann sich nicht der Unschuld rühmen, da es eine Herausforderung an sich selbst darstellt, die nur durch seinen Tod beglichen werden kann, oder durch seine Verführung, die einem Mord gleichkommt. Emilia rettet sich vor der Verführung des Prinzen in den Tod und macht ihn dadurch zum Opfer seiner eigenen Intrige. Er konnte sie nicht verführen und auch nicht besitzen. Er ist also gescheitert. Auch Derby musste zum Opfer werden, da er Sophies Leidenschaft nicht erwerben konnte und sie dann verbannen musste. Er wollte sie umbringen lassen, da sie eine solch große Gefahr für ihn darstellte. Er konnte es nicht verkraften, sie nicht verführt zu haben.
7. Wie gestehen die Männer ihre Leidenschaften? Und wie werden die Frauen daraufhin beschrieben?
Das Repertoire an Verhaltensweisen eines Verführers umfasst eine breit gefächerte Skala, die von zärtlichen Liebesgeflüster bis zu brutaler Vergewaltigung reichen kann. Die Verhaltensweisen die sich Derby und der Fürst in “Fräulein Sternheim” und der Prinz in “Emilia Galotti” zunutze machen, sind unter anderem, um eine Reihe davon aufzulisten; Schmeicheleien, Komplimente, Liebesgeständnisse, Liebesschwüre, Beteuerungen, Versprechungen, Schwindeleien, falsche Freundlichkeiten, Verlockungen und Bitten. 75 Die Bemühungen des Verführers und die Verhaltensweisen der zu Verführenden stehen nicht isoliert im Raum, sondern im Umfeld von Moral und Unmoral. 76 “Es liegt im Wesen des Verführers, nie direkt zu führen, sondern indirekt auf Um- und Schleichwegen, in der Methode des Betrugs und der zweideutigen (…) Rede.” 77
Emilia stürzt mit ängstlicher Verwirrung nach Hause, nachdem sie den Prinzen in der Kirche getroffen hat und er ihr seine Liebe gestanden hat. „Wohl mir! Wohl mir! Nun bin ich in Sicherheit. Oder ist er mir gar gefolgt?” 78 Sie ist verwirrt und zittert am ganzen Körper, so als sei sie durch dieses Geständnis bedroht worden. “Was hab ich hören müssen?” fragt sie ihre Mutter, die sie zuhause empfängt. Dass der Prinz sie beim Namen nannte fürchtete sie “o dass laute Donner mich verhindert hätten, mehr zu hören! - Es sprach von Schönheit und Liebe.” 79 Auch Sophie wurde durch Mylord Derby, der ihr von Liebe sprach, erschreckt:” Ich mag
74 Baudrillard. S. 138 Zeile 3
75 Nolle. S. 13-14 Zeile 21-24, 1-4
76 Nolle. S. 20 Zeile 29-31
77 Nolle. S. 21 Zeile 1-4
78 Lessing. II 6; S. 27 Zeile 8-10
79 Lessing. II 6; S.28 Zeile 21
14
zärtlich und gerührt ausgesehen haben; der Ton meiner Stimme stimmte zu diesen Zügen. Aber Lord Derby erschreckte mich beinahe durch das Feuer, mit dem er mich betrachtete, durch den Eifer und die Hastigkeit, womit er mich bei der Hand faßte, und auf Englisch sagte: „Gott! Wenn die Liebe einmal diese Brust bewegt, und diesen Ausdruck von zärtlicher Empfindung in diese Gesichtszüge legt, wie groß wird das Glück des Mannes sein, der --” In diesem Augenblick musste er wohl Sophies Furcht gesehen haben, denn er hielt schlagartig inne. Eine Furcht die sich mit Überforderung gleichsetzen ließe. Sophie hatte nicht die Absicht eine solche Rührung hervorzurufen und auch keinesfalls sie anzuhören. Sie genoss einfach nur die Ruhe mit stiller Zufriedenheit. Nicht im Entferntesten hätte sie mit solch einem Geständnis gerechnet, noch damit rechnen können. Leidenschaft war, nicht nur in dieser Situation das Letzte, an das diese tugendhafte Lady dachte. So kann jeder die Überforderung und den Schrecken nachvollziehen, welche dieses Geständnis mit sich brachte. „Jetzt nehmen also Männer Vokabeln wie strömen, fluten, Auflösung, Tiefe in den Mund. Was ist geschehen? Sind plötzlich die Männer ins Reservat der Frauen eingefallen und versuchen, ihnen nun auch noch die letzte Eigenart, die letzte Besonderheit zu stehlen?“ 80 Nun rückt also die Zeichenproduktion in den Blick der Kunst der Verführung. Die Redekunst bestimmt bis dahin „den Liebesdiskurs, insofern es ihr um Wirkung, nicht um Wahrheit, geht.“ 81
