Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Definitionen. 2
2.1 Armut 2
2.2 Unterteilungen von Armut 5
2.2.1 Absolute Armut 5
2.2.2 Relative Armut 6
2.2.3 Lebenslagenorientierte Armut. 7
2.3 Kinderarmut 8
3. Arme Kinder in der Grundschule. 10
3.1 Ursachen von Kinderarmut. 10
3.2 Folgen von Kinderarmut 14
4. Zusammenhang von Armut und Bildungschancen. 17
4.1 Funktion von Bildung 17
4.2 Historische Entwicklung von Bildungschancen armer Kinder. 19
4.3 Gründe für ungleiche Bildungschancen armer Kinder 21
4.4 Auswirkungen von benachteiligten Bildungschancen auf arme Kinder. 24
4.5 Wahrnehmung und Perspektiven von Kinder auf die eigene Armut. 26
5. Alternativen zur Aufhebung ungleicher Bildungschancen armer Kinder 28
6. Schlussbemerkung. 30
7. Literaturverzeichnis 33
1. Einleitung
„Mama kann das Matheheft erst nächsten Monat kaufen, weil sie diesen Monat kein Geld
Immer häufiger werden Aussagen dieser Art gemacht, und es wird immer mehr von Kinderarmut gesprochen. Mit der Literatur zu diesem Thema muss sehr behutsam umgegangen werden. Häufig steht in der Literatur, dass es Kinderarmut erst seit kurzer Zeit gibt, jedoch entspricht dies auf keinen Fall der Wahrheit. Kinderarmut war zwar in der deutschen Forschung lange Zeit kaum ein Thema, jedoch gibt es Kinderarmut in Deutschland bereits seit dem 17. Jahrhundert. Erst seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts begann sich jedoch die Wissenschaft in Deutschland für das Thema „Kinderarmut“ zu interessieren. Zuvor wurden Kinder immer nur als Ursache für Armut gesehen, es war nie von Kindern als Betroffenengruppe die Rede. Doch schließlich konnte nicht mehr weggesehen werden: „Seit den 1970er-Jahren hat Armut ihr Gesicht verändert: Waren davon 1973 vornehmlich ältere Witwen betroffen, die mit geringen Hinterbliebenenrenten auskommen mussten, so 1998 vor allem Kinder und Jugendliche“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 21). Seit dieser Zeit gibt es immer wieder neue Studien und Erkenntnisse. Sie beschäftigen sich u. a. mit der Frage nach den Ursachen und Folgen von Kinderarmut. Hat die Kinderarmut Auswirkungen auf die Bildungschancen betroffener Kinder? Macht sich dies schon in der Grundschule bemerkbar? Welche Gründe gibt es für die ungleichen Bildungschancen armer Kinder? Und wie nehmen die betroffenen Kinder ihre Situation wahr? Welche Perspektiven haben sie?
All dies sind Fragen, mit denen sich die folgende Masterarbeit beschäftigt. Sie steht unter dem Thema: Arme Kinder in der Grundschule und ihre Bildungschancen.
In Kapitel 2 werden grundlegende Definitionen, die für diese Masterarbeit von wesentlicher Bedeutung sind, gegeben. Zunächst wird Armut allgemein und deren historische Entwicklung näher beschrieben (Kapitel 2.1). Danach werden drei wesentliche Konzepte von Armut näher erläutert: absolute Armut (Kapitel 2.2.1), relative Armut (Kapitel 2.2.2) und lebenslagenorientierte Armut (Kapitel 2.2.3). Zum Abschluss dieses zweiten Kapitels - Kapitel 2.3 - wird speziell auf die Kinderarmut eingegangen. Hier wird der Begriff Kinderarmut und die historische Sichtweise auf die Entwicklung von Kinderarmut näher erläutert.
