Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, Glossar
Abbildungen
1. Schema des außenpolitischen Willensbildungsprozesses S. 40 2. Politisches Kommunikationsdreieck S. 41 3. Akteure auf argentinischer Seite S. 41 S. 42 4. Modell der internationalen politischen Kommunikation 5. Informationshierarchie S. 43
Abkürzungen
AS Acción Psicológica BBC British Broadcasting Corporation BIP Bruttoinlandsprodukt bzw. beziehungsweise CNN Cable News Network Ders/Dies. Derselbe, Dieselbe d.h. das heißt ebd. ebenda EG Europäische Gemeinschaft EMP Elektromagnetischer Puls f., ff. folgende Seite, folgende Seiten GG Grundgesetz HMS Her Majesty’s Ship IGH Internationaler Gerichtshof (in Den Haag) InfoOps Information Operations InfoW Information Warfare MEDIAOPS Media Operations MoD Ministry of Defence, britisches Verteidigungsministerium NATO North Atlantic Treaty Organization, Nordatlantikvertrag-Organisation OAS Organisation Amerikanischer Staaten ö.M. öffentliche Meinung PR Public Relations, Öffentlichkeitsarbeit PsychK Psychologische Kriegsführung
vi
PSYOPS Psychological Operations S. Siehe, Seite SAS Special Air Service, britische Kommandotruppen SELA Sistema Económico Latinoamericano y del Caribe, das Lateinamerikanische Wirtschaftssystem s.u., s.o. siehe unten, siehe oben u.a. unter anderem UN Vereinte Nationen USA Vereinigte Staaten von Amerika v.a. vor allem Vgl. Vergleiche z.B. zum Beispiel zit. zitiert z.T. zum Teil
Glossar
10 Downing Street Amtssitz des britischen Premierministers Belgrano argentinischer Lenkwaffenkreuzer, Flaggschiff bias Schieflage, Verzerrung black box Politikwissenschaftlicher Begriff, der interne Komplexität ausblenden soll und nur input und output betrachtet cleavage Kluft DC-4 Verkehrsflugzeug D-Day allgemein Tag einer großen militärischen Operation, speziell die alliierte Landung in der Normandie 1944 Exocet damals hochmoderne Luft-Boden-Rakete fog of war Nebel des Krieges, dem Kriege inhärentes Chaos Foreign Office britisches Außenministerium Harrier britischer Senkrechtstarter-Kampfbomber House of Commons britisches Unterhaus Junta Militärregierung Northwood Sitz des britischen Oberkommandos für Übersee-Operationen outcome Einwirkung politischer Geschehnisse auf das internationale
policy politische Entscheidung, inhaltliche Dimension von Politik Revolution in Military Veränderungen militärischer Strategie durch technische Affairs (RMA) Neuerungen Torre de los Ingleses prominenter, durch Briten erbauter Turm in Buenos Aires Whitehall verschiedene britische Ministerien win-set Menge der innenpolitisch durchsetzbaren Ergebnisse internationaler Verhandlungen
Auf eine Aufzählung und Erklärung der meisten genannten militärischen Einheiten wird bewusst verzichtet, weitere Termini sind im Fließtext oder in Fußnoten erklärt.
vii
Inhaltsverzeichnis
S.
