Einleitung
Die Geschichte des Luftkrieges reicht bis in den Amerikanischen Bürgerkrieg zurück, in dem Ballons zur Aufklärung und Lenkung von Artillerie benutzt wurden. Der erste Einsatz eines Flugzeugs erfolgte am 22. Oktober 1911 mit einer italienischen Etrich Taube, die ein türkisches Militärlager mit 2-Kg-Bomben und einer Faustfeuerwaffe angriff. Die Unterstützung der Truppen aus der Luft gewann immer mehr an Bedeutung und nachdem Flugzeuge auch im Ersten Weltkrieg sehr hilfreich zum Einsatz kamen, sahen Militärstrategen vieler Nationen in ihnen die Zukunft des Krieges.
Wegweisend für die späteren Einsatzbereiche von Flugzeugen waren die Theorien des Italieners Guilio Douhet und des Engländers Hugh Montague Trenchard, welche eine Kriegsführung unter besonderer Betonung der Luftwaffe beschrieben. Als Angehöriger der italienischen Luftstreitkräfte sprach sich Douhet schon Anfang des 20. Jahrhunderts für große viermotorige Bomber aus, die in das feindliche Hinterland eindringen und dabei neben Militär- und Industrieanlagen auch zivile Ziele zerstören sollten. Auch Trenchard, der ab 1919 das Amt des englischen Kriegsministers inne hatte, sah den Vorteil einer strategischen Bombardierung mit der Absicht, den Widerstand des Feindes zu brechen:
„Selbst jene Bomben, die Industrieanlagen verfehlen, beschädigen die Moral feindlicher Arbeiter, weil sie deren Leben und Wohnung zerstören und die öffentliche Dienstleistung unterbrechen.“ 1
Seine Aussage von 1925, beim nächsten Krieg werde „es sich darum handeln, Frauen und Kinder und die Zivilbevölkerung zu töten.“ 2 war leider äußerst zutreffend. Beide Theoretiker glaubten, daß in künftigen Kriegen auf den Einsatz von Bodentruppen weitgehend, wenn nicht gar völlig verzichtet werden könne. Diese extremistische Militärstrategie ist unter dem Namen „Douhetismus“ bekannt geworden und hat bei den westlichen Alliierten (England und den USA) breiten Anklang gefunden, was möglicherweise dadurch zu erklären ist, daß Inselstaaten zur Kriegführung neben der Flotte eine starke Luftstreitkraft brauchen, wohingegen Landstreitkräfte, im Unterschied zu solchen Ländern wie Deutschland und Rußland, eine untergeordnete Rolle spielen.
1 PRO (1945): Bomber Command Intelligence Narrative of Operations No 1007, Air 24/307 (engl.), London:
Public Record Office, s.14
2 AFHRA (1945): Microfilm B5018, Headquarters 1st Air Division, Report of Operations, Dresden, 14. February
1945, Annex I, Bombing Tactics and Results, 1. Bomb Run Data (engl.), Maxwell Alabama: Air Force
Historical Research Agency
2
Aufbauend auf den Douhetismus und die Trencharddoktrin, gestaltete sich also der Luftkrieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Während zu Beginn der Auseinandersetzungen noch vorwiegend militärische und industrielle Ziele angeflogen wurden, weiteten sich die Angriffe in den letzten Kriegsjahren zu ausgedehnten Flächenbombardements der Städte aus, die ausdrücklich auch die Bevölkerung treffen sollten.
In den fünf Jahren von 1940 bis 1945 wurden auf 30 Millionen Zivilpersonen, hauptsächlich Alte, Frauen und Kinder nahezu eine Million Tonnen Spreng- und Brandbomben abgeworfen. Mehr als eine halbe Million Menschen kamen ums Leben und viele Schätze der deutschen Architektur und des Kulturguts gingen unwiederbringlich verloren. Das Leid, daß durch „moral bombing“ (so die Bezeichnung für die systematische Bombardierung der Zivilbevölkerung) hervorgerufen wurde, ist sowohl in Deutschland als auch in allen beteiligten Ländern bis heute nicht aufgearbeitet worden, wodurch viele Fragen offen bleiben. Von allen deutschen Städten, die noch kurz vor Kriegsende durch Luftangriffe der Alliierten zerstört worden sind (z.B. Pforzheim, Würzburg oder Wuppertal), bildet Dresden eine Ausnahme, da in keiner anderen Stadt die Erinnerung an die letzten Bombardierungen so frühzeitig und in solchem Maße vermythisiert wurden.
