Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Definition 3
3. Allgemeine Folgen 5
4. Erklärungsmodelle für die Entstehung von Folgen (Ätiologie) 7
4.1 Traumata 7
4.2 Das Modell der traumatogenen Dynamiken 9
5. Folgen unüberwundener und schwerer Traumata und somit Folgen des
sexuellen Missbrauchs 10
5.1 Posttraumatische Belastungsstörung 10
5.2 Dissoziative Identifikationsstörung (Multiple Persönlichkeit) 12
5.2.1 Ätiologie der Dissoziativen Identifikationsstörung 13
5.2.1.1 Autoregulationshypothese 13
5.2.1.2 Rollen-Fluktuations-Hypothese 14
5.3 Essstörungen als Folge sexuellen Missbrauchs 15
5.3.1 Hauptformen 15
5.3.2 Ursachen 16
6. Schluss 17
Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Als Kind oder auch als Erwachsener sexuell missbraucht zu werden, ist wohl eines der härtesten und schlimmsten Schicksale, das einem widerfahren kann. Nach einer solchen Tat, kann man nie wieder derselbe Mensch sein, der man zuvor war. Denn ein solcher Missbrauch zieht immer irgendwelche Konsequenzen nach sich, egal wie psychisch stabil oder unstabil derjenige auch sein mag. Häufig erfahren die Opfer nur wenig Hilfe bzw. verschweigen den Missbrauch ganz bewusst, da sexueller Missbrauch auch in unserer heutigen Gesellschaft immer noch so etwas wie ein Tabuthema ist. Dieses „Todschweigen“ führt auch häufig dazu, dass viele der begangenen sexuellen Missbrauchsfälle gar nicht bekannt werden bzw. auch nicht angezeigt werden. Viele Opfer schämen sich, mit dem was ihnen passiert ist, an die Öffentlichkeit zu gehen. Daher ist es auch besonders schwierig genaue Zahlen von Betroffenen anzugeben, da das Dunkelfeld viel größer ist als die offiziellen Zahlen dies belegen.
Besonders schlimm daran missbraucht worden zu sein, sind die psychischen und teilweise auch körperlichen Folgen, die dieser Missbrauch nach sich zieht. Das Spektrum dieser Folgen ist unendlich breit gefächert und umfasst so ziemlich jede psychische Störung, die man sich vorstellen kann. Doch häufig lassen sich hier nicht immer direkte Bezüge herstellen, da für das Entstehen einer Störung eine ganze Reihe von Faktoren verantwortlich sind. In der wissenschaftlichen Folgeforschung von sexuellem Missbrauch haben aber in jüngster Zeit vor allem die Posttraumatische Belastungsstörung und die Dissoziative Identifikationsstörung, als Resultat traumatischer Erlebnisse, und die Essstörung eine besondere Beachtung gefunden. Bei diesen drei Arten von psychischen Störungen lassen sich direkte Verbindungen zum sexuellen Missbrauch herstellen. Aufgrund dessen werde ich mich auch in dieser Arbeit mit diesen drei Erscheinungsformen näher beschäftigen. Zudem werde ich versuchen zwei Ansätze zur Entstehung dieser Störungen, das Trauma und das Modell der traumatogenen Dynamiken näher zu durchleuchten.