i. Kartenmaterial iii
ii. Abbildungs- und Abkürzungsverzeichnis, Glossar vi
1. Einleitung 12
1.1. Vorgehensweise 17
1.2. Forschungsstand und Quellenkritik 18
2. Grundlegende Informationen 19
2.1. Historische Hintergrundinformationen 19
2.1.1. Kurze Geschichte der Falklandinseln 20
2.1.2. Abriss der britisch-argentinischen Beziehungen bis 1982 20
2.2. Innenpolitische Situation 25
2.2.1. Argentinien 25
2.2.2. Großbritannien 28
2.3. Außenpolitische Situation 29
2.3.1. Argentinien 29
2.3.2. Großbritannien 32
3. Theoretischer Teil 34
3.1. Begriffliche Klärung 34
3.2. Die Rolle der (Print-) Medien für die öffentliche Meinung 36
3.3. Öffentliche Meinung als Restriktion für außenpolitisches Handeln 38
3.4. Interessen und Handlungszwänge der einzelnen Akteure 43
3.4.1. Medien 44
3.4.2. Regierung/Militär 46
3.5. Propaganda 49
3.5.1. Zensur 50
3.5.2. Agenda-setting 52
4. Fallstudien 53
4.1. Argentinien 53
4.1.1. Strukturelle Aspekte 53
4.1.2. Inhaltliche Grundlinien 58
4.1.3. Mediendaten La Nación 60
4.1.4. Fallstudie: La Nación im Falklandkrieg 60
4.1.5. Beispiele für Desinformation 62
9
4.2. Großbritannien 62 4.2.1. Strukturelle Aspekte 62
4.2.2. Inhaltliche Grundlinien 72
4.2.3. Mediendaten The Times 73
4.2.4. Fallstudie: Die Times im Falklandkrieg 74
4.2.5. Beispiele für Desinformation 76 5. Schlussbetrachtung 77
80 Literaturverzeichnis
ANHÄNGE 90 I. Zeittafel (britische Sicht) II. Zeittafel (argentinische Sicht in La Nación) III. Infostand, aufgenommen im Zentrum Córdobas am 19.08.07 IV. Eine der großen Überlandbus-Gesellschaften in Argentinien, aufgenommen
V. Ausstellungsplakat aus dem Museo Histórico Nacional del Cabildo y de La
1. Einleitung
Am 2. April 1982 wurde die Weltöffentlichkeit von der Besetzung der Britischen Dependenz 1 Falklandinseln 2 (52°S/59°W) durch argentinische Truppen überrascht. Eine umgehend in Marsch gesetzte britische Task Force landete anderthalb Monate später, nach gescheiterten Vermittlungsbemühungen u.a. der amerikanischen und der peruanischen Regierung, Truppen auf den der argentinischen Küste vorgelagerten Inseln an und eroberte den aus zwei Haupt- und ca. 780 kleineren Inseln bestehenden Archipel in blutigen Kämpfen zurück. Am 14. Juni kapitulierte der argentinische Militärgouverneur in der 13.000 km von London entfernten Inselhauptstadt Port Stanley (das zwischenzeitlich in Puerto Argentino umbenannt worden war). Das Schicksal der argentinischen Junta war durch die Niederlage besiegelt.
Der Konflikt umfasste räumlich auch die administrativ von den Falklands abhängigen Inselgruppen Südgeorgien (54°-55°S/35°-38°W) und die Südlichen Sandwichinseln (58°S/ 38°W). Das unbefugte 3 Anlanden argentinischer Arbeiter auf Südgeorgien am 19. März war ein wichtiger Vorläufer des Konflikts, fand aber nur geringe Beachtung in den Medien 4 . Die beiden Archipele blieben Nebenkriegsschauplatz.
In der Literatur wird sowohl vom Falklandkonflikt als auch vom Falklandkrieg gesprochen. In britischen Quellen ist häufig auch von einer campaign, einem Feldzug, die Rede. Der Krieg wurde zwar nie erklärt 5 (wie eigentlich kaum ein Krieg in den vergangenen hundert Jahren), weshalb man die Kriegserklärung als notwendige und hinreichende Bedingung für einen Krieg vernachlässigen kann, jedoch sind de facto sowohl die Minimaldefinition des „organisierten und zeitlich andauernden Einsatz[es] militärischer Gewalt“ 6 , das Vorhandensein mindestens einer Kriegspartei mit Staatsqualität 7 als auch (knapp) die weitergehende Erfordernis von 1000 Toten pro Jahr 8 erfüllt. In dieser Arbeit wird
1 Seit 2002: Britisches Überseegebiet.
2 Die Benennung durch die UN lautet Falkland Islands (Islas Malvinas), z.B. in den Sicherheitsratsresolutionen: http://daccessdds.un.org/doc/RESOLUTION/GEN/NR0/435/26/IMG/NR043526.pdf?OpenElement, [15.06.2008]. Der Einfachheit halber werden ohne irgendeine Wertungsabsicht weitgehend die englischen Bezeichnungen benutzt.
3 In der Literatur zwischen argentinischen und britischen Autoren umstritten.
4 „M. ist ein Sammelbegriff für alle audiovisuellen Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern, Nachrichten etc. Zu den Massen-M. zählen insbesondere die Presse (Zeitungen, Zeitschriften), der Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und in zunehmendem Maße auch das Internet.“ Schubert, Klaus & Klein, Martina: Das Politiklexikon, Bonn 2006.
5 Vgl. Freedman, Sir Lawrence: The Official History of the Falklands Campaign, Vol. II, London 2005, S. 90 ff.
6 Ruloff, Dieter: Wie Kriege beginnen - Ursachen und Formen, München 2004, S. 22.
7 Vgl. Gantzel, Klaus Jürgen: Über die Kriege nach dem Zweiten Weltkrieg - Tendenzen, ursächliche Hintergründe, Perspektiven, abgerufen unter http://www.zeitgeschichteonline.de/zol/_zf/documents/pdf/gantzel_mge.pdf, [01.08.08], S. 299.
