Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Kommunitarismus 4
3 MacIntyres Kritik 5
4 Aristoteles Konzeption 7
5 Die Tugenden 8
6 Gerechtigkeit als Tugend 14
7 MacIntyres Fazit 16
2
1 Einleitung
Gegenüber dem mündlichen Vortrag des Referats wurden in dieser schriftlichen Ausarbeitung einige Abänderungen und Ergänzungen vorgenommen. Es handelt sich dabei in erster Linie um Informationen die im Seminar vom Dozenten vorgetragen wurden, aber für das Verständnis von MacIntyres Theorie nötig sind.
Einleitend werden zunächst einige Informationen zum Kommunitarismus als philosophische Bewegung gegeben. Dabei wird auch John Rawls Konzeption kurz wiedergegeben. Dies war von Nöten, da Alasdair MacIntyre sich am Ende seiner Ausführungen explizit auf diese Theorie bezieht. Im Anschluss ist, die ebenfalls vom Dozenten vorgetragene, Kritik MacIntyres zur Aufklärung dargelegt. Schließlich kommt die schriftliche Ausarbeitung des eigentlichen Referats zu den Tugenden des Aristoteles’ und MacIntyres Übertragung auf die moderne amerikanische Gesellschaft. Das abschließe Fazit MacIntyres wurde durch weitere Informationen ergänzt.
3
2 Kommunitarismus
Der Kommunitarismus ist eine sehr junge philosophische Strömung. Er bildete sich erst zu Beginn der 1980er Jahre als Gegenbewegung zum Liberalismus
1
. Der Liberalismus als Philosophie wiederum erfuhr eine Renaissance durch John Rawls. 1971 publizierte Rawls „Eine Theorie der Gerechtigkeit“, indem er eine explizit liberale Gerechtigkeitstheorie vertrat
2
. Rawls verstand Gerechtigkeit im Sinne von Fairness, auf der Basis eines Kontrakts
3
. Eine zentrale Rolle bei Rawls spielte der sogenannte „Schleier des Nichtwissens“. Nach Rawls müssten sich Beteiligte an einer Wahl zu einem gerechten Gesellschaftssystem hinter einem Schleier des Nichtwissens befinden, um eine gerechte Wahl treffen zu können. Das hieße, sie wären jeglichen Wissens über ihre Rolle in der Gesellschaft, ihre Erziehung, Lebensziele, Neigungen, etc. beraubt. Ihnen verbliebe lediglich die Vernunft, ein Zweckrationalismus und eine elementare Vorstellung von Gerechtigkeit. Wäre eine solche Wahl möglich, so würden die Wähler nach Auffassung Rawls sich zunächst auf einige Grundsätze einigen, die individuelle Freiheiten garantieren
4
. Eine zweite Klasse von Grundsätzen beträfe die gerechte Güterverteilung. Rawls vertrat die Position, dass die Wähler eine gleiche Güterverteilung erwählen würden, da niemand im vorneherein wisse, wie viele der zu verteilenden Güter ihm oder ihr zustehen. Die Beteiligten würden lediglich unter einer Bedingung ein ungleiches Verteilungssystem wählen. Diese Bedingung besagt, dass bei ungleicher Verteilung die am schlechtesten Gestellten immer noch mehr bekommen, als bei einer gleichen Verteilung. Rawls erhob für diese Theorie den Anspruch universeller Gültigkeit
5
.
Wie bereits erwähnt bildete der Kommunitarismus einen Gegenpol zur Theorie Rawls. Wenn es sich auch um keine einheitliche Bewegung handelt und Kommunitarismus sich schwer in ein politisches links/rechts Schema einordnen lässt, so ist doch die Kritik am Liberalismus, im besonderen an John Rawls: „A Theory of Justice“, sowie an Kants deontologischer Ethik allen Vertretern dieser Strömung gemein. Des weiteren vertreten sie die Auffassung, dass der gemeinsame historischer Kontext und die Gemeinschaft, die community, die Moral bilden müssen. Eine universelle Gültigkeit irgendeiner ethischen Theorie lehnen sie ab 6 .
