Inhalt
Einleitung 3
1. Die Katastrophe von Cannae 4
1.1. „Carthago, Aemula imperi Romani“ 4
1.2. Die Schlacht von Cannae - Synonym des Schreckens 4
1.3. „Wie sehr aber hatte sich die Lage nach Cannae verändert “ 7
2. Die Möglichkeiten Roms bei der Rekrutierung der Magistrate 8
2.1. Prorogatio Verlängerung 8
2.2. Iteratio Wiederernennung 10
3. Zwei Ausnahmekarrieren vor dem Hintergrund der prorogatio und iteratio 11
3.1. Publius Cornelius Scipio Africanus:
Ein Draufgänger wird zum Hoffnungsträger 12
3.2. Quintus Fabius Maximus „Verrucosus“: Haudegen und Zauderer 16
4. Schlussbetrachtung 20
Literaturverzeichnis 21
2
Einleitung
„In den Monaten nach Cannae hatten die Römer der Welt gezeigt, daß sie nach einem scheinbar ver-nichtenden Schlag Nervenstärke und Leidensfähigkeit zum weiteren Durchhalten besaßen.“ 1
Wie dieses Zitat deutlich zeigt, war das römische Reich durch die katastrophale Schlacht von Cannae aufs Äußerste geschwächt. Trotz dieser traumatischen Erfahrung und den hohen Menschenverlusten in der Senatorenschicht meisterte das Imperium diese Krise. Im Jahre 201 v. Chr. konnte sogar das siegreiche Ende des Zweiten Punischen Krieges in Rom gefeiert werden. Daher soll diese Arbeit der Frage nachgehen, wie die Römer es schafften dieser Krise Herr zu werden. Aufgrund der räumlichen und zeitlichen Begrenzung der Arbeit kann die Entwicklung der Prorogation und Iteration für die Zeit der späten Republik, z.B. unter Sulla, und des Principats nicht thematisiert werden.
Während sich die Forschung weitgehend einig ist über die Vorgehensweise und Anzahl von eingesetzten Prorogationen und Iterationen ist, gilt dagegen besonders die Angabe der Gesamtzahl des römischen Heeres und den allgemeinen Verlustzahlen als umstritten. Dieser Faktor wird aber in dem Punkt „Die Schlacht von Cannae -Synonym des Schreckens“ genauer beleuchtet.
Um zunächst eine verständliche Einführung in den Bereich des Zweiten Punischen Krieges vorzunehmen, ist es nötig, die Konflikte zwischen Rom und Karthago in dem ersten Unterpunkt „Carthago, Aemula imperi Romani“ zu erläutern. Wie das Zitat zu Anfang zeigt, befand sich Rom nach der tragischen Schlacht von Cannae im Jahre 216 v. Chr. am Rande einer Katastrophe. Um die Konsequenzen nachzuvollziehen, die der Senat aus der Niederlage in der Folge für das weitere politische und militärische Vorgehen zog, ist die Darstellung der Schlacht - in Grundzügen - unabdingbar. Die Schilderung der Lage unmittelbar nach der Niederlage bildet den Abschluss dieses Kapitels. Hier liegt das Augenmerk auf den ergriffenen Maßnahmen des Senats.
Die Kapitel zwei und drei stellen den Mittelpunkt der Arbeit dar. Hier wird speziell der Frage nachgegangen, mit welchen Mitteln Rom versucht der durch Cannae verursachten Krise Herr zu werden. Während das zweite Kapitel die Möglichkeiten des Senats für die Rekrutierung der Magistrate im Allgemeinen untersucht, befasst sich
1 Herbert Heftner: Der Aufstieg Roms. Regensburg 1997, S. 246.
3
das dritte Kapitel mit zwei interpretationsstützenden Fallbeispielen für diese politischen Ausnahmeregelungen aufgrund der Notlage des Krieges.
