Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Produktionsmodelle
2.1. Makroebene - Nationale Wachstumsmodi 5
2.2. Mesoebene - Governance-Kompromiss 7
2.3. Mikroebene - Profitstrategien und Komponenten von Produktionsmodellen 8
2.4. Divergierende Produktionsmodelle oder one best way? 9
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3. Kapitalismusmodelle
3.1. Liberal market economies 11
3.2. Coordinated market economies 12
3.3. Überlegenheit eines Kapitalismusmodells? 14
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4. Besteht ein Zusammenhang zwischen Produktions- und
Kapitalismusmodellen ?
4.1. Produktionsmodelle der Automobilindustrie in liberal market economies 15
4.2. Produktionsmodelle der Automobilindustrie in coordinated market 17
economies
4.3. Produktionsmodelle und nationale Kapitalismen in Europa 18
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5. Resümee
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6. Bibliographie
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1. Einleitung
Wie lassen sich Produktionsmodelle genau definieren? Woraus sind sie zusammengesetzt? Von welchen Faktoren hängt die Entwicklung erfolgreicher Produktionsmodelle ab? Lässt sich ein Brückenschlag zu Kapitalismusmodellen herstellen? Und wenn ja, in welcher Weise? Um diesen und weiteren Fragen nachgehen zu können, soll in dieser Hausarbeit geklärt werden, was Produktionsmodelle und nationale Kapitalismen auszeichnet. Dabei wird ein Bezug zur Automobilindustrie hergestellt, um die theoretischen Ansätze zu konkretisieren. Auf diese Weise wird insgesamt die Klärung eines bestehenden oder nicht bestehenden Zusammenhangs zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen angestrebt. Demnach soll schließlich die Frage im Mittelpunkt stehen, warum ein oder kein Zusammenhang zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen besteht.
Im zweiten Kapitel gehe ich folglich zunächst darauf ein, was Produktionsmodelle charakterisiert. Dabei orientiere ich mich an einer von Robert Boyer und Michel Freyssenet (2003) aufgestellten Definition und werde darauf aufbauend erläutern, aus welchen voraussetzungsbedürftigen Elementen und Komponenten sich ein Produktionsmodell zusammensetzt. Außerdem wird geklärt, welche spezifischen Ausformungen die Komponenten eines Produktionsmodells jeweils besitzen.
Um diese Charakterisierung systematisch angehen zu können, nehme ich Bezug auf drei Regulierungsebenen. Auf der Makroebene findet man nationale Wachstumsmodi, auf der Mesoebene den Governance-Kompromiss und auf der Mirkoebene Profitstrategien und die Komponenten Produktpolitik, Produktionsorganisation und Arbeitsbeziehungen. Im dritten Kapitel fasse ich zusammen, was der von Peter Hall und David Soskice (2001) aufgestellte ‚Varieties of Capitalism’-Ansatz 1 festhält. Nach Ansicht von Hall/Soskice lassen sich mithilfe dieses Ansatzes alle Marktökonomien in ein binäres Schema einteilen, das aus den liberal market economies und den coordinated market economies 2 besteht. Firmen in diesen Marktökonomien sind jeweils in einem spezifischen Institutionengefüge eingebettet, nach deren Gegebenheiten sich Handlungen innerhalb und außerhalb eines Unternehmens gestalten. In diesem Kapitel wird geklärt, was die Arbeitsmarktregulierung, das Ausbildungssystem, das Finanzsystem und die Unternehmensbeziehungen in LMEs und CMEs auszeichnet. Es verdeutlicht, wie sich die von Hall/Soskice postulierte institutionelle Komplementarität in der Performanz der Volkswirtschaften (vgl. Hall/Soskice 2001: 17)