2. Definition
Sexueller Missbrauch bezeichnet unter Strafe gestellte sexuelle Handlungen, die durch Drohungen oder körperliche Gewalt erzwungen und gegen den Willen des
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Opfers vollzogen werden. Neben dieser allgemeingültigen Definition gibt es noch eine Reihe weiterer Definitionskriterien. Zum einen wird zunächst zwischen einer engen und einer weiten Definition unterschieden. Der weite Definitionsbegriff, der sämtliche potentiell schädliche Handlungen einschließt, umfasst lediglich sexuelle Handlungen ohne Körperkontakt, wie z.B. Exhibitionismus. Unter den engen Begriff fallen alle Handlungen, die bereits normativ als schädigend bewertet werden. Dies würde auch am ehesten sozialwissenschaftlichen oder psychologischen bzw. klinischen Definitionen entsprechen, die Handlungen umfassen, die nicht strafbar sind, aber moralisch verurteilt werden und die sich vor allem mit den subjektiven Folgen der Handlungen beschäftigen. Aus rechtlicher Sicht bezeichnet sexueller Missbrauch an Kindern „[…] sexuelle Handlungen vor, an oder mit einem Kind. Als Kinder werden, abhängig von nationaler Rechtsprechung, Personen vor dem 12. bis zum 18. Lebensjahr, in Deutschland vor dem 14. Lebensjahr, verstanden. Sexueller Missbrauch von Jugendlichen bezeichnet sexuelle Handlungen meist Erwachsener mit Jugendlichen, die gegen Entgelt stattfanden oder wenn die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung des Jugendlichen fehlt und der Erwachsene dies ausnutzt. Als Jugendliche gelten weithin Personen im Alter von 14 bis 17 Jahren, wobei die Altersbereiche bezüglich der Strafbarkeit in Deutschland feiner aufgegliedert werden“ (www.wikipedia.de). Viele Definitionen beziehen auch ganz implizit die Altersunterschiede zwischen Opfer und Täter mit ein. In den meisten Fällen wird erst ab einem Altersunterschied von mindestens fünf Jahren von sexuellem Missbrauch gesprochen. Doch diese Definitionskriterien sind vor allem problematisch, da die sexuelle Gewalt unter Jugendlichen nach diesem Kriterium ausgeschlossen wird. Einige Definitionen greifen auch erst, wenn ein expliziter sexueller Körperkontakt stattgefunden hat. Befürworter dieser Sichtweise sind der Meinung, dass Handlungen ohne Körperkontakt nicht traumatisierend für die Opfer sind. Doch auch wenn objektiv keine Verhaltensauffälligkeiten bei den Opfern zu beobachten sind, bedeutet das nicht, dass diese nicht subjektiv unter den Folgen leiden. Zudem wird, richtet man sich nach Definitionen, die sich stark an den Folgen orientieren, diesen Opfern der sexuelle Missbrauch gänzlich abgesprochen, d.h. er hat nie stattgefunden.
Wie schon die vorangegangen Ausführungen deutlich machen, ist es sehr schwer eine allgemeingültige, und von allen akzeptierte Definition von sexuellem Missbrauch zu finden. Daher ist es auch sehr wichtig sich nicht nur an einem einzelnen
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Definitionskriterium zu orientieren. Um alle Fälle sexueller Gewalt zu erfassen, ist eine Kombination verschiedener Ansätze vonnöten.
3. Allgemeine Folgen
Die Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch sind sehr vielfältig und breit gefächert und werden seit langem empirisch untersucht. Grundsätzlich wird in der Folgeforschung aber zwischen Kurzzeit- und Langzeitfolgen differenziert. Unter Kurzzeitfolgen versteht man alle unmittelbaren Reaktionen des Kindes auf den Missbrauch, sowie mittelfristige Folgen, die innerhalb der ersten beiden Jahre nach Beginn des sexuellen Missbrauchs in Erscheinung treten. Innerhalb dieser Folgen lassen sich vier Symptomgruppen unterscheiden. Zum einen emotionale Reaktionen, wie Angststörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, niedriger Selbstwert, Schuld- und Schamgefühle, Ärgerneigung, Feindseligkeit, Suizidgedanken und selbstschädigendes Verhalten sowie alle Störungen der Gefühlsregulation. Des Weiteren werden somatische und psychosomatische Folgen, wie Verletzungen im genitalen und oralen Bereich, frühe Schwangerschaften, Geschlechtskrankheiten, psychosomatische Beschwerden, Ess-und
Schlafstörungen sowie Bettnässen und Einkoten als eine Symptomgruppe verstanden. Als eine weitere Kurzzeitfolge wird das unangemessene Sexualverhalten genannt. Dieses drückt sich aus in Symptomen wie einer enormen Neugier an Sexualität, frühen sexuellen Beziehungen, offenem Masturbieren oder Exhibitionismus sowie unangemessenem sexualisiertem Verhalten im Sozialkontakt. Die vierte Symptomgruppe sind Auffälligkeiten im Sozialverhalten wie z.B. von zu Hause weglaufen, Schulschwierigkeiten, der Schule fernbleiben, Rückzugsverhalten, hyperaktives, delinquentes und aggressives Verhalten sowie übermäßiger Drogenkonsum. Auf übergeordneter Ebene lassen sich alle Kurzzeitfolgen in zwei Breitbandfaktoren unterteilen. Diese sind internalisierende und externalisierende Reaktionsformen. Unter der internalisierenden Reaktion versteht man alle Reaktionen, die gegen die eigene Person gerichtet sind. Beispiel hierfür sind u.a. Depressionen, Ängste, Rückzugsverhalten und psychosomatische Beschwerden. Als externalisierend werden solche Reaktionen angesehen, die gegen die Außenwelt gerichtet sind, wie hyperaktives, delinquentes und aggressives Verhalten.
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Arbeit zitieren:
Nadine Deiters, 2008, Folgen von sexuellem Missbrauch, München, GRIN Verlag GmbH
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