Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Vorwort 3
I. Einleitung 5
1.1 Was ist Beratung? 5
1.2 Wozu Beratung? 8
II. Hauptteil 10
2.1 Definitionselemente von Beratung 11
2.2 Typologisierung des Beratungsbegriffs (Beratungsmodelle) 16
2.3 weitere Beratungsqualifikationen 20
2.4 Was ist soziologische Beratung? 21
2.5 Was ist unter der „soziologischen Perspektive“ zu verstehen? 23
III. Resümee 27
3.1 Elemente der „soziologischen Perspektive“ 27
3.2 Versuch einer begrifflichen Annäherung. 29
Literaturverzeichnis 31
2
Vorwort
Gegenstand dieser Arbeit ist „Beratung“ und die Bedeutung von Beratung im Kontext der „Soziologie als Beruf“. Dabei liegt der Fokus aber auf der begrifflichen Annäherung an die Thematik der „soziologischen Beratung“. Es soll der Versuch einer theoretischen Konzeption und Zergliederung des in der Soziologie sehr weitläufig verwendeten Begriffs Beratung unternommen werden, da „Soziologen heute alles (was sie tun) als Beratung begreifen“. 1 Dies soll vom Standpunkt einer berufssoziologischen Perspektive aus geschehen. Beratung ist als ein „soziales Phänomen“ 2 auch ein Thema soziologischer Gesellschaftstheorie. Die Beratung hat sich durch den gesellschaftlichen Wandel, der mit zunehmender Differenzierung und funktionaler Spezialisierung von Wissen sowie einem Zuwachs an individueller Freiheit einhergeht, in modernen Gesellschaften etabliert. Und zwar in einem derart vielfältigen Maße, dass kaum noch zu überblicken ist was alles als „Beratung“ verstanden werden kann. Sei es als theoretisches Konstrukt in der soziologischen Theorie oder in konkreten Praxisbezügen der heutigen Arbeitswelt.
Beratung dient heute als Träger vielschichtiger latenter und manifester Funktionen wie z. B. die Vermittlung von „Wissen“ 3 und „sozialer Rationalität“ 4 von einem System ins andere. Weitere Beispiele sind die Unterstützung bei rationalen Entscheidungen, Integrationsförderung, Verantwortungsabsicherung und Handlungslegitimation. Beratung hilft somit die Aufrechterhaltung der Gesellschaftsordnung zu sichern. Die Problematik ist schnell erkannt, wenn man bedenkt, dass sich die Liste der obigen Beispiele (fast) beliebig verlängern ließe. Daher scheint heute eine neue Systematisierung bzw. Strukturierung des Beratungsbegriffs in der Soziologie als einer wissenschaftlichen Disziplin angetan. Komplizierter wird dies noch durch die
1 Zitiert nach: Prof. Constans Seyfarth; Hauptseminar: Soziologie als Beruf; Institut für Soziologie, Eberhard -
Karls - Universität Tübingen; Wintersemester 2002 / 2003.
2 Ebd.
3 Im Sinne als von der Gesellschaft über Generationen tradiertes ‚Sediment’ von Wissen.
4 Im Sinne als von Soziologen strukturiertes, aufgearbeitetes und eben ‚rationalisiertes’ Wissen (von Soziologen
„verbessertes Wissen“).
3
Tatsache, dass Beratung heute für Soziologen ein bedeutendes Arbeitsfeld darstellt. Immerhin, so stellte Annette von Alemann in einer neuen, sehr aktuellen Studie fest, geben etwa 12 % der (befragten) Soziologen an in der Beratung tätig zu sein. 5
5 Vgl. Alemann, Annette von, Soziologen als Berater. Eine empirische Untersuchung zur Professionalisierung
der Soziologie; Leske & Budrich, Opladen 2002.
4
I. Einleitung
1.1 Was ist Beratung?
Zunächst einmal kann Beratung ganz allgemein als Bindeglied zwischen Wissenschaft und Praxis verstanden werden. Es handelt sich damit um eine Vermittlerrolle. Beratung ist also eine Form der Vermittlung von Wissen zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Die Frage, die wir uns stellen sollten ist wie, in welcher Form und unter welchen Bedingungen (sozial-) wissenschaftliches Wissen aus der Wissenschaft in die Praxis fließen kann. M. a. W. wie in der Forschung gewonnene Erkenntnisse in der Praxis verwendet werden können. Das Phänomen der Beratung wird hier also als Phänomen der Wissensverwendung gesehen. Dies kann entweder in einer trivialisierten Form oder in einer Eins zu Eins-Verwendung 6 geschehen. Die uns interessierenden Fragestellungen umfassen also:
-In welchen gesellschaftlichen Problembereichen üben Soziologen Beratung aus?
-Können sie in ihrem Beruf soziologisches Wissen verwenden?
