Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Was ist eine Persönlichkeitsstörung? 1
2.1 Definition der Störung 1
3. Was ist die Borderline - Persönlichkeitsstörung (BPS)? 2
3.1 Geschichte des Borderline-Begriffes 2
3.2 Definition der Störung 2
3.3 Epidemiologie 6
3.4 Komorbidität 7
4. Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) 7
4.1 Therapiegeschichtlicher Hintergrund der DBT. 7
4.2 Grundannahmen und Rahmenbedingungen der DBT 10
4.3 Die Behandlungsmodule der DBT 12
5. Das psychosoziale Fertigkeitentraining in der Gruppe 13
5.1 Psychosoziale Fertigkeiten 13
5.2 Rahmenbedingungen 14
5.3 Behandlungsmodule und Struktur 15
5.4 Wirksamkeit 17
6. Fazit 19
Literaturverzeichnis 21
1. Einleitung
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) ist eine der unter Laien bekanntesten psychischen Störungen überhaupt. Jede Beobachtung selbstverletzenden Verhaltens wie zum Beispiel das Ritzen der Arme mit einer Rasierklinge wird ohne Zögern mit der Diagnostik Borderline in Verbindung gebracht. Selbstverletzendes Verhalten ist jedoch nur eines von vielen schwerwiegenden Symptomen der BPS.
Die Behandlung von BPS galt lange Zeit als äußerst schwierig und wenig erfolgsversprechend. Die Suizidrate der Patienten galt als hoch und Therapien wurden von den Patienten schnell und häufig abgebrochen. Die in den 1980er Jahren von Marsha Linehan entwickelte Dialektisch-Behaviorale-Therapie (DBT), welche bewährte Methoden der Verhaltenstherapie mit Ansätzen der Achtsamkeit und Akzeptanz verbindet, hat jedoch entscheidende Veränderungen und Erkenntnisse bezüglich der Behandlung von BPS-Patienten hervorgebracht. Im Gegensatz zu allen anderen störungsspezifischen Behandlungskonzepten konnte die Wirksamkeit der DBT empirisch nachgewiesen werden (Bohus, 2009). Besonders hervorzuheben ist das Konzept des psychosozialen Fertigkeitentrainings, welches fester Bestandteil der DBT ist. In diesem Behandlungsmodul werden gezielt Fertigkeiten trainiert, welche den Patienten ermöglichen sollen, akute Krisen zu bewältigen und funktionale Verhaltensweisen zu erlernen, mit deren Hilfe sie ihren Alltag meistern können.
2. Was ist eine Persönlichkeitsstörung?
2.1 Definition der Störung
Persönlichkeitsstörungen sind nach dem ICD-10 der World Health Organization in der deutschen Übersetzung von Dilling et al. (2008) definiert als tief verwurzelte, lang anhaltende Zustandsbilder und Verhaltensmuster, „...die sich in starren Reaktionen auf unterschiedliche persönliche und soziale Lebenslagen zeigen.“ (Dilling et al., 2008, S. 244) „Sie sind Ausdruck des charakteristischen, individuellen Lebensstils, des Verhältnisses zur eigenen Person und zu anderen Menschen.“ (Dilling et al., 2008, S.244). Persönlichkeitsstörungen sind also weniger durch Symptome als durch Persönlichkeitseigenschaften gekennzeichnet, welche von den Erwartungen der Umgebung abweichen.
1
Da die Beschreibungen der Persönlichkeitsstörungen im DSM-IV der American Psychiatric Association ausführlicher gefasst sind als im ICD-10, werde ich in der vorliegenden Arbeit den Klassifikationen des DSM-IV-TR in der deutschen Übersetzung von Saß et al. (2003) den Vorzug geben.
Codiert werden Persönlichkeitsstörungen nach dem System der multiaxialen Beurteilung des DSM-IV auf Achse II: Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderungen. Um eine Persönlichkeitsstörung diagnostizieren zu können, müssen alle im DSM-IV aufgeführten allgemeinen Kriterien zum Vorliegen einer solchen Störung erfüllt sein. Das Klassifikationssystem des DSM-IV ordnet die verschiedenen
Persönlichkeitsstörungen in die drei Cluster A (exzentrisch), B (dramatisch, emotional, sprunghaft) und C (ängstlich). Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist dem Cluster B zugeordnet.
3. Was ist die Borderline - Persönlichkeitsstörung (BPS)?
3.1 Geschichte des Borderline-Begriffes
Der Begriff Borderline wurde im Jahre 1938 von dem Psychoanalytiker Adolf Stern geprägt. Er fußt auf der Annahme eines Kontinuums zwischen neurotischen und psychotischen Störungen, welches von Freud als Grundverständnis der Psychoanalyse postuliert wurde. „Der Terminus „Borderline“ meint eine unscharfe und fluktuierende „Grenzlinie“ zwischen diesen beiden Zuständen, also eine Art Übergangsbereich von der Neurose zur Psychose.“ (Bohus, 2002, S. 3). Nach Linehan (1996a) war der Begriff viele Jahre in psychoanalytischen Kreisen verbreitet, um Patienten mit erheblichen Problemen in ihrer Lebensführung zu beschreiben, welche weder eindeutig diagnostisch klassifiziert werden konnten, noch auf konventionelle psychoanalytische Behandlungsmethoden adäquat ansprachen.
