Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3-3
2. Einführung 4-5
3. Theodor Herzl - Die Vorgeschichte 6-8
3.1. Die vorzionistische Zeit 6-7
3.2. Herzls Hinwendung zum Zionismus 8-8
4. Charakteristik des politischen Zionismus 9-13
4.1. Die wesentlichen Aspekte 9-11
4.2. Das jüdische Moment im politischen Zionismus 11-12
4.3. Herzls Araberbild 12-13
5. Kritik an Herzls Zionismus 14-18
5.1. Allgemeine Zeitung des Judentums 14-14
5.2. Der Israelit 15-16
5.3. Achad Haam 16-18
6. Die Praxis 19-19
7. Resümee 20-21
8. Literatur- und Quellenverzeichnis S 22-22
1. Einleitung
Theodor Herzl wird mehr als jede andere Person mit dem politischen Zionismus in Verbindung gebracht. Ideen für die Überwindung des Dilemmas jüdischer Existenz in der modernen Welt finden sich hauptsächlich in seinen Werken „Der Judenstaat“ und „Altneuland“. Die folgende Arbeit, deren Gegenstand neben genannten beiden Werken auch Tagebucheintragungen Herzls sowie Zeitungsartikel sind, geht der Frage nach, welcher Charakter dem Zionismus Herzls zu eigen ist. Dafür wird in zwei Schritten vorgegangen. Zunächst erfolgt eine Quellenanalyse besagter beider Werke, um im Anschluss daran, im zweiten Schritt, die Kritik am „herzlschen Zionismus“ dem Leser vor Augen zu führen.
Doch zu Beginn der Hausarbeit rückt Herzls Intention für den Entwurf seiner zionistischen Programmatik in den Vordergrund. Der Einblick in den Kontext seiner Zeit lässt uns Herzls Eintreten für einen Judenstaat besser nachvollziehen.
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2. Einführung
Obwohl die Römer im Jahre 70 n. Chr. Jerusalem zerstörten, die staatliche Selbstständigkeit den Juden genommen wurde und sie in der Diaspora fast 2000 Jahre weiterleben mussten, wurde laut Gerhard Holdheim die geistige Bindung des jüdischen Volkes mit Palästina nie gänzlich unterbrochen. Die Sehnsucht nach der Heimat der Vorfahren habe sich in Gebeten und Literatur ausgedrückt.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts wohnten Juden fast ausschließlich in Ghettos, wurden von ihrer christlichen Umwelt geächtet und waren Ausnahmegesetzen unterworfen.
Die Anfang des 19. Jahrhunderts einsetzende rechtliche Emanzipation der Juden war zwar ein wichtiges Ereignis jüdischer Geschichte, brachte aber nicht die erhoffte Befreiung, ging mit ihr doch lediglich eine formale Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung einher. 1 Nach Holdheims Worten bildeten die Juden weiterhin „[…] unter den Völkern, mit denen sie lebten, ein deutlich erkennbares und als eigenartig empfundenes Element.“ 2 Dies hatte zur Folge, dass vor allem intellektuelle Juden gewillt waren, ihre jüdische Identität zu verleugnen, indem sie den Weg der Konversion wählten. Sie erhofften sich somit, die bestehenden Schranken niederreißen zu können. Die Emanzipation schien sich zur Assimilation zu transformieren. Die große Mehrheit der Juden schreckte allerdings vor einer Taufe zurück. Die Emanzipation und die in deren Folge ansteigenden
Assimilationserscheinungen sind die Voraussetzungen für den politischen Zionismus gewesen, dessen Gründer Theodor Herzl war. 3
„In den Hauptländern des Antisemitismus ist dieser eine Folge der Judenemanzipation. Als die Kulturvölker die Unmenschlichkeit der Ausnahmegesetze einsahen und uns freiließen, kam die Freilassung zu spät. Wir waren gesetzlich […] nicht mehr emanzipierbar. Wir hatten uns im Ghetto merkwürdigerweise zu einem Mittelstandsvolk entwickelt und kamen als eine
1 Vgl. Holdheim, Gerhard, Der politische Zionismus Werden - Wesen - Entwicklung,
Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszentrale für Politische Bildung Probleme des
Judentums - 4, Alfeld 1964, S. 7f.