Dies wird vor allem dadurch deutlich, dass die Verführer der beiden Werke aus dem höfischen stammen, zu dessen Sphäre taktische Verstellung, Simulation und Dissimilation gehören. 82 Wo Wahrheit und Moral in diesem Sinne fehl am Platz sind.
8. Was für eine Rolle hatte die Frau in der Verführung? Was für Konsequenzen musste sie daraus ziehen und welche Möglichkeiten hatte sie?
Verliert die junge Frau durch die Verführung ihre Unschuld bereits dann, wenn der “falsche” Mann sie begehrt, oder er sie über sein Begehren informiert? Verlieren Emilia und Sophie allein schon deshalb ihre Unschuld?
Moralische Unschuld wurde im 18. Jahrhundert mit weiblicher Unberührtheit und Unwissenheit gleichgesetzt, d.h. dass eine wissende, junge Frau sich gegen ihren Verführer schützen kann, aber gleichzeitig, da sie nicht mehr unwissend ist, ihre Unschuld, im eigentlichen Sinne, schon verloren hat. “Die junge Frau muss zwar Erfahrungen sammeln,
80 Gambaroff. S. 179 Zeile 1-6
81 Vedder. S. 8 Zeile 8
82 Vedder. S. 8 Zeile 23
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darf aber daran keinen Schaden nehmen.” 83 Anerzogene weibliche Beschränktheit und Schüchternheit wurden zu Schamhaftigkeit naturalisiert und in weibliche Bescheidenheit, Zurückgezogenheit, Schicklichkeit und Anständigkeit positiv umgedeutet. 84 Die Frau ist abhängig; da sie nicht in sich selbst das Prinzip der Moralität hat, muss sie dressiert werden; sie kann nicht, wie der Mann “wissend” sein. Das heißt also, dass sich das moralische Gesetz nicht ausschließlich in ihr festigt, sondern immer auch zugleich außerhalb von ihr im Urteil der Männer. 85
Das Hauptproblem des weiblichen Geschlechts ist, dass sie Umgang mit Männern pflegen soll, ohne aber den Pfad der Tugend zu verlassen. Und gewiss ist, dass jede Frau, selbst die tugendhafteste, nur einer Erweckungserfahrung bedarf, um ihre innere Sinnlichkeit ausbrechen zu lassen. Wissen käme also einem gefährlichen Wecken gleich. Männer und Frauen haben von Natur aus die gleichen Begierden, die Frau darf aber, im Vergleich, ihre Gefühle nicht offen zeigen und ist somit gezwungen immer zu fliehen, um den Schein zu wahren. Wenn sich aber die Frau immer zurückzieht und die Männer abweisen soll, egal ob sie nun Interesse an ihnen hat oder nicht, so kann jede Zurückweisung der Frau als Aufforderung verstanden werden. Da stellt sich die Frage was die Frauen wirklich wollen. Wollen Emilia und Sophie ihre Verführer, dürfen es aber der Sittlichkeit halber nicht zeigen? Ist ihr Rückzug eigentlich eine taktische Offensive? 86
Bei Sophie von Sternheim können wir ruhigen Gewissens behaupten, zu wissen was sie will, da ihre Briefe an ihre Freundin Emilia offen und ehrlich sind. „Darüber hinaus ist es Sophie von La Roche (…) gelungen, eine Übereinstimmung der für den Leser erkennbaren Fähigkeiten der Figuren mit den in den Briefen gezeigten Ausdrucksmöglichkeiten zu erzielen. Dies bedingt den Eindruck einer größeren Natürlichkeit im Verhältnis zu zeitgleichen deutschen Briefromanen und lässt die Briefe wahrscheinlicher wirken.“ 87 Sophie muss sich also weder während dem schreiben noch vor ihrer Freundin sittlich verstellen. Ihre Absichten und Motivationen kennen wir so, als wären es unsere eigenen. Bei Emilia Galotti fällt dies jedoch schwerer.
