Hausarbeit zum Proseminar: Wortbildung
Thema : Derivation für das Sprachpaar Französisch - Deutsch
Referentin : Shirley Bieg
Inhaltsverzeichnis :
1 Formale und funktionale Untergliederung der Derivation
2 Nominalisierung im Französischen
2.1 Die Rolle der Verbvalenz bei der deverbalen Prädikat- und
Objektnominalisierung
2.2 Deverbale Prädikat- und Objektnominalisierung und die daran beteiligten
Suffixe
2.3 Deverbale Subjektnominalisierung
2.4 Deadjektivische Nominalisierung
2.4.1 Verschiedene Kategorien deadjektivischer Nominalisierungen
3 Nominalisierung im Deutschen
3.1 Ableitung ohne Suffixe
3.2 Ableitung mit Hilfe von Suffixen
3.2.1 Deverbale Nominalisierung
3.2.2 Deadjektivische Nominalisierung
4 Vergleich von Nominalsuffixen im Französischen und Deutschen
4.1 Nominalsuffixe und ihre Bedeutung im Französischen
4.2 Nominalsuffixe im Deutschen und ihre semantische Funktion
5 Resümee
6 Bibliographie
1 Formale und funktionale Untergliederung der Derivation
Bei der Wortbildung unterscheidet man zwischen der Derivation (der Ableitung mit Hilfe eines gebundenen Wortbildungsmorphems) und der Komposition (Zusammensetzung zweier eigenständiger Wörter). So gebildete Wörter werden als morphologisch komplex bezeichnet. Formal läßt sich die Derivation, deren Resultate die Ableitungen (Derivate) sind, in zwei Prozesse untergliedern: die Suffigierung und die Präfigierung (Affigierung). Die Suffigierung ist eine Kombination aus Basismorphem und nachstehendem Suffix. Im Unterschied zur Suffigierung kann durch Präfigierung kein Wort entstehen, das einer anderen Wortart zugehört, als der, wovon es abgeleitet wurde.
In dieser Arbeit wird nur die Nominalisierung durch Suffigierung behandelt. Bezüglich ihrer semantischen Funktion unterteilt man die Suffixe in Suffixe zur Bezeichnung von Personen, Instrumenten, Prozessen, Resultaten oder Eigenschaften usw. Mit Hilfe verschiedener Suffixe kann man von einer Basis zahlreiche Ableitungen mit unterschiedlichen Bedeutungen bilden, z.B. organis-ation, organis-ateur. Alle von einem Wortstamm abgeleiteten Wörter gehören zu einer Wortfamilie/Wortnest. Die genaue Kenntnis der Suffixe bildet eine wichtige Verständnishilfe und erleichtert das Erlernen von Fremdsprachen.
2 Nominalisierung im Französischen
Die Nominalisierung ist eine Wortbildungsart. Im Prozeß der Wortbildung können durch die Kombination eines Stammes und verschiedener Suffixe neue Wörter entstehen. Bei der Nominalisierung entstehen mit Hilfe von Suffixen aus Adjektiv-, Verbal- und Nominalstämmen neue Wörter. In der vorliegenden Arbeit wird jedoch nur die deverbale und die deadjektivische Nominalisierung behandelt.
Wenn die einzelnen Segmente eines Derivats eine Bedeutung haben, die auch in anderen Derivaten nachweisbar ist, spricht man von einer motivierten Wortbildung, z.B.
organis - er organis - ation organis - ateur
Wörter können ihre Motivation im Laufe der Sprachentwicklung verlieren, wenn ihre Segmente nicht mehr durchsichtig sind. So kann man z.B. bei dem aus dem Lateinischen stammenden Wort nat - ion das Element nat- im Französischen nicht mehr auf einen existierenden Wortstamm zurückführen. Das Segment läßt sich sowohl formal als auch inhaltlich nicht mehr erschließen.
Elemente, die heute noch an der Bildung von Wörtern beteiligt sind und die ganze Reihen neubilden können, nennt man produktiv. Es gibt viele Suffixe, die zwar motiviert sind, ihre Produktivität jedoch zugunsten anderer Suffixe verloren haben.