Auf theoretischer Ebene wird in Kapitel 3 auf die Ursachen (Kapitel 3.1) und Folgen (Kapitel 3.2) von Kinderarmut in der Grundschule eingegangen. Es wird thematisiert, welche Gründe Kinderarmut hat und welche Auswirkungen sich bereits bei Grundschulkindern zeigen. Die
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Folgen, die Kinderarmut auf die Bildung von Grundschulkindern hat, werden im darauf folgenden Kapitel 4 behandelt. Hier wird zunächst auf die Funktion von Bildung eingegangen (Kapitel 4.1), schließlich auf die historische Entwicklung von Bildungschancen armer Kinder (Kapitel 4.2) und die Gründe für ungleiche Bildungschancen beschrieben (Kapitel 4.3). In Kapitel 4.4 werden die Auswirkungen von benachteiligten Bildungschancen armer Kinder benannt und in Kapitel 4.5 Wahrnehmungen und Perspektiven von Kindern auf die eigene Armut erläutert.
In Kapitel 5 werden Alternativen zur Aufhebung ungleicher Bildungschancen vorgestellt und näher beschrieben.
Zum Abschluss wird im 6. Kapitel ein Resümee der Masterarbeit gezogen. Hierbei wird die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Kinderarmut und Bildungschancen beantwortet. Des Weiteren wird die Masterarbeit an dieser Stelle reflektiert und persönliche Erkenntnisse, welche während der Studien gewonnen wurden, geschildert.
2. Definitionen
Dieses zweite Kapitel „Definitionen“ soll das nötige Grundwissen für das Thema „Arme Kinder in der Grundschule und ihre Bildungschancen“ schaffen. Es wird zunächst der Begriff „Armut“ näher beschrieben mit einem Einblick in die historische Entwicklung (Kapitel 2.1). Im weiteren Kapitel 2.2 werden verschiedene Konzepte, die auf unterschiedliche Art und Weise versuchen Armut zu beschreiben, vorgestellt. Aufgrund der vielen Definitionen und Begriffsdeutungen werden die Wichtigsten ausgewählt und näher beschrieben. Hierzu gehört die relative Armut (Kapitel 2.2.1), die absolute Armut (Kapitel 2.2.2) und die lebenslagenorientierte Armut (Kapitel 2.2.3). Zum Abschluss dieses Kapitels wird näher auf die Kinderarmut und deren historische Entwicklung eingegangen (Kapitel 2.3).
2.1 Armut
Für Armut gibt es keine einheitliche Definition. „Es gilt, Armut als Begriff vor dem Hinter-grund gesellschaftlichen Wandels immer neu zu definieren“ (Dietz 1997, 14). Dieses bringt Probleme mit sich: Es gibt sehr viele unterschiedliche Begriffe, die Armut beschreiben und somit kann es zu einer Begriffsverwirrung kommen (vgl. Dietz 1997, 14). Grundsätzlich wird jedoch zwischen absoluter (vgl. Kapitel 2.2.2) und relativer Armut (vgl. Kapitel 2.2.1) unterschieden. Ferner lässt sich aus diesen beiden Definitionen das Armutskonzept der Lebenslagen (vgl. Kaptitel 2.2.3) ableiten.
