Inhaltsverzeichnis:
1 NIETZSCHES FASCHISTISCHE BEWUNDERER 3
2 LITERATURBERICHT. 4
3 DIE NATIONALSOZIALISTISCHE IDEOLOGIE. 5
3.1 DAS MENSCHENBILD DER NATIONALSOZIALISTEN. 5
3.2 DER NS-STAAT. 7
4 NIETZSCHES POLITISCHE THESEN. 8
4.1 GRUNDPRINZIPIEN 8
4.2 DER ÜBERMENSCH 8
4.3 DER ZUCHT- UND RASSENGEDANKE. 9
4.4 NIETZSCHE UND DAS JUDENTUM 9
4.5 DER KASTENSTAAT 10
5 NIETZSCHE UND NATIONALSOZIALISMUS - VERGLEICH ZWEIER
GESELLSCHAFTSSYSTEME 12
5.1 ÜBEREINSTIMMUNG ODER DIFFERENZ. 12
5.2 MENSCHENBILDER IM VERGLEICH. 12
5.3 DER NS-STAAT UND DAS KASTENWESEN 13
5.4 NIETZSCHES VERHÄLTNIS ZU DEN VORLÄUFERN DER NS- IDEOLOGIE. 15
6 POLITISCHE RADIKALITÄT ALS FOLGE NIETZSCHES HASSES AUF DAS CHRISTENTUM
16
7 LITERATURVERZEICHNIS 17
2
1 Nietzsches faschistische Bewunderer
„Um das neue Ideal, das Nietzsche uns vorzeichnet, zu erreichen, wird eine neue Art von freien Geistern erstehen, die erstarkt sind im Kriege, in der Einsamkeit, in der großen Gefahr, Geister, die uns von der Nächstenliebe erlösen werden.“ 1 Mit dieser Aussage verlieh im Jahr 1900 der spätere faschistische Diktator Italiens Benito Mussolini seiner Bewunderung für den deutschen Philosophen Ausdruck, der im Jahr des Erscheinens des zitierten Artikels verstorben ist. 2 Und auch in der Folge gab sich Mussolini alle Mühe, das Image als in der Nachfolge Nietzsches stehender Schüler aufrechtzuerhalten. 3 Doch nicht nur in Italien versuchten die Faschisten sich als die wahren Erben des philosophischen Nachlasses Friedrich Nietzsches darzustellen. Vor allem in seinem Heimatland Deutschland war das Bestreben groß, sich als legitime geistige Nachfahren des Philosophen zu präsentieren.
In der folgenden Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, ob der von den Faschisten unternommene Versuch, das Vorrecht auf Auslegung des geistigen Erbes Nietzsches zu besitzen, gerechtfertigt ist. Diese Frage erhält ihre besondere Relevanz dadurch, dass die aus der faschistischen bzw. nationalsozialistischen Bewegung heraus erfolgten Verbrechen gegen die Menschlichkeit auch auf die geistigen Urheber dieser Ideologien zurückfallen. Es gilt also zu untersuchen, inwieweit sich Gemeinsamkeiten in den philosophischen Werken Nietzsches und dem politischen System im Deutschland des Dritten Reichs feststellen lassen. Zwar steht ob der zeitlichen Reihenfolge der Ereignisse von vornherein fest, dass der Versuch, eine ideologische Verbindung zwischen den zwei Parteien, also der philosophischen Sphäre des Friedrich Nietzsche und dem politischen Bereich der diktatorischen Regime des beginnenden 20. Jahrhunderts in Italien und Deutschland zu ziehen nur von letzteren ausgegangen sein kann. Trotzdem würde bei dem ungeheueren Ausmaß der von diesen Bewegungen zu verantwortenden Verbrechen selbst der Vorwurf der geistigen Urheberschaft schwer wiegen. Die Untersuchung konzentriert sich dabei auf das System des Nationalsozialismus in Deutschland, welches im ersten Teil der Arbeit an Hand verschiedener zentraler Aspekte der das Fundament bildenden Ideologie des Faschismus näher beleuchtet werden soll. Im zweiten Teil erfolgt eine Betrachtung des Menschen- und Staatsbildes, welches Nietzsche in seinen Werken an verschiedenen Stellen immer wieder präsentiert. Dabei wird besonders auf die von ihm geprägte Idee des Übermenschen sowie sein ambivalentes Verhältnis zum Judentum
1 Konrad Algermissen, S. 3
2 http://www.friedrichnietzsche.de/?REM_sessid=&action=21&nkat=Tod&nextspur=3 25.04.09, 15.47 Uhr
3 Konrad Algermissen, S. 3
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eingegangen. Im daran anschließenden dritten Teil erfolgt der Vergleich der aus den ersten beiden Abschnitten gewonnenen Ergebnisse, wobei die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Detail bewertet werden.
Zunächst soll jedoch kurz auf die bei der Erstellung dieser Untersuchung verwendete Literatur eingegangen werden.