2 Ebd., S. 8.
3 Vgl. Ebd., S. 9-12.
4
fürchterliche Konkurrenz für den Mittelstand heraus. So standen wir nach der Emanzipation
plötzlich in einem harten Wettstreit mit Bourgeoisie […]“ 4 , so die Worte Herzls.
4 Herzl, Theodor, Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage, in: ders.,
„Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen“. Altneuland/Der Judenstaat.Hg. und eingeleitet von J. H.
Schoeps, Kronberg 1978, S. 209.
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3. Theodor Herzl - Die Vorgeschichte
3.1. Die vorzionistische Zeit
Theodor Herzl war das Musterbeispiel eines assimilierten Juden. Selber verfügte er nur über rudimentäre Kenntnisse, was die jüdische Religion und Kultur anbelangt, und fühlte sich in Wien - wo er 1878 ab seinem 18. Lebensjahr lebte - der deutschen Kultur zugeneigt, hatte er doch den Wunsch, nachdem er das Studium der Rechtswissenschaften bereits aufgenommen hatte und sich somit dem Willen seiner Eltern fügte, im Burgtheater Bühnenautor zu werden. 5 In seinem Tagebuch berichtete er sogar 1895, auf seine Jugendzeit rückblickend: „Es gab vielleicht eine Zeit, wo ich gern entwischt wäre, hinüber ins Christentum […]. Jedenfalls waren das nur unbestimmte Wünsche einer jugendlichen Schwäche.“ 6
Während seines Studiums wurde er indes mit dem Antisemitismus konfrontiert. Herzl war Mitglied einer Studentenverbindung mit dem Namen Albia. Als diese ihr Bekenntnis zum Antisemitismus offen preisgab, verließ er besagte Verbindung. 7
Der politische Antisemitismus in Wien erstarkte im ausgehenden 19. Jahrhundert, das stetig anwachsende antisemitische politische Klima gipfelte schließlich in der Wahl des Antisemiten Lueger zum Bürgermeister Wiens. Diese politische Entwicklung und der damit einhergehende Ausschluss der Juden aus gewissen Gesellschaftskreisen werden laut dem Judaisten Michael Brenner ein Grund für Herzls Hinwendung zum Zionismus gewesen sein. 8 Dabei trachtete Herzl vor seiner Bekehrung zum Zionismus besonders nach einem: als normales Mitglied der Wiener Gesellschaft zuzugehören. Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang seine
Tagesbuchaufzeichnungen, wie er sich noch in seiner vorzionistischen Zeit eine Überwindung des Antisemitismus ausmalte. So schrieb er 1895: „Der Antisemitismus ist gewachsen, wächst weiter - und ich auch. […] Vor ungefähr zwei Jahren wollte ich die Judenfrage mit Hilfe der katholischen Kirche wenigstens in Wien lösen. Ich wollte mir Zutritt zum Papst verschaffen […] und ihm sagen: Helfen Sie uns gegen die
5 Vgl. Brenner, Michael, Geschichte des Zionismus, 3. Auflage, München 2008, S. 23.
6 Herzl, Theodor, Tagebücher/Erstes Buch, Paris 1895, in: Gesammelte zionistische Werke In
fünf Bänden, II. Band: Tagebücher I, 2. Auflage 1934, S. 5.
7 Vgl. Rahe, Thomas, Frühzionismus und Judentum Untersuchungen zu Programmatik und
historischem Kontext des frühen Zionismus bis 1897, Gesamttitel: Judentum und Umwelt,
Band 21, hrsg. von Johann Maier, S. 296.
8 Vgl. Anm. 5, S. 24f.
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Arbeit zitieren:
Denis Köklü, 2009, Der politische Zionismus nach Theodor Herzl, München, GRIN Verlag GmbH
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