Neben der Produktivität ist bei der Wortbildung die morphologische Bindefähigkeit (= innere Valenz) der Konstituenten maßgebend. Kennt man die innere Valenz eines bestimmten Suffixes, kann man, ausgehend von Nominal-, Adjektival- und Verbalstämmen,
unterschiedliche Ableitungsparadigmen aufstellen, und falsche Bildungen können verhindert werden. Kann z.B. ein bestimmtes Suffix nur mit Verbalstämmen von Verben auf
-er
verbunden werden, kann bei der Neubildung eine Kombination mit Verben auf
-ir
oder
-re
ausgeschlossen werden.
Nominalparadigma:
structure
• structuraliste structuralisme
Die Rolle der Verbvalenz bei der deverbalen Prädikat- und
Objektnominalisierung
Liegt abgeleiteten Substantiven ein verbales oder adjektivales Prädikat zugrunde, spricht man von Prädikatnominalisierung. Die prädikative Basis dieser abgeleiteten Substantive hat eine bestimmte grammatische und semantische Funktion. Daraus folgt ihre syntaktische Erweiterbarkeit und semantische Struktur. Es handelt sich hierbei um die Wertigkeit bzw. die Valenz der prädikativen Basis.
Die Valenz eines Verbs bestimmt man nach grammatischen (gr. Funktion) oder semantischen Kriterien (Prädikat-Argument-Struktur).
Semantisch betrachtet hat das Verb die Funktion eines Prädikats und verfügt über bestimmte Ergänzungen bzw. Argumente:
Marie
1. Argument: Agens (Handelnder) Das Verb donner besitzt 3 Argumente.
Unter grammatischen Gesichtspunkten werden diese Argumente klassifiziert als:
1. Argument: Subjekt Argument: direktes Objekt Argument: indirektes Objekt
Argumente des Basisverbs können, je nach der Art des Verbs und des Nominalisierungsverfahrens, mitgeführt werden. Bei der Valenz eines Verbs unterscheidet man zwischen:
- avalenten Verben (intransitive Verben) Es regnet.
Argument: Subjekt (hat weder sem. noch syntakt. Funktion)
- monovalenten Verben (intransitiven Verben) Es schläft.
Argument: Subjekt (mit sem. Funktion)
- bivalenten Verben (meist transitive Verben) Sie sieht ein Auto.
1. Argument: Subjekt 2. Argument: dir. Objekt
- trivalenten Verben (bitransitive Verben) Er schreibt ihr einen Brief.
Argument:
Subjekt Argument: indir. Objekt
3. Argument: dir. Objekt Bei der Nominalisierung von intransitiven Verben wird das Subjektargument fakultativ an des Derivat vererbt. Bei transitiven Verben wird das Subjekt- und/oder das Objektargument vererbt. Beide gleichzeitig werden nur dann vererbt, wenn es sich um ein Basisverb handelt, bei dem ein Resultat aus der Tätigkeit/ Handlung entsteht. z.B.
X
Argument:
Subjekt Nominalisierung: - La construction de X Die Objektnominalisierung bezieht sich auf das
- La construction d’un robot Die prädikative Nominalisierung bezieht sich
Bei Verben, bei denen allerdings kein Resultat aus der Tätigkeit entsteht, kann nur das Objektargument an das Derivat vererbt werden:
z.B. X défile l’écran. Le défilement de l’écran (beschreibt den Prozeß)
• Le défilement de X
Bei bitransitiven Verben wird das indirekte Objekt bei der Nominalisierung zum fakultativen Argument, und entweder das Subjekt- oder das direkte Objektargument werden an das Derivat vererbt.
Deverbale Prädikat- und Objektnominalisierungen sind zwei unterschiedliche Nominalisierungsprozesse, deren Bedeutung sich entweder auf das Prädikat oder das Objekt beziehen. Anhand des oben genannten Beispiels kann man erkennen, daß sich diese Prädikatbzw. Objektbezogenheit sowohl auf die Argumentstruktur der Nominalisierung als auch auf die Lesart auswirkt.
Nominalisierungssuffixe, die zur Prädikat- und Objektnominalisierung verwendet werden, sind:
Nullsuffix bzw. suffixlose Ableitung, -age, -ement, -ation, -ure, -ance und aison.
Man unterscheidet zwischen resultativer und prozessualer Lesart und spricht dabei von den verschiedenen Lesarten des verbalen Prozesses. Die Suffixe selbst haben keinen Einfluß auf
Arbeit zitieren:
Shirley Bieg, 1999, Derivation für das Sprachpaar Französisch - Deutsch, München, GRIN Verlag GmbH
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