1 Im Folgenden mit ‚VoC-Ansatz’ abgekürzt.
2 Im Folgenden mit ‚LMEs’ und ‚CMEs’ abgekürzt.
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konkret ausdrückt. Darüber hinaus, wird ein Bezug zu Mihai Panuescu und Martin Schneider (2004) hergestellt. Die Autoren überprüfen in ihrer Arbeit die von Hall/Soskice aufgestellten Hypothesen und kommen zu dem Schluss, dass der VoC-Ansatz in seiner Grundidee richtig ist, aber es sind Lücken zu finden. Demnach hat ihre empirische Überprüfung ergeben, dass sich die Unterscheidung zwischen LMEs und CMEs weitgehend bestätigt. Ebenfall ist es richtig, dass sich die jeweiligen Ökonomien auf die Branchen spezialisieren, die ihnen institutionelle Wettbewerbsvorteile sichern. Gleichwohl müssen Panuescu/Schneider dem VoC-Ansatz insofern widersprechen, als er erstens besagt, dass die Kapitalismusmodelle stabil sind, sodass ein Wechsel zwischen den Modellen nicht zu beobachten ist. Hall/Soskice unterstellen Ländern eine Pfadabhängigkeit, weil Entwicklungsentscheidungen aus der Vergangenheit gegenwärtige Resultate in der Performanz eines Staates determinieren. Zweitens behaupten Hall/Soskice, dass die im VoC-Ansatz vorgenommene Typologisierung auch auf andere Länder übertragbar ist. Panuescu/Schneider belegten mit ihrer empirischen Überprüfung aber, dass erstens im Laufe der 1990er-Jahre ein Wandel vieler Länder vom CME- zum LME-Modell zu erkennen war (vgl. Panuescu/Schneider 2004: 49). Zweitens stellten sie mit Berücksichtigung weiterer, im VoC-Ansatz außer Acht gelassener Länder fest, dass zwischen mehr als zwei Kapitalismusmodellen zu unterscheiden ist. Die Analyse von Panuescu/Schneider ergab zwei neue Clusterformen, die sich von den bisherigen Konfigurationen abheben: Mittelmeer und osteuropäische Länder. Da eine genaue Betrachtung der kritischen Analyse von Panuescu/Schneider den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen würde, belasse ich es bei dieser kurzen Darstellung ihrer Arbeit und verwende sie nur bei der Darstellung der speziellen Institutionengefüge von LMEs und CMEs.
Im vierten Kapitel betrachte ich dann die Produktions- und Kapitalismusmodelle gemeinsam und gehe der Frage nach, ob die Wahl von Produktionsmodelle in der Automobilindustrie von den Kapitalismusmodellen des jeweiligen Heimatlandes abhängt. Es wird analysiert, ob die notwendige Anpassung von Produktionsmodellen an nationale Kapitalismen und von Boyer/Freyssenet bezeichnete „Hybridisierung von Produktionssystemen“ (Boyer/Freyssenet 2003: 13) ausschlaggebend für die Entwicklung von Produktionsmodellen ist. Eine Systematisierung nehme ich in Anlehnung an die Arbeit von Boyer/Freyssenet vor. Sie verdeutlichen mit einer Differenzierung auf Unternehmensebene, welche Produktionsmodelle in der Automobilindustrie bestehen und in welchen Ländern sie jeweils umgesetzt wurden. Dabei beziehen sie sich konkret auf einzelne Hersteller wie General Motors, Ford, Toyota und Honda.
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2. Produktionsmodelle
Produktionsmodelle sind als „eine historisch gewachsene Kombination von Strategien, Praktiken, Organisationsformen und Beziehungen […], die der Entwicklung von Unternehmen zugrunde liegt“ (Tilly 2009: 4) zu verstehen. Ein Produktionsmodell ist immer in einen bestimmten Kontext eingebunden, der sich aus der Makro-, Meso- und Mikroebene zusammensetzt. Produktionsmodelle sind erst dann erfolgreich, wenn sie auf diesen drei Regulationsebenen das richtige Entsprechungsverhältnis hergestellt haben (vgl. Speidel 2005: 30). Dementsprechend definieren Boyer/Freyssenet Produktionsmodelle als unternehmensspezifische Governance-Kompromisse […]. Ein Produktionsmodell ermöglicht die
dauerhafte Umsetzung einer Profitstrategie, wenn diese dem Wachstumsmodus des Landes angepasst
ist, in dem das Unternehmen aktiv ist. Die eingesetzten Mittel (Produktpolitik,
Produktionsorganisation, Arbeitsbeziehungen) müssen kohärent und für alle beteiligten Akteure
akzeptabel sein (Boyer/Freyssenet 2003: 43).
In dieser Definition spiegeln sich alle drei Regulationsebenen wider. Die Makroebene stellt sich in den nationalen Wachstumsmodi dar, in denen verschiedene Produktionsmodelle eingebettet sind. Sie zeigen die Kombination von nationalen Wachstumsressourcen und den Mustern der Einkommensverteilung des Heimatlandes auf. Auf der Mesoebene spielen sich die unternehmensspezifischen Governance-Kompromisse zwischen
Unternehmenseigentümer, Managern, Arbeitnehmern, Gewerkschaften und den Zulieferern ab. Die vom Unternehmen selbst angestrebten Profitstrategien und die Umsetzung des Produktionsmodells mit firmenspezifischen Mitteln der Produktpolitik,
Produktionsorganisation und Arbeitsbeziehung stellen schließlich die Mikroebene dar. Im Folgenden sollen die Regulationsbereiche der Makro-, Meso- und Mikroebene, aus denen sich ein Produktionsmodell zusammensetzt, im Einzelnen näher betrachtet werden.
