Prilasnig Fabian Gottfried Klagenfurt/Celovec, Juni 2009
kandidiert hätte. In Kärnten bildete sich bald nach dem Zweiten Weltkrieg eine eigenständige slowenische Partei, die Einheitsliste - Enotna Lista, die sich auf Gemeindeebene als eine fixe Größe etablierte und in zahlreichen Gemeinden Südkärntens mit eigenen Mandataren vertreten ist. Bei der letzten Gemeinderatswahl im März 2009 konnte sie zum ersten Mal sogar einen Bürgermeister stellen (Gemeinde Eisenkappel-Vellach/elezna Kapla-Bela). Ebenfalls zu beachten ist die unterschiedliche Siedlungssituation beider Volksgruppen. Während das Siedlungsgebiet der Kärntner Slowenen direkt an das slowenische Mutterland grenzt, sind die Burgenland-Kroaten weit entfernt vom kroatischen Mutterland im Grenzgebiet zwischen Österreich und Ungarn inselartig angesiedelt. Dadurch ist der Kulturaustausch mit Kroatien nie so intensiv betrieben worden wie es in Kärnten mit Slowenien der Fall war, und es hat sich sogar eine eigene Schriftsprache, das Burgenland-Kroatisch, als Zeichen einer gewissen, nicht nur geographischen, sondern auch kulturpolitischen Distanz zum Mutterland, herausgebildet. In der slowenischen Volksgruppe hingegen war schon immer, auch aufgrund der geographischen Lage, eine klare kulturpolitische Ausrichtung nach Laibach/Ljubljana erkennbar, und es stellte sich daher nicht die Frage nach einer kulturpolitischen Abgrenzung. Klagenfurt war sogar für ein bis zwei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts das kulturelle Zentrum des Slowenentums. Wegen des starken deutschnationalen Elements in der politischen Landschaft Kärntens und des daher äußerst starken Germanisierungsdrucks, formierte sich bei den Kärntner Slowenen ein stärkerer politischer Wille zur Erhaltung des eigenen Volkstums bzw. Kultur als bei den Burgenland-Kroaten. Diese standen seitens der Landespolitik auch nie annähernd derart unter politischem Druck, auch wegen des Umstandes, dass im Burgenland noch zwei weitere autochthone Minderheiten leben, nämlich die Roma und die Ungarn.
Bei den Verhandlungen zum Artikel 7 des Staatsvertrages waren daher immer die Kärntner Slowenen und nicht die Burgenland-Kroaten im Mittelpunkt der Diskussionen. Ein passendes, aktuelles Beispiel ist die Umsetzung der jüngsten Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes bzgl. Topographieverordnung zum Volksgruppengesetz 1976, welche im Burgenland zu keinen derartigen politischen Spannungen führten wie in Kärnten, wo bis heute diese Erkenntnisse noch nicht exekutiert worden sind und die Gesetze des Rechtsstaates seitens der Politik nicht umgesetzt werden.
Der Artikel 7 des Staatsvertrages scheint in Kärnten vielmehr eine kulturpolitische Belastung anstatt eine kulturelle Bereicherung zu sein. Die historischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts haben tiefe, nicht aufgearbeitete Spuren im kollektiven Gedächtnis der Kärntner Bevölkerung hinterlassen, sodass noch heutzutage, in
Essay über die Die kulturpolitische
Orientierung der Kärntner Slowenen im Vergleich zu den Burgenland-für Slawistik, Karl-Franzens Universität Graz, 2009. Seite 2
Arbeit zitieren:
DI Mag Fabian Prilasnig, 2009, Der Einfluss der Politik auf die Kultur der Kärntner Slowenen im Vergleich zu den Burgenland-Kroaten, München, GRIN Verlag GmbH
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