8 Vgl. Uppsala Conflict Data Program:
http://www.pcr.uu.se/research/UCDP/data_and_publications/definitions_all.htm ,[30.08.08]. Wenn man die
12
schon alleine aus Gründen sprachlicher Abwechslung und damit besserer Lesbarkeit keine strikte Trennung zwischen den Begriffen Krieg und Konflikt vorgenommen. 9 Auf den Falklandinseln lebten 1980 1.813 Einwohner fast ausschließlich britischer Abstammung, bei einer Landfläche von 12.173 km²; damit ist der Archipel also etwas kleiner als Wales und größer als Jamaika. Die britischen Besitzungen im Südatlantik umfassen auch Ascensión (7°58'S/14°24'W), das während des Anmarsches als wichtiger Stützpunkt diente, das dem Angolabecken vorgelagerte St. Helena (15°57′S/5°42′W) sowie die Inselgruppe Tristan da Cunha (22°59'S/41°58'W). 10
Die Auseinandersetzung dort, zwischen zwei Verbündeten der USA während des Kalten Krieges, wird häufig als Anachronismus 11 und Duellkrieg 12 bezeichnet und war militärisch, temporal, lokal sowie in Bezug auf ihre Zielsetzung begrenzt. 13 Auf beiden Seiten waren jeweils nur Truppen in Divisionsstärke im Einsatz. Die britische Task Force umfaßte 28.000 Mann, von denen 10.000 an Land gingen; die argentinischen Streitkräfte auf dem Archipel zählten 14.000 Mann. 14 256 Briten und 755 Argentinier fielen nach offiziellen Angaben, ferner kamen drei Inselbewohner zu Tode. 15 Die Argentinier vermieden bei der Landung die Tötung britischer Soldaten, da sie eine Eskalation des Konflikts unbedingt vermeiden wollten. Eine der auffälligen Besonderheiten der Auseinandersetzung war ferner die strikte Einhaltung der Genfer Konventionen. 16 Aufgrund des langen Anmarschweges war eine Verhandlungslösung zwar durchaus möglich, beide Seiten führten jedoch einen
kurze Kriegsdauer berücksichtigt und dann die Opfer auf ein Jahr hochrechnet kommt man sogar auf ca. 5.000 Gefallene.
9 Alexander Görke hat hier eine interessante systemtheoretische Herangehensweise: Ein Konflikt tritt ein, wenn einer Kommunikation widersprochen wird. Menschliche Interaktion ist demnach eine Abfolge von Konflikten. Kriege werden als gewaltsame Eskalation von Konflikten verstanden. Vgl. Görke, Alexander: Zwischen Selbstbehauptung und Vereinnahmung - Strukturen und Funktionen journalistischer Krisenkommunikation, in: Löffelholz, Martin (Hrsg.): Krieg als Medienereignis II - Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004, S. 121-144, S. 122.
10 Weiter zu nennen sind hier noch die in norwegischem Besitz befindliche Insel Bouvet (54°26′S/3°24′O), auf welcher sich der norwegische Territorialanspruch in der Antarktis u.a. gründet, sowie einige brasilianische Inseln, s. Karte am Beginn.
11 „[...] [S]pace-age weapons were used to fight a conflict that seemed a throwback to the nineteenth century.” Kaufman Purcell, Susan: War and Debt in South America, in: Foreign Affairs, Vol. 61, Nummer 3, 1982, http://www.foreignaffairs.org/19830201faessay8317/susan-kaufman-purcell/war-and-debt-in-southamerica.html, [03.07.08], Anfang des Textes. Es kam allerdings auf der anderen Seite mehrfach zu Nahkämpfen mit aufgepflanztem Bajonett.
12 Vgl. Ruloff, Wie Kriege beginnen, S. 142.
13 Adams, Valerie: The Media and the Falklands Campaign, Houndmills 1986, S. 3. In Bezug auf die Gefallenenzahlen läßt sich festhalten, dass z.B. im Zweiten Weltkrieg rein rechnerisch pro Stunde wesentlich mehr Soldaten gefallen sind als im gesamten Falklandkrieg auf beiden Seiten.
14 Vgl. ebd., S. 102.
15 Vgl. Etschmann, Wolfgang: Vor 25 Jahren: Der Krieg um die Falkland-Inseln - ein untypischer Krieg, http://www.bmlv.gv.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=565, [29.07.2008].