In das Klassifikationssystem der American Psychiatric Assoziation wurde die BPS erst mit der dritten Auflage des DSM im Jahr 1980 aufgenommen. (Linehan, 1996a)
3.2 Definition der Störung
Die BPS wird nach dem DSM-IV als Persönlichkeitsstörung im Cluster B klassifiziert und wird somit unter Achse-II codiert.
2
Beschrieben wird die BPS als „ein tiefgreifendes Muster von Instabilität in zwischenmenschlichen Beziehungen, im Selbstbild und in den Affekten sowie von deutlicher Impulsivität.“ (Saß et al., 2003, S.259). Das Erstauftreten der Störung liegt meist im frühen Erwachsenenalter. Um eine BPS diagnostizieren zu können, müssen fünf der folgenden neun Kriterien erfüllt sein:
1. „verzweifeltes Bemühen, tatsächliches oder vermutetes Verlassenwerden zu
2. Ein Muster instabiler, aber intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das
3. Identitätsstörung: ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung,
4. Impulsivität in mindestens zwei potentiell selbstschädigenden Bereichen
5. Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen oder -drohungen oder Selbstverletzungsverhalten
6. Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung (z.B.
7. Chronische Gefühle von Leere
8. Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren
9. Vorübergehende, durch Belastungen ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome.“ (Saß et al., 2003, S. 259-260).
Bohus (2002) beschreibt fünf Problembereiche bezüglich der klinischen Symptomatik von Personen mit einer BPS: Affektregulation, Selbstbild, psychosoziale Integration, kognitive Funktionsfähigkeit, Verhalten.
3
Der Problembereich der Affektregulation scheint im Mittelpunkt der Störung zu stehen. Die Reizschwelle für das Auslösen von Emotionen ist bei Personen mit BPS zum einen sehr niedrig, zum anderen finden ausgelöste Emotionen grundsätzlich auf einem sehr hohen Erregungsniveau statt, welches sich nur sehr langsam wieder auf das Ausgangsniveau herunter regelt. Eine differenzierte Wahrnehmung von Emotionen ist besonders unter Stress kaum möglich. BPS-Patienten erleben widersprüchliche Gefühle, Gefühlswirrwar und Emotionsüberflutungen (Bohus, 2002). Linehan (1996a) spricht von andauernder emotionaler Vulnerabilität, womit auch das bewusste Erleben der eigenen Verletzbarkeit gemeint ist. Da eine Emotion eine Reaktion des gesamten Systems ist, welche die Physiologie, das Ausdrucksverhalten, Kognitionen und Wahrnehmungen umfassen, haben Personen mit einer BPS Regulationsprobleme bezüglich des gesamten emotionsbezogenen Reaktionsmusters. „So sind sie beispielsweise häufig nicht dazu in der Lage, bestimmte mit Wutgefühlen zusammenhängende Reaktionsweisen zu beeinflussen, wie feindseligen Gesichtsausdruck, aggressive Handlungen oder verbale Angriffe.“ (Linehan, 1996a, S. 51). Oft treten sehr starke, viele Stunden anhaltende aversive Zustände der Anspannung ein, die keiner Kategorie von Emotionen zugeordnet werden können. Die Patienten können also nicht mit Gewissheit sagen, ob sie Wut, Schuld, Scham oder Angst fühlen. Zur Lösung dieser Spannungszustände werden von den Betroffenen häufig selbstverletzendes Verhalten und ähnliche dysfunktionale Verhaltensmuster eingesetzt (Bohus, 2002). Weitere Probleme, welche im Zusammenhang mit sehr häufigen und intensiven emotionalen Erregungszuständen auftreten, sind gestörte und unterbrochene Handlungsabläufe mit daraus resultierender Frustration und Desillusionierung, dichotomes Entweder-Oder-Denken sowie körperliche Beschwerden und Vermeidungsverhalten. Die mangelnde Fähigkeit, emotionale Zustände zu kontrollieren, führt bei BPS-Patienten häufig zu einem Gefühl des Kontrollverlustes und einer schwer aushaltbaren Unvorhersehbarkeit der eigenen Reaktionen (Linehan, 1996a).
Einen weiteren Problembereich der BPS-Symptomatik stellt das Selbstbild der betroffenen Personen dar. Gegenüber der eigenen Identität wird häufig ein tiefgreifendes Gefühl der Unsicherheit erlebt. „Auf der phänomenologischen Ebene berichten ca. 70% aller Patienten, daß sie kein sicheres Gefühl dafür hätten, „wer sie wirklich seien“. Etwa die Hälfte erlebt sich als „abgeschnitten von sich selbst“, als „weit entfernt von sich selbst“ oder empfindet es als äußerst unangenehm, „sich selbst ausgeliefert zu sein.“ (Bohus, 2002, S.7). Linehan (1996a) beschreibt außerdem, dass Personen mit einer BPS dazu übergehen, „ihre
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Arbeit zitieren:
Stephan Polowinski, 2009, Die Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Borderline-Persönlichkeitsstörung
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