Nun kommt die Frage auf, ob es einen Unterschied macht, ob hinter den Werken ein männlicher, oder ein weiblicher Schriftsteller steht. Wie viel eine Frau, bewusst oder unbewusst, preis geben möchte und wie viel der Mann absichtlich verborgen hält.
83 Marx. S. 274 Zeile 4
84 Marx. S. 284 Zeile 8-11
85 Garbe. S. 16 Zeile 32-37
86 Marx. S. 276 Zeile 15
87 Langner. S. 52 Zeile 9
16
Die literarischen Weiblichkeitsentwürfe der Männer werden als Wunschbilder gesehen, die nichts mit der Realität der Frau zu tun haben. D.h. also, dass der männliche Autor aus der realen Welt flüchtet, da er an der Realität nichts ändern kann und durch sie auch nichts an dem Mangel, den er im zwischenmenschlichen und an den Frauen spürt. Er zieht es also vor, sich in Illusionen zu flüchten bzw. sie sich zu erschaffen.
Eine häufig anzutreffende feministische These lautet daher, dass die Frauenbilder in Texten männlicher Autoren nicht etwa Abbilder realer Verhältnisse oder realer Frauen seien, sondern “Männerphantasien. 88 ” Die Analyse solcher Frauenbilder, hat folglich die ihnen zugrunde liegenden Wünsche und Ängste ihrer männlichen Schöpfer zu entziffern. Der Mann kompensiert das Bild der Frau mit vielen Erfahrungen realen Mangels. Negative Gefühle, wie Hass und Rachegelüste, die aus Kränkungen und Abweisungen entstehen und in diesen idealisierten Beziehungen keinen Raum haben, werden an schwachen, ohnmächtigen und unschuldigen Frauen ausgelebt. 89 Doch dieses Bild der fiktiven Frau schränkt das Leben der realen Frau ein, es hemmt ihre menschlichen Entfaltungsmöglichkeiten. Die wirklichen Frauen schaffen es dabei nicht den Idealbildern jemals zu entsprechen. Diese Idealbilder sollten nämlich “Hure und Madonna zugleich” 90 sein, was eine unmögliche Konstruktion ist.
Die Literatur erscheint damit als ein zentrales Medium zur Vermittlung patriarchalisch geprägter Geschlechtsideologien, als herausragende Produktionsstätte jener ’sexistischen’ Frauenbildern. Während die Texte männlicher Autoren prinzipiell unter Ideologieverdacht stehen, sucht man in den Texten von Frauen umgekehrt nach Spuren authentischer weiblicher Erfahrung. 91
So wie bei “Sophie von Sternheim”. Sophie von La Roche schuf ‘Sophie’, um die Frauen dadurch etwas zu lehren. Sie erfand sie “für sie und mich - und, wenn Sie, wie ich hoffe, die Art zu denken und zu handeln dieser Tochter meines Geistes gutheißen, für unsere Kinder (…)” 92 „da ich dem Verlangen nicht widerstehen konnte, allen tugendhaften Müttern, allen liebenswürdigen jungen Töchtern unsrer Nation ein Geschenke mit einem Werke zu machen, welches mir geschickt schien, Weisheit und Tugend unter ihrem Geschlechte und selbst unter dem meinigen, zu befördern.” 93 Dies schrieb der Herausgeber Wieland, der den Roman aus derselben Motivation publizieren wollte, wie die Schriftstellerin selbst.