16 Vgl. Fraga, Rosendo: La opinión pública en el conflicto Malvinas, http://www.nuevamayoria.com/ES/ANALISIS/fraga/arg/070330.html, [30.07.2008].
13
„Nervenkrieg“, der schließlich keiner der Konfliktparteien „mehr einen Rückzug ohne verheerenden Prestigeverlust ermöglichte“ 17 .
Häufig findet sich v.a. in vorwissenschaftlicher Literatur und Artikeln die Frage nach der Bedeutung der Inselgruppe, z.B. wird nur die Rolle als Produktionsort für Wolle und Tran erwähnt. 18 Die Inseln sind zwar unbewaldet, aber nicht so karg und unwirtlich wie meistens beschrieben. 19 Sie werden immer wieder als unbedeutende Felsen am Ende der Welt dargestellt. Hier ist eine mangelnde Kenntnis der geostrategischen Bedeutung 20 der Falklands zu konstatieren, die nämlich die Kontrolle über zwei der wichtigsten Seepassagen, die Drake-Passage und die Magellanstraße, versprechen. Anfang der 1980er Jahre wurden 70 % des strategischen Mineralbedarfs der NATO um das Kap Horn herum verschifft. 21 Im Falle einer Schließung des Panamakanals würde die Drake-Passage womöglich zu einer der wichtigsten Schifffahrtstraßen überhaupt. 22 Die argentinische Seite sieht z.T. überhaupt keine strategische Bedeutung der Inseln für den Westen, und erstaunlicherweise auch nicht für Argentinien selbst. 23
Es ist ferner von besonderer Wichtigkeit, die Bedeutung der Inseln im Südatlantik für den Zugang zur Antarktis zu sehen. 24 Die durch den Antarktisvertrag von 1959 suspendierten territorialen Ansprüche Chiles, Argentiniens und Großbritanniens überlappen sich teilweise und basieren u.a. auf der Territorialhoheit über die vorgelagerten Inseln. 25 Weiter gibt es Vorkommen von Öl und Gas sowie Fischgründe 26 und bedeutende Krillvorkommen, auch wenn bei einer genauen Betrachtung der ökonomischen Aspekte die Bedeutung der Inseln möglicherweise auch nur als gering einzuschätzen ist. 27
17 Ruloff, Wie Kriege beginnen, S. 147.
18 Vgl. z.B. Rheinischer Merkur Nr. 13, 2007, S. 10.
19 Vgl. Strange, Ian J.: The Falkland Islands, Newton Abbot 1983, S. 18. Es ist im dortigen Winter z.B. etwas wärmer als im britischen Winter. Vgl. Freedman, Sir Lawrence: The Official History of the Falklands Campaign, Vol. I, London 2005, S. 1.
20 „Inseln haben aus geostrategischer Sicht eine magnetische, ja magische Anziehungskraft. Es ist kein Zufall, dass eine der bedeutendsten Seeschlachten des Ersten Weltkrieges in den Gewässern des Falkland-Archipels ausgetragen wurde.“ Höpker, Südatlantik, S. 14.
21 Vgl. King, John: Part One: A View from Britain, in: The Royal Institute of International Affairs & Centro de Investigaciones Europeo-Latinoamericanas: British-Argentine Relations: A Joint Report, London & Buenos Aires 1991, S. 1-62, S. 31.
22 Davon ausgehend, dass trotz globaler Erwärmung die Nordwestpassage unschiffbar bleibt. Vgl. auch Höpker, Südatlantik, S. 50 f.
23 Diese Sichtweise von Margheritis und Tedesco ist zumindest skeptisch zu betrachten. Vgl. Margheritis, Ana & Tedesco, Laura: Part Two: A View from Argentina, in: The Royal Institute of International Affairs & Centro de Investigaciones Europeo-Latinoamericanas: British-Argentine Relations: A Joint Report, London & Buenos Aires 1991, S. 63-105, S. 69 f.
24 Vgl. Quester, George H.: The Falklands and the Malvinas: Strategy and Arms Control, ACIS Working Paper No. 46, Center for International and Strategic Affairs, UCLA 1984, S. 17.