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Die Armut in Deutschland hat eine lange Geschichte und ist durch unterschiedliche Veränderungen geprägt. Obwohl Deutschland zu den reichsten Ländern der Welt gehört, „hat es Armut - wenn auch nicht in der krassen Form, die wir von Entwicklungsländern kennen - immer gegeben“ (Werth 1991, 1). Bereits im Mittelalter gab es Armutsgruppen, wie beispielsweise den Bettlerstand (vgl. Iben 2002, 189). Jedoch fehlt in Deutschland „eine Tradition der empirischen und theoretischen Armutsforschung“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 12). Es benötigte eine lange Zeit, bis sich die Wissenschaft mit dem Thema Armut auseinandergesetzt hat. In der Nachkriegszeit Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts war die Armut in Deutschland weit verbreitet und galt bis in die 50er Jahre als allgemeine Notlage. „Beeinflusst durch günstige weltpolitische und ökonomische Rahmenbedingungen, wurde die Nachkriegsarmut im Verlauf der 50er-Jahre sehr bald durch das sog. Wirtschaftswunder, die Vollbeschäftigung, die Verstetigung des Wachstums und die Steigerung des privaten Wohlstandes abgelöst“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 12). Durch den wirtschaftlichen Aufschwung ab Ende der 50er Jahre konnte die Armut in der Bevölkerung verringert werden. Die Arbeitslosenquote sank von 1950 bis 1970 von circa elf auf 0,7 Prozent (vgl. Werth 1991, 122). „Armut entwickelte sich infolgedessen von einem Problem breiter Bevölkerungsschichten zu einem Problem der nicht in den Arbeitsprozessen integrierten bzw. nicht integrierbaren Personengruppen“ (Werth 1991, 122). Armut war somit für viele Personen gar kein Thema und betraf hauptsächlich die Gruppe der nichterwerbsfähigen Personen - wie beispielsweise alte, kranke, behinderte, sozial schwierige oder erziehende Menschen (vgl. Werth 1991, 129). Für diese Personengruppe galt die Armut häufig als unabänderliches Problem (vgl. Palentien 2004, 9). Durch die Große Rentenreform 1957 und das Bundessozialhilfegesetz 1961 machte es den Anschein, „dass Armut sozialpolitisch beherrschbar war“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 12). Mit dieser Regelung wurde zwar die finanzielle Grundsicherung gesichert, jedoch wurde Armut wieder nicht als gesamtgesellschaftliches Problem gesehen (vgl. Palentien 2004, 25). „Noch bis zum Ende der siebziger Jahre dominierte in der Bundesrepublik Deutschland, wie auch in vielen anderen westlichen Industriestaaten, die Vorstellung, Armut sei ausschließlich ein Phänomen, das in den so genannten Entwicklungsländern vorkomme“ (Palentien 2004, 9). Jedoch mit den Wirtschaftskrisen 1974/75 und 1981/82 wurde der deutschen Bevölkerung bewusst, dass Armut auch in ihrem Land eine Rolle spielt. „Von diesem Zeitpunkt an verstummte die Armutsdiskussion bis heute nie mehr grundsätzlich“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 14). Ab Mitte der 70er-Jahre fand ein Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft statt, der viele Entlassungen von Arbeitskräften mit sich zog (vgl. Werth 1991, 130 ff.). Auf-grund dieser Veränderung ist Armut nicht mehr nur ein Problem der Gruppe der nichterwerbs-
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fähigen, sondern auch der nichterwerbstätigen Personen. Zunächst wurde ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Armut vermieden, jedoch im Jahr 1976 „warf Heiner Geissler die „Neue Soziale Frage“ auf, indem er auf bislang nur unzureichend thematisierte benachteiligte Bevölkerungsgruppen, z. B. Alte, Frauen und Kinderreiche, hinwies“ (Palentien 2004, 27). Er sprach hiermit als Erster das Phänomen der „neuen Armut“ an. Arbeitslose und Familien „bildeten die sogenannten „neuen“ Armen“ (Palentien 2004, 28). Die Arbeitslosigkeit bezieht sich dabei auf Personen - zwischen 20 und 60 Jahren - im erwerbsfähigen Alter (vgl. Klocke 1996, 391).
In den 80er und 90er-Jahren nahm der Armutsanteil der Bevölkerung drastisch zu. 1980 gab es in Deutschland 1,4 Prozent Sozialhilfeempfänger, bis 1993 stieg dieser Anteil - um circa 136 Prozent - auf 3,3 Prozent an. Von 1994 bis 1999 nahm der Anteil der Sozialhilfeempfänger ein weiteres Mal um circa 16 Prozent zu und stieg auf 3,6 Prozent der Gesamtbevölkerung (vgl. Palentien 2004, 77). Armut ist kein Problem mehr einer Randgruppe, sondern „das Armutsrisiko betrifft heute die „Normalbevölkerung““ (Klocke 1996, 391). Jeder kann arm werden, niemand ist mehr geschützt. „Die Hauptursache für das wachsende Armutsrisiko der Haushalte ist die Arbeitslosigkeit, die alle Alters- und Berufsgruppen betrifft und weit in die „Mittelschicht“ der Gesellschaft hineingreift“ (Klocke 1996, 391). „Nach der Wiedervereinigung berichteten Armutsforscher/innen und Massenmedien über das Verarmen ganzer Landstriche im Osten Deutschlands, die alte und neu entstandene Migrantenarmut und vor allem die Armut von Kindern und Jugendlichen, die zur größten Betroffenengruppe avancierten“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 16).
