Bibliographische Beschreibung
TAFNER, Martin;
Umstrukturierung der Berufsschule im dualen, trialen und modularen Bereich in Bezug auf Schüler, Lehrer und Direktion unter Berücksichtigung qualitätsrelevanter Grundsätze. Mittweida, Fachhochschule Mittweida (FH), Projekt-/ Prozess- und Qualitätsmanagement, Masterarbeit, 2009. Referat:
Ziel der Arbeit ist es, ein neues System für die Abwicklung der sozialpädagogischen, sowie fachtheoretischen und fachpraktischen Tätigkeiten und Aufgaben in Berufsschulen, im speziellen in metalltechnischen Berufsschulen, zu konzipieren. Im Prinzip soll das duale, triale und modulare Konzept der Berufsschulbildung überarbeitet werden, um aus den Kenntnissen und Erfahrungen, die Prozesse im Bereich Schüler-Lehrer-Direktion neu zu entwerfen. Es soll ein neues Modell für Berufsschullehrer entstehen, das effektiver, effizienter und flexibler nach qualitätsrelevanten Gesichtspunkten vorgeht und mehr Prozess- und Projektdenken beinhaltet. Ein wesentliches Ziel ist es, den Lehrer bei seiner Unterrichttätigkeit zu entlasten, um seine Motivation auf lange Sicht aufrechtzuerhalten. Ein weiteres Ziel ist es die Arbeitszeit des Berufsschullehrers so umzugestalten, dass er weniger Zeit für Unterricht und mehr Zeit für Projektarbeit aufwendet. Es muss mehr Raum für innovative und kreative Zwecke, wie das Arbeiten an Projekten, geschaffen werden. Der Berufsschullehrer wird in die Abwicklung von Projekten von Unternehmen, Berufsschule und Wissenschaft (UNI, FH) mit eingebunden. Er wird in die gegebenen Projektaufgaben mit aufgenommen und kann die Vorteile eines teamfähigen Arbeitens praktisch umsetzen. Ein zusätzliches und ebenso wichtiges Ziel ist es, die Steigerung des Images des Berufsbildungssystems in der Öffentlichkeit. Die Umstrukturierung der Berufsschule stellt eine Innovation dar, die langfristig das Berufsausbildungssystem belebt, die motivierte Berufsschulpädagogen am Wandel der Zeit lebendig teilhaben lässt und die auszubildenden Berufsschüler mit aktuellem Wissen aus den Gebieten der Technik, sowie der Wirtschaft, versorgt.
II
Inhaltsverzeichnis
1 Inhaltsverzeichnis
1 Inhaltsverzeichnis. I
2 Abbildungsverzeichnis. IV
3 Abkürzungsverzeichnis VI
4 Einleitung 1
4.1 Leseinformation. 1
4.2 Überleitung zur Masterthesis. 1
4.3 Herzlichen Dank. 4
5 Ziele der Masterthesis 5
5.1 Grobziele der Masterthesis 5
5.2 Feinziele der Masterarbeit. 5
5.3 Nichtziele der Masterthesis 6
6 Die Berufsschule 7
6.1 Schulorganisation der berufsbildenden Schulen 7
6.2 Geschichtliche Entwicklung der Berufsbildung. 8
6.3 Unterscheidung der Formen von Berufsschulsystemen. 10
6.3.1 Ganztägige, einmal wöchentliche Berufsschule. 10
6.3.2 Lehrgangsmäßige Berufsschule 11
6.3.3 Der organisatorische Aufwand eines Berufsschulapparates. 11
6.4 Die Berufsschule als Förderer von Schlüsselqualifikationen 12
6.4.1 Blick in das Innere einer Berufsschule 13
6.5 Berufsschule als Garant für Berufsbildung 14
6.6 Zukunftsorientierte Berufsschule. 18
7 Berufsschullehrer - quo vadis 21
7.1 Bildungsweg des Berufsschullehrers in Deutschland. 21
7.2 Bildungsweg des Berufsschullehrers in Österreich 23
7.3 Vom Einzellehrer zum Lehrerteam. 26
8 Guter Unterricht 27
8.1 Wesentliche Aufgaben des Berufsschullehrers im Unterricht. 27
8.2 Was bedeutet „Guter Unterricht“? 28
8.3 Unterrichtsqualität 30
9 Berufsschullehrer in Österreich 34
10 Berufsschullehrer in Deutschland. 38
10.1 Prinzip der deutschen Berufsschullehrerausbildung 38
10.2 Berufsbildende Schulen in Deutschland 39
10.3 Lehrerausbildung in Deutschland 39
11 Duales Bildungssystem 40
11.1 Duales System der Berufsausbildung 41
11.2 Vor- und Nachteile des dualen Ausbildungssystems. 41
11.3 Stärken und Schwächen des dualen Ausbildungssystems 42
I
Inhaltsverzeichnis
11.4 Gesetzliche Grundlage des dualen Bildungssystems. 43
11.5 Rahmenlehrplan 43
11.6 Lehrberufslandschaft. 43
12 Entwicklung des dualen Ausbildungssystems 45
13 Das duale Bildungssystem in der Krise 46
14 Vom dualen zum trialen System 52
15 Modularisierung im Berufsbildungssystem 54
15.1 Grundprinzip der Modularisierung 56
15.1.1 Österreichisches Modularisierungskonzept 57
15.2 Vorteile der Modularisierung für Wirtschaft und Jugend. 61
16 Ausbildungssystem in Österreich. 62
16.1 Duales Ausbildungssystem in Österreich 62
16.2 Der Stellenwert der dualen Berufsausbildung in Österreich 63
16.3 Zukunftsperspektiven der dualen Ausbildung. 65
17 Umfrage Zukunft der Lehrlinge in Österreich. 67
17.1 Zusammenfassung der Umfrage 68
18 Internationale Ausbildungssysteme 70
18.1 Ausbildungssysteme im europäischem Vergleich 70
18.2 Internationale Ausbildungssysteme im Vergleich 73
18.3 Gemeinsame Basis internationaler Ausbildungssysteme. 73
19 Projekte in der Lehrlingsausbildung. 76
20 Berufskultur 78
21 Kompetenz und Kompetenzvermittlung 79
21.1 Begriff Kompetenz Definitionen 80
21.2 Entwicklung des Begriffs Kompetenz 80
21.3 Kompetenz in Bezug auf Bereiche und Prozesse 81
21.3.1 Schlüsselqualifikationen 81
21.4 Kompetenz 82
21.4.1 Bestandteile von Schlüsselqualifikationen 83
21.5 Forschungsergebnisse im Bereich Kompetenzen 84
22 Kompetenzen 87
22.1 Funktionen und Kompetenzen der Berufsschullehrer. 88
22.2 Funktionen und Kompetenzen der Direktion (Leitung) 90
23 Prozesse und Systeme im Bildungssystem 92
23.1 Qualitative Forderungen an die Schulausbildung 92
23.2 QM Systeme im Bereich Berufsbildung. 93
23.3 Prozesse im österreichischen Ausbildungssystem. 95
23.4 Messbare Prozesse im Ausbildungssystem 96
23.4.1 Messung der Leistungen in Berufsschule und Betrieb. 97
23.4.2 Messung der Leistungen in Unternehmen 98
23.4.3 Überprüfung von Prozessen durch die Schulaufsicht 99
II
Inhaltsverzeichnis
24 Projektmanagement im Berufsschullehrerbereich 101
24.1 Steuerung und Umsetzung von Projekten 101
24.2 Umgang mit Projekten im Ausbildungssystem. 101
25 Innovation im Berufsschulbereich 104
25.1 Innovation als Begriff 104
25.2 Innovationsdenken und Organisationsentwicklung 105
25.3 Arbeitszeitmodell der Berufsschullehrer 108
25.4 Innovatives Potential eines Berufschullehrers 111
25.5 Untersuchung der Arbeitszeit. 113
25.5.1 Fragen zur Arbeitszeit der Lehrer 114
25.6 Durchführung der Untersuchung 115
25.7 Auswertung der Untersuchung 115
25.8 Engagement in der Berufsschule. 118
25.9 Innovationsbarrieren 122
25.10 Eigenmotivation der Berufschullehrer 123
25.11 Zusammenfassung der Ergebnisse 123
26 Veränderung als Innovation in Berufsschulen 124
26.1 Veränderung 124
26.2 Die Organisationsform der neuen Berufsschule 127
26.2.1 Schul- und Qualitätsmanagement 131
26.2.2 Innovative Personalabteilung. 132
26.2.3 Abteilung Schulrecht. 133
26.2.4 Personalabteilung. 133
26.2.5 Personalvertretung 133
26.2.6 Innovation Zertifizierung 133
26.3 Ressourcen der Berufsschullehrer 135
26.4 Autonomie der Berufsschullehrer 135
26.4.1 Prozesse und Projekte 137
26.4.2 Die Berufsschule für Projekte nutzen 138
26.5 Die Nutzung der Berufsschule durch die Wissenschaft. 138
27 Fünf allgemeine Qualitätsbereiche von Schule. 139
28 Fünf Qualitätsbereiche der Innovation Berufsschule 140
28.1 Personalmanagement 141
28.2 Lebensraum Schule 142
28.3 Schulmanagement 144
28.4 Schulpartnerschaft und Außenbeziehungen 145
28.5 Zusammenfassung der Qualitätsbereiche. 146
29 Vor- und Nachteile des neuen Berufsschulsystems. 147
30 Innovation und Zukunft 149
31 Literaturverzeichnis. VI
32 Abschließende Erklärung IX
III
2 Abbildungsverzeichnis
Abbildung Bezeichnung der Abbildung Seite
Abbildung 1, Berufsschule Knittelfeld
Abbildung 2, Arbeitskräfteerhebung.