2.1. Makroebene - Nationale Wachstumsmodi
Wachstumsmodi sind aus der Quelle des Nationaleinkommens sowie den Formen der Einkommensverteilung nationaler Staaten gekennzeichnet. Die Unsicherheiten, die aus der Kombination von Wachstumsressourcen und Mustern der Einkommensverteilung für Markt und Arbeit entstehen, determinieren die Bedingungen, in die die jeweiligen Unternehmen eingebettet sind (vgl. Boyer/Freyssenet 2003: 29). Die Entscheidung für ein Produktionsmodell hängt also maßgeblich vom nationalen Wachstumsmodus ab. Man kann dementsprechend von einer „Kontextgebundenheit von Produktionsmodellen“ (Speidel 2005: 29) ausgehen. Boyer/Freyssenet unterscheiden insgesamt acht Wachstumsmodi. Sie werden nun in Bezug auf Markt, Arbeit sowie Wachstum und Verteilung des Nationaleinkommens dargestellt.
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Im Wachstumsmodus der kompetitiven Einkommensverteilung und dem freien Wettbewerb wird das Konzept der Liberalisierung des Welthandels konkretisiert. Die Verteilung des Nationaleinkommens wird durch die jeweils bestehenden lokalen, regionalen und nationalen Kräfteverhältnisse bestimmt. Gruppeninteressen und die Möglichkeiten des Finanzmarktes stehen dabei im Mittelpunkt. Das Wachstum des Nationaleinkommens ist aufgrund der Abhängigkeit von internen und externen Märkten äußerst begrenzt. Durch den Freihandel wirken sich externe Marktzwänge und -risiken besonders stark auf den Inlandsmarkt aus, der auf diese Weise zersplittert und instabil wird. Die Arbeit ist aufgrund überbetrieblicher Mobilität durch Flexibilität und berufsständische Organisationsprinzipien gekennzeichnet. Die Verteilung des Nationaleinkommens unterscheidet sich bei der kompetitiven Einkommensverteilung und Binnennachfrage vom o. g. Typus nicht. Das Wachstum beruht jedoch nicht auf externen Faktoren. Die wichtigste Quelle des Nationaleinkommens bildet nämlich die Inlandsnachfrage. Der Markt gestaltet sich aufgrund der daraus resultierenden inländischen Konkurrenz und der Beschränkung auf den internen Absatzmarkt sehr heterogen und variabel. Die Arbeit ist charakterisiert durch Flexibilität und Industriegewerkschaften. Die Verteilung des Nationaleinkommens im Wachstumsmodus der kompetitiven Einkommensverteilung und dem preissensitiven Export unterscheidet sich wiederum vom ersten Typus nicht. Allerdings bestimmt hier der Export preissensitiver Massengüter das Wachstum des Nationaleinkommens. Diese Massengüter reichen von billigen Basis- bis hin zu günstigen, höherwertigen Produkten. Heterogenität, Instabilität und Ausgrenzung sind die Merkmale des Marktes. Der Arbeitskräfteüberschuss sowie sie geringe Organisation der Arbeitnehmer begünstigen die Massenproduktion.
Mithilfe der Umverteilung von Produktivitätsgewinnen wird in der koordinierten Einkommensverteilung und der Binnennachfrage die Verteilung des Nationaleinkommens national koordiniert, sodass geringe Einkommensunterschiede entstehen. Die wichtigste Quelle des Nationaleinkommens bildet wie im zweiten Typus die Inlandsnachfrage. Durch die nationale Koordination der Löhne steigt der allgemeine Lebensstandard, sodass der Markt durch Massenkonsum, relativ genau vorhersehbare Entwicklungen und homogene Abstufungen der Marktsegmente gekennzeichnet ist. Eine starke gewerkschaftliche Organisation begünstigt eine offensive Interessenvertretung der Arbeitnehmer. Im Modus der koordinierten Einkommensverteilung und Exportspezialisierung wird die Verteilung des Nationaleinkommens mithilfe der Umverteilung von Exporterlösen national koordiniert. Die Wachstumsquelle des Nationaleinkommens stellt der Export spezialisierter, hochwertiger Güter und Leistungen dar, deren Preise auf dem Weltmarkt weitestgehend außer Konkurrenz liegen. Durch die geringen Einkommensunterschiede steigt das allgemeine
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Arbeit zitieren:
Julia Krüger, 2009, Produktionsmodelle und Varieties of Capitalism, München, GRIN Verlag GmbH
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