1
V. Weber: Tugendethik und Kommunitarismus; Würzburg; 2002; S. 34 ff.
2 J. Rawls: A Theory of Justice; Harvard; 1971 (im folgenden: Rawls; 1971).
3 Rawls; 1971; Kapitel 1.
4 Rawls; 1971; S. 81.
5 Rawls; 1971; S. 81 ff.
6 V. Weber: Tugendethik und Kommunitarismus; Würzburg; 2002; S. 34.
4
3 MacIntyres Kritik an der Aufklärung
MacIntyre betrachtet die Aufklärung nicht nur als gescheitertes Projekt, mitunter sogar als Katastrophe für die Moralphilosophie
7
. In ihrem Ergebnis sei uns, durch die Aufklärer, eine verwahrloste Sprache der Moral hinterlassen worden. Indem sie das Bezugsschema zerstörten, sei eine Bezugnahme auf den Kontext moralischer Überlegungen nicht mehr möglich
8
.
Ein erster Schritt aus diesem Dilemma, dem oft zitierten Sittenverfall und der Unfähigkeit diesem entgegenzuwirken, sei das Verstehen dieses Zustandes durch studieren der Geschichte, die aber ihrerseits dem Werteverfall unterliege. Daher stelle Geschichts- schreibung keine neutrale Chronik dar. Außerdem sei die oben erwähnte Katastrophe nicht einmal als solche erkennbar, da es sich um einen längere Zeit hinziehenden, komplexen und schwer zu erkennenden Prozess gehandelt habe, den man unterschiedlich deuten könnte. 9 Scheitern musste die Aufklärung, weil sich ein Widerspruch bildete zwischen den neuen Konzepten von moralischen Vorschriften und den Überzeugungen über die menschliche Natur, welche die Aufklärer vertraten. Der Fehler bestand in der Abwendung vom klassischen Moralsystem, welches Aristoteles in seiner „Nikomachischen Ethik“ 10 analysiert hatte, und das von den Scholastikern im Mittelalter durch theistische Elemente ergänzt worden war. Diese Ergänzung habe das ursprüngliche System jedoch nicht beeinflusst. 11 Nach Aristoteles bestehe ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Menschen wie er ist, und dem Menschen wie er sein könnte, wenn er sein wahres Wesen (sein Telos) erkennen würde. Die Ethik befähige den Menschen, den Übergang vom ersten in den zweiten Zustand zu erkennen und zu beschreiten. Diese Dreiteilung werde durch den theistischen Unterbau nicht beeinflusst. Die Liste der Tugenden und Untugenden sei lediglich erweitert worden, außerdem gelten sie als Wort Gottes und Zuwiderhandeln als Sünde. Schließlich könne der Mensch sein Ziel nur noch im Leben nach dem Tod erreichen. MacIntyre hält diese Modifikationen für unbedeutend, da dass Grundkonzept mit dem Menschen wie er ist, wie er sein könnte, wenn er sein Telos erkennen würde und der Tugendethik als Mittler, bestehen bleibe. Es handele sich lediglich um eine doppelte Norm. Auf der einen Seite seien die Handlungsweisen geeignet, dem Menschen sein Ziel erreichen zu lassen, auf der anderen Seite handele es sich um Gottes Gesetz, dass allerdings für die Vernunft einsichtig sei.
7
Alaisdair MacIntyre: Der Verlust der Tugend; Frankfurt a. M.; 1995; Kapitel 1 (im folgenden: MacIntyre; 1995).
8 MacIntyre; 1995; S. 76 ff.
9 MacIntyre; 1995; S. 15.
10 Aristoteles: Nikomachische Ethik; Berlin; 1956.
11 MacIntyre; 1995; S. 77/78.
5
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Daniel Brockmeier, 2003, Alasdair MacIntyres Gegenkonzept zum Projekt der Aufklärung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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