Abbildung 3, Weg des Berufsschullehrers in Deutschland
Abbildung 4, Berufsschullehrer in Österreich.
Abbildung 5, Wirtschaftsnahe Ausbildung
Abbildung 6 Duales System der Berufsausbildung
Abbildung 7 Stärken und Schwächen des dualen Ausbildungssystems
Abbildung 8 Ausbildungsverträge
Abbildung 9 Bruttokosten der betrieblichen Ausbildung in Österreich
Abbildung 10 Übersicht der Ausbildungskosten
Abbildung 11 Triales System Quelle: www.bang.gpdm.de
Abbildung 12 Beispiel Modullehrberufe
Abbildung 13 Kombinationsmöglichkeiten im Modularisierungssystem
Abbildung 14 Lehrlingsausbildungssysteme im Vergleich
Abbildung 15 Projekte in Berufsschulen
Abbildung 16 PISA, Grafik:
Abbildung 17 Schulunterrichtsgesetz, Auszug.
Abbildung 18 Ausbildung Berufsschullehrer
Abbildung 19 Schulunterrichtsgesetz, Auszug.
Abbildung 20 Kenntnisse und Fähigkeiten während der Schulzeit
Abbildung 21 ÖBS Österreichische Berufsschulen.
Abbildung 22 Institutionen der ÖBS.
Abbildung 23, Igel - Logo, LBS Knittelfeld.
Abbildung 24, Innovatives Potenzial
Abbildung 25, Berufslaufbahn von Lehrern.
Abbildung 26 Innovatives Potential der Lehrer
Abbildung 27 Freizeitstunden der Berufsschullehrer
Abbildung 28 Zeiten, gewerblich- technische Schule.
Abbildung 29 Freiberuflich tätige Berufsschullehrer.
Abbildung 30 Private Vereinstätigkeiten
Abbildung 31 Tätigkeiten von Berufsschullehrern.
Abbildung 32 Fortbildung Berufsschullehrer
Abbildung 33 Engagement in der Berufsschule
Abkürzungsverzeichnis
Abbildung 34 ideale Berufsschule.
Abbildung 35 Berufsschule neu
Abbildung 36 Berufsschulorganisation „NEU“
Abbildung 37 Organigramm.
Abbildung 38 System Berufsschullehrer
Abbildung 39 Projekte.
Abbildung 40 Qualitätsbereiche
Abbildung 41 Innovation Berufsschule.
Abbildung 42 Personalabteilung
Abbildung 43 Lebensraum Schule
Abbildung 44 Klassenräume.
Abbildung 45 Schulmanagement
Abbildung 46 Schulpartnerschaft, Beziehungen
Abbildung 47 Berufsschulkomplex.
V
Abkürzungsverzeichnis
3 Abkürzungsverzeichnis AMS … Arbeitsmarktservice BAG … Berufsausbildungsgesetz BANG ... Ausbildungsnetzwerk (in Deutschland) BBiG … Bundesbildungsgesetz BbSch … Berufsbildende Schule BFI … Berufsförderungsinstitut BHS … Berufsbildende Höhere Schule BIBB … Bundesinstitut für Berufsbildung BMUK … Bundesministerium für Unterricht und Kunst EKZ … Einführungskurszentrum FH … Fachhochschule HAK … Handelsakademie HTBLA … Höhere Technische Bundeslehranstalt HTL … Höhere Technische Lehranstalt IFKA … Internationaler Fachkräfteaustausch LAP … Lehrabschlussprüfung LBS … Landesberufsschule NRW … Nord Rhein Westfallen ÖBS … Österreichische Berufsschulen Q.I.S. … Qualität in Schulen QIBB … Qualitätsintensive Berufsbildung SchuG … Schulunterrichtsgesetz TQM … Total Quality Management ÜBA … Überbetriebliche Ausbildung VO … Verordnung WIFI ... Wirtschaftsförderungsinstitut
VI
Einleitung
4 Einleitung
4.1 Leseinformation
Aus Gründen einer verständnisvolleren Lesbarkeit wurde in dieser Masterarbeit auf doppelgeschlechtliche Anrede, wie Berufsschüler und Berufsschülerinnen, Berufsschullehrer und Berufsschullehrerinnen, etc., bewusst verzichtet, außer es handelt sich um Ausführungen innerhalb von Zitaten.
Es wurde nicht variiert, das heißt, es wurden die männlichen und die weiblichen Formen in dieser Arbeit nicht gleichmäßig verteilt. Wenn daher von Berufsschullehrern die Rede ist, sind auch die Berufsschullehrerinnen angesprochen. Wenn von Lehrlingen, den Berufsschülern gesprochen, bzw. geschrieben wird, betrifft die Aussage zugleich auch die Berufsschülerinnen.
Diese Leseinformation soll dazu dienen, um den Unsicherheiten beim Lesen einerseits vorzubeugen und einer langwierigen Diskussion bezüglich „Gender“ (geschlechtssensibles Verständnis; bewusstmachen der Geschlechtsspezifität, Anm. des Autors) entgegenzuwirken.
Für das Verständnis innerhalb der Masterarbeit soll das bedeuten, dass die männliche und/oder die weibliche Rolle jeweils in die diskutierte Problematik mit eingeschlossen ist. Es soll und darf nicht der Eindruck entstehen, dass es sich um Ausgrenzung oder Diskriminierung eines der beiden Geschlechter handelt. Es soll so sein, dass das Lesen zur Teilnahme am Thema anregt, ohne dass die Gedanken einer ungewollten Ablenkung nachgeben. Hier danke ich für das allgemeine Verständnis.
4.2 Überleitung zur Masterthesis
Die vorliegende Masterarbeit ist eine Weiterführung meiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit folgendem Titel:
1
Einleitung
Duale, triale und modulare Lehrlingsausbildungssysteme der Industrie mit besonderem Bezug auf die Prozesse Schüler-Lehrer-Direktion, sowie auf qualitätsrelevante Projekte im Berufsschulbereich.
