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Mythos und Aktualität. Der Generationenkonflikt in Dorsts "Merlin"

Titel: Mythos und Aktualität. Der Generationenkonflikt in Dorsts "Merlin"

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2003 , 18 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: MA Davide Bonmassar (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Über ein Theaterstück zu schreiben erweist sich oft problematischer als sich mit
einem Roman oder mit einem Werk zu beschäftigen, das nur für Leser geschrieben
worden ist. Im Vergleich mit dieser Art Literatur zeigt das Drama einen weiteren
Aspekt, der einige Schwierigkeiten in der kritischen Annäherung hervorruft: Das
von dem Autor geschriebene Originalstück muss für jede Aufführung dem Theater,
den Schauspielern, aber auch dem Geschmack des Regisseurs adaptiert werden.
Dadurch entstehen viele verschiedene Versionen, die große Unterschiede enthalten
und manchmal sogar wenig miteinander zu tun haben. Worauf sollte man sich
beziehen? Auf dem Original des Autors? Oder sollte man lieber ein bestimmtes
Regiebuch oder Einstudierung eines Regisseurs in acht nehmen? Oder sollte man
direkt eine Aufführung kommentieren?
Das kann allgemein für jedes Drama gesagt werden, aber mit Merlin oder Das
wüste Land von Dorst wird das Problem noch größer. Das Stück ist ein
gigantisches Werk, das mehr als dreihundert Seiten umfasst und in dem der Autor
gleichzeitig viele Varianten von derselben Szene einführt (ein Beispiel ist die
letzte Szene, von der uns Dorst drei verschiedene Versionen bietet: eine des
Theaters, eine der Naturwissenschaft – die berühmteste mit dem erloschenen
Zwergenplaneten – und eine des alten Märchens). Wenn man Merlin in voller
Länge im Theater spielen wollte, würde es eine Spieldauer von mindestens
fünfzehn Stunden ergeben. Ulrich Schreiber nennt es sogar „das umfänglichste
Theaterstück der Nachkriegszeit“2. Mit so einer kolossalen Länge sind für jede
Aufführung auf der Bühne radikale Kürzungen notwendig: Es reicht nicht, nur
Sentenzen und Auftritte zu schneiden, sondern es müssen auch ganze Teile
gestrichen werden, die in der ursprünglichen Version eine wichtige Rolle spielen.
Diese notwendigen Amputationen verdrehen die Geschichte, den Inhalt und die
behandelten Themen und führen somit zu Regiebüchern, die eine Verarbeitung des
Stoffes sind und in denen Dorsts Werk kaum zu erkennen ist. Der Text wird jedes
Mal von dem jeweiligen Regisseur neu interpretiert, und damit zu oft auch
reduziert und vereinfacht; mit den Kürzungen gehen unvermeidlich Themen und Ideen verloren, die bei Dorst im Mittelpunkt stehen. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

EINLEITUNG: „DAS UMFÄNGLICHSTE THEATERSTÜCK DER NACHKREIGSZEIT“

ÜBER DIE ENTSTEHUNG VON DORTSTS MERLIN

MERLIN UND DIE FANTASY-LITERATUR

DAS SCHEITERN VON UTOPIEN UND DER GENERATIONENKONFLIKT

DER GENERATIONENKONFLIKT IM TEXT

a. Der Teufel und Merlin

b. König Artus und Mordred

c. Die jungen und die alten Ritter

d. Der Gral

FAZIT

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den zentralen Generationskonflikt in Tankred Dorsts Theaterstück „Merlin oder Das wüste Land“. Dabei wird analysiert, wie das Stück über die mythische Ebene hinaus aktuelle gesellschaftliche Spannungen der Nachkriegszeit thematisiert und inwiefern verschiedene Inszenierungen, insbesondere die von Johannes Lepper, diese Aspekte interpretieren.

  • Die Darstellung des Scheiterns von Utopien innerhalb des Artus-Mythos.
  • Abgrenzung des Werkes von zeitgenössischer Fantasy-Literatur.
  • Analyse des Vater-Sohn-Konflikts in zentralen Szenen des Stückes.
  • Vergleich zwischen Dorsts Buchfassung und bühnenpraktischer Umsetzung.
  • Die Rolle der 68er-Generation und deren politisches Erbe im Text.

Auszug aus dem Buch

König Artus und Mordred

König Artus und sein illegitimer Sohn Mordred sind die wichtigsten Protagonisten des Generationenkonflikts. Artus hat mit Merlins Hilfe die Tafelrunde und damit eine neue Gesellschaft der Ordnung und der Brüderlichkeit gegründet, aber gleichzeitig ist auch seine Schuld eindeutig: Er hat versucht seinen Sohn umzubringen, der, einer Weissagung zufolge, seinen Untergang herbeiführen werde.

