Homosexuelle und Kinderwunsch
- Von den Möglichkeiten und Folgen auf die Elternschaft -
Inhaltsverzeichnis :
1. Einleitung 3
2. Formen von Elternschaft 4
3. Möglichkeiten zur Realisierung des Kinderwunsches 5
3.1. Adoption 6
3.2. Heterologe Insemination 8
3.3. Pflegschaft 10
3.4. Leihmutterschaft 11
3.5. Queer - Familie 11
4. Folgen auf die Formen von Elternschaft 13
4.1. Adoptionsfamilie 13
4.2. Familie aus heterologer Insemination 14
4.3. Pflegschaftsfamilie 14
4.4. Familie, die auf Leihmutterschaft gründet 15
4.5. Queer - Familie 15
5. Folgen auf die Elter-Kind-Beziehung 16
6. Zusammenfassung 18
7. Literaturverzeichnis 19
2
1. Einleitung
Lange litten Homosexuelle unter gesellschaftlicher und rechtlicher Diskriminierung. Im Nationalsozialismus wurden sie in Deutschland sogar in Konzentrationslagern vernichtet. Heute ist die gesellschaftliche Diskriminierung zunehmend einer immer breiter werdenden Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren gewichen. Ab dem 1. August 2001 ist es homosexuellen Paaren durch das Lebenspartnerschaftsgesetz in Deutschland möglich "dem Standesbeamten persönlich und bei gleichzeitiger Anwesenheit [zu] erklären, miteinander eine Partnerschaft auf Lebenszeit führen zu wollen" 1 . Die Lebenspartnerschaft einzugehen ist zwar nicht das gleiche wie zu heiraten, aber es stellt eine erhebliche Verbesserung der rechtlichen Lage für Homosexuelle dar. Dennoch ergeben sich für Homosexuelle rechtliche Nachteile, wenn sie ihren Kinderwunsch realisieren möchten, eben aus dem Grund, weil sie in Deutschland keine Ehe eingehen können.
In dieser Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden, wie es homosexuellen Paaren trotz der meist hinderlichen Rechtslage in Deutschland möglich ist, ihren Kinderwunsch zu realisieren. Weiterführend soll untersucht werden, welche Folgen die verschiedenen Familienformen, die aus der Realisierung des Kinderwunsches Homosexueller entstanden, auf die Formen von Elternschaft haben. Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich mich mit Literatur über homosexuelle Eltern zu beschäftigen versucht. Leider ist dieses Gebiet in der Soziologie 2 bisher wenig erforscht worden und ich musste eine Beratungsbroschüre des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. 3 zu Rate ziehen, obwohl die Daten, die dort genannt werden, nicht hinreichend belegt sind. Dieses Problem sollte in naher Zukunft durch wissenschaftliche Analysen zum Thema "Kinderwunsch Homosexueller" behoben werden. In der vorliegenden Hausarbeit beginne ich in Kapitel 2 die Formen von Elternschaft zu erläutern, die es nach Hoffmann-Riem gibt. In Kapitel 3 beschreibe ich Möglichkeiten, die Homosexuelle haben, um ihren Kinderwunsch zu realisieren. Dabei gehe ich auf rechtliche Beschränkungen in Deutschland ein und versuche Lösungen für diese Probleme zu geben. In Kapitel 4 untersuche ich die Folgen auf die Elternschaft bzw. erkläre die resultierende Komplexität der Elternschaft. In Kapitel 5 gehe ich darauf ein, welche Konsequenzen sich aus
1 vgl. Lebenspartnerschaftsgesetz im BGB
2 Auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen wie zum Beispiel Pädagogik und Psychologie ist das Thema bisher wenig erforscht worden.
3 vgl. Familien- und Sozialverein des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. (2007): Regenbogenfamilien - alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogenes Fachpersonal.
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der Komplexität der Elternschaft und der Tatsache, dass ein Kind homosexuelle Eltern hat, für die Elter-Kind-Beziehung ergeben.
2. Formen von Elternschaft
In der Kernfamilie 4 , dem Familienmodell, welches heutzutage als anzustrebende Normalität 5 gilt, gibt es einen Vater und eine Mutter, die die biologischen Eltern eines Kindes sind. Ein Paar zeugt zusammen ein Kind und lebt mit ihm als rechtlich anerkannte Familie zusammen in einem Haushalt. Aus diesem Grund sind die biologischen Eltern des Kindes in der Kernfamilie auch die sozialen und rechtlichen Eltern.