In dieser Masterarbeit wird der Versuch unternommen, die vorliegenden Ergebnisse aus der Forschung und Entwicklungsarbeit, in unterschiedliche Innovationen, in Neuerungen, Veränderungen und Umstrukturierungen, bezüglich des Berufsbildungssystems und im Wesentlichen der Berufsschule in Österreich, einzubinden. Die Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit dem dualen Ausbildungssystem, dem Lehrlingsausbildungssystem im sekundären Bildungsbereich, mit besonderem Bezug auf Berufsschulen. Es werden Querverbindungen zu vergleichbaren Berufsbildungssystemen hergestellt und konfrontieren die entsprechenden Prozesse mit wirtschaftlich vergleichbaren Ländern Europas. Diese Masterarbeit sieht sich als Beitrag, eine Brücke zu schlagen, um die Einflüsse des dualen Ausbildungssystems auf die Wirtschaft, die gesetzlichen Vorgaben und die sozialen Auswirkungen auf die Gesellschaft darzustellen. Als innovatives Deplacement werden in dieser Arbeit Chancen aufgezeigt, die den Berufsschulen einen neuen Zugang innerhalb des dualen Systems ermöglichen. Es soll beleuchtet werden welches enorme Ressourcenpotential Berufsschullehrer, aufgrund ihrer Ausbildungen und Erfahrungen, für das Berufsbildungssystem darstellen. Die Arbeit bietet Einblick in Möglichkeiten, wie die Ausbildungsstandards der Berufsschullehrer im dualen Ausbildungssystem besser und vor allem effizienter genutzt werden können. Die Wege der Umsetzung werden in dieser Arbeit durch ein neues Berufsschulsystem dargestellt.
Um ein hohes Verständnis für Veränderung und Umstrukturierung beim Betrachter zu erzeugen, bietet der Inhalt der Arbeit einen Einblick in die geschichtliche Entwicklung des dualen Ausbildungssystems, versucht den Stand der Gegenwart in komprimierter und kompakter Weise darzustellen und zeigt die zukünftigen Perspektiven der Lehrlingsausbildung auf. Zusätzlich werden die verschiedenen pädagogischen Ausbildungswege der Berufsschullehrer beleuchtet, um die individuellen Zugänge der Systeme aufzuzeigen.
2
Einleitung
Das duale Ausbildungssystem bietet eine Plattform zur Ausbildung von Lehrlingen. Es ist ein System, in dem junge Menschen eine Ausbildung erhalten, von der sie behaupten können, dass es aus einem der führenden Ausbildungsmodelle der Welt entstammt. Es ist ein über Jahrzehnte in Europa individuell gestaltetes und gewachsenes Ausbildungssystem, das sich inzwischen internationaler Anerkennung erfreut und von vielen Ländern übernommen wurde und wird.
Es ist, in unserer schnelllebigen Zeit, in der sich wirtschaftliche Veränderungen von einem Tag auf den anderen ergeben, in der Flexibilität nicht nur ein Schlagwort ist, sondern Raum benötigt für Experiment und Risiko, notwendig, neue Wege zu beschreiten. Es kann ein Ausbildungssystem nur modern auftreten, wenn es Anerkennung in der Gesellschaft findet und den notwendigen Zuspruch der zukünftigen Auszubildenden erhält. Die Berufsschule hat Handlungsbedarf. Nicht das Festhalten an alten Strukturen, sondern die Betrachtung der einzelnen Prozesse des Berufsbildungssystems und das darin vorhandene Veränderungs- und Verbesserungspotential macht den Fortschritt der Berufsbildung im Wesentlichen aus. Es ist wichtig, dass sich Berufschulpädagogen am Nabel der Zeit orientieren. Sie müssen sich mit modernsten Kommunikationsmodellen und neuesten Techniken auseinandersetzen. Notwendig sind Pädagogen, die positiv motiviert, ihr erworbenes Wissen dem Berufsschüler weitergeben. Wie in der Wirtschaft muss eine so genannte Kunden-Lieferanten Beziehung zwischen Schüler-Lehrer, Lehrer-Betrieb, aber genauso zwischen Lehrer-Direktion und allen weiteren prozessrelevanten Beziehungen aufgebaut werden. Dies muss über ein gelebtes schulinternes Qualitätssicherungssystem erfolgen. Ein solches System benötigt als Grundlage ein differenziertes Wissen bezüglich Kommunikation und fehleranalytisches Denken. Wissen nicht im logisch-mathematischen Sinne, sondern in Bezug auf Fehler-Ursache-Analyse-Lösung. Das größte Problem im Berufsschulsystem liegt in der Fehler-Schuld-Zuweisung, die im praktisch umgesetzten Prozess vorherrscht. Wenn es gelingt, diese Schallmauer des Denkens mit neuen Prozessen der Wertschöpfung zu durchbrechen, dann ist ein enormer Schritt in ein moderneres Berufsschul- bzw. Berufsbildungssystem getan.
3
Einleitung
4.3 Herzlichen Dank
Für die Unterstützung bei meiner eingangs erwähnten Forschungs- und Entwicklungsarbeit bedanke ich mich bei Dipl. Ing. Dr. Mario Hirz, der sich spontan für die Korrektur der Arbeit bereit erklärt hat.
Besten Dank auch meinen Berufsschullehrerkollegen Dipl. Päd. Dipl. Ing. Markus Haslinger, der von mir mit der Aufgabe des Zweitlesers beglückt wurde und Dipl. Päd. Dipl. Ing. Wolfgang Bauer, der bei der Begutachtung und Bewertung der Masterthesis mit zur Seite stand.
Herzlichen Dank an Prof. Dr. Steffen Rößler. Er hat mir als Erstleser und Begutachter der Masterthesis, mit seiner tollen Bewertung meiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit, die notwendige Motivation gegeben, den Abschluss des Masterstudiums zu erreichen.
Ich bedanke mich hier an dieser Stelle bei allen den Menschen die mich begleitet haben, die mich unterstützt haben, die mir Mut zugesprochen haben, die mich motiviert haben, meine Masterarbeit fertig zu stellen, damit ich meinen Traum erfüllen kann, nach all den Jahren.
Danke an meine beiden Jungs, für die aufgebrachte Geduld und dass ihr nie aufgehört habt an etwas Neues zu glauben.
