Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Der Ursprung: Die Wissensklufthypothese 4
2.1 Grundlagen und Theorie der Wissensklufthypothese 5
2.2 Exkurs: Was ist Wissen? 6
2.3 Entwicklung und Kritik der Wissensklufthypothese. 8
3 Die Weiterentwicklung: Der „Digitale Divide“ 9
3.1 Internet als neue Dimension: Entstehung des „Digital Divide“ 9
3.2 Anatomisches: Digital Inequality 12
4 Digitale Ungleichheit: Wie Jugendliche das Internet nutzen 13
4.1 Vorstellung der Studie 13
4.2 Vom Real Life ins Virtual Life? Ergebnisinterpretation bezüglich der Fragestellung
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5 Ausblick 18
5.1 Wie Mensch und Maschine zusammen gebracht werden: „Usability 18
6 Fazit 20
7 Literaturverzeichnis. 22
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1 Einleitung
„Die interaktive Internet-Kultur ist nicht hierarchisch und wird nicht ‚verteilt’ - es handelt sich um ein echtes ‚Netz der Macht’. Alle Teilnehmer können ihre eigenen Homepages, ihre eigenen E-Mail-Adressen [...] haben. Im Internet wird jedermann zum Kulturproduzenten, und jeder ist Teilnehmer.“ (Don Tapscott 1998, S.118)
Don Tapscott spiegelt mit diesem Zitat von 1998 die Hoffnung derer wieder, die in den 90er-Jahren das neue Medium Internet als Grundlage einer gesellschaftlichen Umwälzung sahen. Demokratisierung und Partizipation aller - das waren vor nicht einmal 15 Jahren die Visionen vieler. Muss man diesen Netzoptimisten heute sagen: Herzlich Willkommen in der Realität? Die Wissenskluftthese hat in den vergangenen Jahrzehnten bereits den traditionellen Printmedien eine Katalysatorfunktion bei der ungleichen Verteilung von Wissen bescheinigt. Somit scheint also Wissen nicht für jedermann gleich zugänglich und verarbeitbar zu sein, was dem zur Folge auch zu sozialen Ungleichheiten führen muss. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit durch digitale Medien diese Wissenskluft sogar noch verstärkt wird und den Vorstellungen einer zu gleichen Teilen im virtuellen Raum partizipierenden und Nutzen ziehenden Gesellschaft widersprochen werden muss. Zu klären ist: Welche Differenzen gibt es bei der Nutzung der Inhalte? Welche Zugangsbarrieren gibt es? Welche Rolle spielen die formale Bildung und andere soziodemographische Faktoren? Dabei soll aufgezeigt werden, ob es einen signifikanten Zusammenhang zwischen den zur Verfügung stehenden Ressourcen im „real life“ der Jugendlichen und den entstehenden Nutzungsdifferenzen im Netz gibt. Anders formuliert: Setzt sich die Benachteiligung bestimmter sozialer Schichten im realen Leben hinsichtlich soziokultureller und ökonomischer Aspekte auch im virtuellen Leben fort?
Dafür soll im ersten Schritt die Entstehung und Grundidee der Wissensklufthypothese sowie ihre Problematik aufgezeigt werden. Dabei muss auch definiert werden, welche Vorstellung von Wissen dieser Arbeit zu Grunde liegt. Anschließend soll innerhalb der Forschungsrichtung der Wissenskluft der Übergang von traditionellen Medien zum Internet skizziert werden, der sich in der Forschung zunächst im Begriff „Digital Divide“ wiederspiegelte. Dass dieser Begriff jedoch nicht alle Dimensionen der Ungleichheit im Internet berücksichtigt, sondern einer Erweiterung bedarf, wird im Anschluss als „Digital Inequality“ thematisiert. In Kapitel 4 geht es um die Diskussion und Interpretation einer
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Studie 1 , die Nutzungsdifferenzen Jugendlicher beim Internetgebrauch untersucht hat. Sie zeigt, welche möglichen Indikatoren die Erzeugung digitaler Ungleichheit begünstigen. Obwohl der Titel dieser Arbeit und auch der Einstieg eher eine netzpessimistische Auffassung nahe legen, ist es dennoch wichtig, die Chancen, die das Internet unbestritten bietet, nicht zu vernachlässigen, sondern fruchtbar zu machen. Das fünfte Kapitel skizziert deshalb, welche Optimierungen bereits bei der Entwicklung/Konzeption von Onlineangeboten eine Rolle spielen könnten, um über strukturelle und soziale Differenzen hinaus, einen Bildungsraum für alle zu schaffen.
2 Der Ursprung: Die Wissensklufthypothese
In diesem Kapitel soll eingangs der theoretische Ursprung aufgezeigt werden, auf dem auch die Untersuchungen zur digitalen Ungleichheit basieren. Dabei greift die Verfasserin dieser Arbeit überwiegend auf Ausführungen von Heinz Bonfadelli zurück, der die Entstehung, Diskussion und Forschungsrichtungen der Wissensklufthypothese in mehreren Beiträgen untersucht hat.
Die Wissensklufthypothese beschreibt eine heterogene Verteilung von Wissen, abhängig vom sozialen Status innerhalb der Gesellschaft (vgl. Bonfadelli 2004, S. 254). Sobald von Wissensklüften gesprochen wird, bleibt es unerlässlich zu klären, welches Verständnis von Wissen vorliegt. Was ist Wissen? Wer definiert es? Ist es normativ? Diese Fragen beantwortet der Punkt 2.2. dieses Kapitels. Ebenso soll die forschungsinterne Diskussion angerissen werden, ob vermeintliches Nicht-Wissen tatsächlich als Defizit oder vielmehr als Differenz zu bewerten ist (vgl. ebd. 2004, S. 259). Da das erkenntnisleitende Interesse dieser Arbeit in der Untersuchung von Internetnutzung und der Wissensverteilung online liegt, wird abschließend nur die grobe Weiterentwicklungen der Wissenskluftperspektive angerissen, um sich in Kapitel 3 auf Wissensklüfte und das Medium Internets zu fokussieren.