25 Vgl. Höpker, Südatlantik, S. 50.
26 Vgl. Margheritis & Tedesco: Part Two: A View from Argentina, S. 90 ff.
27 Vgl. King: Part One: A View from Britain, S. 33.
14
Es ist zu unterstreichen, dass der Streit um die Inseln weiterhin schwelt. Die argentinische Regierung erneuert jährlich ihren Anspruch auf die drei Inselgruppen im Südatlantik, 28 der Slogan „¡Malvinas Argentinas!“ ist in Argentinien als Graffito, Plakat und in diversen anderen Formen omnipräsent. 29 Jedes Schulkind lernt dort, dass die Inseln argentinisch seien. Allerdings hat die argentinische Regierung seit 1995 mehrmals bekräftigt, ihren Anspruch nur noch auf dem Verhandlungswege durchsetzen zu wollen. 30 Die hier unternommene vergleichende Untersuchung v.a. der strukturellen Bedingungen der Medienberichterstattung in den beiden nationalen Leitmedien ist lohnend, weil ein Krieg, in den die eigene staatlich verfasste Gesellschaft verwickelt ist - das ist ein locus communis - die höchste Salienz 31 in der jeweils eigenen Medienberichterstattung hat. 32 Und diese Medienberichterstattung ist „zu einem effektiv mitbestimmenden Element zwischenstaatlicher Rivalität [...] geworden.“ 33 Nur wenige Ereignisse mit noch schärferer Hervorgehobenheit sind denkbar. Sich lange hinziehende Kriege mögen zwar, sofern nur militärisches „Tagesgeschäft“ betrieben wird, langsam teilweise von der Titelseite verdrängt werden, ein Krieg aber von der kurzen Dauer des hier behandelten Waffengangs genießt höchste Prominenz. Krieg ist spannend. Ernsthafte Konkurrenz bekam der Falklandkonflikt in seiner Eigenschaft als Aufmacher teilweise auch erst durch einen anderen Krieg, nämlich die israelische Invasion in den Libanon am 4. bzw. 6. Juni 1982, sowie durch den Papstbesuch in Großbritannien (28. Mai - 3. Juni) und Argentinien (10. - 13. Juni). Ferner lässt sich im vorliegenden Fall die Berichterstattung in einem autoritären und in einem liberalen Mediensystem direkt vergleichen, wobei die Strukturen von Mediensystemen kaum besser herausgestellt werden können als durch Kriegsberichterstattung. 34 Es wird davon ausgegangen, dass zwischen Argentinien und Großbritannien eine „Informations-
28 Zuletztim Dezember 2007 durch die neue Präsidentin Christina Fernández de Kirchner: http://www.timesonline.co.uk/tol/news/world/us_and_americas/article3031682.ece, [18.07.2008].
29 S. dazu eigene Photos aus Argentinien im Anhang
30 Vgl. https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/fk.html, [23.08.2008].
31 Die wichtigsten Faktoren für einen hohen Nachrichtenwert sind „Frequenz (Neuigkeit, Aktualität), Auffälligkeitsschwelle (Intensität), Eindeutigkeit, Bedeutsamkeit (Relevanz; Interesse; Universalität; Betroffenheit; geografische, politische, ökonomische und kulturelle Nähe zum Ereignis; Möglichkeit von besonders inlandsorientierter Anschlusskommunikation), Konsonanz (Erwartung) Überraschung (Unvorhersehbarkeit; Kuriosität, Kontinuität, Variation, Elite-Bezug (Prominenz-Nation; - Person [sic!]) Personalisierung und Negativismus.“ Hahn, Oliver: Reiz und Routine - Neue alte Kriterien der Nachrichtenauswahl, in: Löffelholz, Martin/ Trippe, Christian F./ Hoffmann, Andrea C. (Hrsg.): Kriegs- und Krisenberichterstattung - Ein Handbuch, Konstanz 2008, S. 231-235, S. 231.
32 „Internationale Beziehungen/Falklands“ war im März 1982 in der britischen Öffentlichkeit kein Thema, wurde dann in der zweiten Aprilwoche von 27 % der befragten Briten als wichtigstes Thema genannt, einen Monat später von 42 %, im Juni dann noch von 30 %. Vgl. Wybrow, Robert J.: The Gulf Crisis: A British Perspective, in: International Journal of Public Opinion Research, Vol. 3 No. 3, 1991, o.S.
33 Koschwitz, Hansjürgen: Der Falkland-Krieg als Medienereignis - Zur Rolle der Massenkommunikationsmittel im internationalen Konflikt, in: Publizistik, Januar-März 1983, S. 56-73, S. 56.