Herzlichen Dank an jene Familie, in der ich Platz gefunden habe …
gewidmet
Einleitung
5 Ziele der Masterthesis
5.1 Grobziele der Masterthesis
• Darstellung eines innovativen Umstrukturierungsmodells im Berufsschulbereich
• Möglichkeiten von neuen Sichtweisen im Berufsbildungsbereich darstellen
• Schwerpunkte des Berufsschulmanagements aufzeigen
• Schwerpunkte der Berufsschulqualität beleuchten
• Bildungswege eines Berufsschullehrers in Österreich und Deutschland schildern
• Bildungsweg eines Berufsschullehrers im internationalen Vergleich
• Lehrlingsausbildung im Bereich der Industrie darstellen
• Duales, Triales und modulares Bildungssystem vorstellen
• Lehrlingsausbildung in Österreich im Vergleich zu Ländern Europas aufzeigen
• Das duale Ausbildungssystems international vergleichen
• Umsetzung von Projekten im dualen System aufzeigen
• Prozesse und Managementsysteme im dualen Ausbildungssystem vorstellen
• Veranschaulichung des Qualitätsmanagementsystems in der Lehrlingsausbildung
• Umstrukturierung des Berufsschulsystems darstellen
• Innovationsmöglichkeiten im Berufsschulsystem kreieren
• Strukturveränderungen im Berufsbildungssystem vorstellen
• Vereinfachung des Berufsbildungssystems anstreben
5.2 Feinziele der Masterarbeit
• Vor- und Nachteile im Ausbildungsbereich von Berufsschullehrern aufzeigen
• Verbesserungsmöglichkeiten im Bildungsbereich von Berufsschullehrern offerieren
• Innovationsmöglichkeiten des Ausbildungsbereiches Berufsbildung angeben
• Vor- und Nachteile, sowie Stärken und Schwächen des dualen Systems aufzeigen
• die gesetzlichen Grundlagen der Lehrlingsausbildung beleuchten
• die Lehrberufslandschaft, sowie die geschichtliche Entwicklung darstellen
• die Probleme der Lehrlingsausbildung ansehen
• duales und modulares Ausbildungssystem beschreiben
5
Einleitung
• Projekte und Projektmanagement in Berufsschulen darstellen
• die fachlichen und sozialen Kompetenzen in Bezug auf Lehrlinge aufzeigen
• Prozesse des Ausbildungssystems näher beleuchten
• Qualitätsrelevante Maßnahmen im Ausbildungsbereich darstellen
• subjektive und objektive Messbarkeit von Prozessen aufzeigen
• subjektive und objektive Messbarkeit von Projekten beleuchten
• Veränderungsmöglichkeiten der Berufsschulprozesse erklären
• Organisatorische Veränderungen im Berufsschulsystem vorstellen
• Strukturveränderungen zugunsten der Langzeitmotivation der Lehrer anstreben
• Strukturveränderungen im Sinne des „Lebenslange Lernens“ durchführen
5.3 Nichtziele der Masterthesis
• Duale Ausbildung und Prozesse aus dem sekundären Mittelschulbereich darstellen
• Duales Ausbildungssystem aus dem universitären Bereich aufzeigen
• Internationale Bildungssysteme im Detail vorstellen
• Prozesse im pädagogisch- didaktischen Bereich der Lehrstoffumsetzung beleuchten
• Messmethoden des pädagogischen Bereiches der Lehrlingsausbildung aufzeigen
• Prüfmethoden des fachlichen Bereiches der Lehrlingsausbildung darstellen
• Benotungs- und Bewertungssysteme erklären
• Gesetzliche Grundlagen aus dem Schulunterricht aufzeigen
• Verschlechterung der pädagogischen Handlungsweisen durchführen
• Verschlechterung des Berufsschulsystems ansteuern
• Systeme und Prozesse durch Umstrukturierung verschlechtern
• Den Berufschullehrer durch zusätzliche Mehrarbeit belasten
• Kreativität des Berufsschullehrers einschränken
• Durch QM und Prozessdenken den Berufsschullehrer demotivieren
6
Innovationen der Berufsbildung
6 Die Berufsschule
6.1 Schulorganisation der berufsbildenden Schulen
„Bundesgesetz vom 25. Juli 1962 über die Schulorganisation (Schulorganisationsgesetz). BGBl. Nr. 242/1962, zuletzt geändert durch BGBl. I Nr. 116/2008. TEIL B Berufsbildende Schulen Abschnitt I
Berufsbildende Pflichtschulen (Berufsschulen)
a) Unmittelbar anzuwendendes Bundesrecht
§ 46. Aufgabe der Berufsschule
(1) Die Berufsschule hat die Aufgabe, in einem berufsbegleitenden fachlich einschlägigen Unterricht den berufsschulpflichtigen Personen die grundlegenden theoretischen Kenntnisse zu vermitteln, ihre betriebliche Ausbildung zu fördern und zu ergänzen sowie ihre Allgemeinbildung zu erweitern. (2) Die Schüler sind im betriebswirtschaftlichen und fachtheoretischen Unterricht durch die Einrichtung von Leistungsgruppen zu fördern, sofern hiefür eigene Schülergruppen gemäß den auf Grund des § 8a Abs. 3 erlassenen Ausführungsgesetzen einzurichten sind.
(3) Zur Vorbereitung auf die Berufsreifeprüfung sind interessierte Schüler nach Möglichkeit durch Differenzierungsmaßnahmen im Unterricht und durch Freigegenstände zu fördern.“ 1
1 BMUK 2009,§1 - §45
7
Innovationen der Berufsbildung
6.2 Geschichtliche Entwicklung der Berufsbildung
In ihrer langjährigen Geschichte wird die berufliche Bildung in ihrem gesellschaftlichen Stellenwert immer hinter die Allgemeinbildung gestellt.
Mit zunehmender Dauer der technischen Entwicklung, der Spezialisierungen in unterschiedlichsten Bereichen, sowie der vielseitigen einschlägigen Fachrichtungen, ist ein globaler Überblick über die Ausbildungsrichtungen nicht mehr möglich. Daher scheinen in unserer Zeit Berufsbildung und Allgemeinbildung zu verschwimmen und der Stellenwert sich gegenseitig aufzuheben. „Die Allgemeinbildung ist die Berufsbildung der Herrschenden und die Berufsbildung ist die Allgemeinbildung der Beherrschten.“ 2
Die Weitergabe von beruflichem Wissen, die Übermittlung von Kenntnissen und speziellen Fertigkeiten, vor allem im Bereich des Handwerks, erfolgte über Generationen bereits vor mehr als 10 000 Jahren. Die Weitergabe, die Weitervermittlung von Wissen, resultierte aus einer sogenannten Lehr-Lern-Beziehung. Dies erfolgte meist im Famili-enverband, vor allem aber mündlicher Natur und wurde über lange Jahre zur Meisterschaft gebracht. Das „Lebenslange Lernen“ allgemein und im Besonderen am Handwerk war zu jener Zeit kein Slogan, sondern ein automatisches Tun, um gedanklich Vorstellbares umzusetzen. Heute, in einem sich nach Zeitvorgaben orientierendem Handeln, müssen längst vergessene Tugenden neu entdeckt werden. Das Handwerk hat sich seit je her in ihrem Entstehen ausschließlich nach einer hohen Qualität und einer hohen Präzision, orientiert. Es war und ist sehr viel Persönlichkeit im umgesetzten Produkt verankert. Heute sind aus dem Handwerk derartig hochgehaltene Tugenden, wenn nicht zu sagen Werte, weitgehend verschwunden. Persönlichkeit und Kreativität sind nahezu nur noch im Kunsthandwerk vorhanden.
2 Arnold, Lipsmeier, Ott 1998, S.1
8
Innovationen der Berufsbildung
Die berufliche Aus- und Weiterbildung entfaltete sich unterschiedlich. Der Bildungsbereich der Landwirtschaft entwickelte sich in einer anderen Form weiter als der des Gewerbes und des Handels. Während das kaufmännische Gewerbe bereits im Mittelalter sehr differenzierte Formen aufwies, etablierten sich schulische Formen der Ausbildung für das Gewerbe und der Landwirtschaft erst im 18. und 19. Jahrhundert. 3 Mit dem Schulorganisationsgesetz 1962 und dem Berufsausbildungsgesetz 1969 wurde eine weitreichende und umfassende rechtliche Grundlage für die Berufsschule geschaffen. Im Jahr 1997 wurde mit dem Gesetz über die Berufsreifeprüfung, dass im Berufsleben erworbene Praxiswissen dem schulischen theoretischen Wissen gleichgestellt. Die integrative Berufsausbildung wurde im Jahr 2003 im Berufsausbildungsgesetz sowie im Schulpflichtgesetz verankert. 4
„Die Berufsschule hat den allgemein- bildenden Schulen gegenüber den Vorteil, dass sie nicht nur auf die Vorahnung künftigen Werks, sondern auf die unmittelbar gelebte Lebenswirklichkeit hinzielen kann. In den allgemeinen Schulen werden die Rechenaufgaben für den zwölfjährigen „eingekleidet“, indem man der Phantasie eine noch ferne Wirklichkeit aus Wirtschaft, Handel und Technik vorstellt. Der Berufsschüler aber steht mitten in der Wirtschaft, er muss „im Ernst“ rechnen, zeichnen, vergleichen, korrigieren und er bemerkt, dass die aus der allgemeinbildenden Schule mitgebrachten Künste nicht mehr ausreichen. Sie geben ihm Hilfen für die konkreten Anforderungen, aber nicht mehr. Die konkreten Aufgaben müssen nun als solche, aus ihrer Mitte heraus gemeistert werden.“ 5 Die Berufsschule ist heute weit mehr eine allgemein bildende Schule geworden, die viel mehr als nur technisches Können von seinen Schülern, den Lehrlingen, abverlangt, als noch vor wenigen Jahren. Die technisch- kommunikativen Errungenschaften der modernen Zeit fordern ein weit aus komplexeres Wissen von den Auszubildenden ab. Die
3 Vgl. Kaiser, Pätzold 1999, S. 3
4 Vgl. Berufsausbildungsgesetz §8b
5 Blättner 1965, S. 101
9
Innovationen der Berufsbildung
Berufsschule ist heute eine fortschrittliche und moderne Einrichtung, die sich den An-forderungen der Wirtschaft im dualen System annimmt und seine Schüler auf höchstem Niveau ausbildet.