So wurde die Darstellung der Zerstörung der Stadt schon in der DDR stets der jeweiligen politischen Lage angepaßt und ist auch jetzt, 60 Jahre später zum Politikum geworden. Die Darstellung der Bombardierung von Dresden ist zu einem Mythos geworden, der seinen Ursprung 1945 hat. Er wird von einigen Verfechtern so hartnäckig verteidigt, daß weder Fakten noch exakte, wissenschaftliche Beweisführungen akzeptiert werden. Eine große Masse „alter Dresdner“ folgt diesem Mythos. Er ist so stark, daß kein regionaler Politiker umhin kommt, ihm Rechnung zu tragen.
Besonders gefährlich ist er in der gegenwärtige Lage, da sich immer mehr rechtsextremistische Elemente, zum Teil nicht ungeschickt, in das Geschehen einmischen („Bombenholocaust“) 3 , wodurch die extreme Linke sich in Aussagen versteigt („Do it again, Harris 4 !“, „No tears for krauts!“ oder „Alles Gute kommt von oben!“) 5 , die selbst von einem nationalistisch denkenden Engländer nicht nachvollzogen werden können.
3 Saft, G (2005): Ein Rezept gegen die Intoleranz, aus Sächsische Zeitung vom 22.01.05 , Dresden: Magazin
Verlag GmbH, s. 8
4 Sir Athur Travers Harris, genannt „Bomber Harris“ (1892-1984) im II Weltkrieg Oberkommandierender des
Bomber Command und Luftmarshall der brit. Royal Air Force. H. setzte 1930 im Nahen Osten Streubomben,
Tretminen und Giftgas gegen die Zivilbevölkerung ein, mit der Begründung Araber und Kurden verstünden nur
einen Politik der harten Hand. 1945 befehligte H. den Großangriff auf Dresden.
5 Saft, G (2005): Ein Rezept gegen die Intoleranz, aus Sächsische Zeitung vom 22.01.05 , Dresden: Magazin
Verlag GmbH, s. 8
3
Einen nicht unbedeutenden Anteil an der Mythenbildung hat der vermeintliche Beschuß der auf die Elbwiesen und in den Großen Garten geflüchteten Bevölkerung. So gibt es in der öffentlichen Meinung und Literatur immer wieder Hinweise auf britische Bomber und amerikanischen Jagdflugzeuge, die während und nach den Bombenangriffen vom 13. und 14. Februar 1945 auf Dresden die flüchtende Bevölkerung bei Tiefangriffen mit Bordwaffen beschossen haben sollen. Trotz gegenteiliger Aussagen mit anscheinend schlüssiger Beweisführung in diversen Veröffentlichungen und Büchern sind viele Menschen bis heute fest von der Existenz solcher Attacken überzeugt. Augenzeugen berichten von Jagbombern, die so tief flogen, daß Details, wie Symbole am Heck und den Tragflächen und feindliche Soldaten im Cockpit und an den Bordwaffen zu erkennen waren. Der mythenhafte Charakter dieser Behauptung kommt darin zum Ausdruck, daß er bei seinen Verfechtern nicht kritisch hinterfragt oder gar angezweifelt werden darf.
1. Der alliierte Luftkrieg
Nach der Besetzung Frankreichs durch die Nationalsozialisten waren die Angriffsmöglichkeiten Groß Britanniens beschränkt und die Luftwaffe die einzige Alternative überhaupt Krieg gegen Deutschland zu führen. Der erste Angriff der Royal Air Force (RAF) auf Deutschland erfolgte in der Nacht zum 12. Mai 1940 mit 35 Bombern auf Mönchengladbach. Darauf folgten regelmäßige Nachtangriffe mit ausgedehnten Flächenbombardements auf Städte wie Berlin, Hamburg und Köln. Tagesangriffe waren aufgrund der deutschen Jagdflugzeuge erschwert und so beschränkte sich die RAF auf den nächtlichen Bombenkrieg. Der Oberbefehlshaber der britischen Bomber Command Athur Harris startete seine Initiative mit einem „Tausend-Bomber-Angriff“ 6 , einen endlosen Bomberstrom, der die ganze Nacht nicht abriß.
Nachdem 1942 die United States Army Air Force (USAAF) begonnen hatte erst Ziele in Nordfrankreich und später auch in Deutschland anzufliegen, entschieden sich die USA und Groß Britannien auf der Konferenz von Casablanca (1943) für ein gemeinsames Vorgehen im Luftkrieg gegen Deutschland.
Während dieser „combined bomber offensiv“ erfolgte das Bombardement rund um die Uhr, da die, durch bessere Zielgeräte ermöglichte Flughöhe und die verstärkte Bewaffnung der Flugzeuge der USAAF auch Tagesangriffe möglich machten.
6 Groehler O. (1974): Geschichte des Luftkrieges, Berlin: Militärverlag der DDR (VEB), s. 78
4
Arbeit zitieren:
B.A .Sozialwissenschaften Marie Trappiel, 2005, Der Mythos Dresden, Februar 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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