88 Garbe. S. 22 Zeile 34-36
89 Garbe. S. 25 Zeile 28-31
90 Garbe. S. 26 Zeile 27
91 Garbe. S. 71 Zeile 8-12
92 La Roche. S. 9 Zeile 30
93 La Roche. S. 10 Zeile 5-12
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Nun zurück zu der Frage, ob die Zurückweisung der Frau als Aufforderung verstanden werden kann. Eigenes Begehren dürfen die beiden jungen Frauen nicht zum Ausdruck bringen, d.h. “dass die Frau sich zeigen muss, ohne zu zeigen, dass sie sich zeigt.” 94 Die Männer bzw. die Verführer können also nicht mehr den Unterschied zwischen Abweisung und sich- zieren der Frau unterscheiden.
Sophie von Sternheim kann somit dem Derby nur zum Opfer fallen, da sie sich dem Seymour und ihren wahren tugendhaften Gefühlen nicht zeigen darf. Unvermeidbar ist auch ihre Entscheidung Derby zu heiraten, was sie für tugendhafter hält, als am Hof zu bleiben. Gerade ihrer Unwissenheit wegen, kann sie die Intrige des Derbys nicht erkennen, mit der er sie zu verführen versucht. Und auch Emilia macht die Unwissenheit zum Opfer, denn dadurch weiß sie sich nicht zu wehren, was ihr auch ihre Mutter Claudia vorhält, in dem sie sagt:” Der Prinz ist galant. Du bist die unbedeutende Sprache der Galanterie zu wenig gewohnt.” 95 Dadurch, dass es für die Frauen ein Verbrechen wäre ihre Begierden auszuleben, wenden sie sich mit ihren Gefühlen einer anderen Welt zu.
Fakt ist, dass Frauen zu allen Zeiten religiöser gewesen sind als Männer. „Diese Religiösität von Frauen ist der Einsatz für nicht ausgelebte Gefühle und Leidenschaften.” 96 Die Tugendhaftigkeit der beiden Frauen, Sophie und Emilia, ist also dadurch bestimmt, dass die Frauen ihre Leidenschaftlichkeit nur zum Nutzen des Gemeinwesens ausleben sollen. „Der enge Zusammenhang von bedingungsloser Leidenschaftlichkeit und unmittelbar mitmenschlichem Handeln wird nämlich ausdrücklich betont.” 97 Zum Ausdruck kommt dies vor allem bei LaRoche’s Sophie, die von ihren Mutterinstinkten beeinflusst, sich den Kindern widmet und diese lehrt. “Sie wird auch gerührt, aber zum Mitleiden für die Armen; und diese Bewegung ist so stark, dass sie Gesellschaft und Freuden verläßt, um ein Werk der Wohltätigkeit auszuüben.” 98 Dies schreibt Mylord Derby in seinem Brief an seinen Freund B**. Man könnte sogar behaupten, dass ohne die unmittelbare Mitmenschlichkeit der Frauen, das Gesellschaftsgefüge nicht funktionieren würde. Dass die weibliche Menschlichkeit die Schäden männlicher Zweckrationalität kompensiert. 99
Doch das Erleben der Liebe hat den Frauen Grenzen gesetzt, denn sie sollen, gezwungen durch ihre Pflichten und die Zurückhaltung ihres Geschlechts, ihre Gefühle unterdrücken und sie schließlich abschwächen.