34 Vgl. Baumgartner, Andreas: Krieg in den Medien - Medien im Krieg - Eine exemplarische Untersuchung zur Berichterstattung über den Zweiten Golfkrieg 1992, in: Medien & Zeit, Nr. 9, Wien 1994, S. 10-22, S. 10.
15
asymmetrie“ 35 bestand, da auf beiden Seiten eine Kontrolle des Informationsflusses in unterschiedlichem Maß möglich war. Eine zentrale Frage ist, welches Mediensystem militärisch und politisch effektiver war: das nur indirekt zu beeinflussende, liberale britische oder das unmittelbarer steuerbare, autoritäre argentinische System. In der Literatur herrscht weitgehender Konsens, dass der Krieg bzw. die Berichterstattung über den Krieg (unabhängige Variable) wesentlich zur Wiederwahl Thatchers (abhängige Variable) beitrug. 36 Der Sturz der Junta (ebenfalls abhängige Variable) nur drei Tage nach der Kapitulation in Port Stanley steht ebenfalls mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in direktem kausalen Zusammenhang mit der plötzlichen Niederlage, die in Widerspruch zu den ständigen Siegesmeldungen in der argentinischen Presse und dem damit erzeugten „espíritu belicista“ 37 stand. Die argentinische öffentliche Meinung erwartete bis zuletzt den Sieg. 38 Trotzdem gilt in der Kommunikationsforschung als gesichert, dass von einer Betrachtung des Medienangebots ausgehend nicht unmittelbar und monokausal auf die Medienrezeption und damit Veränderungen der öffentlichen Meinung geschlossen werden kann. 39 Es ist also unbedingt nötig, intervenierende Variablen zu berücksichtigen (s. Schlussbetrachtung). Hier wird deutlich, dass in dieser Untersuchung nur ein Teilaspekt des Information Warfare exemplarisch betrachtet wird, nämlich die Berichterstattung in ausgesuchten Printmedien. Der Begriff umfasst eigentlich auch z.B. die elektronische Kriegsführung; dazu unten mehr.
Besonderer Dank gilt den Mitarbeitern des Archivo del Congreso in Buenos Aires und der Parliamentary Archives im House of Commons in London, ohne deren bevorzugte Behandlung bei der Recherche diese Arbeit so nicht möglich gewesen wäre.
35 Jäger, Thomas & Viehrig, Henrike: Internationale Ordnung und transatlantische Wahrnehmungen: Die medial vermittelte Interpretation der Darfur-Krise in den USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien, AIPA, 3/2005, Köln, S. 2.
36 Vgl. Sturm, Roland: Entwicklung Großbritanniens seit 1945, in: Informationen zur politischen Bildung, 262, http://www.bpb.de/publikationen/00577604947219553231294104464435,2,0,Entwicklung_Gro%DFbritanniens _seit_1945.html [18.03.08].
37 Laut einer Umfrage durch Gallup waren nach dem ersten Angriff der Briten auf Port Stanley am 1. Mai 90 % der befragten Einwohner von Buenos Aires für den Krieg. Vgl. Cardoso, Óscar Raúl/ Kirschbaum, Ricardo/ van der Kooy, Eduardo: Malvinas - la trama secreta, Barcelona 1985, S. 158.
38 Laut einer Gallup-Umfrage v. 30.04.1982 erwarteten 76 % der befragten Argentinier einen argentinischen Sieg im Falle eines Waffengangs, nur 3 % einen britischen, der Rest „weiß nicht“. Vgl. Wiñazki, Miguel: La Noticia Deseada - Leyendas y fantasmas de la opinión pública, Buenos Aires 2004, S. 164.
39 Vgl. Löffelholz, Martin: Krisen- und Kriegskommunikation als Forschungsfeld, in: Ders. (Hrsg.): Krieg als Medienereignis II - Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004, S. 13-58, S. 38.
