Pocketbook Politics und Sociotropic Politics
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung. - 1 -
2. Klärung der verwendeten Begriffe. - 2 -
3. Erklärungsansätze für die Ergebnisse in den USA. - 2 -
4. Westeuropa - 4 -
4.1 Studien in Westeuropa - 5 -
4.2 Ergebnisse für Westeuropa - 5 -
5. Resumee und Ausblick............................................................................................................................. - 8 -
Pocketbook Politics und Sociotropic Politics
1. Einleitung
„It’s the economy, stupid.” (Gavin/Sandlers 1997, 633) ist wohl der bekannteste Wahlkampfslogan des 20. Jahrhunderts. Bill Clinton brachte es 1992 damit auf den Punkt: Außer in Fällen, in denen die nationale Sicherheit betroffen ist, spielt die Wirtschaft bei Wahlentscheidungen wohl die größte Rolle. So profitiert in den USA die amtierende Partei, bzw. der amtierende Präsident, in Zeiten des Wohlstands, während eines wirtschaftlichen Abschwungs allerdings profitiert die Opposition, bzw. der oppositionelle Herausforderer.
Für die Wahlforschung ist dagegen von besonderer Bedeutung, auf welche Informationen der Wähler zurückgreift, um die Wirtschaftssituation zu bewerten. Die zwei wichtigsten Konzepte stellen hier Pocketbook Politics und Sociotropic Politics dar. Wobei das Prinzip des Pocketbook Votings auf Grund seiner Einfachheit in der Vergangenheit sehr viel größere Beliebtheit erfuhr. Für Kinder und Kiewiet hat laut ihrer Studie von 1981 Pocketbook Politics für die USA jedoch keine Relevanz. Vielmehr lässt sich die Wahlpräferenz durch soziotropische Variablen voraussagen.
Da sich die USA vor allem wirtschaftspolitisch in vielen Punkten von den westlichen Staaten in Europa unterscheidet, ist es fraglich, ob das Konzept des Pocketbook-Votings generell für Wahlprognosen unbrauchbar ist oder ob es unter anderen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen von Belange sein kann. Gerade in diesem Jahr, in dem sich die Weltwirtschaftskrise und etliche Wahlen auf regionaler, nationaler und supranationaler Ebene überschneiden, ist diese Fragestellung besonders gegenwärtig.
Um die Relevanz der jeweiligen Vorstellungen für Westeuropa und insbesondere Deutschland zu bestimmen, wird in dieser Arbeit zunächst näher auf die Begriffe Pocketbook Politics und Sociotropic Politics vor dem Hintergrund des Retrospektiven Wählens und Economic Votings eingegangen. Im nächsten Schritt werden die Erklärungsansätze für den Fall der USA präsentiert und in Relation zum westeuropäischen Fall, am Beispiel von Deutschland, gesetzt. Anschließend wird näher auf die Unterschiede zwischen den USA und Westeuropa in wirtschaftspolitischer Hinsicht eingegangen, um im Anschluss die Relevanz von Pocketbook Politics und Sociotropic Politics für den westeuropäischen Fall zu untersuchen.
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Pocketbook Politics und Sociotropic Politics
2. Klärung der verwendeten Begriffe
Sowohl Pocketbook Voting, als auch Sociotropic Voting vereinen Aspekte des Economic Votings und des Retrospektiven Wählens in sich. Economic Voting bezeichnet die Bildung der Wahlpräferenz nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, der Begriff Retrospektives Wählen bezieht sich auf eine Bildung der politischen Präferenz auf Grund der Bewertung der Regierungs- bzw. Oppositionsleistung in der Vergangenheit. Somit weisen Pocketbook Voting und Sociotropic Voting die Gemeinsamkeit auf, dass die Wahlentscheidung in beiden Konzepten von einer Diagnose der wirtschaftlichen Lage in der Vergangenheit abhängt.
Die jeweiligen Konzepte unterscheiden sich hinsichtlich der Indikatoren, auf welche sich Wähler beziehen, um herauszufinden, ob die amtierende Regierung erfolgreiche Leistungen in der Wirtschaft vollbracht hat. Der Wähler zieht nach der Pocketbook-Hypothese seinen eigenen, konkreten und unmittelbaren wirtschaftlichen Umstand zu Rate, wie zum Beispiel die eigene Arbeitslosigkeit, bzw. Arbeitslosigkeit in seinem nahen Umfeld oder ein verringertes Einkommen auf Grund von höheren Einzelhandelspreisen oder höheren Lohnnebenkosten. Der Wähler bewegt sich mit dieser Annahme auf der Individualebene, die lediglich wirtschaftliches Eigeninteresse darstellt. Das Sociotropic Voting zielt hingegen auf die nationale wirtschaftliche Lage ab. Der Wähler stützt sich also bei seiner Wahlentscheidung auf ein Fremdbild der nationalen Wirtschaftslage, das er durch die ihm zur Verfügung stehenden Informationsressourcen bildet. Das Sociotropic Voting kann dabei allerdings keinesfalls nur altruistische Formen annehmen, bei dessen Annahme der Wähler um das Wohlergehen seines Landes besorgt ist. Soziotropisches Wählen kann durchaus auch egoistisch geprägt sein. So ist es möglich, dass der Bürger den Gedankengang, je besser es um die nationale Wirtschaft bestellt ist, desto besser sind die Chancen für eine Verbesserung der eigenen wirtschaftlichen Lage, vollzieht (Kinder/Kiewiet 1981, 132 ff).
3. Erklärungsansätze für die Ergebnisse in den USA
Wie bereits erwähnt, führte die einflussreiche Studie der Kongresswahlen 1972, 1974 und 1976, sowie der Präsidentschaftswahlen 1972 und 1976 von Kinder und Kiewiet (1981) zu dem Ergebnis, dass in den untersuchten Wahlen die Pocketbook-Hypothese einen nur sehr geringen oder gar
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Arbeit zitieren:
Sarah Odrakiewicz, 2009, Pocketbook und soziotropisches Wählen in den USA und Westeuropa, München, GRIN Verlag GmbH
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