1 Einleitung
Die Schule ist ein soziales System, in dem die Kinder und Jugendlichen sich zu Persönlichkeiten entwickeln und ein Gemeinschaftsgefühl bekommen. Daher hat die Schule nicht nur die Aufgabe den Schülern Wissen zu vermitteln, sondern auch die Rolle des Erziehers zu übernehmen und einen sicheren Lebensraum darzustellen. Wie in allen Lebensbereichen gibt es auch in der Schule viele Konflikte. Es wäre aber falsch, den Konflikt an sich immer als etwas Schlechtes zu sehen. Ein Konflikt kann der Indikator für notwendige Veränderungen sein, verdrängte Probleme und angestaute Frustration aufdecken. 1
In der gegenwärtigen Gesellschaft, die viele Konfliktquellen in sich birgt, ist es um so wichtiger, dass die Schüler mit Konfliktsituationen geschickt umzugehen lernen. Sie sollen in der Lage sein den Standpunkt des anderen zu verstehen und zu respektieren. Gleichzeitig ist es wichtig Kritik an sich selbst ausüben zu können.
Die Ursachen für Auseinandersetzungen unter den Schülern können in vielen Fällen Kleinigkeiten sein, die aber oft eskalieren. Beleidigungen und Handgreiflichkeiten sind die Folge. Auslöser für Konflikte sind meistens Geschehnisse in der Familie oder auf dem Weg zur Schule, die die Laune des Schülers negativ beeinflusst haben, die Atmosphäre in der Klasse bzw. Schule, ob der Unterricht interessant gestaltet ist und das Verhalten des Lehrers. 2
„Reaktion auf Veränderungen ist vielleicht der häufigste und dennoch am wenigsten erkannte Faktor bei Disziplinschwierigkeiten... Jede Veränderung, auch die zum Guten hin, tendiert dazu, die Gruppenorganisation zeitweilig durcheinanderzubringen und eine Phase einzuleiten, in der die Probleme zunehmen...“ 3
Die Gründe für den Konfliktpotenzial können auch tiefgreifender sein, als es nach außen scheint. Das Verhalten der Schüler ist sehr von den gesellschaftlichen, sozialen und familiären Problemen abhängig. Konflikten sind in Klassen, in denen Kinder aus unterschiedlichen sozialen, kulturellen und religiösen Gesellschaftsgruppen zusammengebracht wurden, vorprogrammiert.
Wichtige Rolle bei den Verhaltensstörungen der Kindern spielen die Uneinigkeit zwischen Eltern und Lehrern, wenn es um Ziele der Erziehung geht, die unterschiedliche Wertschätzung, die in den verschiedenen Gesellschaftsschichten herrscht. Die weitverbreiteten Egoismus, Selbstmitleid und Gewaltbereitschaft verdrängen Tugenden wie Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Ordnung und vertiefen die seelischen Störungen jedes unerfahrenes Jugendlichen.
Diese Aggressivität und Gewalt kommen sehr oft während des Unterrichts vor. Das ist ein Problem, mit dem jeder Lehrer zu kämpfen hat. Seine Aufgabe besteht darin, mit dem einzelnen Individuum zu arbeiten. Das wird dadurch erschwert, dass es hier nicht um das normale Erzieher-Kind-Verhältinis handelt, sondern sich eine Dreier- Konstellation: Erzieher-Störer-Klasse ergibt. Hierbei ist wichtig, dass der Erzieher die Mithilfe der Klasse benutzt, um den Einzelnen zu beeinflussen oder durch seinen Verhalten dem Störer gegenüber die Gruppe für sich zu gewinnen.
Der Lehrer trägt für die bessere Atmosphäre in der Klasse bei, in dem er pädagogisches Geschick bei der Konfliktlösung zeigt und kooperatives Verhalten fördert. Ein guter Pädagoge muss im voraus sich anbannende Konfliktsituationen erkennen und entsprechende Präventivmaßnahmen ergreifen können.
1 http://media.gek.de/downloads/infodatenbank/GEK_Info-Konflikte-in-der-Schule-loesen.pdf S.2 2 Göldner, Hans- Dieter „Schwierige Schüler - Was tun?“ München 1992 S.10
3 Redl, Fritz „Erziehung schwieriger Kinder“ München 1971 S.196
3
In dieser Arbeit werde ich mich mit interindividuellen Konflikte in der Schule, mit unterschiedlichen Methoden zu Konfliktlösungen und zuletzt mit der Aggressivität und Gewalt an der Berufsschule, auseinandersetzen.
2 Interindividuelle Konflikte
2.1 Definition
Es gibt zwei Konfliktarten: Intra- und Interindividuelle Konflikte. Bei den intraindividuellen handelt es sich um die Konflikte in der Person selbst. Dieser innerliche Kampf kann sehr wichtig und entscheidend für die zwischenmenschlichen Beziehungen sein. In dieser Arbeit richte ich meine Aufmerksamkeit der interindividuellen Konflikte. Hierbei handelt es sich um Konflikte zwischen mindestens zwei Parteien, die immer von einer Person oder einer Gruppe gebildet sind. Die Gegner vertreten inhaltlich verschiedene Positionen und gleichzeitig beeinflussen sie sich durch ihr Verhalten in bestimmte Richtungen.