1. Die Katastrophe von Cannae
1.1 „Carthago, Aemula imperi Romani 2 “
Der Zweiten Punische Krieg - mit Sagunt als casus belli - sollte Hannibals „(...) Angriff in das Herz der römischen Macht“ 3 werden. Mit Elitetruppen (50 - 60.000 Leute) zog er in einem Gewaltmarsch über die Alpen. Die Schlacht an der Trebia im Jahre 218 war Hannibals erster großer Vernichtungsschlag gegen die Römer. Die nächste Niederlage folgte ein Jahr später am Trasimenischen See. Hannibals Raffinesse siegte über die römische Masse an Soldaten. Hannibal erzwang sich den Zugang nach Mittel- und Süditalien. Somit sollte die größte Katastrophe Roms folgen, die selbst den traumatischen Kelteneinfall von 387 v. Chr. in den Schatten stellte: Im Sommer des Jahres 216 sollte die Schlacht von Cannae folgen. 4
1.2 Die Schlacht von Cannae - Synonym des Schreckens
„[Die Konsuln des Jahres 216 v. Chr.] (...) brachen (...) auf, um Cannae, daraufhin drängte das
Schicksal, durch die römische Niederlage berühmt zu machen.“ 5
Die Aufgabe der Konsuln des Jahres 216 v. Chr. - Gaius Terentius Varro und Lucius Aemilius Paullus - bestand in der Vertreibung und Besiegung Hannibals aus Italien. So fand in diesen Tagen die größte Truppenaushebung aller Zeiten statt - acht Legionen. Hannibal hatte inzwischen die Festung Cannae am Aufidus eingenommen. Nachdem das römische Heer in Cannae angekommen war, mobilisierte Varro das Heer am 2. 8. 216. Aufgrund der Überlegenheit der punischen Reiterei stützte man sich auf das Fußvolk der Legionen. Die Römer setzten auf eine gewaltige, dichte Masse, um das karthagische Heer beim ersten Anstoß „niederzuwalzen“ 6 . Die Flügel besetzten die Römer mit Kavallerie und verzichteten komplett auf das Fußvolk.
2 Sallust, Coniuratio Catilinae, 10, 1.
3 Alfred Heuß: Römische Geschichte, Braunschweig 1960, aktualisierte Auflage Paderborn 1998,
S. 84.
4 Vgl. Heuß, S. 68 - 85.
5 Livius, 22, 43, 9.
6 Jochen Bleicken: Geschichte der Römischen Republik, München 1999 5 , S. 46.
4
Hannibal erkannte allerdings, dass die „geballten Massen der Legionäre im Zentrum der Schlachtlinie“ 7 den Hauptstoß der Römer bilden würden. Also band er diese „überlegene Wucht des feindlichen Ansturms“ 8 in seine Überlegungen ein. In sein bedrohtes Mitteltreffen, was er selbst anführte, stellte Hannibal gallische und spanische Fußtruppen. 9
Livius schildert eindrucksvoll die Erscheinung der „tapfere[n] aber undisziplinierte[n] Krieger“ 10 als „furchterregende[s] Bild“ 11 : die Gallier waren nicht nur von stattlicher Größe, sondern kämpften zudem mit nacktem Oberkörper. 12 Beide Flügel - der linke Flügel gefüllt mit gallischen und spanischen Reitern, der rechte mit numidischer Kavallerie - ragten weit über das römische Zentrum. Nachdem Hannibal das gesamte Heer auf gleicher Höhe aufmarschieren ließ, rückte nun die karthagische Mitte vor, so dass die Schlachtlinie nun einem Halbmond glich, „dessen äußere Rundung dem Feind zugekehrt war.“ 13
Über die Stärke des römischen Heeres ist sich die Forschung aufgrund der Quellenlage nicht sicher. Polybios setzt die römische Gesamtzahl bei mehr als 80.000 Mann fest. Heftner schätzt hingegen die Zahl von wenigstens 60.000 Mann als glaubwürdig. Dabei bemerkt er, dass die römische Reiterei etwas unterlegen war. 14 Dagegen ist die Zahl der karthagischen Soldaten auf insgesamt 50.000 festgelegt. Durch Livius wurde die Zahl der punischen Fußsoldaten auf 40.000 - 32.000 Schwerbewaffnete und 8.000 Leichtbewaffnete 15 - und die der Reiter auf 10.000. glaubwürdig überliefert. 16
Als der Kampf begann, (…) erhob sich ein Gebrüll, die Hilfstruppen stürmten vor und die Schlacht wurde zunächst von den Leichtbewaffneten eröffnet.“ 17 Nach dem Gefecht der Leichtbewaffneten zerstörte eine Attacke der kelto-iberischen Reiterei in kürzester Zeit den gesamten rechten römischen Flügel. Am linken römischen Flügel tobte hingegen ein unentschiedener Kampf zwischen der Reiterei der
7 Heftner, S. 223.
8 Heftner, S. 223.
9 Vgl. Liv., 22, 45 - 46; Vgl. Heftner, S. 220 - 223.
10 Heftner, S. 223.
11 Liv., 22, 46, 5.
12 Vgl. Liv., 22, 46, 6.
13 Heftner, S. 223.
Vgl. Peter Kussmaul: „Der Halbmond von Cannae“, in: Olof Gigon, u.a. (Hgg.): Museum Helveti
cum, 35. Jahrgang, Schweiz 1978, S. 249; Halbmondförmige Wölbung =Poly. 3,113,7-9.