-Welche besonderen Merkmale und Probleme hat die Beratung, die sie ausüben?
-Welche Qualifikationen benötigen sie für den Beratungsberuf? Dies kann hier aber nicht als eine empirische Studie vom Standpunkt der realen Berufs- und Arbeitssituation von Soziologen durchexerziert werden. Es geht an dieser Stelle vielmehr darum allgemeine Elemente von Beratung herauszuarbeiten.
6 Die Trivialisierungsthese und der Bergriff Eins zu Eins-Verwendung stammen aus der Verwendungsforschung.
Dabei gibt es zwei große, einander wiedersprechende Ausrichtungen: Die eine Position geht davon aus, dass
sozialwissenschaftliches Wissen in trivialisierter Form, d. h. als soziologische Perspektive, in die Praxis
vermittelt wird. Sozialwissenschaftliche Erkenntnisse werden also „alltagsverständlich“ weitergegeben. Dabei
kann es aber seine sozialwissenschaftliche Identität - um nicht zu sagen: seine Qualität - verlieren (vgl. u. a.
Beck und Bonß 1985, 1989).
Die andere Position nimmt an, dass diese „Trivialisierung“ nur auf die alltägliche Verwendung soziologischen
Wissens zutrifft und institutionelle Akteure (Institutionen und Organisationen) sehr wohl soziologisches Wissen
in reiner Form als Daten und Ergebnisse zur Kenntnis nehmen und nachfragen (vgl. z. B. Ronge 1985, 1989).
Inzwischen hat sich eine Art mittlere Position herausgebildet, die annimmt, dass beide Verwendungsarten
nebeneinander bestehen und das soziologisches Wissen je nach Verwendungssituation entweder eins zu eins
verwendet oder trivialisiert wird.
5
Des Weiteren soll die Frage nach einem spezifisch (berufs)-soziologischen Beratungsverständnis geklärt werden, wozu auch auf spezielle soziologische Qualifikationen im Beratungskontext eingegangen wird. Dies wird uns zu einer möglichen Typisierung des Beratungskomplex und einer neuen begriffs-theoretischen Annäherung an den Beratungsbegriff führen. Die „Beratung“ ist hier ja auch als ein theoretisches Konstrukt im Zusammenhang mit der „Soziologie als Beruf“ zu sehen. „Soziologie als Beruf“ umfasst die Ebenen „Angewandte Soziologie“, „(soziologische) Supervision“, „(soziologische) Beratung“ und „(soziologische) Intervention“. 7
Exkurs: Handlungslogik soziologischer Berufspraxis (Bezug zum Seminar als Kontext dieser Arbeit)
Das Hauptseminar „Soziologie als Beruf“ zielte auf eine Klärung dessen ab, was es heißt, „Soziologie als (außerwissenschaftlichen) Beruf“ zu betreiben. Dies geschah in drei Schritten, denen einige grundlegende Überlegungen vorangestellt wurden. Zunächst ging es darum zu klären wie es zur Soziologie als Beruf in den heutigen Formen und im heutigen Verständnis gekommen ist. Dies geschah in Anlehnung an den berühmten Vortrag Max Webers Soziologie als Beruf. Er verstand dies aber noch im ursprünglichen Wortsinn. Heute würde man wohl sagen: Soziologie als Berufung. Das Verständnis Soziologie als praktische berufliche Tätigkeit umzusetzen entwickelte sich erst nach und nach. Hier ist der Beruf dann als reale Berufspraxis zu verstehen, was uns zur zweiten Überlegung führte: Die Rekonstruktion der Karrieregestalt berufstätiger Soziologen (Karrierelogik) sowie ihre Stellung im Beruf und in der Organisation von Beschäftigung (Organisationslogik). Im dritten Teil des Seminars ging es schließlich um die Analyse der Struktur beruflichen soziologischen Handelns (Handlungslogik).
7 Der Zusammenhang dieser Begriffe ergibt sich nur aus einem Verständnis dessen was im Seminar insgesamt
thematisiert wurde. Dies kann aus dem folgenden Exkurs, der den Kontext dieser Arbeit bildet, ersehen werden.
6
Ziel des dritten Teiles war es, mit Hilfe einer idealtypischen Kasuistik soziologischer Berufspraxis die oftmals diffus bleibenden Begrifflichkeiten Angewandte Soziologie, Supervision, Klinische Soziologie, Beratung und Intervention einer typologischen Klärung zuzuführen. Dazu wurden sie auch den verschiedenen soziologischen Theorietraditionen und Begrifflichkeiten zugeordnet: Die Supervision der kritischen Theorie und der Aufklärung als (Wieder-)Herstellung unverzerrter Kommunikation. Die Beratung der Kölner Schule und dessen Favorisierung der Zweckrationalität. Die Intervention der Systemtheorie als Aufklärung über die Komplexität und Eigenlogik sozialer Systeme.
