INHALT
1. Einleitung 3
2. Figurenkonstellation anhand der Handlung - Übersicht 4
3. Berta Garlan 6
4. Cousine Agathe 9
5. Schwägerin Albertine 10
6. Anna Rupius 12
7. Die anderen Frauen 16
8. Kinder 17
9. Schluss 18
Literatur 21
2
1. Einleitung
In der Novelle „Frau Berta Garlan“ wird eine der zentralen Fragen bei Schnitzler thematisiert und zwar die Ehe und vor allem die uneheliche Beziehung zwischen Mann und Frau. Schnitzlers “Frau Berta Garlan” ist 1900 erschienen, in der Zeit, wo sich die Frauen noch bei weitem nicht so unabhängig und selbständig fühlen konnten und ihre Stellung in der Gesellschaft nicht so fest war wie es etwa heute ist. Doch gerade die Tatsache, dass sich ein anerkanntes literarisches Kunstwerk mit einer Frauenfigur so ausführlich befasst, beweist eine allmähliche und immer offensichtlichere Veränderung der öffentlichen Meinung. Diese Novelle beschreibt das „Innenleben ihrer Heldin, das, psychologisch überaus plausibel, den realen Lebensumständen von Frauen um 1900 Rechnung trägt. Statt Weiblichkeitsschablone bietet der Prosatext die präzise Studie eines weiblichen Bewusstseins. Selbst dessen Beschränktheit wird als Konsequenz gesellschaftlicher Unterordnung deutlich. Damit hatte sich der Erzähler in der Tat eindeutig auf die Seite seiner Frauenfigur gestellt.“ 1 Schnitzler hat sich tatsächlich als männlicher Autor so wahrlich und glaubwürdig in seine Frauenfigur versetzt, dass es kaum zu glauben ist, dass er wirklich so gut die Denkweise der Frauen kannte, viel wahrscheinlicher scheint es, dass sich die männliche Denkweise von der weiblichen nicht wesentlich unterscheidet.
Die Novelle thematisiert unter anderem die Doppelmoral der damaligen Zeit, das ideale Frauenbild und die Realität im Vergleich zu Männern. Eben die Frauenfiguren in der Novelle deuten klar an, wie weit entfernt sich das ideale Frauenbild von der alltäglichen Wirklichkeit befindet. Besonders in Bertas Gestalt wird eine Entwicklung, die wohl jeder Mensch durchmachen muss, und zwar von der jugendlichen Naivität mit allen idealen Vorstellungen über die Welt und über seine eigene Position darin zum Erwachen in der rauen Realität. Berta sucht ihre Position in der Gesellschaft, indem sie sich mit anderen Frauen in ihrer Umgebung vergleicht und eben die Handlungsweise dieser Frauen scheint auch Bertas Verhalten größtenteils zu bestimmen. Im Laufe ihres Erkenntnisprozesses entwickeln sich auch ihre Beziehungen zu diesen Frauenfiguren fort.
Auch Männer spielen hier natürlich eine bedeutende Rolle, sie nehmen jedoch vielmehr die Gegenposition zu den Frauenfiguren ein. Die Konzeption der gesamten Figurenkonstellation beruht eben in der Interaktion zwischen Mann und Frau. Berta fühlt sich zuerst von der