14 Vgl. Heftner, S. 222.
15 Vgl. Alfred Graf v. Schliefen: „Die Schlacht bei Cannae“, in: Karl Christ: Hannibal, Darmstadt
1974, S. 222.
16 Vgl. Liv., 22, 46, 6.
17 Liv., 22, 47, 1.
5
Bundesgenossen und den numidischen Reitern. Das Gefecht schien zunächst auf einen karthagischen Erfolg hinauszulaufen, als die kelto-iberische Kavallerie in das Geschehen eingreifen konnte: „Beim Anblick der karthagischen Verstärkung ergreifen die römischen Bundesgenossen die Flucht.“ 18 Zur selben Zeit erfolgte ein Angriff der schweren römischen Infanterie genau in Hannibals Zentrum. Die kelto-iberischen Fußtruppen konnten nur kurz der Übermacht entgegenwirken. Als die karthagischen Reihen nachgaben, stürmten die Römer in die Mitte der Schlachtreihe, ohne die Gefahr durch die afrikanische Infanterie zu bemerken, die sich mit „exerzierplatzmäßiger Präzision“ 19 auf die feindlichen Flanken stürzte. Livius erklärt, dass die Karthager erst „(...) ihre Flügel um die Römer [legten], die unvorsichtig in den Raum in der Mitte stürzten, dann dehnten sie ihre Flügel weiter aus und schlossen den Feind auch im Rücken ein.“ 20 Nun waren die Römer zwischen den feindlichen Kämpfern eingeschlossen: „(...) Hannibals Halbmond tat seine Wirkung“ 21 Schließlich fiel die spanisch-gallische Reiterei den Römern buchstäblich in den Rücken. Das Karree war geschlossen. Die Karthager „(...) kreiste[n] (...) die Römer von allen Seiten ein und ließ[en] sie so an ihrer eigenen Masse zugrunde gehen.“ 22 Die Soldaten an den Rändern fielen nacheinander und die sich im Inneren befanden, konnten weder kämpfen noch fliehen. Heftner beschreibt das römische Heer als eine „[...]ungeordnete panikerfüllte Menschenmasse, die von den siegreichen Karthagern erbarmungslos niedergesäbelt wurde“ 23
„Die Römer werden immer mehr zurück- und immer mehr zusammengedrückt. Hilf- und wehrlos
erwarten sie den Tod. Hannibal, haßerfüllten Herzens, umkreist die Stätte der Blutarbeit, hier die
Eifrigen ermunternd, dort die Lässigen schmähend. [...] Auf engem Raum waren 48 000 Leichen zu
Bergen geschichtet.“ 24
Obwohl die Zahl der Gefallenen in der Forschung nicht genau festgelegt werden kann, waren die Verluste in dieser Schlacht unvorstellbar hoch gewesen. Während die Karthager weitaus weniger Verluste zu beklagen hatten - ca. 6.000 Tote; überwiegend Gallier aus dem Mitteltreffen -, war das gesamte römische Heer militärisch betrachtet vernichtet. Ein Großteil der ca. 86.000 25 Soldaten fanden auf dem
18 Kussmaul, S. 250.
19 Heftner, S. 224.
20 Liv., 22, 47, 8.
21 Kussmaul, S. 250.
22 Bleicken, Geschichte, S. 46.
23 Heftner, S. 224.
Vgl. Kussmaul, S. 250; Vgl. Liv., 22, 47 - 49.
24 Schliefen, S. 224.
25 Vgl. A.D.Fitton Brown: „Nach Cannae“, in: Karl Christ (Hg.): Hannibal, Darmstadt 1974, S. 231.
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Arbeit zitieren:
Carolin Droick, 2005, Die Krise Roms , München, GRIN Verlag GmbH
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