94 Marx. S. 285 Zeile 7
95 Lessing. II 7. S. 31 Zeile 12
96 Steinbrügge. S. 106 Zeile 15
97 Steinbrügge. S. 107 Zeile 27-29
98 La Roche. S. Zeile 15-18
99 Steinbrügge. S. 110 Zeile 7
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9. Schluss
Was für Möglichkeiten hatten die beiden Frauen? Nun, im Grunde überhaupt keine. Dadurch, dass die Frauen nicht aufgeklärt 100 werden durften, fehlte ihnen das Verständnis zum dem anderen Geschlecht. Nichtwissend und Noch - Nicht -Verführt sein, steht so zu sagen im Gegensatz zu Wissend und Schon - Verführt sein.
Da den Verführern, den Männern also, soviel daran lag eine Noch - Nicht- Verführte Frau zu treffen, wurde der Maßstab zwangsläufig von ihnen gesetzt. Frauen konnten im 18. Jahrhundert, genau wie Emilia und Sophie, nur zu Opfern werden. Sie wurden tugendhaft und nichtwissend erzogen, um den Männern bzw. Verführern zu gefallen.
Nicht weit ist da die Vaterrolle, die Entscheidendes zur Erziehung beitrug. Die Antwort, wie aufgeklärt nun die Frau zu sein hat, sei damit beantwortet, dass sie so unwissend wie nur möglich vor den Mann treten soll. Dies soll auch gleich die Antwort dafür sein, warum sich die beiden Frauen nicht besser gegen ihre Verführer schützen konnten und somit zu Opfern werden mussten. Gerade der Unwissenheit halber. Sie kannten die galante Sprache und intriganten Versuche der Verführung nicht, genauso wenig war ihnen bewusst, dass nicht alle so tugendhaft lebten wie sie selber.
Der Unterschied zwischen dem männlichen Autor Lessing und der weiblichen Autorin La Roche ist, dass La Roche den Mädchen etwas lehren und etwas aufzeigen wollte, um sie eben nicht so unwissend auf die Verführungskünste der Männer loszulassen und Lessing sich ein Ideal einer Frau schuf.
Diese idealisierten Frauen bereiteten dem weiblichen Geschlecht des 18. Jahrhunderts weitere Schwierigkeiten. Nicht dass sie nur durch ihre Natur definiert und tugendhaft erzogen wurden, nun bekamen sie auch noch die idealisierte Frau vorgehalten, die sich selbst widersprach. So oder so verwirren die Werke aus dem 18. Jahrhundert. Entweder wurden die Frauen spielerisch aufgeklärt, wie im Fall von La Roche, oder ihnen wurde das perfekte Frauenbild vorgehalten, das keine Frau tatsächlichen erfüllen konnte. Gründe, warum die Frauen ihre wahren Gefühle nicht zeigen durften, waren unter anderem, dass sie ihre Tugend nur zum Gemeinwohl ausleben sollten. Sie duften ihre Gefühle nicht nur nicht zeigen, sondern sie sollten möglichst auch keine haben. Zumindest keine sinnlichen Gefühle für das andere Geschlecht. Ihre Aufgaben lagen ja gerade in der Pflege des Familienlebens, vor allem die der Kinder.
Die ganze unterdrückte Leidenschaft der Frau, wird dann in der Religion ausgelebt,
100 im Sinne der sexuellen Aufklärung
19
weswegen die Frauen religiöser gelten als die Männer. Männer brauchen diesen Ausgleich der Gefühle nicht, da sie keine verbergen müssen.
“Die Rede ist also von einem Verbrechen, dessen Opfer die Frauen sind - was läge näher, als die Täter bei den Männern zu suchen?” 101
101 Garbe. S. 15 Zeile 34
20
10. Literaturverzeichnis
Quellen:
La Roche von, Sophie: Geschichte des Fräuleins von Sternheim. Hrsg. Von Barbara Becker-Cantarino. Stuttgart: Phillip Reclam jun. 1983.