Diese Arbeit widmet sich dem Entwurf einer idealtypischen Kasuistik von Beratung und soziologischer Beratung um das diffuse Verständnis (berufs)-soziologischer Beratung näher zu spezifizieren. Ausgangspunkt ist dabei ein Beratungsbegriff, dessen Verständnis analog zu Webers Konzeption von sozialem Handeln als Zerlegung nach Mitteln und Zwecken arbeitet.
Was Beratung ist, erschließt sich dabei als ein sehr diffuses Feld in das auf praxisbezogener Ebene „alles mögliche was Soziologen im Beruf tun“ (außer der Tätigkeit an einer Universität) mit einfließt. Dies macht eine theoretische, analytische Eingrenzung und die definitorische, begriffliche Abgrenzung zu den anderen gerade genannten Ebenen sehr schwierig, aber genau deswegen umso nötiger! Im Folgenden soll also versucht werden von dem diffusen Verständnis von Beratung zu einem enger umrissenen Beratungsbegriff zu kommen. Dazu muss aber erst ein Überblick über das „Phänomen Beratung“, als eine Art „Durchmusterung“ dessen was alles als Beratung verstanden wird, erfolgen!
7
1.2 Wozu Beratung?
Gehen wir zunächst näher auf die Frage ein:
„Wozu brauchen wir Beratung eigentlich?“
Die Differenzierung der Gesellschaft und die funktionale Spezialisierung sozialer Handlungsfelder haben zu neuen Formen spezialisierten Wissens und spezialisierter Wissenssysteme geführt, die sich als Fachdisziplinen etabliert haben. Das Wissen ist nicht mehr von einem zentralen Standort aus zu überblicken 8 , sondern muss durch Kommunikation über die Grenzen der Wissenschaftsdisziplinen hinweg vermittelt werden. Probleme ergeben sich bei der Organisation und Integration von Fachwissen in konkreten Anwendungsbezügen sowie bei der Vermittlung von Wissen an Nichtexperten.
Es werden Vermittler benötigt, die Wissen von einem gesellschaftlichen Handlungssystem in ein anderes vermitteln - dies sollen Berater leisten! Vermittlungssysteme in Form von intersystemischen
Kommunikationszusammenhängen werden zum „zentralen integrativen Moment der Moderne“. 9
Auch auf der Mikroebene wird die Welt mit zunehmender Differenzierung der Gesellschaft für den Einzelnen unüberschaubar, zugleich gilt aber, dass die „Anforderungen an rationales Problemlösungsverhalten steigen“. 10 Gleichzeitig wird das Alltagswissen prekär; Pluralismus und Multikulturalismus führen zum Verlust von allgemein gültigen Traditionen. 11 Durch den Zuwachs von individueller Freiheit wird das Alltagshandeln riskanter; viele Alltagssituationen sind
8 Vgl. Bell, Daniel, 1979: Die nachindustrielle Gesellschaft. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt.
9 Vgl. Münch, Richard, 1991: Dialektik der Kommunikationsgesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.;
Münch, Richard, 1995: Dynamik der Kommunikationsgesellschaft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
10 Dewe, Bernd, 1996: Beratende Rekonstruktion. Zu einer Theorie unmittelbarer Kommunikation zwischen
Soziologen und Praktikern. In: Heine von Alemann und Anette Vogel (Hrsg.), Soziologische Beratung. Opladen:
Leske + Budrich, S. 38-55.
11 Beck, Ulrich, 1986: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
8
Arbeit zitieren:
Mag. Dominic Vaas, 2003, Soziologen und Beratung - Stellenwert und Dimensionen soziologischer Beratung im berufssoziologischen Kontext, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Diskussion des Outsourcings der Personalbeschaffung
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit (Hauptseminar), 19 Seiten
Anna Freud und die Abwehrmechanismen des Ich
Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie
Seminararbeit, 16 Seiten
Die Entstehung der Weltwirtschaftskrise von 1929
Wie lässt sich die Entstehung ...
Soziologie - Wirtschaft und Industrie
Bachelorarbeit, 40 Seiten
Dominic Vaas's Text Soziologen und Beratung - Stellenwert und Dimensionen soziologischer Beratung im berufssoziologischen Kontext ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Dominic Vaas hat den Text Soziologen und Beratung - Stellenwert und Dimensionen soziologischer Beratung im berufssoziologischen Kontext veröffentlicht
Dominic Vaas hat einen neuen Text hochgeladen
Wirksame Intervention in Famil...
Matthias Weber, Hans-Werner Eggemann-Dann, Herbert Schilling
Schreiben im Kontext von Schule, Universität, Beruf und Lebensalltag
Johannes Berning, Nicola Keßler, Helmut H. Koch
0 Kommentare