1 Konstanze Fliedl: Nachwort. In: Artur Schnitzler: Frau Berta Garlan. Stuttgart 2006, S. 175.
3
Männerwelt angezogen, später bemüht sie sich jedoch ganz klar davon abzugrenzen. Die Rolle der Kinder wird ziemlich überraschend vernachlässigt, obwohl sie die Beziehung zwischen Mann und Frau maßgeblich bestimmen. Wie auch immer Berta ihren eigenen Sohn liebt, dient er ihr eher als Mittel zum Erreichen ihres Ziels. Ein uneheliches Kind ist dagegen als Folge einer Sünde zu betrachten, das im besten Falle zu verschweigen ist. Diese Hausarbeit widmet sich vor allem Beschreibung und Analyse der Frauenkonstellation in der Novelle, den Charakterisierungen von Frauengestalten, ihrer Wechselbeziehungen und ihrer gegenseitigen Beeinflussung. Es wird untersucht, wie sich die Frauenfiguren und ihre Beziehungen während der Handlung entwickeln und was für ein Verhältnis sie zu den anderen Figuren im Text haben. Da alle Figuren der Novelle durch den Wahrnehmungshorizont 2 Bertas geschildert werden, werden auch in dieser Hausarbeit die einzelnen Frauenfiguren im Verhältnis zu Berta anhand der Handlung analysiert. Das Verhältnis der Frauenfiguren zu den Männern wird am Ende des jeweiligen Kapitels beschrieben. Ein selbständiges Kapitel widmet sich der Beziehung der Frauen zu den Kindern.
2. Figurenkonstellation anhand der Handlung - Übersicht
Die Hauptfigur Berta Garlan ist eine junge Witwe, die ihren verstorbenen Mann Victor Mathias Garlan als 26jährige teils aus Dankbarkeit für seine Hilfe, teils aus Ratlosigkeit heiratete, ohne ihn wirklich zu lieben. Garlan war Verwandter und langjähriger Familienfreund, der Berta nach dem Tod ihrer Eltern beistand, weil ihr Vater sein Vermögen im Bankrott verlor, und ließ sie nicht nur ohne Mitgift, sondern sogar ohne Mittel überhaupt zurück. Nach der Heirat zieht Berta zu ihrem Mann und dessen Familie in eine kleine Stadt um und löst fast alle Kontakte mit Wien auf. Sie wird in der Familie ihres verstorbenen Mannes, sehr freundlich aufgenommen und fühlt sich dort wohl. Nach dreijähriger Ehe stirbt plötzlich auch Garlan und Berta bleibt allein mit ihrem Sohn Fritz, allein in beschränkten Verhältnissen zurück. Um besser auskommen zu können, gibt sie Klavierlektionen in den bürgerlichen Familien der Kleinstadt.
2 Silvia Jud (1996): Artur Schnitzler: Frau Berta Garlan. In: Tarot, Rolf (Hg.): Erzählkunst der Vormoderne. Bern u. a. S. 432.
4
Eines Tages besucht sie ihren gelähmten Nachbarn Rupius, dessen junge und auffällig schöne Ehefrau Anna oft nach Wien fährt. Sie schlägt Berta vor, wieder einmal nach Wien mitzufahren, um sich ein neues Kleid nähen zu lassen und die Cousine Agatha zu besuchen. So beginnt Berta an ihre Vergangenheit zu denken und erinnert sich dabei an ihre Jugendliebe Emil Lindbach, der inzwischen ein sehr berühmter Geigenvirtuos wurde und von dem sie neulich in der Zeitung las. Berta ist nämlich in einer reichen Bürgerfamilie in Wien aufgewachsen, wo sie Klavier im Konservatorium studierte und wo sie auch ihre erste Liebe, den Geiger Emil kennen lernte.