Es kommt zu einem Konflikt, wenn eine der Parteien etwas beabsichtigt, was die gegnerische Seite daran hindert das von ihr vorgenommene durchzusetzen. Die Auseinandersetzung entsteht dann, wenn die Opponenten sich gegenseitig negativ und aggressiv verhalten. Dabei ist es unwichtig, ob es sich um verbale oder tätlichen Angriffe handelt. 4 Beiden Seiten geht es immer nur um Sieg oder Niederlage und der Kompromiss meistens als etwas negatives bewertet wird. Bei empirische Unersuchungen hat sich herausgestellt, dass in der Schule nur 5 % der Konflikten durch Konsensus gelöst wurden. Also Konflikte werden nach der „Nullsummenspiels“ - Konzept geregelt. Das beinhaltet die zwei Verhaltensmuster, die sich wie folgt definieren lassen: „ Sich- Durchsetzen mit aggressiven Mitteln“ oder „ Sich- Zurückziehen, auf Gegenwehr verzichten“ 5 In der Schule sind interindividuelle Konflikte unausweichlich, weil da drei sehr große Gruppen aufeinandertreffen: Schuler, Lehrer und Eltern, die sehr unterschiedliche Ziele verfolgen. Anderseits sind auch diese Gruppen aus Persönlichkeiten zusammengesetzt, die ungleiche Wertschätzungen und Vorstellungen haben. Außerdem sind emotionale Zustände ein wichtiger Bestandteil der Konfliktbereitschaft. Zu der Konfliktentstehung tragen auch die folgenden Faktoren bei: räumliche Verhältnisse, verhaltensregelnde Normen und Macht und Prestige innerhalb der Gruppe. Mit den räumlichen Verhältnisse sind alle äußere Bedingungen gemeint, wie Größe des Raumes, Lichtverhältnisse, Wärme, Luft, bequeme Tische und Stühle. Das alles wirkt sich auf das Befinden der Schüler bzw. Lehrer im positiven oder negativen Sinne aus. Die verhaltensregelnden Normen sind einen wichtigen Bestandteil jeder Institution, ohne sie würde ein Chaos entstehen. Dabei darf nicht außeracht gelassen werden, dass zu strenge Regeln auch als eine Beraubung der Handlungsfreiheit empfunden werden können und Frustration und Aggressivität zur Folge haben können. In jeder gesellschaftlichen Gruppe ist der Umgang mit den Machtverhältnissen schwierig. Es gibt mehr als einer Person in der Gruppe, die nach Macht über die anderen strebt, was zu Auseinendersetzungen unter diesen Personen führt und die Gruppe in verschiedene Lager teilt. Andererseits gibt es Menschen, die sich keiner Macht unterwerfen wollen, aber sich auch nicht über die anderen stellen möchten. Auch in dem schulischen Alltag kommt es immer öfter vor, dass innerhalb der Klasse die Führungsposition Grund für interindividuelle Konflikte darstellen kann. Das spezifische in der Schule ist, dass hier auch die Machtposition des Lehrers hinzukommt. Die Klasse ist oft zerrissen zwischen dem was der Lehrer verlangt und dem Standpunkt des von ihr gewählten Gruppenführers.
4 Neubauer, Walter F., Gampe, Harald, Knapp, Rudolf „Konflikte in der Schule“ S.6-7
5 Neubauer, Walter F., Gampe, Harald, Knapp, Rudolf „Konflikte in der Schule“ S. 22
4
2.2 Arten von interindividuellen Konflikten
Wie oben schon erwähnt, entstehen in der Schule viele Konfliktsituationen. Bei dem normalen schulischen Alltag kommt es meistens zu Auseinandersetzungen zwischen Schülern und Lehrern. Andererseits kommt es bei der Gestaltung des Lernprozesses zu Meinungsverschiedenheiten unter der Lehrerbelegschaft, oder unter Lehrern und Eltern. Als nächstes werden die Problemfelder näher betrachtet.
2.2.1 Schüler-Lehrer- Konflikte
Der Schuler-Lehrer-Konflikt ist vorprogrammiert, da die Schüler normalerweise dazu gezwungen sind in der Schule zu sein und die Aufgabe des Lehrers daran besteht, sie immer an den Unterricht zu beteiligen und zur Mitarbeit zu fördern. Das entspricht nicht immer der Wünsche der Schüler und es fällt ihnen schwer die Machtposition des Lehrers zu akzeptieren, der auch noch dazu ein Erwachsene ist. 6
Der Konflikt zwischen beiden Parteien äußert sich noch in der mangelnden Mitarbeit von Schülern während des Unterrichts, schlechte Schulleistungen, Leistungsverweigerung, Unterrichtsstörungen, Unterrichtsboykott, Erziehungsschwierigkeiten, aggressives Verhalten, Sachbeschädigung, Verstöße gegen das Rauch- und Alkoholverbot und noch vieles mehr. Tabelle 1: Korrelate des Schülervertrauens (N=50).
nicht zu“; 7= „ trifft völlig zu“) erhoben; M =Mittelwert; SD = Standardabweichung. 7
Ein Konflikt könnte auch dadurch entstehen, dass in den Schulen oft zu Wechsel der Lehrer kommt, was das Aufbauen einer Schüler - Lehrer - Vertrauensbeziehung zusätzlich erschwert. Empirische Untersuchungen haben bewiesen, wie wichtig das Vertrauen des einzelnen Schülers der Lehrkraft gegenüber, für die Leistungen der Jugendlichen ist.
6 Glöckel, Hans: „Klassen führen- Konflikte bewältigen“; Bad Heilbrunn/OBB 2000, S.91
7 Schweert, Martin K. W.(Hrsg.): „Bildung und Vertrauen“, Frankfurt am Main 2006, S.79
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Arbeit zitieren:
Daniel Stefanov, 2007, Konflikte in der Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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