Im Gegensatz zu der „alten Armut“ - die weiterhin existiert - bezieht sich die „neue Armut“ nicht auf eine spezifische Gruppe von Menschen, sondern konzentriert sich auf unterschiedliche arme Lebenslagen. Durch die „neue Armut“ sind völlig neue Gruppen von Armut betroffen - beispielsweise vollständige Familien oder Personen mit guter Ausbildung -, die zuvor nicht gefährdet waren. Vor der „neuen Armut“ bezeichnete Armut „eine abgeschottete und damit in beide Richtungen nahezu undurchlässige Grenze zwischen gesellschaftlichen integrierten und ausgegrenzten Menschen“ (Klocke 1996, 391). Diese klare Grenze besteht nun nicht mehr. „War in den siebziger Jahren Armut statistisch noch „alt“, „weiblich“ und sozialstrukturell verfestigt, ist sie heute - diesseits aller Ausdifferenzierungen - „jung“, „nicht-deutsch“, immer noch respektive wieder „weiblich“ (…), sowohl soziostrukturell verfestigt als auch biographisch heterogenisiert und in Großstädten zunehmend kleinräumig konzentriert“ (Dangschat 1996, 154).
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Aufgrund dessen, dass die Ungleichverteilung des Einkommens in den Jahren 2002 bis 2005 immer mehr zugenommen hat - „während der Anteil der höheren Einkommen immer mehr wuchs, sanken die Anteile der niedrigen Einkommensgruppen“ (BMAS 2008, 4) - nahm die Armutsrisikoquote von Erwerbstätigen immer mehr zu. 2005 wurde jedoch auch das Risiko der Einkommensarmut von 26 auf 13 Prozent und bei Kindern von 34 auf 12 Prozent gesenkt, dieses liegt gemäß BMAS (2008) an den sozial- und familienpolitischen Transferleistungen, des Sozialstaates (vgl. BMAS 2008, 4).
Die Erwerbstätigkeit von Eltern beeinflusst sehr stark das Armutsrisiko deren Kinder, denn „mit den Aufnahmen einer Vollzeitbeschäftigung durch ein oder mehrere erwerbsfähige Haushaltsmitglieder sinkt die Armutsgefährdung von Haushalten mit Kindern von 48% auf unterdurchschnittlich 8% bzw. 4% (BMAS 2008, 5).
Arbeitslosigkeit ist sehr häufig ein Grund für Armut, jedoch auch Ein-Eltern-Familien sind sehr häufig von Armut betroffen. Der Anteil der Alleinerziehenden hat in den letzten Jahren sehr stark zu genommen in Deutschland. „Insgesamt sind etwa 15 % aller Familien in der Bundesrepublik Deutschland Einelternfamilien“ (Palentien 2004, 194). In diesen Familien sind vier von zehn von der Einkommensarmut betroffen (vgl. Palentien 2004, 194). Aber auch Familien mit vielen Kindern leben sehr häufig in Armut. „Berechnungen zeigen, dass Familien mit drei und mehr Kindern in Ostdeutschland zu 46 % und in Westdeutschland zu 31 % arm sind“ (Palentien 2004, 194). Diese Werte zeigen bereits, dass Kinder und Jugendliche sehr häufig von Armut betroffen sind, dieses wird weiter in Kapitel 2.3 „Kinderarmut“ erläutert.
2.2 Unterteilungen von Armut
Wie bereits in Kapitel 2.1 erwähnt, gibt es viele Unterteilungen von Armut. In den folgenden Unterkapiteln 2.2.1 bis 2.2.3 sollen die wichtigsten Begriffe - relative Armut, absolute Armut und lebenslagenorientierte Armut - erklärt werden.