In Österreich besuchen 40 % der Jugendlichen eine Berufsschule. 6 Während ihrer drei bis vier jährigen Ausbildungszeit verbringen die Auszubildenden ungefähr ein Fünftel der Zeit in der Berufsschule. Die verbleibende Zeit werden sie im Unternehmen praktisch und theoretisch ausgebildet. An der Berufsschule unterrichteten im Schuljahr 2000/2001 österreichweit 4 621 Lehrer und 132 613 Schüler wurden unterrichtet. In der Steiermark (Österreich) waren dies 662 Lehrer an 22 Berufsschulen. 7
6.3 Unterscheidung der Formen von Berufsschulsystemen
Die Formen der Berufschule können in eine ganztägig, einmal wöchentliche Berufschule und eine lehrgangsmäßige Berufschule unterschieden werden.
6.3.1 Ganztägige, einmal wöchentliche Berufsschule
Die besondere Problematik an Berufsschulen ist die spezielle Form der Organisation. Es gibt zum Teil, hauptsächlich in Ballungszentren (Wien, Linz, Graz), die ganztägig, einmal wöchentlich abgehaltene Berufsschule, die sich über ein ganzes Schuljahr erstreckt. Das begünstigt die Unternehmen, da sie die Lehrlinge nur einen Tag in der Woche an die Schule „verlieren“, die übrigen vier Wochentage aber über ihre Arbeitskraft verfügen.
Viele der großen Unternehmen beschulen die Lehrlinge zusätzlich an einem weiteren Tag in der Woche, entweder in eigens dafür eingerichteten Räumlichkeiten, unter der Aufsicht des unternehmenseigenen Ausbildungspersonals, oder in öffentlichen Ausbildungszentren. Der Vorteil der Lehrlinge liegt darin, dass sie nie über einen längeren Zeitraum die Schulnähe verlieren und somit immer aktuell zwischen Theorie und Praxis
6 Vgl. Schneeberger 2003, S. 15
7 Vgl. BMBWK 2003, S. 1
10
Innovationen der Berufsbildung
hin und her springen können. Es können aktuell auftretende theoretische Probleme innerhalb kürzester Zeit in der Schule abgeklärt werden. Die Lehrlinge haben auch länger Zeit sich auf die technisch- theoretischen Probleme einzustellen und können bei dieser Form der Berufsschule besser im Lehrberuf wachsen.
6.3.2 Lehrgangsmäßige Berufsschule
Als weitere Variante wird die Berufsschule in Lehrgängen abgehalten, die 9 1/3 Wochen und/oder 8 Wochen dauern. Hier wird der Berufschüler, je nach Lehrberuf, in entsprechende Berufsschulen beordert. Diese Berufsschulen vereinen in ihren Schulen ver-wandte Lehrberufe, meist ist ein Internat an diese Schulen angeschlossen, und bildet die Lehrlinge dort in sogenannten Kompetenzzentren zu Facharbeitern aus. Die Vielzahl der Lehrberufe und die große Heterogenität der Inhalte stellen von Lehrgang zu Lehrgang eine große Herausforderung an die Organisation solcher Berufsschulen. In Berufsschulzentren, vorwiegend in österreichischen Großstädten, werden darüber hinaus gemischte Berufsschulen angeboten, die die lehrgangsmäßige und die ganzjährige Berufsschule zusätzlich vereinen, um dem dualen System die größtmöglichste Flexibilität zu bieten. Der pädagogisch- administrative Aufwand an Direktion, Lehrpersonal und Sekretariat ist dadurch besonders hoch.
6.3.3 Der organisatorische Aufwand eines Berufsschulapparates
Auflistung des zu betreibenden organisatorischen Aufwandes, der in der Zusammenarbeit zwischen Direktion und Sekretariat anfällt, unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse des Lehrerpersonals, unterstützt durch die Personalvertretung:
• Ausschreiben der Einberufungen
• Organisieren der Lehrstoffverteilungen
• Lehrstoffverteilungen auf den Lehrplan abstimmen
• Einbinden der Lehrer in der jeweiligen Lehrstoffverteilung
• Einteilung der Klassenvorstände
• Erarbeitung der Stundenpläne
11
Innovationen der Berufsbildung
• Einteilung der Stammklassenräume und Zuteilung der einzelnen Leistungs- und La-borgruppen in die entsprechenden verbleibenden Personalcomputer-, Hydraulik-, Pneumatik-, Elektrikklassenzimmer usw.
• Organisation, Lenkung und Leitung von pädagogischen Konferenzen
• Aussendung von Schulnachrichten (Mahnungen)
• Führung der Stammdaten der Berufsschüler im dafür vorgesehen EDV Netzwerk
• Ausstellen der Zeugnisse über vorgesehenes EDV Netzwerk
• Organisation der Seminare und Fortbildungsreihen der Berufsschullehrer
• Abwicklung von schüler- oder lehrerbezogenen Projekten
• Organisieren von Exkursionen und Lehrausgängen
• u. v. m
Aufgrund der Vielschichtigkeit des Berufsschulapparates müssen die einzelnen Tätigkeiten zusammengefasst werden, um eine optimale Transparenz der Aufgaben zu erhalten. Es müssen Prozesse geschaffen werden, damit Lücken im System offengelegt werden können. Dadurch wird eine Erhöhung der Nachvollziehbarkeit erreicht. Parallel können die notwendigen Ressourcen für die Bearbeitung abgerufen werden.
6.4 Die Berufsschule als Förderer von Schlüsselqualifikationen
Die Berufsschule versucht, über die ihr eigene Vermittlungskompetenz, in praktisch-theoretischer Hinsicht, eine hohe Form der für das Berufsleben immer wichtiger werdenden Schlüsselqualifikationen zu fördern und zu verstärken. Das Bild, das die Berufsschule in Österreich zeichnet, ist eine von großer Eigenständigkeit geprägte berufsbildende öffentliche Schule, die eine größtmögliche Zusammenarbeit mit den entsprechenden Unternehmen im dualen System sucht und höchsten Wert auf disziplinäre Ordnung legt. Ihre innere Struktur ist sehr straff geführt. Dies untermauert der Versuch die Auszubildenden in Verhaltensvereinbarungen einzubinden, die sich auf der einen Seite auf das Schulorganisationsgesetz (SCHUG §43) stützt und auf der anderen Seite individuelle Ordnungen in die Vereinbarungen mit hinein nimmt, die von den Berufsschullehrern und Berufsschülern im Schulgemeinschaftsausschuss beschlossen werden. Hier vereinigt sich der Demokratiegedanke mit beiderseitiger Verantwortung.