Was bedeutet biologische, rechtliche und soziale Elternschaft? Biologische Elternschaft zeichnet sich durch eine Verwandtschaftsbeziehung zu einem Kind aus. Ein biologischer Elter hat auf natürlichem Weg ein Kind gezeugt. 6 Die soziale Elternschaft kennzeichnet nicht eine Verwandtschaftsbeziehung, sondern eine persönliche Beziehung, ein weiter gefasster Begriff von Karl Lenz und Frank Nestmann 7 , der nicht nur eine Elter-Kind-Beziehung im herkömmlichen Sinne einschließt. Ein sozialer Elter lebt dauerhaft mit dem Kind zusammen, wobei beide in der Regel in einem Haushalt leben und der soziale Elter eine Bindung zum Kind aufbaut. Meist werden die sozialen Eltern vom Kind "Mama" oder "Papa" genannt. Die rechtliche Elternschaft wiederum hat der inne, der vor dem Gesetz als Elter gilt. Rechtliche Eltern haben das Sorgerecht für das Kind und damit verbundene Rechte und Pflichten.
Wie oben angedeutet wurde, fallen die rechtliche, die soziale und die biologische Elternschaft in einer Kernfamilie zusammen. In davon abweichenden Familienformen ist das meist nicht der Fall. Abweichende Familienformen definieren sich gegenüber der Kernfamilie gerade durch die komplexeren Formen der Elternschaft in einer erweiterten Elternkette 8 . Und erst dadurch, dass es abweichende Familienformen gibt, wurden die verschiedenen Formen der Elternschaften erkennbar.
4 In der Literatur taucht immer wieder dieser Begriff auf. Im Folgenden wird er auch hier verwendet werden.
5 Die Kernfamilie ist die Familienform, die in der Gesellschaft als normal gilt. Es ist eine Norm diese Familienform anzustreben. Vgl. dazu Hoffmann-Riem, Christa (2008): Der Verlust von Natur und "Natürlichkeit" am Beispiel von Zeugung und Schwangerschaft.
6 Vgl. Hoffmann-Riem, Christa (2008): Der Verlust von Natur und "Natürlichkeit" am Beispiel von Zeugung und Schwangerschaft. S. 172ff.
7 Vgl. Lenz, Karl & Frank Nestmann (2009): Handbuch Persönliche Beziehungen.
8 vgl. Hoffmann-Riem, Christa (2008): Der Verlust von Natur und "Natürlichkeit" am Beispiel von Zeugung und Schwangerschaft. S. 195ff.
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In dieser Hausarbeit geht es um die Elternschaft von homosexuellen Paaren, in den Familienformen, die sie bilden können. Es soll hier nicht diskutiert werden ob die Partner Mutter- und Vaterrolle einnehmen oder eine gänzlich andere Elternrolle spielen. Es geht hier ausschließlich um die soziale, biologische und rechtliche Elternschaft und ihre Eigenschaften, wie sie oben beschrieben wurden. Um die Komplexität der Elternschaft zu erklären, die sich aus gleichgeschlechtlichen Familienformen ergeben, müssen zunächst die Möglichkeiten erklärt werden, mit denen homosexuelle Paare eine Familie mit mindestens einem Kind gründen können.
3. Möglichkeiten zur Realisierung des Kinderwunsches
Da homosexuelle Paare auf natürlichem Weg 9 keine Kinder zeugen können, müssen sie im Falle eines Kinderwunsches andere Möglichkeiten in Erwägung ziehen. Es ist in jedem Fall ein Dritter notwendig. 10 Nicht alle homosexuellen Paare haben den Wunsch nach einem "eigenen Kind". Lange galt es in der Lesben- und Schwulenszene als authentisch keinen Kinderwunsch zu haben. Die Betroffenen wurden als "unechte" Homosexuelle verspottet. 11 Heute haben homosexuelle Paare vermehrt den Wunsch mit Kindern zusammen zu leben. Verschiedene Studien nennen dazu unterschiedliche Daten. 12 Ich möchte hier die Zahlen anführen, die der Beratungsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. 2002 veröffentlicht hat: "Umfragen zufolge will heute jede zweite lesbische Frau und jeder dritte schwule Mann in Deutschland gerne mit Kindern zusammenleben." 13 Andere Studien nennen Daten, die davon mehr oder weniger abweichen. Das kommt davon, weil es schwer ist das Phänomen des homosexuellen Lebensentwurfs zu fassen bzw. "zwischen Episoden, homoerotischen Erfahrungen, stabilen Beziehungen und Lebensformen" 14 zu unterscheiden. Außerdem ist es in Deutschland aus Datenschutzgründen nicht erlaubt nach der sexuellen
9 Die Bezeichnung "natürlicher Weg" wurde hier in Anlehnung an Hoffmann-Riem gewählt, die den natürlichen bzw. Normalfall einer Familie in der Kernfamilie sieht. Die Kernfamilie besteht im ursprünglichen Sinn aus einem Paar, welches durch Geschlechtsverkehr ein Kind zeugt und somit eine Familie begründet.
