Am 11. Februar 2007 habe ich in den Morgennachrichten von Radio SAW von den Hooliganausschreitungen in Leipzig nach dem Fußballspiel Lok Leipzig gegen Erzgebirge Aue gehört. Diese Nachrichten sind mir besonders deshalb fast wörtlich im Gedächtnis geblieben, weil mich die Hilflosigkeit und die Angst der Polizei in diesem Ausmaß erschrak: Polizeibeamte die absolut in der Unterzahl waren, bestimmten in diesem Zusammenhang den Hauptteil der Nachrichten. Ich hörte im Radio eine verängstigte Polizistin, die öffentlich bei ihren Vorgesetzten um Hilfe ruft: „Bitte machen Sie, dass es aufhört! Wir haben Angst!“ (vgl. Radio SAW, 11.02.07).
Zu dieser Zeit überschlugen sich die Medien mit Presseberichten, Dokumentationen und Informationen über die Hooligangruppierungen in Deutschland. Zeitgleich erschien ein Film auf DVD, der von den Medien nicht sehr stark beworben wurde. Er stellte mich nach dem ersten Mal Anschauen vor viele Fragen: Was ist das Ziel eines mit offener Gewalt gespickten Films? Sollen Konsumenten abgeschreckt werden, sollen wir und identifizieren oder sollen wir vielleicht sogar Verständnis aufbringen? Und wenn ja, für wen? Wen soll der Film erreichen und wie nah orientiert er sich an realen Fakten und Begebenheiten?
Da es mir sehr schwer gefallen ist, anhand von Internet- und Literaturrecherchen Antworten auf diese Fragen zu finden, habe ich Freunde (im Nachhinein Teilnehmer genannt) gebeten, sich diesen Film mit mir gemeinsam anzuschauen und in einer Art offenem Interview mit mir über die Intentionen und Eindrücke dieses Films zu sprechen.Die Fragen sollten helfen, in die Diskussion, die direkt nach Ende des Films erfolgte, einzuleiten. Keiner der Anwesenden hatte den Film zuvor gesehen, sodass die Eindrücke, wie von mir erhofft, spontan und objektiv widergegeben werden konnten. Alle Teilnehmer waren damit einverstanden, die Diskussion mit einem Diktiergerät aufzunehmen und die Inhalte im Rahmen dieser Arbeit zu veröffentlichen. Die Namen wurden auf Wunsch der Teilnehmer geändert, die Altersangaben entsprechen dem tatsächlichen Alter ebenso wie die Angabe der Geschlechtszugehörigkeit. Ich werde diese Daten teilweise aus Gründen des besseren Verständnisses den jeweiligen Inhalten beifügen und teilweise auch kommentieren. Eine eigene Auswertung des Films und der Wirkung von Filmen dieses Genres wird abschließend, unter besonderer Einbeziehung der von mir recherchierten Medien und ihres Einflusses diskutiert.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. HOOLIGANISMUS
2.1 Gewalt im Umfeld von Fußballspielen
2.2 Kurzbeschreibung der relevanten Fanszene
2.3 Hooligans und Antisemitismus - Fallbeispiele
2.3.1. Zabrze, 4. September 1996, Polen-Deutschland
2.3.2. Lens, WM 1998, Deutschland - Jugoslawien
2.3.3 Berlin, 26. September 2006, TUS Makkabi – VSG Altglienicke
3. THEORIEN ZUR WIRKUNG VON MEDIEN
3.1 Katharsistheorie
3.2 Inhibitionstheorie
3.3 Habitualisierungstheorie
3.4 Stimulationstheorie
3.5 Lerntheorie
4. „HOOLIGANS“– KURZVORSTELLUNG DES FILMS
5. DISKUSSION ZUM FILM
6. SCHLUSSBEMERKUNG
7. LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die mediale Wirkung von gewaltorientierten Filmen auf das menschliche Bewusstsein und Verhalten. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob solche Darstellungen lediglich eine Unterhaltungsfunktion erfüllen oder als gefährliches Vorbild für reales aggressives Handeln dienen können, wobei der Film „Hooligans“ als praxisnahes Fallbeispiel dient.
- Grundlagen des Phänomens Hooliganismus
- Verbindung von Hooliganismus und Antisemitismus
- Theoretische Wirkungsmodelle medialer Gewalt
- Empirische Diskussion durch Experteninterviews
- Analyse der Rolle von Filmmusik und Darstellung von Gewalt
Auszug aus dem Buch
3.1 Katharsistheorie
Die Bezeichnung Katharsis ist griechisch und bedeutet Reinigung. In der Katharsistheorie wird angenommen, dass der Mensch seine Aggressionen ausleben muss. Anhänger der Katharsisthese gehen oft von der Existenz eines angeborenen Aggressionstriebes aus; sie behaupten, dass durch das Beobachten und das dynamische Mittvollziehen der gesehenen Gewalt, die Bereitschaft des Rezipienten abnimmt, selbst aggressives Verhalten zu zeigen. Die Katharsisthese wird als empirisch widerlegt betrachtet (vgl. Kunczik, Zipfel, 1998, S. 9).