12
Innovationen der Berufsbildung
6.4.1 Blick in das Innere einer Berufsschule
Das Innenleben einer österreichischen Berufsschule, im industriellen gewerblichen Bereich, ist geprägt vom höchsten an sich selbst gestellten technischen Anspruch. Weit über die Landesgrenzen hinaus ist das Berufsschulsystem Österreichs bekannt für ihren hohen Standard. In steiermärkischen Berufsschulen werden Schüler aus Vorarlberg, Tirol, Oberösterreich, Niederösterreich, sowie Lichtenstein und Südtirol in einschlägigen Berufen wie unter anderen Maschinenbautechniker, Produktionstechniker, Zerspanungstechniker, Chemie und Physiklaboranten im industriellen Bereich unterrichtet und ausgebildet.
Sinkende Berufsschülerzahlen, aufgrund der Erwartungen und den durch die Statistik untermauerten Voraussagen, dass die geburtenschwachen Jahrgänge zu einem Einbruch der Lehrlingszahlen führen, hat sich im industriellen Bereich als haltlos herausgestellt.
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Die Schülerzahlen haben sich stark nach oben orientiert und auch die Wirtschaftskrise vermag im derzeitigen Ausmaß keine Einbrüche im Ausbildungsbereich zu verzeichnen. Es mag eher so sein, dass in wirtschaftlichen Krisen vermehrt auf Fort- und Weiterbildung zurückgegriffen wird, um die steigenden Arbeitslosenzahlen korrigieren zu können (Durchschnitteinstiegsalter der Lehrlinge in den 80iger Jahren betrug ca. 16 Jahre, heute liegt das Durchschnittsalter bei 19 Jahren). Pessimistische Voraussagen kündigen für 2009/2010 einen Einbruch der Lehrlingszahlen an, weil es zu einer Verringerung von Lehrlingsaufnahmen kommen kann, da das Wirtschaftskrisenszenarium viele der bis dato im Gewinnbereich etablierten Unternehmen mit Umsatzeinbusen versorgt.
6.5 Berufsschule als Garant für Berufsbildung
Die Berufsschule lebt. 12 % aller über 15jährigen Jugendlichen wiesen 2007 8 einen Abschluss einer berufsbildenden Schule auf und 36 % der Jugendlichen verfügten über einen Lehrabschluss. Aus der Statistik (siehe Abbildung; Arbeitskräfteerhebung) ist ersichtlich, dass immer noch überproportional viele männliche Jugendliche einen Lehrberuf anstreben und mit dem Lehrabschluss beenden, wobei sich die Ausbildung in den höheren Bildungsanstalten eher ausgeglichen zwischen Männern und Frauen gestaltet. Das duale System ist in aller Munde und wird ein wesentlicher Faktor sein, um die aktuelle wirtschaftliche Krise zu neuem Aufschwung zu verhelfen, da es vermehrt um innovative Kräfte in der Zukunft gehen wird, weil die größte Bildungsgruppe in Österreich mit 2 464 000 Personen jene darstellt, die über einen Lehrabschluss verfügen. Dies zeigt, welche besondere Rolle die Berufsschule und somit das duale System in Gegenwart und Zukunft spielt.
Das 28 % der Bevölkerung lediglich die Pflichtschule beendet, wird eine weitere große Herausforderung für die nahe Zukunft an Politik und Wirtschaft stellen, da ein großes Potential an Innovationen durch die Nichtnutzung von Ressourcen verloren geht. Es könnte der Versuch gestartet werden vermehrt bildungswillige Personen der über 15jährigen, in die Berufsbildung zu bringen, gegebenenfalls auch in Form von außeror-
8 Vgl.Dr. Eichwalder, Mag. Mitterdorfer, Mag. Fasching 2008, S. 39
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dentlichen Berufsschülern. Die Bereitwilligkeit dieser außerordentlichen Schüler könnte über ein geeignetes Ausleseverfahren ermittelt werden, um von vorne herein zu einem hohen Prozentsatz die Unwilligkeit von Schülern auszuschließen, die sich beruflich weiterbilden möchten. Die Motivation und die geeigneten Schlüsselqualifikationen (pünktlich, pflichtbewusst, motiviert, teamfähig, selbständig, zielorientiert, etc.) müssen nachgefragt werden, damit diese Schüler die höchstmöglichen Ausbildungschancen erhalten. Es könnte hier der Weg über eine Talenteförderung im Berufsschulbereich beschritten werden, die über Projekte eine Möglichkeit der Aus- und Weiterbildung eröffnet. Geeignete und motivierte Berufsschullehrer könnten hier innovative Aufgaben übernehmen.
Abbildung 2, Arbeitskräfteerhebung; Quelle: Dr. Eichwalder, Mag. Mitterdorfer, Mag. Fasching 2008
Lehrabschlüsse finden sich wie angesprochen häufiger bei Männern (47 %). Bei den Frauen besitzen lediglich 25 % einen Lehrabschluss. Die Aus- und Weiterbildungsaktivitäten gewinnen in Österreich an Bedeutung. Für internationale Vergleiche gibt es den Strukturindikator, der den Anteil der in Ausbildung befindlichen 25 bis 64jährigen misst und der einen Wert für das „Lebenslange Lernen“ darstellt.
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Im Jahresdurchschnitt 2007 wurde für Österreich ein Wert von 12,8 ausgegeben, der sich unter den EU-Staaten im oberen Mittelfeld befindet. 9 In den vergangenen Jahren wurden die Werte für:
• 2006: 13,1%
• 2005: 12,9%
• 2004: 11,6% erreicht.
Der Indikator „Bildungsstand der Jugendlichen“ ging von 2006: 85,8% auf 2007: 84,1 % zurück und der Wert für „Frühe Schulabgänger“ stieg von 2006: 9,6 auf 2007: 10,9%. Dies bedeutet, dass ein hoher Bedarf bei der Heranführung von Jugendlichen an die Berufsbildung besteht. Hier bietet sich mit der Berufsschule ein überaus kompetenter Partner, der nicht nur die praktischen und theoretischen Fähigkeiten von Jugendlichen formt, sondern eine weitläufige gesellschaftliche Bildung, bis hin zur Gestaltung der ge-forderten Schlüsselqualifikationen, anbieten kann. Das duale System und die Berufsschule können, mit ihrem System innerhalb des allgemein komplexen Bildungssystems auf die raschen Veränderungen der Technik und der Ökonomie, die kürzesten Reaktionszeiten aufweisen. Neuerungen werden in der Berufsbildung am Schnellsten umgesetzt und den Berufsschülern angeboten. Als Beispiel sind hier die kurzen Reaktionszeiten der EDV unterstützten Arbeits- und Werkzeugmaschinen anzuführen, die eine große Flexibilität und Einsatzbereitschaft vom jeweiligen Bedienpersonal abverlangt. Die Berufsschule hat die Aufgabe auf die unterschiedlichen Trends individuell zu reagieren und neue Errungenschaften in der Bildungspalette bereitzuhalten. Dies wiederum macht einen hohen Aufwand in der Weiterbildung des Ausbildungspersonals der Berufsschule und einen hohen finanziellen Einsatz im Bereich der Hard- und Software-, sowie der Maschinenbereitstellung notwendig, da berufinhaltliche Qualifikationen geringer Reichweite bereits nach wenigen Jahren veraltet sind. Es darf nicht außer acht gelassen wer- 9 Vgl.Dr. Eichwalder, Mag. Mitterdorfer, Mag. Fasching 2008, S. 41
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den, dass Schlüsselqualifikationen in Berufsschulen nicht abstrakt und ohne fachliche Inhalte vermittelt werden können.
Die entscheidenden Fragen der Berufsschule der Zukunft sind:
• Welche Strategie wird sie in Zukunft verfolgen?
• Welche Inhalte fördern die entscheidenden Schlüsselqualifikationen?
• Welche Wege bestreitet die Wirtschaft wenn die Weltwirtschaftskrise vorbei ist?