2.2.1 Absolute Armut
Die „absolute Armut“ hat die längste Tradition. Als Begründer gelten nach Werth (1991) die englischen Armutsforscher Ch. Booth und B. Seebohm Rowntree. Hier „gelten Menschen, deren physisches Existenzminimum nicht gesichert ist, als arm“ (Werth 1991, 8). Rowntree machte die Überlebensgrenze an drei Indikatoren fest: „Ernährung, Wohnen und Haushaltsartikeln (Kleidung, Licht, Brennstoff)“ (Dietz 1997, 85). Die Messgröße ist hierbei „ein allgemeines Äquivalent, auf das alle Befriedigungsmittel bezogen werden können - das
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Geld“ (Schäuble 1984, 42). Das Kriterium der absoluten Armut besteht in „der Fähigkeit zur Selbsterhaltung des Individuums“ (Dietz 1997, 87). Wird hierfür ein Betrag festgelegt und somit eine Grenze definiert, gilt derjenige als absolut arm, der sich unter dieser Grenze befindet. Es ist jedoch sehr schwierig „menschliche Grundbedürfnisse allgemeinverbindlich festzulegen“ (Werth 1991, 9). Jedoch ist das Hauptdefizit der absolute Armut, dass Sie sich ausschließlich auf das physische Überleben beschränkt (vgl. Werth 1991, 9). Das physische Überleben ist in den modernen Industrieländern größtenteils gesichert und deshalb spielt hier der absolute Armutsbegriff keine Rolle mehr. „Hier muss der Begriff der Armut neu definiert werden, nämlich nicht mehr bezogen auf einen absoluten, sondern auf einen relativen Maßstab“ (Palentien 2004, 62) (Kapitel 2.2.2). Armut im Sinne der Definition, der absoluten Armut, ist nur noch in Entwicklungsländern weit verbreitet (vgl. Werth 1991, 9). Aufgrund dessen, dass die Lebensunterhaltskosten zwischen und auch in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sind, lässt sich die Armut in den unterschiedlichen Ländern mit dem Konzept der absoluten Armut kaum vergleichen.
In Bezug auf die Kinderarmut ist der Begriff der absoluten Armut eher zu verwenden, weil hier häufig noch Defizite im Bereich der Ernährung auftreten.
2.2.2 Relative Armut
Bei der relativen Armut wird das „Haushaltsnettoeinkommen in Bezug zum jeweiligen national zu ermittelnden durchschnittlichen Nettoeinkommen aller Haushalte gesetzt“ (Dietz 1997, 96). Bezieht ein Haushalt weniger als die Hälfte des Durchschnittseinkommens des Landes, so gilt er als relativ arm (vgl. Iben 1998, 10). Hiervon „leiten sich „strenge“ Armut (40%) oder „Einkommensschwäche“ bzw. Niedrigeinkommen (60%) ab“ (Dietz 1997, 96). In den meisten Statistiken wird diese 50 Prozent-Grenze als Armutsschwelle genutzt, jedoch ist in der Europäischen Union „mittlerweile die Marke von 60 Prozent des durchschnittlichen Nettoäquivalenzeinkommens (ermittelt im Medianwert) als Armutsschwelle verbindlich festgelegt worden“ (Butterwegge / Holm / Imholz 2004, 19). Demnach gilt seit 2001 derjenige als arm, der weniger als 60 Prozent des Einkommensmedians besitzt. „Als relative Armut werden Mangelzustände bezeichnet, die sich am allgemeinen bzw. durchschnittlichen Lebensstandard einer festgelegten Population orientieren“ (Palentien 2004, 62). Das Problem ist hierbei, dass sich durch eine Veränderung aller Haushaltsnettoeinkommen nicht die Anzahl der Armen und Reichen wandelt. Dieses hängt mitunter damit zusammen, dass sich der Median bzw. die weiteren Grenzen nicht in Relation zu den Haushalten verän-
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Arbeit zitieren:
2009, Arme Kinder in der Grundschule und ihre Bildungschancen, München, GRIN Verlag GmbH
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Kinder- und Jugendarmut in Deutschland und ihre Auswirkungen auf die B...
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