16
1.1. Vorgehensweise
Zunächst soll der Leser im zweiten Teil der Arbeit durch eine bewusst kurze Einführung in den historischen Hintergrund des Konflikts und eine knappe Schilderung der innen- und außenpolitischen Rahmenbedingungen in die Lage versetzt werden, die Analyse der Berichterstattung zum Falklandkonflikt in ihren Kontext einzuordnen. Im dritten Teil der Arbeit soll das theoretische Fundament gegossen werden. Es wird diskutiert, inwieweit Medienberichterstattung die öffentliche Meinung und so mittelbar speziell den außenpolitischen Entscheidungsprozess (restriktiv) beeinflusst. Besonderes Augenmerk gilt der Untersuchung der Möglichkeiten, durch Medienberichterstattung Krieg zu beeinflussen. Wie kann Information v.a. im Rahmen von Propaganda zur Waffe werden? Schließlich soll im vierten Teil dieser Arbeit in Form zweier Fallstudien eine Darstellung der jeweiligen Mediensysteme und die Untersuchung v.a. der strukturellen Bedingungen der Berichterstattung in den beiden Tageszeitungen La Nación und The Times erfolgen. Hier wird von der Makro- (nationales Mediensystem), über die Mikro- (Zeitung) schließlich bis auf die Individualebene des Kriegsberichterstatters vorgegangen. 40 Ferner werden einige Beispiele für die erfolgte Desinformation herausgearbeitet. Eine ursprünglich geplante, in sich geschlossene quantitative Inhaltsanalyse der Berichterstattung über den Falklandkrieg würde den vorgegebenen Rahmen sprengen und ist ohne die Hilfe mehrerer menschlicher Codierer bzw. die eben dafür benötigten finanziellen Mittel nicht zu bewerkstelligen. Eine Untersuchung insbesondere der Valenz von Artikeln nur durch einen einzelnen Codierer wird sich immer dem Vorwurf der Subjektivität ausgesetzt sehen. 41 Die zu untersuchenden Jahrgänge sind nur für die Times digitalisiert verfügbar und ermöglichen Schlagwortsuchen, aber auch in diesem Fall wegen des Dateiformats nicht für eine elaborierte, computergestützte Inhaltsanalyse geeignet, die den immensen Arbeitsaufwand verringern würde und der Erfordernis der Intersubjektivität eher Rechnung trüge. Die entsprechenden Ausgaben von La Nación wurden zwar bereits in kostenintensiver Recherche im Archivo del Congreso - die Zeitung verfügt nicht über ein eigenes Archiv - auf Mikrofilm gesichtet und alle relevanten Seiten kopiert, doch sind in diesem Fall einige Lücken in der Archivierung sowie der schlechte physische Zustand der Originale zu beklagen. Etliche Artikel sind schlicht nicht mehr lesbar. Für die quantitative Inhaltsanalyse mit qualitativen Exkursen wird in diesem Fall auf eine geplante Dissertationsschrift verwiesen, anhand welcher die sich bereits in dieser Diplomarbeit ergebenden Hypothesen prüfen ließen,
40 Für die argentinische Seite fehlen hier weitestgehend Quellen, zumal nur drei argentinische Journalisten offiziell auf den Inseln waren.
41 Vgl. Rössler, Patrick: Inhaltsanalyse, Konstanz 2005, S. 148, S. 167.
17
wobei dann auch die Analyse führender sowjetischer und US-amerikanischer Zeitungen lohnend wäre.
Nicht erörtert werden sollen die völkerrechtlichen Aspekte, zu denen eine Flut von Publikationen erschienen ist; auch wird auf die Aufarbeitung der Vermittlungsversuche u.a. durch den US-amerikanischen Gesandten Alexander Haig verzichtet. Die Diskussion der Besitzansprüche Argentiniens und des Vereinigten Königreichs ist spannend, auch als Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Rechtstraditionen, kann aber im Rahmen dieser Arbeit nicht angemessen dargestellt werden. 42 Es muss zumindest betont werden, dass es kein rechtskräftiges Urteil, etwa des IGH, gibt und dass beide Seiten überzeugende Argumente anführen.
Ähnliches gilt für die militärischen Details des Krieges. Hier müssen die Zeittafeln im Anhang genügen. Referenzwerke sind hier für die britische Seite Sir Lawrence Freedmans Geschichte des Krieges 43 und für die argentinische Seite die detaillierte Darstellung von Pablo Camogli 44 , das letztere wie fast alle argentinischen Darstellungen mit z.T. starken nationalistischen Untertönen. Auf deutsch ist eine übersichtliche österreichische Studie des Militärhistorikers Wolfgang Etschmann zu empfehlen. 45
1.2. Forschungsstand und Quellenkritik
Die Quellenlage zur britischen Medienberichterstattung ist deutlich besser als die zur argentinischen, obwohl der Konflikt in Argentinien noch heute eine größere Rolle im öffentlichen Diskurs spielt. 46 Über die Gründe für diese Schieflage kann hier nur spekuliert werden; Schamgefühle, weitergehende Geheimhaltungspflichten sowie fehlende Sprachkenntnisse des Spanischen bei ausländischen Wissenschaftlern könnten eine Rolle spielen. Mit der Untersuchung der strukturellen Bedingungen auf argentinischer Seite und dem Vergleich an sich in dieser Form wird weitgehend Neuland betreten. Besondere Kommentierung im Rahmen der bearbeiteten Literatur verdienen v.a. zwei Monographien. Ingo Ossendorff geht in seiner 1987 vorgelegten Dissertation mit qualitativen Methoden hermeneutisch an die vergleichende Analyse mehrerer britischer und argentinischer
42 Eine hervorragende Zusammenfassung der völkerrechtlichen Aspekte des Konflikts mit kurzer Bibliographie findet sich z.B. in Hobe, Stephan & Kimminich, Otto: Einführung in das Völkerrecht, Tübingen und Basel 2004, S. 84. Ferner etwas ausführlicher zur Einführung in die Problematik und höchst neutral geschildert die britische Autorität zum Thema Falklands, Freedman: The Official History of the Falklands Campaign, Vol. I, S. 3 ff.