Lessing, Gotthold Ephraim: Emilia Galotti. Ein Trauerspiel in fünf Auftritten. Stuttgart: Phillip Reclam jun. 2001.
Forschungsliteratur:
Baudrillard, Jean: Von der Verführung. Mit einem Essay von Laszlo F. Foldenyi. München: Matthes & Seitz Verlag GmbH 1992.
Gambaroff, Marina: Sag mir, wie sehr liebst du mich. Frauen über Männer. Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH 1987.
Garbe, Christine: Die ‚weibliche‘ List im ‚männlichen‘ Text. Jean- Jacques Rousseau in der feministischen Kritik. Stuttgart/ Weimar: Verlag J. B. Metzler 1992 (= Ergebnisse der Frauenforschung Bd. 29)
Hausen, Karin; Wunder, Heide: Frauengeschichte. Geschlechtergeschichte. Frankfurt am Main: Campus Verlag 1992.
Langner, Margit: Sophie von La Roche - die empfindsame Realistin. Hrsg. von Karl Riha. Siegen: 1995 (= Beiträge zur Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaft Bd. 126)
Marx, Anna: Das Begehren der Unschuld. Zum Topos der Verführung im bürgerlichen Trauerspiel und (Brief-)Roman des späten 18. Jahrhunderts. Hrsg. von Gabriele Brandstetter, Ursula Renner und Günther Schnitzler. Freiburg im Breisgau: 1999 (= Rombach Wissenschaften- Reihe Cultura Bd. 10)
Nenon, Monika: Autorschaft und Frauenbildung. Das Beispiel von La Roche. Würzburg: Königshausen & Neumann 1988 (= Epistemata. Würzburger wissenschaftliche Schriften Band XXXI.)
21
Neuß, Raimund: Tugend und Toleranz. Die Krise der Gattung Märtyrerdrama im 18. Jahrhundert. Bonn: Bouvier Verlag Huber Grundmann 1989 (= Literatur und Wirklichkeit Bd. 25.)
Nolle, Rolf Werner: Das Motiv der Verführung. Verführer und Verführte als dramatische Entwürfe moralischer Wertordnung in Trauerspielen von Gryphius, Lohenstein und Lessing. Hrsg. Von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Stuttgart: Verlag Hans-Dieter Heinz 1976 (= Stuttgarter Arbeiten zur Germanistik Bd. 27)
Schmitt - Sasse, Joachim: Das Opfer der Tugend. Zu Lessings „Emilia Galotti“ und einer Literaturgeschichte der „Vorstellungskomplexe“ im 18. Jahrhundert. Hrsg. von Thomas Koeber, Heinz Kosok und Heinz Rölleke. Bonn: Bouvier Verlag Huber Grundmann 1983 (= Wuppertaler Schriftenreihe Literatur Bd. 22)
Steinbrügge, Lieselotte: Das moralische Geschlecht. Theorien und literarische Entwürfe über die Natur der Frau in der französischen Aufklärung. Hrsg. im Auftrag der Präsidenten der Freien Universität Berlin. Stuttgart: Verlag J. B. Metzler 1992. (= Ergebnisse der Frauenforschung Bd. 11)
Vedder, Ulrike: Geschickte Liebe. Zur Mediengeschichte des Liebesdiskurses im Briefroman „Les Liaisons dangereuses“ und in der Gegenwartsliteratur. Hrsg. Von Inge Stephan und Sigrid Weigel. Köln: Böhlau Verlag 2002. (= Literatur - Kultur - Geschlecht. Große Reihe Bd. 24)
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Julia Stekeler, 2007, Verführung und Verführbarkeit in 'Emilia Galotti' und der 'Geschichte des Fräuleins von Sternheim', München, GRIN Verlag GmbH
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