10 Vgl. Pohl, Gudrun-Maria (2006): Regenbogenfamilien und Kinder. Zum Aufwachsen von Kindern in homosexuellen Familien. S. 27.
11 Vgl. ebd. S. 25.
12 Vgl. ebd. S. 26.
13 Vgl. Schwules Netzwerk NRW (1999). Lesbische und schwule Familien. Ergebnisse einer Befragung unter Lesben und Schwulen in NRW. oder vgl. Familien- und Sozialverein des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. (2007): Regenbogenfamilien - alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogenes Fachpersonal. S. 9.
14 Birgit Bernhardt, www.webfamilie.at/Artikel199.html2002
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Orientierung der Befragungspersonen zu fragen. Die neueren Studien zeigen jedoch, dass die Akzeptanz von homosexuellen Paaren als Eltern in der Schwulen- und Lesbenszene zugenommen hat, wenn Paare bereit sind, ihren Kinderwunsch zu artikulieren. Außerdem wurden deutschlandweit Selbsthilfegruppen gegründet, die sich an Homosexuelle mit Kinderwunsch richten.
Wenn Kinder in einem homosexuellen Haushalt leben, stammen sie meist aus einer früheren heterosexuellen Beziehung von einem der Partner. Manchmal haben die Paare den Wunsch, ein gemeinsames Kind zu bekommen. 15 Wie sie diesen Wunsch trotz der hinderlichen Rechtslage in Deutschland in die Tat umsetzen können, möchte ich im folgenden Kapitel erläutern.
3.1. Adoption
Bei der Adoption bekommen heute "sozial- und biologischelternlose Kinder die Möglichkeit in einer Familie aufzuwachsen." 16 Durch eine Adoption übernehmen Menschen, die durch ein Auswahlverfahren gründlich auf ihre soziale und finanzielle Eignung überprüft wurden, die Verantwortung und bekommen das Sorgerecht für ein Kind. Es ist aber zu beobachten, dass "die Ansprüche an die Qualität des Umfeldes adoptionswilliger Personen steigen, soziale Sicherheit ist ein entscheidendes Kriterium." 17
Homosexuelle haben in Deutschland die Möglichkeit ein Kind zu adoptieren. Jedoch beschränkt das Bürgerliche Gesetzbuch diese Möglichkeit auf einen der Partner. Dort heißt es nämlich: "Wer nicht verheiratet ist, kann ein Kind nur alleine annehmen." 18 Da homosexuelle Paare in Deutschland zwar die Lebenspartnerschaft, nicht aber die Ehe eingehen können 19 , bleibt ihnen eine gemeinsame Adoption eines Kindes verwehrt. Das Sorgerecht für das adoptierte Kind hat immer der Adoptierende, der Partner kann es im Nachhinein nur erhalten, wenn beide eine Sorgeerklärung unterschreiben oder wenn beide in einer eingetragenen
15 Vgl. Familien- und Sozialverein des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland e.V. (2007): Regenbogenfamilien - alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogenes Fachpersonal. S. 26.
16 Pohl, Gudrun-Maria (2006): Regenbogenfamilien und Kinder. Zum Aufwachsen von Kindern in homosexuellen Familien. S. 32.
17 Ebd. S. 32.
18 BGB §1741
19 Vgl. Lebenspartnerschaftsgesetz
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Arbeit zitieren:
Stefanie Ender, 2009, Homosexuelle und Kinderwunsch, München, GRIN Verlag GmbH
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