Inzwischen ist auch Seymour Feshbach, der die Katharsisthese lange Zeit stark vertreten hat, von seiner Position abgewichen und wertet die vorliegenden Befunde neu: "Die Ergebnisse zeigen mir, daß die Bedingungen, unter denen eine Katharsis auftreten kann, nicht alltäglich sind, während die aggressionsfördernden Bedingungen sehr viel häufiger vorkommen“ (Feshbach, 1989, S. 71).
Somit scheint die Katharsistheorie nicht die Grundlage für ein gewaltförderndes Konzept zu sein, denn lt. Seymour sind andere Einflüsse, nicht unbedingt das Medium Film für das tatsächliche Ausführen der Gewalt verantwortlich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Autorin beschreibt die persönliche Motivation durch Radioberichte über Hooliganausschreitungen sowie die Relevanz des Films „Hooligans“ als Anlass für die wissenschaftliche Untersuchung.
2. HOOLIGANISMUS: Dieses Kapitel erläutert die Herkunft und Definition des Begriffs sowie die Entwicklung von Gewalt im Umfeld des Fußballs und dokumentiert antisemitische Vorfälle als spezifische Eskalationsformen.
3. THEORIEN ZUR WIRKUNG VON MEDIEN: Es erfolgt eine Darstellung zentraler medienpsychologischer Erklärungsmodelle wie der Katharsis-, Inhibitions-, Habitualisierungs-, Stimulations- und Lerntheorie hinsichtlich ihrer Eignung zur Erklärung medialer Gewaltwirkungen.
4. „HOOLIGANS“– KURZVORSTELLUNG DES FILMS: Die Handlung des Films „Hooligans“ wird zusammengefasst, wobei der Fokus auf dem sozialen Abstieg des Protagonisten und seinem Eintritt in die „Green Street Elite“ liegt.
5. DISKUSSION ZUM FILM: Die Autorin wertet geführte Interviews mit verschiedenen Altersgruppen aus, um die Wirkung von Gewaltdarstellungen, Zielgruppenansprache und Filmmusik differenziert zu reflektieren.
6. SCHLUSSBEMERKUNG: Abschließend wird konstatiert, dass der Film zwar eine bedenkliche Nähe zur Realität aufweist, ein Verbot jedoch als unangemessen erachtet wird, sofern eine notwendige emotionale Distanz beim Rezipienten gewahrt bleibt.
Schlüsselwörter
Hooliganismus, Medienwirkung, Gewaltprävention, Fußballfans, Antisemitismus, Katharsistheorie, Habitualisierung, Lerntheorie, Film-Analyse, Green Street Elite, Aggression, Rezipientenverhalten, Gruppendynamik, Medienkompetenz, Jugendschutz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie gewalthaltige Filme wie „Hooligans“ auf Zuschauer wirken und ob diese Inhalte aggressives Verhalten in der Realität fördern oder beeinflussen könnten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Untersuchung deckt die Geschichte des Hooliganismus, die Verflechtung mit rechtsextremen Strukturen sowie die psychologischen Theorien zur Medienwirkung ab.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, den Einfluss medialer Gewaltbilder auf das Bewusstsein des Menschen zu hinterfragen und anhand eines Fallbeispiels zu prüfen, ob solche Filme eher der Unterhaltung dienen oder als gefährliche Vorbilder fungieren.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Autorin nutzt eine Kombination aus Literaturrecherche, Theorieanalyse und einer qualitativen Diskussionsrunde mit Probanden unterschiedlicher Altersstufen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Betrachtung der Medienwirkungsforschung und eine empirische Auswertung eines geführten Interviews zum Film „Hooligans“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Dokument?
Wesentliche Begriffe sind Hooliganismus, Medienwirkung, Gruppendynamik, Antisemitismus und die verschiedenen lerntheoretischen Ansätze der Psychologie.
Wie bewerten die Teilnehmer der Diskussionsrunde die Gewalt im Film?
Die Einschätzungen variieren stark: Während Jugendliche den Film teils als „geil“ oder „nicht so extrem“ wahrnehmen, ordnen Erwachsene die gezeigte Gewalt kritischer als bedenklich und realitätsnah ein.
Welche Rolle spielt die Filmmusik in der Wahrnehmung der Gewalt?
Die Diskussion zeigt, dass ruhige, emotionale Musik die aggressive Wirkung von Gewaltszenen dämpfen und zum Nachdenken anregen kann, während härtere Musik die Aggressivität unterstreichen würde.
Gibt es einen realen Bezug der im Film dargestellten Ereignisse?
Ja, die Arbeit weist darauf hin, dass der Film an realen Orten spielt und auf tatsächliche Rivalitäten zwischen Fangruppen wie West Ham United und Millwall basiert.
Was ist das abschließende Fazit der Autorin?
Die Autorin plädiert gegen ein Verbot, betont jedoch, dass der Zuschauer eine emotionale Distanz zum Gezeigten bewahren muss, um eine Verharmlosung von Gewalt zu vermeiden.
- Arbeit zitieren
- Tanja Lange (Autor:in), 2009, Medien und Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139206