1 Herangezogen wird hierzu die Studie von: Otto, Hans-Uwe/Kutscher, Nadia/Klein, Alexandra/Iske, Stefan (2005): Soziale Ungleichheit im virtuellen Raum: Wie nutzen Jugendliche das Internet? Erste Ergebnisse einer
empirischen Untersuchung zu Online-Nutzungsdifferenzen und Aneignungsstrukturen von Jugendlichen.
Publikation im Rahmen der Bundesinitiative Jugend ans Netz.
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2.1 Grundlagen und Theorie der Wissensklufthypothese
Das Jahr 1970: Das Fernsehen hat den - seit den 60er-Jahren einsetzenden - Höhepunkt seines Siegeszuges in deutsche Wohnzimmer als Massenmedium erreicht. Laut der ARD/ZDF-Langzeitstudie Massenkommunikation besaßen 1970 85 Prozent der Haushalte der Bundesrepublik ein Gerät (vgl. van Eimeren/ Ridder 2005, S. 492). Neben der Verbreitung von Radio und Zeitungen kann somit davon ausgegangen werden, dass die Mehrzahl der BundesbürgerInnen Zugang zu einem Massenmedium hatte. Doch dass der alleinige Zugang zu Informationen nicht auch einhergeht mit der homogenen Ausbreitung von Wissen, stellte ein Forscherteam im gleichen Jahr fest: Phillip J. Tichenor, George A. Donohue und Clarice N. Olien formulierten ihre Hypothese vom „Increasing Knowledge Gap“ 2 . Ihre Ausgangthese lautete:
„Wenn der Informationszufluss in ein Sozialsystem wächst, tendieren die Bevölkerungssegmente mit höherem sozio-ökonomischen Status und/oder höherer formaler Bildung zu einer rascheren Aneignung dieser Information als die status- und bildungsniedrigeren Segmente, so dass die Wissenskluft zwischen diesen Segmenten tendenziell zu- statt abnimmt.“
(hier: dt. Übersetzung nach Saxer 1978, S. 35f, vgl. auch Tichenor et al. 1970, S. 159-170) Die in Deutschland als Wissensklufthypothese rezipierte Behauptung verweist somit auf die sozialen Auswirkungen einer Informationsgesellschaft 3 und wendet sich gegen idealisierte Vorstellungen eines informierten und mündigen Bürgers und gegen eine bestehende Chancengleichheit. Denn nach Meinung der Wissenschaftler begünstigen mehr Informationsangebote sogar eine Gesellschaft, in der Wissen ungleich verteilt ist, indem „[...] jene, die bildungsmäßig und sozial privilegiert sind, die Medien vorteilhafter nutzen und so auch besser informiert sind und ihren Wissensvorsprung demnach sogar noch auszuweiten vermögen.“ (Bonfadelli 2004, S. 254, siehe auch Abbildung 1).
2 Dabei legen Tichenor/Donohue/Olien den Geltungsbereich ihrer Studie jedoch lediglich auf die Printmedien
(vgl. Arnhold 2003, S.93).
3 Information ist hier nicht mit Wissen gleichzusetzen, sondern meint lediglich die Menge von Daten (vgl. auch
Kapitel 2.2.).
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Abbildung 1: Visualisiertes Paradigma der Wissensklufthypothese (vgl. Bonfadelli 1994, S. 63)
Das amerikanische Forscherteam um Tichenor konkretisierte ihre These zusätzlich noch durch folgende Faktoren: So wiesen Menschen aus dem oberen sozialen Segment (a) eine größere Sensibilisierung gegenüber neuen Themen und Problematiken auf, zudem fördere das durch Schulbildung oder Mediennutzung erworbene (b) Vorwissen die Motivation und erleichtere den Lernprozess. Die (c) Kommunikations- und Medienkompetenz formal höher Gebildeter sei besonders im Zusammenhang mit der Nutzung von Printmedien differenzierter und die (d) Mediennutzung vielfältiger und sie bevorzugten informationsreichere Medien, wie Printmedien. Letztlich sei bei vielen Themen eine Ko-Orientierung erkennbar und (e) interpersonale Quellen ebenfalls bedeutsam (zit. nach Bonfadelli 2004, S. 254f). Diese Faktoren, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler, seien ausschlaggebend für eine ungleiche Wissensverteilung zwischen den sozialen Schichten.
2.2 Exkurs: Was ist Wissen?
„Wissen ist Macht“ stellte einst Francis Bacon in seinen „Meditationes sacrae“ fest (vgl. Erhardt 2004). Der Ausspruch des Philosophen aus dem 16. Jahrhundert ist längst zu einem geflügelten Wort geworden und wird gern und häufig von Vertretern aus Politik, Bildungswesen oder Forschung zitiert. Nicht zuletzt, weil die Weisheit Bacons fast immer passend ist. Dies allein deutet schon auf die Mehrdimensionalität des Zitats hin. Denn Wissen bedeutet heute nicht nur, mitreden zu können, sondern nimmt auch Einfluss auf die soziale Positionierung und Mobilität. Wer in der Lage ist, sich Wissen anzueignen, gewinnt
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Arbeit zitieren:
Rebekka Grupe, 2009, „Ich weiß was, was du nicht weißt...“ Von der Wissenskluft zum Digital Divide, München, GRIN Verlag GmbH
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