2 Literaturbericht
Die Auswahl der Literatur für diese Arbeit erfolgte vom Autor in drei Etappen. Anhand des Aufsatzes „Nietzsche und das Dritte Reich“ von Prof. Dr. Konrad Algermissen, welcher besonders auf die Rolle von Nietzsches akademischer Laufbahn und der aus dem Wandel seiner Weltanschauung erfolgten zunehmenden Radikalisierung in punkto Mensch-Gesellschaftsverhältnis eingeht, wurde das Verhältnis zwischen Autor und Werk näher untersucht. Zur Vertiefung dieser Betrachtung wurde „Nietzsche und der Faschismus“ von Bernhard H. F. Taureck herangezogen. Darin wird ohne vorherige Wertung sowohl den Verteidigern, als auch den Anklägern Nietzsches Raum für ihre Sicht zur Verfügung gestellt, was dessen Mitschuld am Entstehen des Faschismus betrifft. Zudem wird in diesem Werk auf alle für eine spätere Kritik in Frage kommenden Passagen in den Schriften des Philosophen eingegangen. Anschließend erfolgte die nähere Betrachtung der nationalsozialistischen Ideologie. Dazu wurde vor allem das Buch „Nationalsozialistische Ideologie“ von Thomas Klepsch verwendet, welches äußerst detailliert auf die verschiedenen Konzeptionen führender Ideologen der Nazis eingeht. Um den Aspekt der Rassenideologie bzw. deren theoretischer Vorüberlegungen eingehender untersuchen zu können, wurde „Rasse, Blut und Gene -Geschichte der Eugenik und Rassenhygiene in Deutschland“ von Peter Weingart, Jürgen Kroll und Kurt Bayertz, eingehend gelesen. Darin wird eines der dunkelsten Kapitel der NS-Zeit in großer Ausführlichkeit und in einem, von dezidiert wissenschaftlicher Sachlichkeit geprägten Ton beleuchtet. Zum Schluss wurden folgende Werke Nietzsches auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den aus den vorherigen Werken gewonnenen Ergebnissen untersucht: „Also sprach Zarathustra“, „Zur Genealogie der Moral“, „Ecce homo“, „Der Antichrist“ und „Jenseits von Gut und Böse“, „Morgenröthe“, wobei die drei Letzteren als Online-Ausgabe vorlagen. Das Heranziehen der Originalwerke erschien notwendig, um möglichst nahe am Autor selbst bleiben zu können und somit eine entsprechend neutrale Untersuchung seiner Schriften zu erreichen. Zur Vertiefung des von Nietzsche angestrebten Kastenstaates diente der Artikel „Nietzsche und das Gesetzbuch des Manu“ von Prof. Dr. Annemarie Etter, in dem detailreich auf die geschichtlichen Ursprünge
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des indischen Kastensystems eingegangen wird. Abschließend wurde mit Hilfe des von Richard Lonsbach veröffentlichten Werks „Friedrich Nietzsche und die Juden“, welches das schwierige Verhältnis des Philosophen zum Judentum darstellt, gearbeitet.
3 Die nationalsozialistische Ideologie
3.1 Das Menschenbild der Nationalsozialisten
Betrachtet man das hinter dem nationalsozialistischen deutschen Staat der späten 1920er bis zur Mitte der 1930er Jahre stehende ideologische Grundgerüst, so fallen einem die vielen und zum Teil widersprüchlichen Konzepte auf. Um trotzdem ein charakteristisches und repräsentatives Bild dieser politisch radikalen Bewegung zu erhalten, sollen in dieser Arbeit die Aspekte des Systems akzentuiert werden, welche sich auf eine möglichst breite Basis berufen können. Während die Positionen der nationalsozialistischen Chefideologen besonders in den Fragen der Wirtschaftspolitik sehr stark differierten, herrschte bei den das Menschenbild betreffenden Vorstellungen weitgehende Einigkeit. 4 Zu nennen wäre hier vor allem der ausgeprägte Antisemitismus, welcher Teil eines größeren Programms zur aktiven Umgestaltung der Gesellschaft unter dem Gesichtspunkt rassentheoretischer Überlegungen war. Ziel dieses Programms war es, „[…] einen neuen Typus Mensch zu erschaffen […].“ 5 Das offizielle Parteiprogramm der NSDAP vom 24. Februar 1920 kann hierbei als eher zurückhaltend bezeichnet werden. So lautet Programmpunkt 4: „Staatsbürger kann nur sein, wer Volksgenosse ist. Volksgenosse kann nur sein, wer deutschen Blutes ist, ohne Rücksichtnahme auf Konfession. Kein Jude kann daher Volksgenosse sein.“ 6
Die zwei Fragen, die sich in der Folge stellen sind, wie dieser Idealtyp von „Volksgenosse“ aussehen sollte, bzw. wie man sich dessen Realisierung vorstellte. Nach Konrad Studentkowski wurde dazu bei der Kindererziehung vor allem auf die Anerziehung der drei Ideale Kulturwille, Staatswille und Wehrwille gedrängt. 7 Das Ziel lag dabei in der Formung der zukünftigen politischen Führer Deutschlands zu körperlicher Stärke und Gehorsamkeit. 8 Das Mittel wähnte man in militärischem Drill gefunden zu haben, bei dem ein Hinterfragen oder gar Kritik unerwünscht war. 9 Neben einem praktischen Aspekt der
4 vgl.: Thomas Klepsch, S. 215 f.
5 ebda.
6 http://www.kurt-bauer-geschichte.at/PDF_Lehrveranstaltung%202008_2009/04_25-Punkte-Programm.pdf ,
26.04.09, 16.35 Uhr
7 vgl.: Thomas Klepsch, S. 216
8 vgl.: Thomas Klepsch, S. 216 f.
9 ebda.
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Arbeit zitieren:
Johannes Stockerl, 2009, Nietzsche und der Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag GmbH
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