Mordred ist der eine, der die Unzufriedenheit der jungen Generation am meisten zum Ausdruck bringt. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Figuren erreicht in der Zentralszene des Stückes ihren Höhepunkt: König Artus: Wir wollten Gerechtigkeit, wir wollten eine neue Ordnung. Wir haben Gesetzte erfunden von Ehre und Anstand und Gerechtigkeit ... [...] König Artus: Ist denn alles vergeblich gewesen ... Sir Mordred: Vergeblich? – Es ist eine andere Zeit gekommen, ihr habt euch überlebt! König Artus: Eine neue Zeit! Das hast du dir nur ausgedacht. Wie willst du das beweisen? Sir Mordred: Ich bin der Beweis!

Zusammenfassung der Kapitel

EINLEITUNG: „DAS UMFÄNGLICHSTE THEATERSTÜCK DER NACHKREIGSZEIT“: Einführung in die Problematik der Interpretation dieses gigantischen Dramas und Begründung der Fokussetzung auf den Generationskonflikt.

ÜBER DIE ENTSTEHUNG VON DORTSTS MERLIN: Kurzer historischer Abriss zur Entstehung des Textes unter Berücksichtigung der Ansprüche des Autors auf Aktualität.

MERLIN UND DIE FANTASY-LITERATUR: Untersuchung der Einordnung des Werkes im Kontext der damaligen Fantasy-Welle und Dorsts bewusste Distanzierung davon.

DAS SCHEITERN VON UTOPIEN UND DER GENERATIONENKONFLIKT: Theoretische Herleitung, warum das Scheitern von Utopien das zentrale Motiv des Stückes darstellt und wie dies mit der Studenten-Revolte korrespondiert.

DER GENERATIONENKONFLIKT IM TEXT: Analyse spezifischer Szenen, die den Konflikt zwischen Vätern und Söhnen (Merlin/Teufel, Artus/Mordred) in Buch und Aufführung verdeutlichen.

FAZIT: Zusammenfassende Einschätzung der Arbeit und Bewertung der erfolgreichen Umsetzung der Intentionen Dorsts durch den Regisseur Johannes Lepper.

Schlüsselwörter

Tankred Dorst, Merlin, Generationenkonflikt, Artus-Mythos, Utopie, Theaterwissenschaft, Johannes Lepper, 68er-Bewegung, Fantasy-Literatur, Gesellschaftskritik, Tafelrunde, Scheitern, Vater-Sohn-Konflikt, Dramenanalyse, Nachkriegszeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den zentralen Generationskonflikt in Tankred Dorsts Werk „Merlin oder Das wüste Land“ im Kontext seiner Entstehungszeit und dessen Umsetzung auf der Bühne.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Im Zentrum stehen das Scheitern von Utopien, die Abgrenzung von der Fantasy-Literatur, der Konflikt zwischen den Generationen sowie die Aktualität des Werkes für die deutsche Nachkriegsgesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Dorst den Artus-Stoff nutzt, um gesellschaftliche Umbrüche und den Konflikt zwischen den Generationen der 60er und 70er Jahre zu reflektieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Dorsts ursprüngliche Buchfassung mit der konkreten Einstudierung durch Johannes Lepper vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung (Fantasy vs. Realismus), die historische Kontextualisierung der Utopiekritik und eine detaillierte Textanalyse zentraler Figurenkonstellationen.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit ist durch Begriffe wie „Generationenkonflikt“, „Utopiekritik“, „Artus-Mythos“ und „Aktualitätsbezug“ charakterisiert.

Inwiefern unterscheidet sich die Rolle des Teufels in Dorsts Werk?

Die Arbeit betont, dass der Teufel als Antagonist Merlins fungiert, wobei dessen Unabhängigkeit und das Aufbegehren gegen den väterlichen Willen den initialen Generationenkonflikt markieren.

Warum wird gerade Johannes Leppers Inszenierung hervorgehoben?

Lepper wird als Regisseur gelobt, da er entgegen vieler anderer Inszenierungen die gesellschaftliche Relevanz und den Generationskonflikt des Stückes trotz notwendiger Kürzungen präzise herausgearbeitet hat.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Mythos und Aktualität. Der Generationenkonflikt in Dorsts "Merlin"
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Germanistik - Neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Theaterseminar
Note
1,7
Autor
MA Davide Bonmassar (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V13917
ISBN (eBook)
9783638194419
ISBN (Buch)
9783640865369
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mythos Aktualität Generationenkonflikt Dorsts Merlin
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
MA Davide Bonmassar (Autor:in), 2003, Mythos und Aktualität. Der Generationenkonflikt in Dorsts "Merlin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13917
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  18  Seiten
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