43 Freedman: The Official History of the Falklands Campaign, Vol. I & II.
44 Camogli, Pablo: Batallas de Malvinas - Todos los combates de la Guerra del Atlántico sur, Buenos Aires 2007.
45 Etschmann: Der Krieg um die Falkland-Inseln - ein untypischer Krieg.
46 S. dazu z.B. eine eigene Photographie einer Veranstaltung in Córdoba im Anhang.
18
Tageszeitungen heran, u.a. der beiden hier untersuchten Medien. Er untersucht hauptsächlich den Aufbau von Feindbildern, d.h. der „Vorstellung, [...] die die Medien eines in den Konflikt verwickelten Landes von Regierung, von Politik und dem Volk des Konfliktpartners [sic!] zuteil werden lassen.“ 47 Hier ließe sich die Frage stellen, wie bedeutend der Erkenntnisgewinn durch einen weiteren Nachweis gegenseitiger Freund-Feind-Polarisierung zweier Konfliktparteien ist. 48 Ohne in einer Diplomarbeit eine Dissertation scharf kritisieren zu wollen, lassen sich außerdem auffallende Mängel im theoretischen Fundament der Arbeit (agenda-setting z.B. fehlt komplett) und handwerkliche Schwächen konstatieren (Diagramme ohne Wertzuweisung auf der y-Achse).
Valerie Adams untersucht in ihrer 1986 im Auftrag des britischen
Verteidigungsministeriums erstellten Studie eher die strukturellen Faktoren der britischen Berichterstattung, die im Nachhinein in die Kritik geraten war. 49 Sie verbindet selektive qualitative Inhaltsanalyse mit militärtaktischen Erklärungen und geht den Fragen nach, wie gut man ohne leaks, d.h. gezielten Indiskretionen, von offiziellen Stellen überhaupt informiert sein konnte und wie akkurat die Informationen in den Kommentaren der britischen Presse waren. Es drängt sich bei ihr allerdings der Verdacht auf, dass ihre Untersuchung ein Gefälligkeitsgutachten darstellt, da z.T. Informationen aus Untersuchungsausschussberichten, die das britische Verteidigungsministerium in einem negativen Licht erscheinen lassen, unterschlagen werden (S. dazu Fußnote 423).
2. Grundlegende Informationen
2.1. Historische Hintergrundinformationen
Es ist für das Verständnis der Auseinandersetzung unverzichtbar, einige grundlegende historische Fakten aufzubereiten, die in dieser Form kaum vorausgesetzt werden können, etwa mehrmalige britische Angriffe auf Buenos Aires im Zuge der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhundert. Das argentinische Selbstverständnis, sich in der Auseinandersetzung um die Falklands gegen einen in dieser Form perzibierten britischen Imperialismus zu wehren, wird nur vor diesem Hintergrund deutlich. 50
47 Ossendorff, Dirk: Der Falkland-Malwinenkonflikt 1982 und seine Resonanz in der nationalen Presse, Frankfurt a. M. 1987, S. 17.
48 Hierzu z.B. Staiger, Jan: Selbstorganisation, Nicht-Linearität, Viabilität, in: Löffelholz, Martin (Hrsg.): Krieg als Medienereignis II - Krisenkommunikation im 21. Jahrhundert, Wiesbaden 2004, S. 145-168, S. 164 ff.
49 Adams: The Media and the Falklands Campaign.
50 Vgl. Honeywell, Martin & Pearce, Jenny: Falklands/Malvinas - Whose Crisis?, London 1982, S. 51.
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Arbeit zitieren:
Marcus Theodor Schauerte, 2008, Information Warfare, München, GRIN Verlag GmbH
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