• Ist es weiter die Verkürzung der Arbeitszeiten, die Steigerung der Produktivität und Senkung der Kosten durch ganzheitliche Fertigungsstrategien, oder ist es die Besinnung auf Qualität und Optimierung der Prozesse?
Die derzeitige wirtschaftliche Situation kann eine Neuerung des Berufsschulsystems möglich machen, da sie im hohen Maße von zukünftiger Bedeutung für die weitere Existenz eines hohen Berufsbildungsstandards ist.
Möglicherweise sind ein Zurücknehmen des Bildungsniveaus und eine verkürzte Ausbildungszeit, um so viel Fachpersonal wie möglich der Wirtschaft zuzuführen, nicht der richtige Weg. Der Bildungsweg in der Berufsschule muss flach gehalten werden, was nichts anderes bedeutet, als die Ausbildung am Berufsschüler reifen zu lassen und um die für die Ausbildung vorgesehene Zeit ausreichend zu nutzen. „Ordnung“, „Sauberkeit“ und die für den Lehrberuf so charakteristische „Sicherheit am Arbeitsplatz“ kann nur über Erfahrung reifen. Für diesen Reifeprozess ist die Lehrzeit von drei bis vier Jahren notwendig. Es kann den auszubildenden Jugendlichen sehr viel Selbstverantwortung auferlegt werden, jedoch darf die schwierige pubertäre Phase, in der sich die Jugendlichen in der Lehrzeit befinden, nicht außer Acht gelassen werden. Die sozialpsychologischen Probleme in unseren Familien und der Gesellschaft sprechen an dieser Stelle für sich. Daher ist eine zukünftige Entwicklung des Berufsschulsystems nur in einer Prozessveränderung zu suchen, die alle Beteiligten mittragen müssen. Als Beteiligte sind die Schulaufsicht, die Direktionen, die Berufsschullehrer, die Berufsschüler und im dualen System die Wirtschaft, in Form der Unternehmer, zu nennen.
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6.6 Zukunftsorientierte Berufsschule
Die moderne Berufsbildung in einer Berufsschule muss als Zielvorstellung die Förderung von Berufskompetenz, die sich in Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenz ausdrückt. Unter dieser modernen Zugangsweise verbirgt sich eine komplexe Handlungsweise, die unter dem Begriff des Lernfeld-Konzeptes niederschlägt. Diese Lernfelder beschreiben einen komplexen berufsbezogenen Unterricht und fassen berufliche Handlungsfelder inhaltlich zusammen.
Im Lernfeldkonzept wird der Unterricht nicht in traditionellen Fächern organisiert, sondern in Tätigkeitsfelder unterteilt. Auf diese Weise entsteht ein fächerübergreifender Lehrplan. Es müssen der zeitliche, wie inhaltliche Ablauf mit Unternehmen und Berufsschule abgestimmt und strukturiert werden. Die Ziele müssen über den Lehrstoff überprüfbar ausformuliert werden, um den Leistungszuwachs jederzeit transparent darstellen zu können. Dieser Zugang zur Thematik der Ausbildung macht qualitäts- und managementrelevante Ausbildungsideale notwendig und verlangt vom jeweiligen Berufsschullehrer ein hohes Wissen zur Frage der Leitung, Planung, Steuerung, Regelung und Kontrolle notwendig. Dies sind, zu den eingangs erwähnten Aufgaben von Berufsschullehrern und deren vielseitigen administrativen Tätigkeiten, noch sehr unausgereifte Handlungsweisen, die eine handlungsarme Begleitung durch die Schulaufsicht und der Direktionen erfährt. Um die Kriterien „Lernen durch Handeln“, „Selbstständiges Planen“, „Überprüfen“, „Korrigieren und Bewerten“, „Ganzheitliches Erfassen der beruflichen Wirklichkeit“, „Erfahrungen der Lerner integrieren und reflektieren“ von den Berufsschülern die Umsetzung fordern zu können, bedarf es einen alternativen Zugang der Ausbildner, die lernen müssen, ihr eigenes Handeln unter Kritik zu stellen, um den geeigneten Zugang zu derartigen Lernfeldkonzepten zu schaffen. Einen modernen Zugang und eine Steigerung der Wertschöpfung können Berufsschulen über das Anbieten von Zusatzqualifikationen erlangen. Sie werden von Berufsschulen als zusätzliches Angebot außerhalb der Unterrichtszeit vermittelt. Motivierte Berufsschullehrer können ihre weitreichenden Fähigkeiten und Qualifikationen, sowie ihre Spezialisierungen den interessierten Berufsschülern zukommen lassen. 10
10 Vgl. Schelten, Zedler 2001, S. 3
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Eine durch das BIBB durchgeführte Umfrage bei 940 Unternehmen 1999 in Deutsch-land sahen in Prozentanteilen die Firmen einen großen Bedarf in den Bereichen Fremdsprachen, Projekt und Teamarbeit, Kommunikationstechnik, Kundenservice und Beratung, Qualitätssicherung und Verkaufstraining.
• Fremdsprachen ………………………………………………..…. 61 %
• Projekt und Teamarbeit ………………………………………..… 53 %
• Kommunikations- und Informationstechnik ………………...….. 53 %
• Kundenservice und Beratung ………………………………...…. 46 %
• Qualitätssicherung ……………………………………………...… 45 %
• Verkaufstraining ………………………………………………...… 44 %
Die Zusammenarbeit der Berufsschule mit den Unternehmen gestaltet sich zögerlich und beschränkt sich hauptsächlich auf die Organisation und Einberufung der Lehrlinge. Eine engere Zusammenarbeit kommt dann zustande, wenn disziplinäre Ungereimtheiten vorfallen, oder vorsorglich Mitteilungen in Form von Mahnungen an die Eltern und die Unternehmen ergehen. In solchen Fällen wird versucht einen gemeinsamen Konsens bezüglich der Lernschwächen von Schülern zu finden, um ein Weiterkommen in die folgende Schulstufe zu ermöglichen. Die Berufsbilder der einzelnen Berufe liegen vor. Es kommen jedoch nur langsam Gespräche zu den jeweiligen praktischen und the-oretischen Inhalten zwischen den Unternehmen und der Berufsschule zu Stande. Bei verschiedenen Gesprächen und Diskussionen mit Ausbildungsbeauftragten wird immer wieder darauf verwiesen, dass von Seiten der Unternehmen, wie von Seiten der Berufsschule, ein Manko bezüglich der Abstimmung von Berufsbildern besteht. In den vehement geforderten Unterrichtszielen, sie liegen in großer Menge auf, wird immer noch zu wenig auf diese Berufsbilder und ihre individuellen Inhalte eingegangen. Die Berufsschule gehört heute mehr denn je zu den Stützen in unserem Bildungssystem, da sie die Basis unserer Gesellschaft verkörpert. Sie fördert und fordert von jungen Menschen deren Kreativität zu tage und gibt ihnen das notwendige Selbstwertgefühl, um den Anforderungen unserer Gesellschaft, Wirtschaft und Technik mit großer Leidenschaft zu begegnen. Eine Berufsschule der Zukunft muss die Zusammenarbeit im dualen System vorantreiben, um die bestmöglichen Voraussetzungen für die Bildung der Lehrlinge zu schaffen. Die Berufsschule muss die Initiative ergreifen, da sie mit dem
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vorhandenen Lehrpersonal bestens ausgebildete Fachspezialisten in verschiedenste Richtungen vorfindet. Es sind exzellente Ressourcen vorhanden, die auf Grundlage einer fundierten Umstrukturierung, gesetzlich abgesichert, auf solider, humanitärer Basis, für einen völlig neuen Weg in der Berufsausbildung genützt werden müssen. Eine zu-kunftsorientierte Berufsschule muss dafür sorgen, dass die im System agierenden Pädagogen nicht mit zunehmender Dauer den Mut und die Motivation im Berufsdasein verlieren.