Berta nimmt nach den Jahren Kontakt mit ihm auf und trifft ihn bei ihrem nächsten Besuch in Wien. Sie glaubt seine Liebe wieder erweckt zu haben und gibt sich ihm hin. Aus den folgenden geschickt abweisenden Briefen wird ihr jedoch klar, dass es sich um keine wahrhaftige Liebe handelt. Nach dieser bitteren Enttäuschung folgen noch andere, von ihrer Freundin Frau Rupius erfährt sie nämlich, dass Bertas Schwägerin ihren Mann betrogen hatte, und letztlich wird auch endgültig klar, dass selbst Frau Rupius in Wien ihren Geliebten besucht, dessen Kind sie abtreiben lässt und demzufolge an Blutvergiftung stirbt. Schema: Figurenkonstellation
ihr Mann
3. Berta Garlan
Frau Berta Garlan ist Hauptfigur der gleichnamigen Novelle, sie ist hierbei auch die zentrale Figur der Frauenkonstellation. Die Geschichte wird von Bertas Perspektive erzählt in einem personalen Erzählstil, der Bertas Sicht grammatikalisch durch die dritte Person filtert und zwischen Präteritum und Präsens wechselt. 3 Sie fungiert zum einen als wahrnehmende und erlebende, zum andern als eine meditierende Reflektorfigur. 4 Was Berta denkt und fühlt, wird im Medium der erlebten Rede wiedergegeben. An manchen Stellen nähern sich Bertas Bewusstseinsinhalte stark der Unmittelbarkeit des Inneren Monologs. 5 Nur im Moment der größten Aufregung Bertas wechselt der Erzählstil kurz in die Ichform. 6 Eben dieser Erzählstil der erlebten Rede ermöglicht eine sehr genaue Einsicht in die Beziehungen der Hauptfigur zu den anderen Personen.
Berta selbst ist eine ziemlich uninteressante Frauenfigur, die einen bestimmten Typus der jungen Witwe und deren soziale Position in der Gesellschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts darstellt. Sie ist selbst kein aktiver Mensch, sie wird sozusagen von außen, von den anderen Menschen zum Handeln bewogen, was natürlich auch dem typischen Frauenbild dieser Zeit durchaus entspricht. Sie gibt das Studium am Konservatorium auf, weil es ihr Vater verlangt, ebenso endet ihre Jugendliebe. 7 Drei Jahre nach dem Tod ihres Mannes, „nachdem erst der Schmerz und dann die Traurigkeit über das Hinscheiden ihres Mannes überwunden war“, fühlte sie sich „wieder ganz zufrieden und heiter“. (S. 11f.) Zu dieser Zeit mit Frühlingsbeginn erwacht jedoch in Berta ihre verdrängte Sexualität 8 und da fängt auch die eigentliche Handlung an, die ständig mit Bertas Erinnerungen an die Vergangenheit in Wien unterbrochen wird.
Bertas Verhältnis zu den Männern besteht aus verschiedenen Aspekten, es ist jeweils von dem konkreten Mann abhängig. Als erster in ihrem Leben wäre ihr Vater zu nennen, der jedoch vor dem Einsetzen des erzählten Zeitraums gestorben ist, und daher ist Bertas Beziehung zu ihm nur aus ihren wenigen Erinnerungen rekonstruierbar. Er hatte anscheinend seine
3 Fliedl, S. 192.
4 Jud, S. 438.
5 Fliedl, S.192.
6 Zitiergrundlage hier und im Folgenden: Artur Schnitzler: Frau Berta Garlan. Stuttgart 2006 (= UB 18427), S. 161, Zeilen 12-23 und S. 162, Zeilen 3-5.
7 Schnitzler, S. 8, Zeilen 14-20.
8 Derselbe, S. 12, Zeilen 12-25.
6
Arbeit zitieren:
Anezka Misonová, 2009, Konzeption der Frauenkonstellation in Schnitzlers "Frau Berta Garlan", München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Anezka Misonová's Text Konzeption der Frauenkonstellation in Schnitzlers "Frau Berta Garlan" ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anezka Misonová hat den Text Konzeption der Frauenkonstellation in Schnitzlers "Frau Berta Garlan" veröffentlicht
Anezka Misonová hat einen neuen Text hochgeladen
Beispielinterpretationen und S...
Michael Titzmann, Lutz Hagestedt
Von der Fläche zum Raum. Malewitsch und die frühe Moderne
From Surface to Space. Malewit...
Kasimir Malewitsch, Fritz Emslander, Karola Kraus, Wolfgang Günzel, Elma Velagic, Elke Walford, Jens Ziehe, Stefan Altenburger
0 Kommentare