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7 Berufsschullehrer - quo vadis
Wie kommt das einschlägige Fachwissen zum Auszubildenden dem Berufsschüler? Diese Frage ist zu klären, wenn die Problematik der Lehrtätigkeit des Berufsschullehrers zur Diskussion gestellt wird. Es müssen verschiedene Systeme in verschiedenen Ländern betrachtet werden, um die unterschiedlichen Zugänge zur Bildung, insbesondere des dualen Systems, zu verstehen.
7.1 Bildungsweg des Berufsschullehrers in Deutschland
In Deutschland wird der Berufsschullehrer über die Fachhochschule in einem in sich geschlossenem System ausgebildet. Er erhält grundsätzlich eine akademische Ausbildung. Es genügte bislang, das über die Universitäten und Fachhochschulen erlangte Wissen auf die Berufsschüler zu übertragen. Es ist der herkömmliche, über Jahre gewachsene Weg, das in Universitäten gewonnene Wissen an öffentliche Bildungsinstitutionen und somit zukünftigen Generation weiter zu vermitteln. Aufgrund der zunehmenden modernen Informationstechnologien wird die Aufgabe der öffentlichen Bildungseinrichtungen zunehmend in Frage gestellt. Die Berufsschule sieht sich als wesentlicher Teil der Bildungsvermittlung im dualen System. Sie hat die Aufgabe die zukünftigen Arbeitnehmer zu qualifizieren. Sie ist ein Transformator ökonomischer Produktivkraft. 11
11 Vgl. Lindemann 2004, S. 1
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Die Universitäten stellen Wissen den gesellschaftlichen Institutionen bereit, die sie zur Repräsentation in der Lehrerausbildung brauchen. Die sich immer rascher verändernden Kommunikationsmittel stören diesen Prozess der kontinuierlichen Wissensvermittlung empfindlich. Im Bereich des Arbeitslebens wird das berufliche Fachwissen radikal verkürzt. Der Berufsschullehrer gerät immer mehr unter Druck, da sein Fachwissen innerhalb kürzester Zeit an Aktualität verliert. Die auf fachwissenschaftlicher Basis begründete und dem Prinzip der Wissensorientierung folgende Berufsschullehrerausbildung, vor allem in den europäischen Ländern, garantiert an den Berufsschulen solange ein hohes Maß an verlässlichem Fachwissen, wie der zukünftige Arbeitnehmer, bei der dauerhaften Ausübung seiner Tätigkeiten, die entsprechend notwendigen Fertigkeiten und Fähigkeiten wissenschaftlich fundiert vermittelt bekommt. Im dualen System wird die Ausbildung der Lehrlinge durch den Betrieb unterstützt. Er kommt sehr früh mit Neuerungen in Berührung und wird von erfahrenen Mitarbeitern, den Experten, unterstützt. Für den Berufsschullehrer gilt dies nur bedingt. Wenn der Kontakt mit der Fachhochschule, nach der Vollendung der Ausbildung, abbricht, ist der Berufsschullehrer auf sich allein gestellt und abhängig von Seminarreihen, die Neuerungen in entsprechende Richtungen anbieten. Der Berufsschullehrer hat die Möglichkeit sich auf sein erworbenes Fachwissen „auszuruhen“, kann also die Inhalte über Jahre anbieten, ohne Innovationen zu setzen, oder er kann sich dem „Lebenslangen Lernen“ stellen.
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7.2 Bildungsweg des Berufsschullehrers in Österreich
Im Vergleich zur Ausbildung des Berufschullehrers in Deutschland gestaltet sich der Zugang zum Berufsschullehrer in Österreich etwas anders. Hier wird nicht auf die fundierte wissenschaftliche Basis einer Fachhochschule oder Universität, in der Gesamtbildung, im fachwissenschaftlichen Bereich, zurückgegriffen, sondern auf die erworbenen Fähigkeiten von Einzelpersonen vertraut. Es wird in Österreich besonders viel Wert auf soziale Verknüpfungen gelegt. So ist es von wesentlichem Vorteil, wenn der Berufsschullehrer, in seiner persönlichen Entwicklung, den Lehrberuf, den er unterrichtet, auch erlernt hat. Es soll eine entsprechende Basisnähe vorhanden sein. Der Berufsschullehrer in Österreich soll die Strukturen und die gesellschaftlichen Verknüpfungen des Berufes kennen, um den individuellen Schwierigkeiten, die während der Ausbildung auftreten, mit größtmöglichem Verständnis zu begegnen.
Es soll durch die Basisnähe mehr Einfüllungsvermögen für die reellen Bedürfnisse der Auszubildenden entstehen.
Der Berufsschullehrer in Österreich gelangt durch seine langjährige berufliche Erfahrung, durch die besondere praktische Umsetzung seiner fachlichen Ausbildungen, in die Berufsschule.
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Die Berufschule legt, und dies gilt vor allem für den fachtheoretischen Teil der Aus- und Weiterbildungen, weniger Wert auf die wissenschaftlich fundierten Grundlagen, als auf die erlangten Erfahrungen seiner Ausbildner. Im sozialpsychologischen Bereich der Ausbildung von Berufsschullehrern, an der pädagogischen Hochschule, werden Grundlagen im Speziellen zum Thema Jugend angeboten, um die Zusammenhänge von Auffälligkeiten oder auftretenden Trends besser zu verstehen. Hier muss angemerkt werden, dass durch den späteren Einstieg der Lehrer (Durchschnittsalter 32 Jahre) in den Berufsschullehrerberuf, vielfach einschlägige Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen aus der eigenen Familie vorhanden sind und daher die geforderten Schlüsselqualifikationen, die den Jugendlichen zu vermitteln sind, bestens näher gebracht werden können. Es wird eine Authentizität möglich, die notwendig ist, um eine hohe Akzeptanz bei den Lehrlingen zu erreichen.
Der mögliche Nachteil dieses besonderen Zuganges zum Berufsschullehrerberuf ist die große Streuung der Ausbildungsstandards der angehenden Lehrer. Sie werden nach den entsprechenden Fachrichtungen aufgenommen und können über extrem unterschiedliche Eingangsvoraussetzungen verfügen. Dies wiederum kann bei einer zentral organisierten Ausbildung von Berufsschullehrern nicht mit derartig großer Streuung ausfallen. Der Berufsschullehrer kann bei seiner Aufnahme in den Beruf eine große Überqualifizierung genauso aufweisen wie eine Unterqualifizierung. Dies verdeutlicht das Vorhandensein von Diplom Ingenieuren (Abgängern der Montanuniversität, TU Graz oder Fachhochschulen) auf der einen Seite, wie Facharbeitern mit Meisterprüfung ohne Matura (Reifeprüfung) auf der anderen Seite. Diesen unklaren Ausschreibungsmodellen von Berufsschullehrern muss entgegengewirkt werden, um einerseits undurchsichtigen Einstellungsmodalitäten entgegenzuwirken, andererseits um transparentere Zugangsklassifikationen zu schaffen, unabhängig des individuellen Bedarfs der Fachbereiche. Die Zugangsvoraussetzungen müssen konkreter definiert werden, um dem Ausbildungsgefälle der aufgenommen Lehrer entgegenzuwirken. Hier muss ein Qualitätsmanagement im Berufsschulkomplex beansprucht werden, welches die Tätigkeiten und Aufgaben der Pädagogen festschreibt, um bei Neueinstellungen ein genaueres Lehrerprofil in den Ausschreibungen anbieten zu können.
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Dipl. Päd. Ing. Martin Tafner, M.Sc., 2009, Umstrukturierung der Berufsschule im dualen, trialen und modularen Bereich in Bezug auf Schüler, Lehrer und Direktion , München, GRIN Verlag GmbH
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